Tom war einst der Frauenschwarm in seinem Viertel. Sein muskulöser Körper, sein geschmeidiger Gang, das seidige Fell und die strahlend grünen Augen waren Testosteron pur. Kein weibliches Wesen, gleich ob auf 2 oder 4 Beinen , konnte seinem Charme widerstehen.
Aber Tom war halt auch nur ein Wesen aus Fleisch und Blut, an dem das Alter nicht spurlos vorüber ging. Er wurde älter und monogam. Es gab für ihn nur noch eine wahre Liebe: Anna. Bei Anna gab es das beste Futter, die kuscheligste Kuscheldecke und die intensivsten Streicheleinheiten. Und wie es sich für einen richtigen Macho gehört, verlangte er die Einhaltung des 1. Gebots: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Tom war nicht bereit, die Aufmerksamkeit seiner Anna, mit irgendwem oder irgendetwas zu teilen, schon ganz und gar nicht, mit diesem silbernen Ding, zu dem sein Frauchen sofort sprintete, wenn es klingelte. Alleine schon dieses aufdringliche Geräusch, das das Teil machte, brachte Tom aus der Fassung. Es ging durch Mark und Bein, bis in seine buschige Schwanzspitze. Und dann die Art, wie seine Anna das Teil, fast zärtlich, in der Hand hielt und an ihr Ohr drückte. Wie sie mit dem Ding sprach, statt ihn zu kraulen – widerlich. Einfach nur widerlich.
Als sich Toms silberner Konkurrent wieder einmal bemerkbar machte, rannte er zur Kommode, auf der es lag, verpasste ihm einen heftigen Schlag mit der rechten Pfote, sodass es im hohen Bogen auf dem gefliesten Boden landete und in mehrere Teile zerbrach. Tom blieb in Angriffsstellung davor stehen, als wollte er sagen: “Sei blos ruhig“. Das Handy gehorchte – es war für alle Zeiten verstummt.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2026.
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