Heinz-Walter Hoetter

Der neue Nachbar

Eine Science Fiction Horror Kurzgeschichte

vom Autor

Heinz-Walter Hoetter

 

***

 

Der neue Nachbar

 

 

 

Mr. Walter Bischof wohnte schon seit vielen Jahrzehnten am Ende eines langen Feldweges, der eigentlich mehr einer Sackgasse glich, wo nur zwei Häusern standen. Sie befanden sich weit abgelegen in einer einsamen Gegend, nicht unweit eines großen Sees, der von dichten Wäldern umgeben war.


 

Sein Haus stand gleich neben das einer alten Frau, die Else hieß und hatte, wie sein Haus auch, einen schönen Vorgarten mit einer hohen Hecke, einem grünen Rasen und ein paar bunten Blumen drauf.


 

Eines schönen Tages verstarb seine betagte Nachbarin Else überraschend, die nach dem Tod ihres Mannes ganz allein gelebt hatte. Jetzt stand das alte Haus samt Grundstück zum Verkauf an. Erben hatte Else nicht, weil sie kinderlos geblieben war. Es dauerte auch nicht lange, da fand sich tatsächlich ein potenzieller Käufer, der auch bald einzog.


 

Der neue Nachbar kam Walter Bischof gleich irgendwie seltsam und suspekt vor. Sein Gesicht sah komisch aus, fast wie das eines Adlers und hatte viel Ähnlichkeit mit einem Alien. Jedenfalls machte er auf Mr. Bischof diesen Eindruck, den er einfach nicht abschütteln konnte.


 

Zuerst tat sich auf dem weiten Grundstück seines neuen Nachbarn nichts, bis dieser plötzlich damit anfing, so ein seltsames Ding zu bauen, das immer mehr Ähnlichkeiten mit einer fliegenden Untertasse bekam.


 

Mr. Walter Bischof stand heimlich hinter dem Vorhang seines Wohnzimmerfenster und beobachtete jeden Tag neugierig, was sein ungewöhnlich aussehender Nachbar da zusammen bastelte, was in der Tat immer mehr im Laufe der Zeit die Gestalt eines kleinen Raumschiffes annahm.


 

Dann kam der Tag, an dem der Fremde an Mr. Bischofs Tür klingelte. Er ging zur Eingangstür, öffnete sie vorsichtig und lugte durch den schmalen Spalt nach draußen.


 

Guten Tag, Mr. Bischof! Mein Name ist Orynthar von Pollux. Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum und komme gleich zur Sache. Ich möchte Sie fragen, ob Sie Ihr Grundstück samt Haus an mich verkaufen möchten. Ich mache Ihnen einen guten Preis, den Sie selbst festlegen können. Ich zahle Ihnen, was Sie wollen und das alles in bar, ganz ohne Formalitäten.“


 

Vielen Dank für das überaus großzügige Angebot, aber mich bringt hier keiner mehr weg. Ich lebe schon zu lange in dieser abgelegenen Gegend. Ich will nicht mehr woanders hin. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis, Mr. Pollux. Daher lehne ich ab.“


 

Mittlerweile hatte Mr.Bischof die Tür etwas weiter geöffnet, die jetzt fast offen stand. Sein Nachbar lächelt plötzlich und fokussierte ihn mit einem Blick, der sehr böse aussah, weil beide Augen auf einmal rot funkelten.


 

Mr. Bischof trat vor Schreck einen Schritt nach hinten, weil er es mit der Angst zu tun bekam. Dann schlug er dem aufdringlichen Kerl die Tür vor der Nase zu.


 

Draußen rief der Typ, der sich Mr. Bischof als Orynthar von Pollux vorgestellt hatte, plötzlich mit lauter Stimme: „Ich komme wieder, Herr Nachbar und werde Sie holen, wenn es soweit ist. Ihr Haus mit Grundstück ist mir eigentlich gleichgültig. Mir lag nur daran, Sie mal näher in Augenschein zu nehmen, was Sie für ein Mensch sind.“


 

Was für ein irrer Kerl und so etwas habe ich zum Nachbar, dachte sich Bischof, ging schnell rüber in die Küche, um sein Essen vorzubereiten. Über das Gesagte seines Nachbarn machte er sich keine großen Gedanken mehr.


 

Zwei Monate später.


 

Draußen tobte ein Sturm. Mr. Walter Bischof saß gerade im gemütlichen Wohnzimmer vor dem Kaminfeuer und war in seinem weichen Sessel eingeschlafen, als es plötzlich läutete. Müde schlurfte Bischof zur Tür und öffnete sie vorsichtig.


 

Und da stand er, sein komischer Nachbar mit dem Adlergesicht, der eine leuchtende Sternenkarte in beiden Händen hielt. Dann sagte er zu dem wie erstarrt da stehenden Bischof: „Es ist Zeit! Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich Sie abholen und mitnehmen werde. Wissen Sie, für die kurze Reise zum Mars, wo mein eigentliches Raumschiff steht, brauche ich einen gewissen Vorrat an Proviant. Ich werde Ihren Körper in kleine Portionen verarbeiten, konservieren und in Dosen abpacken. Die Menge wird reichen, bis ich den Mars erreicht habe. Ich musste mich sowieso die ganze Zeit von Menschenfleisch ernähren, als ich hier mit meinem Miniraumschiff ins Meer gestürzt bin. Ich habe es einfach nachgebaut und die wichtigsten Teile des havarierten Kleinschiffes in das provisorische hier hinein gebaut. Hat zwar ein wenig gedauert, aber es funktioniert einwandfrei. Der heftige Sturm heute ist für einen Start wie geschaffen. Niemand wird mich bemerken, wenn ich starte. Also, Mr. Bischof, kommen Sie freiwillig mit und leisten Sie keinen Widerstand, da ich Sie dann leider schon an Ort und Stelle töten müsste.“


 

Die Augen seines Gegenübers fingen auf einmal wie zwei rote Punkte in der aufkommenden Dämmerung zu leuchten an. Dann packte der Alien Mr. Bischof brutal an die rechte Schulter, stieß ihn vor sich her, bis sie das kleine Raumschiff erreicht hatten, das im Garten auf sie wartete. Anschließend stiegen beide ein. Die Einstiegsluke wurde geschlossen und das Miniraumschiff hob kurz darauf fast geräuschlos ab. Etwas später, schon außerhalb der Erde, flog es in Richtung Mars.


 

(c)Heiwahoe


 


 


 


 


 


 



 

 

 

 

 

 

 

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