Ich wollte noch einige Schritte gehen und hatte den Wagen weiter entfernt geparkt. Es war einer dieser Tage, die selbst nicht wussten, wohin… ebenso wie das Licht, das zwischen Dämmerung und Nacht wie gefangen hängen blieb.
Ich ging weiter, ließ den Fluss unter mir zurück und freute mich auf die bevorstehende Abendeinladung. Das Licht im Park wies mir jetzt den Weg.
Eigentümlich leer waren heute die Straßen, die Häuser schienen zu ruhen. Kaum Geräusche, nur in der Ferne ein Zug, als wolle er erinnern und Zeuge sein, dass die Welt da draußen weitergeht, auch wenn man selbst innerlich irgendwie stehen bleibt.
Langsamer als gewöhnlich ging ich; meine Schritte schienen so schleppend und schwer wie mein noch unklar definierter Wunsch, etwas loszulassen, was ich nicht benennen konnte, aber spürte, dass es da war.
Auf einer kleinen Brücke blieb ich stehen und schaute hinunter auf das Wasser. Ein leises Murmeln drang an mein Ohr, als spräche der Fluss von den Schatten des Tages: Sorgen, Nöte, Entscheidungen, Blicke, Erinnerungen. Die spiegelglatte Oberfläche zeigte die letzten Farben des Abendhimmels – wie ein unvollendetes Gemälde.
Ich blickte erneut hinunter auf den Fluss und sah meine Konturen unscharf, wie meine Gedanken und Gefühle. Alles befand sich noch im Schwebezustand, nichts war klar erkennbar. Dieser Augenblick verlangte nach Stille und Aufmerksamkeit, noch keine Entscheidung.
Leise Schritte und Stimmen drangen hinter mir an mein Ohr; ein jüngeres Paar schlenderte durch den abendlichen Park. Ihre Zusammengehörigkeit war spürbar, synchron ihre Bewegungen. Ich erinnerte mich an ebensolche Tage.
Der Wind raschelte im Herbstlaub, ein zarter Duft von leichtem Regen lag in der Luft. Alles fühlte sich unfertig an, wie meine Gedanken. Ich atmete tief ein, so tief, dass mein Atem die Schwere der unten verschütteten Sehnsüchte und Erinnerungen berührte.
Alles war im Fluss: die Zeit, mein Erleben, Erinnerungen, Gefühle. Nichts forderte etwas, zwang mich, nichts hielt mich – und doch war ich dort, wo ich sein musste.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.03.2026.
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Stream of thoughts: Stories and Memories – for contemplating and for pensive moments (english)
von Heinz Werner
Do we know what home is, what does this term mean for modern nomads and cosmopolitans? Where and what exactly is home?
Haven't we all overlooked or misinterpreted signs before? Are we able to let ourselves go during hectic times, do we interpret faces correctly? Presumably, even today we still smile about certain encounters during our travels,
somewhere in the world, or we are still dealing with them. Not only is travveling educating, but each travel also shapes our character, opens up our view for other people, cultures and their very unique challenges.
Streams of thoughts describes those very moments - sometimes longer, sometimes only for a short time - that are forcing us to think and letting us backpedal. It is about contemplative moments and situations
that we all know.
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