Vorwort:
Die Ereignisse in dieser Geschichte spielen nach „Überfall auf die Airfighter-Basis“. Im nächtlichen Green-Stone-Forest findet ein Einbruch in eine für die gesamte Airfighter-Technologie und Weltsicherheit neuralgische Struktur statt, der zwar verhindert werden kann, aber Airforce und CIA vor einem folgenden Einbruch in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Ein brutaler Gegner lauert im Verborgenen und plant einen kompromisslosen Anschlag auf die Airfighter-Technologie mit unabsehbaren, schrecklichen Folgen.
Währenddessen müssen sich Mitglieder des Airfighter-Teams zunächst ganz persönlichen Schicksalsschlägen stellen und werden auf verschiedene Weise von der Vergangenheit eingeholt – um sich überhaupt als Team dem drohenden Angriff stellen zu können und Geschehenes zu akzeptieren, sind Chris, Juan und Manuel auf der Suche nach Klarheit…
Clarity
Für meinen Vater
und für alle anderen Väter,
die schon zu früh gehen mussten…
- 1 -
Unter dem strahlenden Vollmond bietet sich die Ansicht des nächtlichen Green-Stone-Forests.
Zwei Männer in Tarnuniformen schleichen im fahlen Mondlicht durch das Dickicht.
Der vordere liest einen Handscanner ab und flüstert nach hinten zum anderen:
„Noch etwa zehn Meter in diese Richtung.“
Beide gelangen durch das abrupt endende Dickicht an den Rand zu einem großen und tiefen Steinbruch, der – ebenfalls durch das Mondlicht erhellt – nun vor den beiden Getarnten inmitten des Forests klafft und eine sehr große Fläche einnimmt und ebenso gut zehn Meter weiter nach unten reicht.
Der hintere fragt flüsternd: „Schon den Verdacht auf einen getarnten Eingang?“
Der vordere kalibriert unentwegt seinen Handscanner:
„Auf diesem Spektrum empfange ich jetzt leicht erhöhte Energiewerte aus dieser Richtung.“
Beide pirschen sich noch einige Meter weit am Rande des Steinbruchs entlang durch das Dickicht, um dann an der durch den Handscanner angepeilten Stelle langsam in den Steinbuch hinunter zu steigen. Doch schon nach wenigen Metern Abstieg hält der vordere Uniformierte wieder inne:
„Hier ist die Quelle der Emissionen.“
Noch einmal dreht er sich leicht mit dem Handscanner, dann ist er sich sicher:
„Und zwar exakt hier.“
Der Mann tastet mit seiner freien Hand in die Steinwand und plötzlich verschieben sich die Felsen leicht gegeneinander und mit einem leisen Summen öffnet sich ein geheimer Eingang: gleichzeitig zeigt der Handscanner einen schematisch sichtbar werdenden Gang, der hinter der Geheimtür versteckt gewesen ist, indem die Energieemissionen weiter ansteigen.
Den Scanner nach wie vor wie eine Siegertrophäe in den Händen haltend, beginnt der vordere Getarnte breit zu grinsen und will gerade seine Lorbeeren ernten und erneut das Wort ergreifen, da wird er von einem versteckten Sensor einmal komplett abgetastet – insbesondere seine Retina wird innerhalb von einer Sekunde detailliert gescannt.
Sein triumphierendes Lachen ist verschwunden, als der Mann, erschrocken und wie auf frischer Tat ertappt, stammelt: „Das System hat mich komplett eingescannt! Aber unsere Dossiers sind ja vollständig aus allen Regierungsakten gelöscht.“
Der hintere knurrt: „Trotzdem werden sie über den Retina-Scanner früher oder später Informationen über dich ausgraben können.“
Der vordere will sich noch retten: „Aber wenn wir verhindern, dass sie Spuren meiner DNA finden, dann können wir...“
Der hintere hat hinter seinem Rücken eine kleine, metallisch glänzende Waffe gezogen:
„In der Tat, wir werden sicherstellen, dass sie nicht den kleinsten Rest deiner DNA finden werden!“
Sofort drückt der Mann die Waffe ab, und grell und brutal zuckende Elektroblitze umhüllen innerhalb von Sekundenbruchteilen den vorderen Uniformierten: der Mann schreit auf, beginnt unkontrolliert zu zucken, seine Lippen platzen und seine Augäpfel explodieren, bis er innerhalb von nur wenigen Sekunden erst verbrannt und dann komplett eingeäschert worden ist.
Der hintere blickt sich kurz um, um sicherzustellen, dass er nicht entdeckt worden ist:
„Asche auf dein Haupt, Soldat!“
Dann klettert der Uniformierte hastig wieder aus dem oberen Teil des Steinbruchs hinaus und flüchtet in den dichten Forest zurück, wo er ohne jegliche Spur verschwindet.
- 2 -
Am nächsten Morgen bietet sich strahlender Sonnenschein vom wolkenfreien blauen Himmel, unter dem der grün bewachsene Green-Stone-Cemetry von einer leichten Windbrise überzogen wird, die die grünen Büsche andächtig ruhig rauschen lässt. Auf einer perfekt gepflegten Rasenfläche steht Chris zusammen mit weiteren in schwarze Anzüge Gekleideten vor einem glänzend weißen Grabstein, indem ein daneben stehender Pfarrer eine Rede hält; ein paar Reihen weiter hinten stehen Jessica, Bill, Juan und Manuel sowie in nächster Reihe Dave, Pam, John, Ned und Mike; noch weiter hinten stehen Captain Carter und einige Polizisten sowie weitere Airforce-Offiziere, und auch Juans komplette Jungendgruppe steht weiter hinten. Chris bleibt noch eine Zeit lang nach der Trauerrede vor dem Grabstein stehen, auf dem der Name „Charles Hawk“ zu lesen ist. Dann legt ihm Bill, der an Chris herangetreten ist, von hinten seine Hand auf die Schulter und beide gehen langsam an der Kapelle vorbei in Richtung Ausfahrt des Cemetrys, wo auch die übrigen Trauernden stehen und in alle möglichen Gespräche mit gedämpften Stimmen verwickelt sind.
Auch Jessica, Juan, Manuel, Dave, Pam und John stehen hier.
Manuel: „Tut mir sehr leid für Chris.“
Dave: „Ja, mir auch – aber Chris´ Vater war schon seit Jahren krank und daher war es irgendwann leider nur noch eine Frage der Zeit.“
Juan: „Er hat mir nie wirklich viel über seinen Vater erzählt.“
Jessica: „Das hat er dem ganzen Team gegenüber nicht: ich glaube, die beiden hatten nicht mehr viel miteinander gesprochen.“
Manuel: „Du meinst, sie waren zerstritten?“
Jessica: „Nein, nichts so Ernstes – aber irgendwie wohl keine wirklich gemeinsame Gesprächsbasis mehr.“
Dave: „Ja, ich weiß, dass Chris´ Vater ihn damals nach dem College gern in einer akademischen Karriere gesehen hätte.“
John grinst seinen Vater Dave an: „So wie dich?“
Dave: „Ja, ich glaube, er hat immer damit gerechnet, dass Chris und ich zusammen ein Institut gründen oder ähnliches.“
Pam umarmt Dave: „Ihr wart ja auch seit der High School ein echtes Dream Team, was eine mögliche Karriere anging.“
Dave lacht, in schönen Erinnerungen schwelgend.
Juan: „Doch dann ging Chris zur Airforce.“
Dave: „Das hat seinen Vater, glaube ich, immer enttäuscht.“
Jessica: „Das tut mir leid für Chris – und für seinen Vater.“
Manuel blickt Juan mit einem tiefgehenden Blick an:
„Was ist wohl trauriger: wenn der Sohn den Vater enttäuscht oder umgekehrt?“
Juan erwidert Manuels tiefgehenden Blick.
Jessica: „Ich hoffe nur, Chris kann jetzt damit Frieden schließen – und mit seiner Familie. Denn nach dem Tod seiner Frau Jenny damals, war er aus dem Team ausgestiegen und wollte auch nicht mehr zurück.“
Juan, verstehend lächelnd: „Das Leben führen, das sein Vater sich für ihn gewünscht hätte.“
Jessica nickt: „Wird wahrscheinlich so gewesen sein.“
Manuel: „Meinst du, Chris würde jetzt endgültig der Airforce den Rücken kehren und sich aus unserem Team verabschieden?“
Jessica: „Ich hoffe inständig nicht...“
- 3 -
In einem von grünem Gestrüpp und Moos überwucherten, vereinzelt von Felsgestein durchzogenen Talkessel liegt ein ausgemusterter, aber noch immer schwer gepanzerter Militärbunker. Der Mann in der Tarnuniform der letzten Nacht ist soeben durch die metallene, rostige Schutztür in das große Innere dieses Bunkers zurückgekehrt, das eine große, in Fels geschlagene Halle darstellt, in deren Mitte sich eine recht moderne Wendeltreppe elegant zu ihrem oberen Ende hinauf schraubt, wo auf einer Plattform direkt am Rande der Felsenhalle eine kleine Wohneinheit befindet, bestehend aus Schreibtisch mit PC, Schlafpritsche, Kühlschrank, Waschecke und aufgehängtem Sandsack, neben dem zwei Hanteln liegen. Der Mann eilt die Wendeltreppe hinauf, wo aus seiner Sicht am oberen Ende ein kräftiger Mann mit muskulösen Armen in die Ansicht wächst, der sich gerade vom Sandsack zu dem herauf Eilenden umdreht: „Bericht, Lieutenant!“
Der oben Angekommene steht stramm: „Wir konnten bis zum Zielobjekt vordringen, Sergeant, doch dann ist Lieutenant Murphy von einem Scanner erfasst und abgetastet worden.“
Der Sergeant neigt seinen Kopf in einer herausfordernden Geste zur Seite.
Der andere fährt fort:
„Es wird keinerlei DNA zu untersuchen geben: ich habe Murphy thermolysiert.“
Der Sergeant kneift seine Augen mit kaltem Funkeln zusammen.
Der andere schließt mit den Worten:
„Wie Sie sagen, Sergeant: kein Platz für Fehlschläge unter Ihrem Kommando.“
Der Sergeant hebt seinen Kopf, wie zu einem Todesstoß ansetzend: „Genau so ist es, Lieutenant.“
Der Lieutenant kann noch kurz sein Gesicht, von der bösen Erkenntnis getroffen, verziehen, da hat der Sergeant schon blitzschnell mit seinem muskulösen Arm zu einem so brutalen und kräftigen Schlag ausgeholt, dass der Lieutenant nach dem blutend aufplatzenden Fausttreffer in seinem Gesicht rückwärts die gesamte Wendeltreppe Stufe für Stufe hinunter stürzt und dabei immer wieder auf brutale Weise und unkontrolliert aufschlägt, wobei immer mehr Blut spritzt, während der Sergeant mit dem Blick eines Vollstreckers und mit festen Schritten die Wendeltreppe im gleichen Tempo hinter dem Stürzenden her nach unten schreitet. Alle Uniformierten in der Felsenhalle blicken erstarrt auf das Szenario. Als der Lieutenant endlich am unteren Ende der Wendeltreppe final mit einem blutigen Aufprall auf den Boden schlägt, tritt der Sergeant schon von den letzten Stufen aus an ihn heran: „Keine Fehlschläge, Lieutenant, unter meinem Kommando.“
Der Sergeant springt hoch und landet brutal mit einem Knie auf dem Brustkorb des Lieutenants und mit einer Faust auf der Stirn: mit einem letzten verstummenden Aufschrei, der in einer Blutfontäne aus dem Mund erstickt, bleibt der Lieutenant blutüberströmt mit offenen Augen reglos in der Halle liegen. Der Sergeant ist sofort wieder auf den Beinen und blickt einmal allen Uniformierten um ihn herum fest in die Augen, indem er sich die Handknöchel leicht massiert:
„Ich erwarte einen neuen Vorstoß-Trupp, der nicht versagt!“
- 4 -
Hinter dem großen Fenster, das direkt in den schönen grünen Wald weist, sitzt Jessica hinter dem Schreibtisch in ihrer Kanzlei und ist in Akten vertieft. Da sieht sie draußen, wie auf dem Parkplatz Luke Rimes in einem schicken, glänzend schwarzen offenkundigen Dienstwagen der CIA vorgefahren kommt. Gespannt wartet Jessica, in ihrem Bürostuhl zurück gelehnt ab, was Luke mit ihr besprechen möchte.
Nachdem Luke Rimes am Eingang der Kanzlei in Empfang genommen worden ist, folgt er dem gewiesenen Weg in Jessicas Büro, das er nach höflichem Anklopfen betritt.
Luke: „Ich bitte Sie die Störung bei der Arbeit zu entschuldigen, Anwältin Ricks.“
Jessica lächelt: „Agent Rimes, wenn Sie schon hierher kommen, muss es sich um etwas Wichtiges handeln.“
Luke erwidert das Lächeln, indem er sich Jessica gegenüber auf den freien Stuhl setzt und seine Hände faltet: „In der Tat ist an die CIA eine alarmierende Situation herangetragen worden, die das Airfighter-Team nicht weniger betreffen dürfte.“
Jessica, grinsend:
„An die CIA herangetragen? Meinen Sie nicht eher, durch die CIA ausgemacht worden?“
Luke lächelt noch breiter: „Es geht um einen versuchten Einbruch in die Ingenieurszentrale der Airfighter-Technologie – Bill Smiths Geburtsstätte des Airfighter-Prototypen!“
Jessica wird sofort ernst und widmet Lukes Ausführungen ihre ganze Aufmerksamkeit, indem sie die Akten auf den Schreibtisch sinken lässt.
- 5 -
Am südlichen Rande von Green-Stone-Town liegt ein schickes Anwesen, umgeben von grünem, sehr gut gepflegtem Rasen und ruhigen, ebenfalls schick gepflegten Seitenstraßen.
Im Innern befindet sich noch ein großer Teil der Trauergemeinde vom Cemetry beim Kaffeetrinken. Chris steht allein im Wohnzimmer am anderen Ende der Diele und starrt mit einer Tasse Kaffee in der Hand durch das große Panoramafenster nach draußen auf den grünen Rasen. Wieder einmal tritt Bill von hinten an ihn heran und klopft ihm auf die Schulter: beide tragen nach wie vor ihre schwarzen, schicken Anzüge. Chris dreht sich langsam zu Bill, sein Blick wirkt aber in weiter Ferne befindlich.
Bill: „Alles gut?“
Chris: „Es erscheint mir alles so unwirklich, Bill.“
Bill: „Lass dir Zeit, Chris.“
Chris: „Auch wenn wir es lange kommen sahen, war es dann doch auf einmal so unwirklich. Und jetzt ist einfach alles vorbei.“
Bill sieht Chris abwartend und einfach zuhörend tief in die Augen.
Chris: „Auf der einen Seite ist es jetzt beruhigend, auf der anderen Seite so vieles einfach unfertig, weißt du?“
Bill nickt verständnisvoll: „Auf jeden Fall. Ich verstehe dich absolut. Und es ist genauso, wie du es sagst.“
Chris trinkt einen weiteren Schluck Kaffee und blickt wieder über den grünen Rasen aus dem Panoramafenster hinaus.
Bill, mit aufforderndem Tonfall: „Lass uns nachher eine Runde joggen – was hältst du davon?!“
Chris: „Sehr gute Idee!“
Chris schenkt Bill ein Lächeln:
„Sobald ich es ermöglichen kann, muss ich raus und mich bewegen!“
Bill: „Deine Angehörigen warten bestimmt nebenan auf dich.“
Chris: „Ja.“
Bill blickt Chris nach, indem dieser zu den anderen Trauernden zurückkehrt: Bill bemerkt die latent unterkühlte Beziehung, die im Raum liegt. Dann folgt er Chris.
- 6 -
Juan und Manuel befinden sich bereits in der Airfighter-Computerzentrale zusammen mit Ned Burton, als sie auf dem Bildschirm der Überwachungskamera in der Löwenstatue sehen, wie Jessica mit ihrem Auto in der Einfahrt vorfährt und zusammen mit Agent Rimes aussteigt: beide begeben sich auf direktem Wege in die Computerzentrale.
Jessica informiert Juan, Manuel und Ned: „Die alarmierende Situation, die eingetreten ist, ist, dass es wohl einen versuchten Einbruch in die Ingenieurszentrale der Airfighter-Technologie gegeben hat, wie die CIA informiert worden ist.“
Ned ergänzt: „Wir sind bereits dabei, das Umfeld abzusuchen, indem wir scheinbar routinemäßige Überflüge mit Airforce-Gleitern am heutigen Tage über dem Green-Stone-Forest durchführen.“
Juan: „Die Ingenieurszentrale ist tatsächlich irgendwo im Forest getarnt – aber auch ich bin bisher noch nie dort gewesen.“
Jessica: „In der Tat wird sie nach wie vor von Bill Smith unterhalten, der den Airfighter-Prototypen damals entwickelt hat; außerdem wird das Programm von der Regierung unterstützt und ist als top secret eingeordnet: ein Zusammenwirken von Privatinvestition und Staatsunterfangen.“
Agent Rimes: „Faszinierend, dass es bisher noch keinen Anschlag auf Green-Stone-Town gab mit dem Ziel, diese Ingenieurszentrale einzunehmen!“
Jessica: „Weil sie offiziell nicht existiert und die offizielle Verlautbarung auch die ist, dass Airfighter das einzige Fabrikationsstück dieser Technologie darstellt.“
Manuel: „Dann sollten wir mit Mister Smith unbedingt einmal sprechen, Jessica!“
Jessica grinst: „Genau das ist der Plan, Manuel, denn für heute Nachmittag steht schon wieder unser wöchentliches Treffen an – wir werden ihn in seiner Wohnung besuchen!“
Juan lächelt: „Immer wieder nett diese Besuche!“
Manuel freut sich, dass er miteingeladen worden ist: „Ich begleite euch gerne!“
Luke: „Bitte halten Sie mich dann später auf dem Laufenden, wie der Stand der Dinge ist!“
Ned: „Ich übernehme solange die Airfighter-Basis, um in Bereitschaft zu sein!“
Jessica hat Luke bestätigend zugenickt und wendet sich an Ned:
„Danke, Ned, dann haben wir alles im Blick!“
- 7 -
Bill hat Chris nach dem Kaffeetrinken und weiteren Absprachen mit den Angehörigen in seinem Dienstwagen ans andere Ende von Green-Stone-Town mitgenommen, wo sie jetzt am Beginn eines schönen Waldweges parken: rings um sie herum ist überall das idyllische Grün der Natur zu sehen. Bill und Chris haben beide ihre Jackets und Krawatten auf der Rückbank liegen und sind nur noch in Hemden gekleidet.
Chris: „Danke fürs Rausfahren, Bill.“
Bill lächelt: „Aber gern.“
Bill versucht in Chris´ Blick zu lesen: „Möchtest du schon reden?“
Chris´ Blick schweift in den grünen Wald ab.
Bill: „Ich weiß genau, was dieser Blick bedeutet.“
Chris sieht wieder Bill an.
Bill grinst verständnisvoll und nickt:
„Ich renne hinter dir her – wir treffen uns schon wieder, wenn du fertig bist!““
Christ lächelt zurück: „Danke dir.“
Chris steigt aus und zieht sich das Hemd und die Anzughose aus: nur noch mit der schon vorausschauend getragenen Sport-Shorts bekleidet, rennt Chris dann querfeldein in den Wald los.
Bill lächelt hinterher: „Ich trage auch immer Sport-Klamotten unter meinen Anzügen.“
Bill holt seine Sporttasche von der Rückbank des Dienstwagens und zieht sich um, um Chris nachzulaufen.
Chris rennt zunehmend schneller mitten durch das Gebüsch, überspringt dabei einfach im Wege befindliche Äste und stützt sich auf quer liegenden Wurzeln ab, rollt sich einen kleinen Hang hinunter, um unten wieder in den Stand und sofortigen vollen Lauf zurückzuspringen und gelangt schließlich auf eine kleines Plateau, das sich über einem schönen Natursee erhebt: mit vollem Tempo überquert Chris die Oberseite und springt dann in unvermindertem Tempo kopfüber nach unten in den See. Nach einer langen und pfeilschnell zurückgelegten Tauchstrecke schwimmt er einmal mitten durch den See und bleibt dann am anderen Ufer außer Atem einfach im von der Sonne aufgewärmten Wasser liegen. Nur wenige Sekunden später trifft Bill ebenfalls hier ein, der in nicht viel langsamerem Tempo hinter Chris her gelaufen ist, aber den trockenen Fußweg ans Seeufer bevorzugt hat.
Lächelnd streckt er Chris die Hand aus.
Chris: „Willst du dich nicht lieber dazulegen?“
Bill verzieht sein Gesicht: „Viel zu nass, mein Freund!“
Chris nimmt die Hand lächelnd an.
- 8 -
Jessica, Juan und Manuel sind mit Jessicas Auto zum nördlichen Ende von Green-Stone-Town gefahren, wo sie jetzt in einer ruhigen Seitenstraße vor dem schicken Haus Bill Smiths parken.
Manuel: „Sehr idyllische Nachbarschaft.“
Juan: „Das wünsche ich mir auch für meinen Ruhestand.“
Jessica: „Hey, im Hinblick auf den Ruhestand bin ich aber zuerst dran!“
Juan grinst Jessica zu.
Sie gehen um das Haus herum auf die Rückseite, wo sich das schöne von Grün überzogene Grundstück mit vielen bunt blühenden Sträuchern und Bäumchen bis zum Waldrand hin erstreckt. In Hausnähe sitzt Bill Smith bei einer Tasse Kaffee in einer gemütlichen Sitzecke mitten im Garten, halb umrundet von einer eleganten, kleinen Steinmauer.
Jessica streckt Bill sofort die Hand entgegen: „Hallo Bill – schön, dich wiederzusehen!“
Bill nimmt Jessicas Hand sofort entgegen:
„Wie jede Woche ist es mir ein großes Vergnügen, Jessica.“
Bill begrüßt auch Juan und wird dann Manuel vorgestellt, der Bill ebenfalls mit strahlendem Lächeln begrüßt. Bill ist sein mittlerweile fortgeschrittenes Alter deutlich anzumerken, da er nicht mehr der Schnellste ist und auch das Aufstehen ihm nicht mehr so leicht fällt.
Bill: „Dann schlage ich vor, sehen wir uns die Ingenieurszentrale direkt an!“
Juan, der Bill beim langsamen Aufstehen zugesehen hat: „Sie liegt im Forest, richtig?“
Bill nickt.
Juan: „Wie kommen wir am besten dorthin?“
Bill grinst, indem er, sich auf einem Rollator abstützend, langsam über den gepflasterten Gartenweg durch das blühende Grün in Richtung seiner Terrassentür geht: „Ich für meinen Teil werde einen Crosslauf machen, um mein heutiges Sportpensum zu erfüllen. Wie steht´s mit eurer Fitness?“
Manuel zeigt sofort ein erstauntes und erfreutes Lachen über das ganze Gesicht, auch wenn er nicht ganz versteht.
Juan blickt Jessica mit sich wunderndem Blick an, indem Jessica mit einem wissenden Grinsen antwortet. Da kehrt Bill aus seinem Wohnzimmer zurück nach draußen auf die Terrasse und steckt jetzt in einer Art von Trainingsanzug, der überall an seinen Gelenken durch manschettenähnliche Vorrichtungen befestigt ist und diese stabilisiert. Auf einen Knopfdruck hin, beginnt der Anzug, der von zahlreichen elektrischen Leitungen durchzogen ist, leise zu summen, und plötzlich steht Bill aufrichtig und stabil ohne jegliche Gehhilfe da.
Bill grinst herausfordernd: „Wollen wir?!“
Jessica grinst zurück: „Nach dir, Bill – aber nimm etwas Rücksicht auf uns!“
Erneut summt der computerisierte Physio-Anzug auf, und schon sprintet Bill los über die große Wiese, stützt sich auf seinem Zaun ab, springt einfach drüber und rennt querfeldein in den Green-Stone-Forest: Manuel und Juan, die beide vor schierer Begeisterung strahlend lachen, rennen zusammen mit Jessica hinterher.
Manuel: „Das beste Workout seit Langem!“
- 9 -
Bill und Chris sitzen zusammen am Ufer des idyllischen Natursees, indem der warme Sommerwind wie eine leichte Brise durch die grünen Blätter der Bäume und Büsche streicht.
Bill, verständnisvoll nachforschend: „Es bedurfte keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zu erkennen, dass das Verhältnis zwischen dir und deinem Vater etwas unterkühlt war.“
Chris nickt, indem er Bill einen offenen Blick erwidert: „Meinem Vater wäre wohl lieber gewesen, ich hätte eine akademische Laufbahn weiter eingeschlagen nach meinem erfolgreichen Studium.“
Bill: „Eltern haben oft andere Pläne für ihre Söhne und Töchter, die wiederum ihren eigenen Weg gehen.“
Chris: „Ja, das stimmt. In diesem Fall hätte es nur genauso gut auch so laufen können – es sah ja auch zunächst danach aus.“
Bill: „So wie bei Dave, der nach eurem Studium weiter in die Wissenschaft gegangen ist.“
Chris: „Ja genau, und dann ist sogar Daves Sohn John mit in das Institut eingestiegen.“
Bill;: „Ich denke, dein Vater war aber trotzdem stolz auf dich, dass zu zunächst zur Army gegangen warst – Airforce-Pilot wird auch nicht jeder.“
Chris: „Ich denke schon – aber ich hätte bei Zeiten die Uniform wieder ablegen sollen, als ich meiner Pflicht genüge getan hatte.“
Bill: „Und dann kam das Angebot durch die Regierung, Bill Smiths Airfighter-Prototypen zu fliegen und damit der Regierung wieder zur Verfügung zu stehen.“
Chris: „Das war die entscheidende Weichenstellung in meinem Leben.“
Bill: „Und danach hast du entscheidende Beiträge für die Weltsicherheit geleistet!“
Chris: „Das war, denke ich, auch nicht, was die Kluft zwischen meinem Vater und mir ausmachte.“
Bill: „Sondern?“
Chris: „Mein Vater hat früher selbst eine Zeit lang in der Army gedient und hat nach seinem Austritt alles hinter sich gelassen und hat auch nie mehr darüber geredet.“
Bill: „Ich verstehe. Und dann verpflichtest du dich dem Airfighter-Programm.“
Chris: „Ich habe immer befürchtet, dass ich meinen Vater damit ein Leben lang enttäuscht habe, weil er für mich ein Leben außerhalb der Army vorgesehen hatte.“
Bill: „Und dein Studium hatte eigentlich genau diesen Weg geebnet.“
Chris: „Ja. Und ich frage mich, ob er sich für mich einfach dieses bessere Leben gewünscht hatte.“
Bill: „... was du in den Wind geschlagen hattest.“
Chris lässt seinen Blick über den schönen See schweifen:
„Ich habe erkannt, dass ich nicht aufhören kann darüber nachzudenken, bis ich Klarheit habe.“
Bill legt Chris die Hand auf die Schulter:
„Vielleicht musst du lernen, mit der Zeit loszulassen und enttäuschte Hoffnungen zu vergeben.“
Chris wendet seinen Blick plötzlich in eine ganz bestimmte Richtung zum Horizont:
„Ich glaube, ich weiß, wo ich Klarheit finden kann, Bill!“
Bill blickt Chris erwartungsvoll an.
Chris: „Würdest du mich begleiten?“
Bill, lächelnd: „Das brauchst du nicht zu fragen.“
- 10 -
Bill Smith hat Jessica, Juan und Manuel querfeldein durch den Green-Stone-Forest zu dem Steinbruch geführt, der sich wie ein tiefes Tal mitten im Wald erstreckt und auf beeindruckende Weise am Ende des grünen Dickichts in seiner vollen Größe aufgetaucht ist.
Bill geht voran und steigt die ersten Felsen hinunter: dank seines computerisierten Physio-Anzuges für ihn überhaupt kein Problem mehr.
Juan und Manuel blicken ihm gespannt abwartend hinterher, während Jessica den beiden einen grinsenden, wissenden Blick zuwirft.
Plötzlich verschwinden Bills Füße und sofort auch die Beine, und Bill wird mit jedem weiteren Schritt nach unten von seinen Füßen an nach oben zusehends unsichtbar, bis er vollkommen verschwunden ist.
Manuel staunt nicht schlecht: „Krass!“
Juan versteht: „Eine Tarnanlage?“
Jessica: „Exakt, auf holographischer Basis.“
Da kommt Bill zusammen mit einem jungen Mann im weißen Ingenieurskittel zurück aus der getarnten Anlage, indem beide, die Felsen empor tretend, vom Kopf an abwärts immer weiter sichtbar werden.
Bill: „Erlauben Sie mir, dass ich Ihnen Doctor Jaku vorstellen darf? Er ist der Chefingenieur in der Airfighter-Entwicklungsabteilung.“
Dr. Jaku reicht Jessica, Juan und Manuel mit einem freundlichen und strahlenden Lächeln die Hand: „Dritan Jaku.“
Sogleich kommt Dr. Jaku aber auf den besorgniserregenden Punkt:
„Sehen Sie sich bitte folgendes an.“
Jessica, Juan und Manuel folgen Bill und Dr. Jaku wieder ein paar Schritte schräg nach oben in die Felsen, wo sich Dr. Jaku zu einigen Ascherückständen bückt:
„Gestern Nacht registrierte unsere automatische Überwachung einen unidentifizierten Sensorenkontakt genau hier. Als unser Wachpersonal zwei Minuten später eintraf, war dies das einzige, was sie finden konnten.“
Manuel: „Ein Häufchen Asche?“
Dr. Jaku: „Da wir es für unwahrscheinlich halten, dass hier jemand ein Lagerfeuer aufgeschlagen hatte, haben wir eine Probe schon zu Dave und John Monroe ins Institut geschickt.“
Bill schaltet einen kleinen, tragbaren Bildschirm ein, den er beim Eintreffen von Dr. Jaku übergeben bekommen hat. Auf dem Bildschirm erscheint der Videobericht Daves aus seinem Institut; im Hintergrund arbeitet John weiter an der Analyse:
„Bisher können wir schon mit Sicherheit sagen, dass es sich aufgrund der Mineral-Zusammensetzung um die Überreste eines menschlichen Körpers handeln muss – allerdings in extrem fortgeschrittenem Oxidationszustand.“
Juan keift seine Augen fragend zusammen.
Dr. Jaku ergänzt: „Höchstwahrscheinlich vollständig verbrannt.“
Juan: „Also möglicherweise sofort eliminiert worden?“
Dr. Jaku: „Das vermuten wir.“
Jessica: „Trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass Informationen weitergegeben werden konnten oder es noch einen zweiten Eindringling gegeben hat, der entkommen ist.“
Bill nickt: „Genau das ist das Problem, Jessica.“
Auf seinem tragbaren Bildschirm erscheint das in der letzten Nacht abgetastete Bild des eingeäscherten Eindringlings.
Jessica: „Unser Unbekannter?“
Bill: „Exakt.“
Dr. Jaku: „Doch ohne DNA-Spuren für einen genetischen Fingerabdruck haben wir keine Chance mehr.“
Juan: „Wir können über die Airfighter-Zentrale auf jeden Fall einmal einen weltweiten Profilabgleich zumindest mit diesem Foto vornehmen.“
Bill nickt: „Vielleicht gibt es zufällig einen Treffer.“
- 11 -
Bill Brown und Chris sind mit einem Hubschrauber auf einer Lichtung im Green-Stone-Forest gelandet, dessen grüne Baumwipfel sich von hier aus in alle Richtungen bis an den Horizont erstrecken. Sie stehen direkt vor einem großen und nicht unbekannten Plateau, auf das sie ein schmaler Pfad hinaufführt. Auf der Oberseite, wo das bekannte Lager eines Stammes der Green-Stone-Natives aufgeschlagen ist, tritt ihnen der Stammesälteste mit den langen, weißen Haaren mit einem breiten und wissenden Lächeln entgegen. Chris und Bill werden nacheinander in der traditionellen Weise vom Stammesältesten willkommen geheißen, und beide erwidern den Gruß und nehmen die Begrüßung respektvoll an.
Der Stammesälteste lächelt Chris an: „Du bist hier, weil du Klarheit suchst, Chris?“
Chris lächelt ebenfalls: „Wie immer brauche ich dir erst gar nichts zu erklären.“
„Da hast du Recht. Und hier kann ich dir helfen, den Weg zu deiner eigenen Klarheit zu beschreiten – aber finden kannst du sie nur ganz allein, Chris.“
Chris nickt dankbar: „Ich verstehe – und ich danke dir.“
Jetzt geht das Lächeln des Stammesältesten in ein Grinsen über: „Und außerdem konnte ich dir schon ansehen, dass du es sehr eilig haben musst, Klarheit zu finden.“
Chris schaut einmal an sich herunter, indem er jetzt erst wieder realisiert, dass er seit dem Schwimmen immer noch nur in Boxershorts bekleidet da steht: jetzt beginnt auch Chris zu grinsen, ebenso wie Bill, der direkt daneben steht.
- 12 -
In der Felsenhalle des getarnten Militärbunkers tritt gerade ein Lieutenant in Tarnuniform am oberen Ende der metallenen Wendeltreppe dem Sergeant entgegen, der eifrig und mit koordinierten Schlägen den Sandsack bearbeitet.
„Mein Trupp ist zum Vorstoß bereit, Sergeant – sowie die Sonne untergegangen ist!“
Nach einem weiteren festen Schlag in den Sandsack dreht sich der kräftige Sergeant zu dem Lieutenant um: „Sehr gut, Lieutenant – und ich erwarte diesmal eine in vollem Umfang erfolgreiche Mission!“
„Aye, Sir!“
- 13 -
Über das große Flachdach des steinernen Hauses am hinteren Ende des Plateaus sind Chris und Bill dem Stammesältesten in die Höhle gefolgt, die sich im Inneren des großen Berges befindet, in den das Plateau übergeht. Überall verzieren die prunkvollen Schätze die Höhle und reflektieren den flackernden Lichtschein des inmitten der großen Höhle brennenden Lagerfeuers. Chris, Bill und der Stammesälteste nehmen um das Lagerfeuer herum Platz und schließen auf Anweisung des Stammesältesten hin die Augen.
Der Stammesälteste lächelt: „Hier wirst du Klarheit finden, Chris.Und dabei bist du nicht allein.“
Bill blickt noch einmal kurz zu Chris, der offenbar schon in die meditative Phase übergeht.
Chris findet sich in der Wohnung seiner Eltern in Green-Stone-Town wider: durch die Fenster scheint das Sonnenlicht unnatürlich hell, sodass draußen das Grün des schönen Gartens fast überblendet wird – trotzdem blendet das Licht Chris nicht. Chris findet sich überrascht umgekleidet wieder: er trägt wieder die schwarze Hose seines Anzuges von der Trauerfeier, aber dazu ein strahlend weißes Hemd.
„Schön, dass du noch einmal zu Besuch vorbeigekommen bist, Chris.“
Chris dreht sich um, als er die ihn von hinten ansprechende Stimme erkannt hat: vor ihm steht sein Vater, der seine einfache, zu Gartenarbeiten benutze Kleidung trägt.
Chris nimmt den Anblick tief in sich auf: „Hey, Dad.“
„Bist du nicht zu beschäftigt zur Zeit?“
Chris: „Das war ich wohl häufig?“
Chris´ Vater lächelt: „Das bist du gerade doch eigentlich auch wieder.“
Chris: „Zur Zeit weiß ich das gar nicht so recht, um ehrlich zu sein, Dad.“
„Habt ihr nicht gerade erst den Krieg in Metro-City zu einem Ende gebracht?“
Chris: „Das ist gerade nicht wichtig, Dad.“
Chris´ Vater blickt ihn offen und fragend an: „Was ist dir denn gerade wichtig, Chris?“
Chris antwortet mit klarem Blick: „Ich möchte mich von dir verabschieden, Dad.“
Chris Vater lächelt erneut: „Hast du denn vor, aus Green-Stone-Town wegzugehen?“
In Chris´ Augen sammeln sich langsam die Tränen an:
„Du bist fortgegangen, Dad – du bist gestorben.“
„Aber wie kommst du darauf, dass ich deshalb fortgegangen sei?“
Chris rollen die Tränen langsam aus den Augen: „Weil du nicht mehr hier bist, Dad.“
„Aber wir reden doch gerade miteinander.“
Chris fasst seinen Vater bei den Händen: „Aber das hier ist nur eine Vision.“
„Deine Vision, mein Sohn.“
„Richtig, Dad – hier kannst du noch da sein.“
„Irrtum, mein Sohn – so wie hier bin ich immer da, ich bin nie weggegangen.“
Chris: „Aber wo bist du dann jetzt, wenn du nicht weggegangen bist?“
„Genau da, wo ich jetzt auch bin – immer bei dir, mein Sohn. Und niemals auch nur einen Meter weiter weg.“
Chris beginnt zu weinen: „Aber ich dachte immer, du seist enttäuscht davon, dass ich zur Airforce zurückgekehrt bin.“
„Nein, mein Sohn – ich war niemals enttäuscht von dir. Ich war enttäuscht von mir selbst, ob ich dich vielleicht auf diesen Weg gebracht habe, der mir selbst viele Erfahrungen gebracht hat, die ich für immer vergessen möchte. Tatsache ist, dass ich auf dich sehr stolz bin und auf das, was du bewirkst – zusammen mit deinem Team. Und dort gehörst du weiter hin!“
Chris ist überglücklich und spürt, wie ihm diese Erkenntnis eine schwere Last von der Seele nimmt. Er und sein Vater umarmen sich, indem von draußen der verklärende Sonnenschein die Wohnung allmählich überblendend erhellt.
Zurück in der Höhle öffnet Chris seine Augen, in denen auch hier die Tränen stehen.
Der Stammesälteste lächelt Chris wissend an: „Nun hast du deine Klarheit gefunden, Chris.“
Chris lächelt glücklich und dankbar: „Ja, das habe ich – ich danke dir vielmals.“
Dann dreht sich Chris zu Bill: Bill lächelt erleichtert zurück, als er in Chris´ Blick sieht, dass dieser seine Antworten gefunden hat. Dann umarmen sich Bill und Chris.
- 14 -
Jessica, Manuel, Juan und Bill Smith sind zur Airfighter-Basis zurückgekehrt und befinden sich zusammen mit Ned in der Computerzentrale, wo die geplante Online-Suche der internationalen Kriminal-Dossiers gestartet wird. Luke Rimes ist vom CIA-Hauptquartier aus über Bildfunk dazugeschaltet.
Unerwartet geht ein Anruf vom Main Policedepartment ein.
Computer: „Der Anruf kommt direkt von Captain Carter.“
Jessica: „Schalte ihn bitte direkt hierher durch!“
Auf einem weiteren Bildschirm in der großen Kontrollwand erscheint Captain Carters Gesicht: „Verzeihen Sie die unerwartete Störung, aber dies hier ist eine wichtige Mitteilung für Sie beiden.“
Carter sieht dabei Juan und Manuel direkt an.
Juan: „Ok?“
Carter: „Ich vermute, eher privater Natur. Vielleicht möchten Sie die Nachricht diskret in Empfang nehmen?“
Manuel verzieht sein Gesicht fragend: „Ich bitte Sie, Captain!“
Carter: „Ich sage Ihnen genauer, es geht um eine familieninterne Angelegenheit.“
Manuel zeigt einen völlig entgleisten Blick.
Juans Blick zeigt, dass er eine Ahnung hat: „In Ordnung, Captain. Wir melden uns gleich zurück.“
Carter nickt, bevor der Bildschirm erlischt.
Juan: „Wir nehmen die Nachricht drinnen entgegen.“
Manuel folgt Juan, allmählich auch etwas ahnend.
Jessica, besorgt: „Hey, alles gut?“
Juan blickt ihr fest in die Augen: „Um ehrlich zu sein, weiß ich das noch nicht – aber ich verspreche dir, wir werden über alles reden. Nachher.“
Jessica nickt Juan verständnisvoll, aber nach wie vor besorgt zu.
Juan und Manuel verlassen die Computerzentrale und begeben sich über das große Grundstück ins Hausinnere und hinauf in die noch neue zweite Etage durch die schicke Sitzecke mit dem Panoramafenster in die zweite Computerzentrale hinter der Glastür.
Hier öffnet der Computer erneut den Bildfunkkanal zu Captain Carter:
„Es geht um einen Mann, der vor zwei Tagen auf den Straßen der City von ehrenamtlichen Hilfskräften gefunden worden ist und der sich seitdem im Krankenhaus von Green-Stone-Town befindet. Er hat sich als Ihr Vater ausgegeben.“
Juan und Manuel erstarren: das Schlucken fällt ihnen schwer.
Carter ergänzt: „Er muss wohl ernste Leberschäden aufweisen, offenbar als Folge langjährigen Alkohol-Überkonsums und möglicherweise auch anderen Drogenmissbrauchs.“
Juans und Manuels versteinerte Blicke zeigen allmählich aus den Augen blitzende Wut.
Carter: „Ich möchte Sie darüber nur informieren – der Rest liegt selbstverständlich bei Ihnen. Und noch einmal Entschuldigung für die Störung.“
Der Bildschirm erlischt und lässt Juan und Manuel erstarrt in der Hightech-Computerzentrale zurück.
.
.
.
Wenige Minuten später sitzen Juan und Manuel auf der anderen Seite der Glastür in der gemütlichen Sitzecke mit Panoramablick nach draußen, wo die Sonne am strahlendblauen Himmel scheint.
Manuel: „Ich hätte nie gedacht, noch einmal etwas von ihm zu hören.“
Juan: „Ich auch nicht. Und doch hat es mich irgendwie nie losgelassen.“
Manuel: „Ich weiß, was du meinst – ich habe auch immer mal wieder diese komischen Träume...“
Juan: „... von damals, als wir noch zusammenwohnten.“
Manuel: „Ja, genau – ziemlich ungute Gefühle, die dabei immer hochkommen.“
Juan: „Mir geht es ganz genau so, Manuel.“
Juan blickt sich um und lächelt: „Irgendwie hat nach dem Gefängnis das alles hier meine Familie ersetzt – mit Ausnahme von dir natürlich.“
Manuel lächelt zurück: „Das weiß ich doch. Und Chris als eine Art Vaterfigur?“
Juan lächelt noch breiter: „Irgendwie schon – aber gleichzeitig auch nicht. Chris war von vornherein wie ein guter Kumpel, der mir aber meine zweite Chance gab und an dem ich mich orientieren konnte.“
Manuel: „Und er war für dich da.“
Juan: „Ja, das stimmt – im Gegensatz zu...“
Manuel nickt: „Ich habe das auch direkt gespürt, als Chris mich ins Airfighter-Team aufnahm.“
Juan, wieder ernster: „Was tun wir aber jetzt?“
Manuel lächelt: „Das fragst du mich, großer Bruder?“
Juan hat eine Eingebung: „Wir gehen jetzt erst einmal dorthin, wo wir das letzte Mal in unserem alten Leben waren.“
Manuels Blick zeigt, dass er versteht, wohin Juan gehen will.
- 15 -
Inmitten der City betreten Juan und Manuel gerade eine kurz vor dem Abriss befindliche Wohnungseinheit inmitten eines aktuell verlassenen Stadtteils, der sich im Neuaufbau befindet. Die beiden gehen den schmalen Flur einer halb verfallenen Wohnung entlang, in der halb zerfallene Möbel stehen oder zum Teil herumliegen.
Manuel: „Oh Mann, ich hätte nicht gedacht, dass ich das hier noch einmal wiedersehen würde.“
Juan: „Es ist auf einmal wieder so real.“
Manuel: „So schlimm, wie das klingt – aber hier hat sich kaum etwas verändert, wenn du mich fragst!“
Juan nickt: „Aber passend, dass jetzt alles hier abgerissen und etwas Neues aufgebaut wird.“
Juan blickt zu der versifften Couch: „Hätte er sich nicht schon längst zu Tode saufen können?!“
Manuel blickt abrupt zu Juan, und Juan selbst erschreckt:
„Entschuldige, Manuel – es kam auf einmal über mich.“
Manuel legt Juan die Hand auf die Schulter:
„Ich versichere dir, mir kam der gleiche Gedanke, Juan.“
Juan: „Er hat für uns wirklich gar nichts getan!“
Manuel: „Als du weg warst, habe ich auch zugesehen, dass ich so schnell wie möglich von hier abhauen konnte.“
Juan übermannt eine Erinnerungsflut aus Gefühlen der Trauer, des Zornes und der Enttäuschung: „Ich beginne wieder, ihn zu hassen, Manuel!“
Manuel: „Mir geht’s genauso. Ich weiß gerade wieder ganz genau, wie es sich anfühlte, allein zurück gelassen zu werden.“
Juan schießen Tränen in die Augen und dann umarmt er seinen Bruder:
„Ich werde dich nie wieder allein lassen – und ich will dich auch nie wieder verlieren!“
Manuel hält auch Juan fest in den Armen:
„Das weiß ich doch – und auch du wirst mich nicht wieder verlieren, niemals wieder.“
Die beiden stehen noch eine Zeit lang so da: einander fest umarmend inmitten der verfallenen Baracke einer ehemaligen Wohnung, wo alles um sie herum und damit auch ihre Vergangenheit verfällt.
- 16 -
Juan und Manuel sind in Chris´ Auto auf dem großen Parkplatz vor dem schicken Gebäude des Central Hospital in der City vorgefahren. Beide steigen aus und gehen mit zielstrebigen, schnellen Schritten auf den Haupteingang zu.
Juan: „Wir werden ihm den Besuch abstatten, aber dann werden wir ihm klar machen, dass er von uns nicht das Geringste mehr zu erwarten hat. Und dann werden wir ein-für-alle-mal von ihm gehen.“
Sie betreten das Krankenhaus und gehen den Flur im Erdgeschoss entlang.
Manuel: „Yap exakt, wir werden ihn mit unser Vergangenheit endgültig zurücklassen, wie wir es schon damals getan haben, weil es das Beste für uns ist.“
Sie gehen durch das Treppenhaus eine Etage nach oben.
Juan: „Wir werden nichts mehr miteinander zu tu haben.“
Sie gehen durch den Korridor.
Manuel: „Und uns interessiert auch nicht, in welcher Verfassung er sich gerade befindet.“
Sie biegen um eine Ecke.
Juan: „Das hat er sich selbst zuzuschreiben.“
Sie gehen auf das Ende des Korridors zu.
Manuel: „Und er hat sich auch nie um uns gekümmert.“
Sie steuern eine Tür an.
Juan, kalt, emotionslos und zornig zugleich: „Er ist für uns schon seit langer Zeit gestorben.“
Juan drückt die Türklinke hinunter.
Manuel, ebenfalls kalt, unnahbar und zornig: „Gestorben, begraben und vergessen.“
Sie öffnen die Tür und richten ihre vor Zorn, Trauer, Enttäuschung und Schmerz lodernden Blicke auf das Bild, das ihnen das Krankenzimmer hinter der gerade aufgleitenden Tür im nächsten Sekundenbruchteil bieten wird.
Da sehen Juan und Manuel ihren Vater im Krankenbett liegend, angeschlossen an Injektionen und Pulsmesser, der in dieser Sekunde seinen Blick auf seine zwei Söhne richtet, die in ihren imponierenden Uniformen vor ihm stehen: in seinem Gesicht ist ein überwältigender und in ihm aufbrausender Sturm von Emotionen zu sehen und der stolzeste Blick, den ein Vater nur zeigen kann, verbunden mit dem tiefsten Schmerz, dem größten Bedauern und der absoluten Sicherheit, selbst versagt zu haben, indem ihm Tränen in die Augen schießen und er seine Hand zu den beiden ausstreckt: „Juan, Manuel, es tut mir so unendlich leid – und auch wenn ich es mit nichts in diesem Leben mehr verdient habe und sogar jegliches Recht darauf verloren habe, bin ich der stolzeste Mensch auf der Welt, weil ich euer Vater sein darf!“
Wie mit einem donnernden Stich in ihre Herzen verschwinden sämtliche Wut, Enttäuschung, Aufgewühltheit und aller Schmerz aus Juans und Manuels Blicken, und in nur einer Sekunde beginnen beide zu weinen, eilen auf ihren Vater zu, beugen sich zu ihm herunter und umarmen ihn fest: „Dad.“
Und sie gehen nicht wieder fort, sondern bleiben einfach bei ihm...
- 17 -
Vor dem roten Schein der tiefstehenden Abendsonne kommen Juan und Manuel in Chris´ Auto wieder in der Einfahrt vorgefahren und begeben sich zurück zu Jessica und Ned in die Computerzentrale. Als Jessica die beiden ansieht, erkennt sie sofort in ihren Blicken die absolute Klarheit, und dass – was auch immer gewesen sein mag – alles offenbar geregelt ist. Juan lächelt Jessica glücklich und zufrieden an.
Kurze Zeit später landen Bill und Chris, beide zurück in Uniform, mit Airfighter wieder in der Höhle unterhalb der Basis und gelangen durch die automatische Luftschleuse ebenfalls in die Computerzentrale: die Blicke aller sind auf die beiden und vor allem auf Chris gerichtet.
Chris sieht allen einmal fest in die Augen, dann gibt er mit entschlossener Stimme den Startschuss: „Bill und ich sind von Airfighter auf den aktuellen Stand gebracht worden, vermutlicher Einbruch in die Airfighter-Ingenieurszentrale, oder bevorstehend. Also dann, worauf warten wir – wir haben eine Mission, wie ich es sehe!“
Die erleichterten Blicke der anderen abwartend, setzt Chris dann nach ein paar Sekunden zu einem strahlenden Lächeln über sein ganzes Gesicht an:
„Und selbstverständlich erledigen wir den Job nur zusammen!“
Jessica, Juan, Manuel und Ned erwidern Chris´ freudiges Lachen vor Erleichterung und umarmen ihn alle nacheinander.
Ein Team, ein Schicksal, eine Mission...
- 18 -
In der Abenddämmerung schleicht sich ein Trupp in Tarnuniformen durch den Green-Stone-Forest und bezieht gut versteckt Stellung im Unterholz unweit des Steinbruches, in dem die holografisch getarnte Airfighter-Ingenieurszentrale liegt.
Der Anführer des Trupps ist derjenige, der versprochen hat, die Mission diesmal zu erfüllen. Ein weiterer Trupp steht mit kleinen Panzern in einer langgezogenen kleinen Schlucht bereit, durch die sich ein Gebirgsbach windet.
Der Truppführer blitzt mit seinen Augen in Richtung ihres Anschlagszieles: „Diesmal wird die Mission ein Erfolg, und dann rüsten wir unser Arsenal mit Airfighter-Technologie auf!“
Fortsetzung folgt...
Vorheriger TitelNächster Titel
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Christian Scheffel).
Der Beitrag wurde von Christian Scheffel auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.03.2026.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
gmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Christian Scheffel als Lieblingsautor markieren

Das große mystische Märchenbuch
von Heidemarie Rottermanner
In einem Land, fern und unbekannt,
leben Wichtel und Elfen,
die sich gerne gegenseitig helfen
In einem Land, fern und unbekannt,
leben Wölfe und Drachen,
die unseren Wald bewachen
In einem Land, fern und unbekannt,
gibt es Schlösser und Seen,
so etwas habt ihr noch nie gesehen
Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!
Vorheriger Titel Nächster Titel
Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:
Diesen Beitrag empfehlen: