Früher, als ich Autofahren lernte – 1965 – war alles anders. Benzin war billig, das Auto vollgetankt vom Tankwart, und Parkplatzprobleme kannten wir noch nicht. Man stieg ein, fuhr los, und alles funktionierte. Wir nannten es einfach „gute Fahrt“.
Heute sieht die Welt ganz anders aus. Tanken ist ein finanzielles Abenteuer. Man überlegt zweimal, bevor man die Zapfpistole ansetzt – und manchmal denkt man sogar darüber nach, einen Kredit aufzunehmen, nur um in den Urlaub zu fahren. Die Tankstelle lächelt freundlich, sagt „Tankeschön“ – und leert nebenbei das Konto, noch bevor der Urlaub beginnt.
Neben mir steht ein Mann, der gerade volltanken möchte. Ein mutiger Mensch. Oder ein Verzweifelter. Als die Anzeige 150 Euro erreicht, beginnt er, per Videoanruf seine Familie zu verabschieden. Andere fahren nur noch kurze Strecken, kombinieren Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder horten Benzin in kleinen Fläschchen – „für besondere Anlässe“, wie guten Champagner.
Früher sagte der Tankwart, der mich bediente: „Danke schön.“ Heute sagt die Zapfsäule „Tankeschön“ – fast wie ein ironisches Lob, während sie unser Geld verschlingt. Manche Tankstellen bieten Bonusprogramme: Wer dreimal tankt, bekommt beim elften Mal ein Taschentuch – zum Tränenputzen.
Die Regierung empfiehlt inzwischen Alternativen: Fahrrad fahren, zu Fuß gehen, stehenbleiben. Jede Fahrt zur Arbeit wird zum Projekt, jede Bewegung zur Budgetplanung. Ich selbst entscheide mich schließlich, nur wenig zu tanken. Ich steige ins Auto, starte den Motor, lausche ihm kurz – und fahre los, soweit es das Budget erlaubt.
Apropos Fahrradfahren: Wir Autofahrer zahlen Steuern, während unsere Straßen für Radfahrer gekürzt werden, die kein Steuer zahlen und kostenlos parken können. Ist das gerecht?
Auf dem Heimweg zu Fuß blinkt mir die Zapfsäule zu: „Bis bald!“
Ich zucke nur mit den Schultern, als ob es mich nicht interessierte. Das kostet ja nichts.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.04.2026.
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