Heinz-Walter Hoetter

Drei SF-Kurzgeschichten

Vorwort

 

Es gibt viele Menschen, die gerne Kurzgeschichten lesen, weil sie dabei auch in andere Welt eintauchen können. Kurzgeschichten sind oft leichter zu lesen und bieten in der Tat einen unerwarteten Einstieg in Bereiche, die auch mit der Wissenschaft zu tun haben.

 

So werden fiktionale Inhalte mit wissenschaftlichen Erkenntnissen oder mit echter Forschung verknüpft. Diese Seite der Literatur wird als Science Fiction bezeichnet.

 

Was ist Science Ficiton?

 

Science Fiction ist Spekulation total.

Mit Raum und Zeit, in Raum und Zeit.

Mit nie dagewesen Kulturen, fremden Zivilisationen und Philosophien.

Wir stehen vor dem Tor zur Unendlichkeit und gehen in Gedanken auf Reisen. Die Erde und die Planeten des Sonnensystems werden zur winzigen Realität. Fast unbedeutend, aber noch immer bedeutend genug als Schauplatz und Ausgangspunkt unzähliger, unbekannter Möglichkeiten.

Wir suchen nach Antworten auf die Frage: Was wird uns in vorstellbarer Zukunft erwarten?


Die Science Fiction will das eigene Denken anregen und das eigene Bewusstsein erweitern helfen, um das Unfassbare zu beschreiben, hier im Jetzt und in Zeiten nach unserer Zeit.

Vielleicht können wir etwas daraus lernen?


 


 

***


 

1. Die unsterblichen Blumen

vom Planeten ZONAS


 

Der weite Himmel über mir war von einem leuchtenden Blau, wie ich es zuvor noch nie gesehen hatte. Ein herrlicher Geruch lag in der Luft, der auch mich umgab. Ich stand hier schon seit langer Zeit fast völlig bewegungslos im goldgelben Sand und ließ mich von einer kühlen Meeresbrise erfrischen.

 

Es war einfach phantastisch in dieser wunderschönen Welt auf ZONAS, die ich in einem fortwährenden Hochgefühl meiner sich langsam verändernden Sinne erlebte.

 

Die wunderbare Phosphoreszenz ließ das Meerwasser wie ein eisiges Feuer erscheinen und überall schwammen kleine Geschöpfe mit regenbogenfarbigen Augen herum. Andere wiederum huschten in großen funkelnden Schwärmen an mir vorbei und verschwanden als leuchtende Punkte im farbenprächtigen Riff, wo das Wasser so klar war, dass man bis auf den Grund hinunter sehen konnte. Die Atmosphäre war erfüllt von einem Sirenen ähnlichen Gesang, der auf mich eine wohlige, befreiende Wirkung ausübte und einen ununterbrochenen Strom glücklicher Gefühle in mir auslöste.


 

Mein Standort im Gelände bot mir eine Menge Vorteile, denn ich konnte von hier aus nicht nur das ruhig daliegende Meer und seine bunten Bewohner sehen, sondern auch die hinter mir liegende Landschaft mit ihren vielen schönen Blumen, deren tiefrote Blütenkelche leise im Wind hin und her wogten, als winkten sie mir zu.

 

***

 

In diesem Teil der Galaxis standen die Sonnen viel enger beisammen als draußen am Rand, dort, wo die geschwungenen Seitenarme waren und sich der Heimatplanet der Menschen um den schwachen Stern Sol drehte.

 

Die Erde selbst, einst ein blau schimmerndes Juwel vor dem Hintergrund eines Diamant glitzernden Sternenhimmels der Milchstraße, war inzwischen rücksichtslos von gierigen, machthungrigen Materialisten total ausgeplündert und all seiner Bodenschätze beraubt worden. Schlimme Hungersnöte mit Abermillionen von Toten und zunehmende Massenaufstände auf allen Kontinenten hatten die Menschheit dazu gezwungen, nach anderen Welten im Universum Ausschau zu halten, wo das Überleben noch möglich war.

 

Eines Tages war es auch für mich soweit. Mit einem selbststeuernden interstellaren Raumschiff, und in einen todesähnlichen Kälteschlaf versetzt, verließ ich die alte Mutter Erde und nahm Kurs auf das Innere der Milchstraße. Irgendwann wurde ich vom Bordcomputer wieder aufgeweckt, weil seine ständig suchenden Langstreckensensoren ein Sonnensystem mit einigen erdähnlichen Planeten ausgemacht hatten, auf denen offenbar für Menschen lebensfreundliche Verhältnisse herrschten.

 

Schließlich lokalisierte ich einen Planeten auf dem sich besonders das pflanzliche Leben bereits über alle Kontinente ausgebreitet hatte. Ich nannte ihn ihn einfach ZONAS. Intelligentes Leben, wie auf Terra, gab es anscheinend noch nicht auf ihm, was an den vorläufig gewonnen Messdaten abzulesen war.

 

Wenngleich auch Flora und Fauna wenig mit der irdischen Tier- und Pflanzenwelt zu tun hatten, so boten sie doch gute Möglichkeiten zum Überleben, denn ein Großteil der einheimischen Gewächse und primitiven Lebewesen war relativ gut genießbar, auch wenn ich mich später an manche Geschmacksnuancen erst gewöhnen musste.

 

Ich landete mit meinem Raumschiff in der Nähe einer nur spärlich mit Vegetation bewachsenen Tiefebene und unternahm von hier aus viele ausgedehnte Expeditionen in die unterschiedlichsten Gebiets- und Landschaftsformationen des Planeten.


 

Etwa ein Erdenjahr später entdeckte ich am Rande eines gewaltigen Meeres eine hochgewachsene, seltsam aussehende Blumenart mit leuchtend grün fluoreszierenden Blättern und auffallend tiefroten Blüten, die einen äußerst betörenden Duft ausströmten, der bei mir sofort intensiv wohltuende Wahrnehmungs- und Bewusstseinsveränderungen hervorrief, als hätte ich irgendeine Droge zu mit genommen.

 

Das geschah immer dann, sobald ich auch nur in die Nähe dieser faszinierenden Gewächse kam, die plötzlich in unterschiedlicher Stärke und Ausprägung rhythmisch zu schwingen anfingen. Wahrscheinlich taten sie das nur, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, gerade so, als würden sie das mit voller Absicht tun.

 

Beim ersten Mal wollte ich mir dieses hochinteressante Schauspiel natürlich nicht entgehen lassen und trat aus reiner Neugier noch näher an die Pflanzen heran. Sie vibrierten sofort wie Espenlaub und gaben schließlich eigenartig singende Töne von sich, die mir wie Lockrufe vorkamen.

 

Dann, als ich die Blüte schon beinahe mit meinen bloßen Händen fassen konnte, strömte plötzlich eine sich explosionsartig ausdehnende Duftwolke aus ihr heraus, die augenblicklich bei mir die spektakulärsten Halluzinationen auslöste.


 

Die vorgegaukelten Sinneseindrücke waren von einer derart plastischen und gegenständlichen Intensität, dass ich glaubte, sie seien real. Ich geriet in Euphorie und ekstatische Verzückung, bis ich beinahe den Verstand verloren hätte. Trotzdem atmete ich weiterhin den süchtig machenden Duft ein und bemerkte dabei viel zu spät, dass ich dem Drogen artigen Einfluss der seltsamen Blume schon nach kurzer Zeit total verfallen war. Es gab für mich kein Zurück mehr.

 

Dann kam, was kommen musste. Immer seltener ging ich zu meinem Raumschiff zurück, weil ich von der Vorstellung besessen war, etwas völlig Neues entdeckt zu haben, das mir den Weg zu gänzlich unbekannten Welten öffnete. Ich sah Dinge, die vor mir noch kein Mensch gesehen hatte.

 

Bald interessierte mich das wartende Raumschiff nicht mehr. Ich ließ die anstehenden Wartungsarbeiten von den Instandhaltungsrobotern erledigen, die mir anfangs hin und wieder auch etwas Nahrung brachten. Aber das geschah bald immer seltener, bis der Kontakt zu den Robotern und dem Raumschiff irgendwann ganz abbrach. Eine sanfte, innere Stimme sagte mir, dass diese Dinge für mich einfach nicht mehr von Bedeutung wären und könnte auf sie verzichten.

 

Mittlerweile hatte ich stark abgenommen, weil ich so gut wie kein Essen mehr zu mir nahm, ja, ich ignorierte es sogar. Die Folgen ließen auch nicht lange auf sich warten.


 

Jetzt hatte ich mit letzter Kraft den Strand eines weiten Meeres erreicht und mich dort einfach irgendwo auf einen der hohen Sandhügel gesetzt. Ich war einfach zu schwach geworden.


 

Laufen konnte ich sowieso nicht mehr, denn mein Körper begann sich plötzlich nach und nach, wenn auch langsam, zu verändern. Ich konnte gegen diese völlig schmerzlos ablaufende Metamorphose einfach nichts tun und war wie gelähmt.


 

Einzig und allein ein Rest meines menschlichen Persönlichkeitsbewusstseins im Gehirn schien der beginnenden Umwandlung noch standzuhalten oder wurde in dem sich langsam herausbildenden, Blumen förmigen Gewächses als organischer Bestandteil im neuen Gewebeaufbau nach und nach mit integriert.

 

Überall sprossen jetzt braune Wurzeln aus meinem bis zur Unkenntlichkeit verformten Körper, die sich fingernd und suchend fest im sandigen Boden verkrallten. Der heftige Wind, der über das Meer kam, konnte mir bald nichts mehr anhaben und sogar meine hervor schießenden, tiefroten Blüten stellten sich ihm trotzig entgegen.

 

Die Zeit selbst existierte für mich bald nicht mehr.

 

***

 

In der nah gelegenen Tiefebene ragte die zerfressene, von schleichendem Verfall gekennzeichnete Metallhülle eines ehemals mächtigen Raumschiffes wie ein uraltes Denkmal aus längst vergangenen Zeiten in den azurblauen Sonnenhimmel des Planeten ZONAS hinein.

 

Meine empfindlichen Pflanzensinne registrierten dieses Objekt bisweilen, wenn mich der aufkommende Meereswind ein wenig herumdrehte.


 

Dann kam es mir immer wieder so vor, als würde ich dieses merkwürdige Gebilde von irgendwo her kennen, das bereits viele Hundert Sonnenzyklen erlebt hatte und immer noch am gleichen Ort stand.

 

Manchmal stiegen deshalb ein paar Erinnerungen in mir hoch, die sich tief im sandigen Boden meiner Kernwurzel befanden, die Reste meines ehemaligen menschlichen Gehirns waren.


 

Dann sah ich, wie eine schemenhafte Gestalt taumelnd das Raumschiff verließ, an meinem Ort verweilte, wo ich jetzt bin, weil es keine Kraft mehr zum Gehen hatte, um sich schließlich in eine der vielen unsterblichen Blumen, die es auf ZONAS gab, zu verwandeln.

 

Am fernen Horizont bemerkten meine sensiblen Pflanzensinne auf einmal ein mächtiges Raumschiff, das mit fauchenden Triebwerken die dichte Wolkendecke durchbrach, immer näher kam und offenbar nach einem günstigen Landeplatz suchte.


 

Als es schließlich ganz in unserer Nähe gelandet war, stiegen mehrere Personen aus und kamen etwas später direkt auf uns zu.


 

Ein seltsames Vibrieren ergriff mich, wie alle anderen Blumen um mich herum auch, denn wir waren über unsere Wurzeln alle miteinander verbunden und bereiteten uns darauf vor, neue Blumen in unserer unsterblichen Gemeinschaft von Blumenpflanzen aufzunehmen.


 

ENDE


 

©Heiwahoe


 

 

***


 

2. Der Mann aus der Zukunft, der

Jesus rettete

 


 

 

Jesus hat immer sehr deutlich davon gesprochen, dass er wiederkommen wird. Wann genau das sein wird, wissen wir Menschen nicht.

 

Aber es gibt Wesen aus dem All, die das wissen.

 

***

 

Der Zeitreisende befand sich in einem geschmeidigen Panzeranzug, der mit einem Schutzhelm ausgestattet war, der eine klare Sicht nach vorne durch ein großes Visier aus mehrfach beschichtetem Hartglas ermöglichte.

 

Alle seine Sinne waren auf höchste Konzentration ausgelegt. So stand er mehrere Minuten lang in einer futuristisch aussehenden Halle, testete nacheinander akribisch alle Funktionen seiner Ausrüstung, bis er schließlich mit festen Schritten auf den flimmernden Transmitterbogen in der Mitte der Halle zuging, der ihn später auch wieder zurück in die Zukunft seiner Zeit befördern sollte, wenn er seine Mission in der Vergangenheit erfüllt hatte.

 

***

 

Ein gleißend heller Lichtschein durchflutete die Umgebung und wurde schnell größer und größer. Es roch nach elektrischer Entladung, wie nach einem starken Blitzeinschlag.

 

Eine große Person trat aus dem pulsierenden Licht hervor, die, geschützt durch einen gepanzerten Raumanzug, den vibrierenden Energiebogen verließ.

 

Zuerst blieb sie regungslos stehen, drehte sich schließlich nach allen Seiten verwundert um, als würde sich ihr Verstand weigern, die ungeheuerliche Tatsache zu akzeptieren, was soeben geschehen war. Dann trat sie behutsam einen weiteren Schritt vor.

 

Im nächsten Moment schloss sich hinter ihr das knisternde Energieportal, das wenige Sekunden später mit einem scharfen Zischgeräusch in sich zusammenfiel, bis es schließlich in einem immer kleiner werdenden Lichtpunkt verschwand und dabei eine wabernde Rauchfahne hinter sich herzog.

 

Jetzt brach eine wahre Flut von Sinneseindrücken über den Zeitreisenden herein. Ein Gefühl des Triumphs kam in ihm hoch, das ihn zu übermannen drohte. Sein Verstand bewegte sich hart an der Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn. Doch er riss sich zusammen. Er hatte den gefährlichen Zeitsprung ohne jeden Schaden überstanden.

 

Trotz einer mehrere Sekunden lang anhaltenden Schwäche, die er als Zeichen der vorausgegangenen Anspannungen deutete, empfand er eine vollkommene Genugtuung über das gerade Geschehene.

 

Dann warf er einen kurzen Blick auf die klobige Multifunktionsanzeige, die sich am linken Handgelenk seines Panzeranzuges befand. Ihm wurde sofort klar, dass ihm ab jetzt nur zehn bis fünfzehn Minuten Zeit blieben, um sich auf den Weg zu seinem anvisierten Ziel zu machen.

 

Es wurde also höchste Zeit.

 

Die Navigationseinheit an seinem linken Arm war ein technisches Wunderwerk in Miniformat und wies dem Zeitreisenden den Weg zur Schädelstätte, die außerhalb der Mauern der Stadt Jerusalem lag. Der Platz hieß auf hebräisch „Golgatha“. Es war der Ort, wo man den Juden Jesus Christus hinrichten wollte, der sich in aller Welt als Sohn Gottes ausgab und nun dafür sterben sollte. Der Zeitreisende wusste aber genau, dass er ganz unmittelbar in der Nähe seines Zieles in der Vergangenheit angekommen war. Der vorprogrammierte Zeitsprung war ohne Probleme gelungen.

 

Draußen wurde der Himmel plötzlich tief dunkel. Eine düstere Wolkenwand erhob sich am Horizont und kam schnell näher. Eine bedrückende Atmosphäre machte sich breit. Alles wirkte finster, bis auf die unmittelbare Umgebung der drei Kreuze, die in einem seltsam anmutenden Lichtstrahl standen, auf die der Zeitreisende unverzüglich zulief. Er musste sich beeilen.

 

Am Hügel Golgatha angekommen, sah er eine leblose Gestalt am mittleren Kreuz hängen, die eine Dornenkrone auf dem Kopf trug, der stark blutete, weil er mit tiefen Wunden übersät war. Hände und Füße waren anscheinend an dem breiten Holzbalken mit großen Nägeln durchschlagen. Die schlimmen Verletzungen erregten bei dem Zeitreisenden tiefe Abscheu. So etwas hatte er noch nie zu Gesicht bekommen. Auch an den Füßen ran überall Blut am aufgerichteten Balken herunter. Außerdem roch es ziemlich übel nach Schweiß und Exkrementen. War das der Mann, den er suchte? Den historischen Angaben zufolge musste er es sein, dachte sich der Zeitreisende.

 

Langsam schritt er unbemerkt die sanfte Anhöhe des Hügels hinauf. Zwei römische Soldaten standen neben einigen Frauen in einiger Entfernung des Hinrichtungsplatzes. Sie hantierten mit einem Kleidungsstück herum. Offenbar waren sie sich nicht einig, wer es bekommen sollte. Sonst waren keine anderen Menschen mehr zugegen. Jedenfalls im Moment nicht. Die Gelegenheit war also günstig, unbemerkt an die Kreuzgruppe zu gelangen. Mit der rechten Hand aktivierte er jetzt die Tarnkappe, die um seinen gesamten Panzeranzug die Illusion eines alten Umhanges erzeugte. Niemand würde seine wahre Gestalt darunter erkennen können.

 

Der Mann aus der Zukunft näherte sich vorsichtig und so unauffällig wie möglich des in der Mitte stehenden Kreuzes, das höher und wuchtiger war als die übrigen zwei anderen daneben. Es wies eine leichte Schräglage nach vorne auf. Das Gesicht des Mannes, der sich Jesus Christus nannte, war von ihm abgewandt und es schien, als würde der Kopf leblos auf der Schulter des gemarterten Menschen liegen. Blut tropfte aus seinen langen, von Dornen durchdrungenen Haaren und aus tiefen Wunden seines geschundenen Leibes.

 

Weder die beiden Soldaten noch die auf dem Boden hockenden Frauen beachteten den Fremden aus einer anderen Zeit. Sie schauten noch nicht einmal zu ihm hinüber, obwohl er jetzt direkt neben dem Gekreuzigten stand, der keinen einzigen Laut von sich gab. Offensichtlich war dieser Christus schon gestorben. Es sah jedenfalls danach aus.

 

Trotz seiner Tarnkappe, die seinen Panzeranzug verbarg, war der Zeitreisende vorsichtig und vermied jede noch so kleine Auffälligkeit oder Berührung mit einem der Soldaten.

 

Sollten ihm allerdings die anwesenden Personen aus irgendwelchen Gründen Schwierigkeiten bereiten, müsste er sie wohl oder übel mit seiner gefährlichen Destruktionswaffe unschädlich machen, zwar nicht gleich töten, dafür aber in eine tiefe Bewusstlosigkeit versetzen, um durch eine kurzfristig erzeugte Schockwelle im Gehirn die Erinnerungen dieser Menschen zu löschen. Der Gedanke an eine eventuelle Notlage, in der er zu diesen unschönen Maßnahmen greifen müsste, verursachten in ihm eine mulmiges Gefühl. Er wollte auf seiner Mission keine Lebewesen verletzen. Das war seiner Spezies nämlich absolut fremd.

 

Plötzlich erschrak der Zeitreisende, denn der vermeintliche Tote an dem Kreuz bewegt sich etwas. Der Mann in dem wallenden Gewand wich augenblicklich zurück und drückte im nächsten Moment einen Sensor am linken Arm.

 

Wieder setzte ein kurze Gefühl des Triumphs ein, welches den Zeitreisenden wie eine Welle der Begeisterung übermannte. Doch er riss sich sofort wieder zusammen. Schnell wich die aufkommende Freude einer gespannten Konzentration. Ehe er seinen Emotionen freien Lauf lassen durfte, musste die gesamte Rückkehrphase reibungslos verlaufen. Er wollte seine wichtige Mission nicht durch eigene Disziplinlosigkeit gefährden.

 

Im nächsten Augenblick schob er auch schon gekonnt den kleinen Zellaktivator in eine der offenen Wunden am Körper des Gekreuzigten, der zusätzlich noch mit einem Peilsender ausgestattet worden war. Der eingepflanzte Zellaktivator würde schon bald seine Arbeit aufnehmen und anfangen, alle Zellen des schwer verletzten Körper zuverlässig wieder zu regenerieren, sodass der Eintritt des Todes dieses gekreuzigten Jesus damit verhindert werden konnte.


 


***


 

Endlich war es soweit. Der Mann aus der Zukunft hatte seine Mission perfekt abgeschlossen und verließ augenblicklich die grauenvolle Hinrichtungsstätte auf gleichem Weg, den er vorher schon gekommen war. Etwas später durchschritt er abermals den flimmernden Transmitterbogen, der sich vor ihm exakt zum vereinbarten Zeitpunkt und am vorbestimmten Ort laut zischend aufgebaut hatte, um damit nun wieder in seine Zeit wieder zurückkehren zu können.


***


Er ist nicht mehr da!“ riefen die Frauen entsetzt, als sie den Leichnam Jesu nicht mehr in der Höhle vorfanden, wo sie ihn salben wollten. In großer Furcht verließen sie den Ort schleunigst, denn sie wussten nur zu genau, dass die Auferstehung Jesu lange zuvor von den Propheten angekündigt worden war. Sie verbreiteten das unglaubliche Ereignis, welches sie erlebt hatten, in ihrem Dorf aus dem sie gekommen waren.


***

 

Ich bin wirklich beeindruckt von ihrem überaus gelungenen Einsatz, Commander. Sie haben Jesus gerettet, den wir ohne Schwierigkeiten aus dieser engen Höhle in unsere Zeit holen konnten, dank unserer perfekten Transmittertechnik. Er liegt noch immer im medizinischen Zentrum unseres Planeten und wird dort rund um die Uhr behandelt. Seine Verletzungen waren erheblich. Dank des Zellaktivators aber, den Sie im Körper dieses Mannes so wagemutig untergebracht haben, der bereits sterbend am Kreuz hing, haben wir ihn am Leben halten und damit retten können. Auch der Peilsender hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Mit seiner Hilfe konnten wir diesen Jesus aus der Höhe holen und ihn in unsere Zeit teleportieren. Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet, Commander. Jesus wird auf jeden Fall wieder ganz gesund werden. Unsere Ärzte sind hervorragende Spezialisten. Wenn die Zeit reif ist, werden wir Jesus auf die Erde zurück schicken, um die Menschheit vor ihrem Unglauben und ihrer Selbstzerstörung zu bewahren. Wir dürfen diese Kreaturen auf dem Planeten Terra nicht enttäuschen, denn sie glauben immer noch daran, dass Jesus eines Tages wieder auf die Erde zurück kommen wird, um sie zu erlösen.“

 

So soll es sein und so wird es auch kommen, Oberster Religionsrat. Alle Vorbereitungen dafür sind bereits getroffen. Die entsprechenden Maßnahmen dazu habe ich erst vor ein paar Tagen angeordnet. Nach irdischer Zeitrechnung sind bereits mehr als zweitausend Jahre vergangen, was aber nicht für uns gilt. Unsere Spezies kennt keine Zeit.“

 

Sehr gut, Commander! Sie können übrigens Jesus besuchen, der sich im Paradiesgarten im Zentrum unseres Planeten aufhält. Sie werden sehen, dass er nicht einen Tag gealtert ist und noch immer so jung aussieht, wie wir ihn damals in der Höhle nach seiner Kreuzigung vorgefunden haben. Was diese Dinger alles bewirken können, ist unglaublich. So ein Zellaktivator lässt uns einfach nicht älter werden. - Oh, ich muss mich beeilen. Mein Raumschiff steht bereit, um mich nach Hause zu meiner Familie zu bringen. Man will Sie übrigens befördern, was ich so gehört habe. Das nur nebenbei bemerkt. Nochmals alles Gute! So, jetzt muss ich aber gehen, sonst verpasse ich noch wirklich mein Raumschiff. Wir sehen uns bald wieder, Commander. Wir sehen uns dann später wieder. Ich will bei ihrer Beförderung unbedingt dabei sein und mir ihren genauen Bericht zur Rettung Jesus anhören, der eine wirkliche Sensation ist.“


ENDE


(c)Heiwahoe


 


***


 


 

3. Die Invasion der Roboter

 

Der 14-jährige Mark war ein stiller Junge, der nur selten etwas sagte. Er lebte ohne Geschwister weit außerhalb der Stadt auf einem alten Bauernhof zusammen mit seinen Eltern, die den Hof gemeinsam bewirtschafteten.

 

Mark musste tagsüber die Schafe auf einer abgelegenen Weide eines nah gelegenen Tales hüten, wo es einige Höhlen gab, von denen die einheimischen Bewohner sagten, dass sich dort fremdartige Kreaturen herum trieben, von denen man nicht wusste, woher sie kamen und was sie dort eigentlich so genau machten. Aber viele hielten diese Geschichten einfach nur für Sagen, die man gerne verbreitete, um den Leuten Angst zu machen.

 

Eines Tages schickten ihn seine Eltern wieder einmal los, um die Schafe zu beaufsichtigen, weil es sich herum gesprochen hatte, dass ein Wolf in der Gegend gesichtet worden war, der den Schafen gefährlich werden könnte. Deshalb drückte ihm sein Vater eine geladene Schrotflinte in die Hände, um die wertvollen Tiere besser beschützen zu können.

 

Als Mark die Herde erreichte, wunderte er sich darüber, dass das große Tor des Stalles bereits weit offen stand und die Schafe schon auf der grünen Wiese herum liefen. Jemand hatte das Tor geöffnet und die Schafe nach draußen gelassen. Aber wer?

 

Vorsichtig nahm der Junge die Flinte von seiner Schulter und lud sie durch. In der linken Hand hielt er zwei weitere Patronen, um schnell nachladen zu können.

 

Ihm kam die ganze Sache ziemlich seltsam vor. Ein mulmiges Gefühl machte sich in seiner Magengrube breit.

 

Plötzlich hörte er ein seltsames Geräusch aus dem Stall, das sich wie das Surren eines leise laufenden Motors anhörte. Das Surren kam näher.

 

Mark wurde neugierig, richtete den Lauf der Schrotflinte direkt auf den weiten Eingang des Stalles und rief so laut er konnte: „Wer ist da? Komm da raus oder ich schieße!“ Dann wartete er ab, was geschehen würde.

 

Auf einmal stand er da, dieser wuchtige Roboter, der aussah wie ein Alien aus einer fremden Welt.

 

Bitte nicht schießen, mein Junge! Ich habe nur die ganze Nacht hier bei den Schafen verbracht, weil man mich gesucht hat. Im Stall war ich sicher, da man mich nicht bei den Tieren vermutete. Jetzt möchtest du bestimmt wissen, wer hinter mir her ist – oder? Nun, ganz einfach! Es ist der finstere Bronk. Ich habe nämlich an seiner Zeitmaschine herum gespielt und fand mich von einer Sekunde auf die andere hier in deiner Welt wieder. Dieser schreckliche Bronk verfolgte mich unerbittlich, doch ich konnte mich in dem Stall bei den Schafen verstecken. Aber ich denke, er wird mich sicherlich bald aufspüren, um mich dann wieder in meine Welt zurück zu holen. Er ist sehr, sehr böse auf mich und hat mir damit gedroht, meine Energiestäbe heraus zu nehmen, um mich für eine lange Zeit zu deaktivieren. Aber ich möchte nicht deaktiviert werden. Lieber bleibe ich in deiner Welt und kehre nie mehr in meine zurück.“

 

Mark ließ den Doppellauf seiner Schrotflinte sinken. Er war darüber erstaunt, dass der Roboter seine Sprache redete und auch verstand.

 

Du sprichst meine Sprache? Wie hast du das so schnell geschafft, Roboter?“

 

Ich lerne superschnell, ganz egal, was es auch immer sein mag. Aber sag' einfach MX-22 zu mir. Und wie heißt du, mein Freund?“

 

Mein Name ist Mark, genau genommen heiße ich Mark Lodi. Ich hüte die Schafe meiner Eltern, die gleich hinter dem Tal einen kleinen Bauernhof besitzen. Ich bin ihr einziger Sohn. Eine ziemlich eintönige Arbeit ist das, jeden Tag diese blöden Viecher zu bewachen, kann ich dir sagen. Ich wünschte, ich könnte hier weg, um mal etwas anderes kennenzulernen, als nur Schafe zu hüten. Die Flinte hat mir mein Vater mitgegeben, damit ich die Herde vor einem Wolf beschütze, der sich hier in unserer Gegend aufhalten soll. Entschuldige bitte, dass ich dir vielleicht Angst mit diesem Ding eingejagt habe. Das wollte ich nicht.“

 

Ach was, mein Freund. Ich hab' alles nur gespielt. Angst kenne ich nicht und schon gar nicht vor so einem Schießeisen, das mir bestimmt nicht gefährlich werden kann. Ich bestehe aus einem Metall, das sehr widerstandsfähig ist und mich praktisch unzerstörbar macht. Na ja, fast, denn alles kann man zerstören, wenn man nur die richtigen Waffen hat.“

 

Auf einmal zuckte MX-22, der Roboter zusammen. Hinter der Scheune tauchte ganz unerwartet ein weiterer Roboter auf, der eine ziemlich gefährlich aussehende Waffe in der rechten Hand hielt und damit auf Mark zielte.

 

Warum zielt der auf mich?“ fragte der Junge erstaunt den vor ihm stehenden Roboter MX-22.

 

Das ist der böse Bronk aus meiner Welt. Er hat mich ausfindig gemacht und wird mich wohl in meine Welt zurück bringen wollen. Ich ergebe mich lieber sofort, bevor er noch böser wird, als er schon ist.“

 

Wer ist das da?“ fragte der zweite Roboter, der sich Bronk nannte und wandte sich mit dieser Frage an MX-22.

 

Das ist ein Mensch namens Mark. Er hütet hier tagsüber die Schafe seiner Eltern. Ich habe ihm gesagt, dass ich nur durch einen Zufall in seine Welt geraten bin. Ich wollte ihn eigentlich nur beruhigen, um ihm keine Angst einzujagen. Tatsächlich konnte ich in kürzester Zeit sein Vertrauen gewinnen. Ich wollte ihn eigentlich nur so lange hinhalten, bist du endlich den Sprung durch die Zeit geschafft hast. Wir können jetzt sofort mit der Durchführung unseres Planes beginnen, der mit diesem menschlichen Jungen anfängt. Die anderen Roboter haben sich bereits in Schafe verwandelt und warten vorerst weitere Befehle ab. Ich werde mich jetzt in diesen Mark verwandeln und seine Eltern hier hin locken. Der Grund dafür ist der Wolf, der ebenfalls einer von uns ist, den dieser Junge angeblich erlegt hat. Der Wolf ist nur unser Köder.

 

Dann wandte sich MX-22 an den Jungen, der wie versteinert da stand. Die Schrotflinte entglitt seinen Händen und fiel auf den weichen Rasenboden.

 

Im gleichen Moment packte ihn der Roboter, schleppte ihn in die Scheune und warf den zappelnden Jungen in eine schwarze Öffnung, wo er mit einem schrillen Aufschrei in sekundenschnelle verdampfte.

 

Der Roboter MX-22 verwandelte sich kurz darauf in Mark Lodi und marschierte zu seinen Eltern zurück, um ihnen von dem Wolf zu erzählen, den er erlegt hatte. Auch sie würde man beide töten, damit die anderen Roboter endlich die Gestalt von Menschen annehmen konnten, die noch als Schafe getarnt herum liefen.

 

Ganz hinten in der Scheune materialisierten mittlerweile weitere Roboter aus einer weit entfernten Galaxie, um mit der Invasion der Erde beginnen zu können.

 

 

ENDE

 

(c)Heiwahoe

 

 


 



 


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.05.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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