Leonhard Ried

Ein heißer Tag Anfang Mai!

 

 

Es ist heiß wie im August. Ich krame im Schrank und finde ein kurzes Hemd und eine kurze Hose. Nur so kann man es draußen aushalten.

 

Vor dem Supermarkt steigt eine junge, blonde und eher kleine Frau in ein riesiges Cabriolet, dessen Verdeck aufgeklappt ist.

Vor der roten Ampel kommt sie in meiner Nähe zum Stehen. Sie sieht richtig verloren aus in diesem überdimensional großen Mercedes. Ich frage mich, wie ein so kleines Geschöpf ein so großes Schiff steuern kann. Deshalb frage ich sie: “Brauchen Sie noch einen Beifahrer?” Sie schüttelt den Kopf, schenkt mir aber zugleich ein fröhliches Lachen. Außerdem muss sie weiterfahren, weil die Ampel kurz zuvor auf “grün” umgeschaltet hat.

 

Im Friedhof sind zwei noch sehr junge Kerle mit zwei Mädchen unterwegs. Beide Buben legen ein Imponiergehabe an den Tag, indem sie mich zum Beispiel herausfordernd grüßen.

 

Später überholen sie mich. Ich sehe, wie sie einander näherkommen und wie es zu ersten vorsichtigen Berührungen kommt zwischen dem größeren Jungen und dem größeren Mädchen. Das muss für beide ein sehr aufregendes Gefühl sein.

 

Ein etwas derber Mann mittleren Alters läuft mit einer extrem dunkelhäutigen und zierlichen Frau durch den Park. Sie hat sehr interessante, lange, tiefschwarze Haare. Ihre dünnen Ärmchen sind mehr als schokoladenbraun. Ein noch ganz kleiner Sohn, der von beiden etwas hat, sitzt auf einem merkwürdigen Laufrad. Er bekommt von seinem vierschrötig dahin schreitenden Vater immer wieder die gleiche Anweisung: “Nach vorne schauen! Nach vorne schauen!...”

 

Der Kleine ist noch nicht so fokussiert wie wir Erwachsene. Er will alles mitbekommen, was um ihn herum vor sich geht. Kann man ihm das wirklich übelnehmen?

Um die kleine Truppe läuft ein hellbrauner Terrier herum.

 

Mehr habe ich nicht zu erzählen. Ich muss mich um die Wäsche kümmern, Vorkehrungen für die morgigen Mahlzeiten treffen…

 

Da sage mal einer, Hausmänner hätten nichts zu tun.

Ich weiß gar nicht, wie ich das alles schaffen soll.

 

Manche fühlen sich pudelwohl in ihrem Chaos. 

Das ist bei mir nicht der Fall, und schon gar nicht bei meiner Frau!



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.05.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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