Jürgen Schnaible

Tor drei

Ankunft

Milan arbeitet beim Militär und ist auf dem Weg zum Planeten Teron. Dieser ist der Erde sehr ähnlich. Seit einiger Zeit haben Wissenschaftler dort eine Basis errichtet, um den Planeten genauer zu untersuchen, bevor er besiedelt werden kann. In letzter Zeit sind allerdings fünf der Wissenschaftler verschwunden. Keiner weiß, was mit ihnen geschehen ist. Deshalb soll Milan und drei weitere Kollegen die Basis bewachen und versuchen herauszufinden, was mit den Vermissten geschehen ist.

Sie haben ihr Ziel erreicht und das Raumschiff landet etwas abseits der Basis. Dort werden sie schon von einigen der Wissenschaftler erwartet. Auch der Leiter der Basis ist selbstverständlich dabei. Er stellt sich ihnen als Martin vor, da sich hier jeder mit seinem Vornamen anredet. Diese empfangen die Neuankömmlinge und begleiten sie zur Basis. Zuerst wird ihnen ihre Unterkunft gezeigt, wo sie erst einmal ihr Gepäck unterbringen können. Danach gehen sie in die Kantine. Dort sollen sich Milan und seine Kollegen erst einmal stärken. Dabei unterhält man sich gegenseitig, um sich auch näher kennenzulernen. Natürlich wird auch das eigentliche Problem angesprochen, nämlich die vermissten Wissenschaftler. Die restlichen Wissenschaftler auf der Basis bekommen allmählich Angst, solange sie nicht wissen, was mit denen passiert ist. Ihre ganze Hoffnung liegt jetzt bei Milan und seinen Kollegen, dass sie das Rätsel lösen können.

Nach dem Essen wird den vier Neuen die gesamte Basis gezeigt. Sie müssen sich hier gut auskennen, um den Überblick zu behalten. Für ihre Überwachung der Basis bekommen sie außerdem einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt. Er liegt ziemlich zentral und ist leicht erhöht, um einen guten Rundumblick über die gesamte Basis zu gewährleisten. Danach gehen sie wieder zurück in ihre Zimmer, wo sie in nächster Zeit leben werden. Da es bereits schon spät ist, beschließen Milan und seine Kollegen, sich nach dem langen Tag, erst einmal auszuruhen.


Zweiter Tag

Am nächsten Morgen begeben sich die vier Kollegen in ihre neue Zentrale, den zur Verfügung gestellten Raum. Dort besprechen sie ihren Einsatzplan. Es werden immer zwei Leute zusammenarbeiten. Die eine Gruppe am Tag und die andere Gruppe in der Nacht. Einer von beiden Partnern soll auf einer festgelegten Route durch die Anlage laufen, während der Andere in der Zentrale die Umgebung im Auge behält. Nach der fertigen Einteilung laufen sie durch die Basis, um ihre Route festzulegen, die sie auf ihrem Rundgang zurücklegen werden. Danach besprechen sie ihren fertigen Plan noch mit dem Leiter der Basis. Nach seinem Einverständnis begeben sich die neuen Wachleute in ihre Zimmer. Morgen können sie dann mit ihrer Arbeit beginnen.
 
Am nächsten Morgen übernehmen zwei Kollegen von Milan die Tagschicht. Milan übernimmt dann mit seinem Kollegen Fred die Nachtschicht. Während Fred in der Zentrale die Umgebung beobachtet, geht Milan auf seinen ersten Rundgang. Er hält sich dabei an die von ihnen festgelegte Route. Zuerst durchläuft er den inneren Teil des Gebäudekomplexes, danach geht er nach draußen, um die Außenanlage zu kontrollieren. Dabei beginnt er am Tor eins, dem Haupttor. Dann läuft er innen den Zaun entlang, der die Basis umschließt, an Tor zwei, drei und vier vorbei, bis er wieder am Tor eins angekommen ist. Somit ist der erste Rundgang beendet und Milan geht zu Fred in die Zentrale zurück. Dort stellen beide fest, dass sie nichts Außergewöhnliches bemerkt haben. Beide befinden sich jetzt in der Zentrale und beobachten vorübergehend gemeinsam die Umgebung, bis Milan wieder seinen nächsten Rundgang macht.

Kurz vor Schichtende macht sich Milan auf den Weg zu seiner letzten Runde. Wieder hält er sich an die vorgegebene Route. Auch diesmal ist nichts Ungewöhnliches zu erkennen, bis er an Tor drei kommt. Als er gerade dort vorbeiläuft, bemerkt er auf der anderen Seite des Tores, etwas Besonderes. Zuerst ist es ihm nicht aufgefallen. Erst als er genauer hinsieht, erkennt er die außergewöhnliche Situation. Da ist ein Schatten auf dem Boden, der von einem menschlichen Körper stammen könnte. Doch woher stammt dieser? Es ist nicht zu erkennen, wer oder was diesen Schatten erzeugt. Milan beobachtet den Schatten auf dem Boden ganz genau, ob er sich bewegt. Doch er bleibt unverändert an Ort und Stelle. Dann versucht er anhand der Anordnung der Beleuchtung, die die Umgebung erhellt, herauszufinden, wo sich das Objekt befinden müsste, welches für den Schatten verantwortlich wäre. Allerdings ist nichts zu erkennen, was sich zwischen der Lichtquelle und dem Schatten befindet.  Milan lässt das keine Ruhe und will unbedingt herausfinden, ob sich da draußen vor dem Tor etwas befindet. Er hebt einen kleinen Stein auf, der zufällig vor ihm auf dem Boden liegt, und wirft ihn in Richtung des Schattens. Der Stein fliegt einfach weiter, ohne etwas zu berühren. Daraufhin sucht er noch mehr Steine zusammen, um noch einmal zu werfen. Er wirft sie alle gleichzeitig auf den Schatten zu, in der Hoffnung, dass einer davon etwas trifft. Doch auch diesmal fliegen alle Steine ungebremst über den Schatten hinweg. Noch einen kurzen Moment lang starrt er auf den Schatten, bevor er beschließt, weiter zu gehen. Nachdem Milan seine Runde zu Ende gelaufen hat, kehrt er zur Zentrale zurück. Dort erzählt er seinem Kollegen Fred von seinem Erlebnis vor Tor drei. Dieser meinte allerdings, dass es dafür bestimmt eine plausible Erklärung geben muss. Milan solle sich keine großen Gedanken darüber machen. Doch die macht sich Milan.


Dritter Tag

Am nächsten Abend, als Milan und Fred ihre beiden anderen Kollegen in ihrer Zentrale ablösen, fragt Milan, ob jemand von ihnen etwas Ungewöhnliches bemerkt hatte. Doch keinem war etwas Besonderes aufgefallen. Milan will sie nicht direkt auf den Schatten vor Tor drei ansprechen, bevor er sich nicht sicher ist, was da wirklich war. Eigentlich wäre Fred mit dem Rundgang dran, doch Milan möchte diese Nacht noch einmal laufen. Vielleicht ist dieser Schatten wieder da. Für Fred ist das gerade recht. So kann er die ganze Nacht in der Zentrale verbringen und muss nicht überall herumlaufen.

Milan beginnt wieder seinen Rundgang durch das Gebäude der Basis. Danach geht er wieder nach draußen zum Haupttor. Auch da schaut er sich schon den Platz vor dem Tor genauer an, als am Tag zuvor. Danach beobachtet er die Umgebung außerhalb des Tores, aber er kann nichts Außergewöhnliches erkennen. Er läuft weiter am Zaun entlang zu Tor zwei und beobachtet dabei mit gleicher Sorgfalt die äußere Umgebung. Weiter geht es zu Tor drei, wo er am Tag zuvor den unerklärlichen Schatten gesehen hatte. Doch im Moment ist nichts dergleichen zu erkennen. Milan bleibt noch eine Weile vor dem Tor stehen. Plötzlich kommt aus dem Dunkel ein Schatten heraus, der sich langsam den Boden entlang bewegt. Wieder hat er die Umrisse eines menschlichen Körpers. Er kommt direkt auf das Tor zu, vor dem Milan soeben steht. Trotz innerer Anspannung bleibt Milan regungslos stehen. Er wartet ab, was gleich passieren wird. Kurz vor dem Tor kommt der Schatten zum Stehen. Wenn das ein Schatten von jemandem ist, den er weder sehen noch fühlen kann, dann müsste er jetzt direkt vor ihm stehen. Milan versucht irgendetwas zu erkennen, was da vor ihm stehen könnte, doch er bemerkt nichts. Dennoch scheint er die Anwesenheit von jemandem zu spüren. Er fast seinen ganzen Mut zusammen und streckt seinen rechten Arm durch den Zaun, in der Hoffnung, doch etwas berühren zu können. Doch auch da scheint nichts zu sein. Er bewegt seinen Arm hin und her, doch ohne Erfolg. Dann geht Milan einige Schritte zurück, um zu sehen, ob der Schatten ihm folgt. Doch der bewegt sich wieder zurück in die Dunkelheit. Daraufhin geht Milan weiter. 

Als Milan zurück in der Zentrale ist, berichtet er Fred sofort von seiner erneuten Begegnung mit dem Schatten. Auch wenn Fred immer noch nicht ganz überzeugt von der Sache ist, für Milan ist der Schatten ein Phänomen, das untersucht werden muss. Nach einer Weile macht sich Milan auf den Weg zur nächsten Runde. Wieder läuft er den gleichen, vorgeschrieben Weg. Da nichts Außergewöhnliches passiert, ist er sehr gelassen. Doch als er auf Tor drei zugeht, steigt bei ihm die Anspannung, denn er weiß nicht, was ihn diesmal erwartet. Da ist er wieder, der Schatten. Doch diesmal befindet er sich regungslos hinter dem Tor. Milan stellt sich vor das Tor und versucht den Schatten anzusprechen, doch dieser reagiert nicht darauf. Vielleicht können sie sich auch nicht auf diese Weise verständigen. Milan wartet noch ein wenig auf eine Reaktion. Als diese ausbleibt, läuft er weiter. Zurück in der Zentrale, denkt er noch einmal über das Erlebte nach. Er muss etwas tun, um herauszufinden, was es mit dem Schatten auf sich hat.


Vierter Tag

Milan macht sich noch vor seinem Dienstantritt auf den Weg zum Leiter der Basis. Er möchte diesen auf die Schatten ansprechen. Sie haben sich in dessen Büro verabredet. Dort angekommen begrüßen sich die beiden. Dann fragt er nach seinem Anliegen. Milan erzählt ihm daraufhin seine Begegnungen mit dem Schatten. Nun möchte er gerne wissen, ob außer ihm noch jemand einen gesehen hat, vielleicht sogar Kontakt mit ihm aufnehmen konnte. Man sieht Martin an, dass er auf diese Frage nicht gefasst ist. Er starrt vor sich hin, als ob er nicht weiß, was er sagen soll. Nach einer Weile schaut er zu Milan und fragt ihn, ob er auch sicher sei, was er da gesehen hatte. Doch dieser ist sich ganz sicher, dass da etwas nicht Erklärbares ist. Martin fragt noch einmal nach, ob der Schatten tatsächlich von einem Menschen stammen könnte. Als Milan es bejaht, gesteht Martin, schon einmal davon gehört zu haben. Nachdem der erste Wissenschaftler verschwand, habe einige Zeit später ein Kollege so einen Schatten gesehen. Kurze Zeit später verschwand auch dieser Mann. Mehr könne er nicht dazu sagen. Das ist zwar nicht viel, dennoch bedankt sich Milan bei Martin für seine Auskunft und verabschiedet sich. 

Milan geht daraufhin direkt zu Tor drei, um zu sehen, ob auch bei Tageslicht der Schatten zu sehen ist. Als er dort ankommt, beobachtet er sofort die Umgebung hinter dem Tor. Im Moment kann er noch keinen Schatten erkennen. Er wartet noch einige Zeit, ob doch noch einer kommt, doch nichts passiert. Für Milan wird es langsam Zeit sich zur Zentrale zu begeben, da sein Dienst bald beginnt. Dort warten schon seine Kollegen Fred und die beiden anderen Kollegen von der Tagschicht auf ihn. Sie unterhalten sich noch ein wenig, bevor Milan sich auf den Weg zu seiner ersten Runde macht.

Der Rundgang von Milan beginnt auch diesmal ohne jegliche Vorkommnisse. Wie in letzter Zeit üblich, ist er gespannt, was ihn bei Tor drei erwartet. Dort angekommen hält er natürlich sofort nach dem Schatten Ausschau. Als ob dieser auf Milan gewartet hätte, kommt er plötzlich aus der Dunkelheit ins Licht der Scheinwerfer, die den Vorplatz erhellen. Wieder bewegt er sich direkt auf Milan zu, der direkt vor dem Tor steht. Doch diesmal bleibt der Schatten nicht hinter dem Tor stehen, sondern bewegt sich einfach weiter unter ihm hindurch. Milan hat damit überhaupt nicht gerechnet. Als der Schatten sich direkt vor seinen Füßen befindet, dreht sich Milan um und läuft davon, bevor er ihn berührt. Er weiß noch nichts über den Schatten und will kein Risiko eingehen. Nach einigen Metern schaut er sich um und erkennt, dass sich der Schatten nicht weiter bewegt. Milan bleibt stehen und beobachtet voll konzentriert, wie sich der Schatten verhalten wird. Noch ein paar Sekunden bleibt dieser regungslos auf der Stelle und bewegt sich dann plötzlich wieder unter dem Tor hindurch nach draußen, wo er dann verschwindet. Milan versucht zu verstehen, was da gerade passiert ist. Warum hat ihn der Schatten nicht weiter verfolgt? Was wollte der Schatten von ihm? Milan geht seine Runde weiter und danach zurück in die Zentrale. Wieder erzählt er Fred sein neuestes Erlebnis an Tor drei. Danach setzt er sich erst einmal gemütlich hin und denkt nach.

Einige Zeit später macht sich Milan erneut auf den Weg zu einem weiteren Rundgang. Auch diesmal gibt es keine besonderen Vorkommnisse, bis er sich wieder Tor drei nähert. Vorsichtig nähert er sich dem Tor, da er nicht weiß, was ihn diesmal dort erwartet. Als ob der Schatten auf ihn gewartet hätte, kommt er wieder aus der Dunkelheit auf Milan zu. Doch diesmal will Milan nicht davonlaufen, sondern abwarten, was passiert. Er möchte wissen, was der Schatten von ihm will. Dieser kommt dem Tor immer näher und bewegt sich, wieder unter dem Tor durch, auf Milan zu. Kurz vor seinen Füßen bleibt er plötzlich stehen. Milan nimmt seinen ganzen Mut zusammen und bleibt einfach regungslos auf der Stelle. Da sich der Schatten auch nicht weiter bewegt, bückt sich Milan und versucht den Schatten auf dem Boden zu ertasten. Als seine Finger den Boden mit dem Schatten berühren, spürt er eine Art von Energie, die er nicht beschreiben kann. Er hatte vorher so etwas noch nicht gespürt. Der Finger dringt dabei immer weiter in den Schatten ein. Schnell zieht Milan den Finger wieder heraus. Es hat den Anschein, als ob dieser Schatten kein richtiger Schatten ist, sondern eine eigenständige Lebensform. Milan stellt sich wieder hin und der Schatten zieht sich zurück. Vielleicht wollte der Schatten damit erreichen, dass Milan erkennt, dass er ein eigenständiges Individuum ist. Milan will gerade weiterlaufen, als der Schatten zurückkehrt. Er ist jedoch nicht allein. Insgesamt fünf solcher Schatten sind plötzlich auf dem Platz vor dem Tor zu sehen. Jeder von ihnen hat seine eigene menschliche Form. Es hat den Anschein, als würden sie alle in seine Richtung blicken. Milan traut der Situation nicht ganz und entschließt sich weiterzugehen, um seine Runde zu Ende zu bringen. In der Zentrale angekommen, setzt er sich wieder erst einmal gemütlich hin. Natürlich ist Fred schon neugierig, was es Neues von Tor drei gibt. Natürlich klärt Milan seinen Kollegen auf, obwohl er selber noch nicht genau weiß, was er von der Situation halten soll. Er wird dem Basisleiter Martin nochmal einen Besuch abstatten müssen.


Fünfter Tag

Milan hat sich erneut einen Termin bei Martin geben lassen und sucht ihn nachmittags in seinem Büro auf. Der empfängt ihn freundlich, aber auch leicht angespannt. Natürlich will er sofort wissen, ob es Neuigkeiten von dem Schattenphänomen gibt. Da Milan genau deswegen hier ist, berichtet er seine neuen Erlebnisse. Er spricht auch seine Vermutung aus, dass es sich bei dem sogenannten Schatten um ein eigenständiges Lebewesen handeln könnte. Martin gibt zu, noch nie von solch einer Art von Lebewesen gehört zu haben. Auf jeden Fall würde ihn interessieren, ob diese Individuen etwas mit den verschwundenen Wissenschaftlern zu tun haben könnten. Die gleiche Frage stellt sich auch Milan, der noch einmal betont, dass er fünf dieser Schatten gesehen hatte. Martin scheint noch einmal über diese Bemerkung nachzudenken, bis er scheinbar versteht, worauf Milan hinaus will. Dieser verabschiedet sich daraufhin noch kurz und begibt sich zu seinen Kollegen in die Zentrale. 

Als Milan in der Zentrale angekommen ist, befragt er seine Kollegen von der Tagschicht, ob ihnen an Tor drei nichts Ungewöhnliches aufgefallen sei. Als diese die Frage verneinen, wollen sie doch gerne wissen, auf was er genau anspiele. Milan weiß, dass er ihnen seine Erlebnisse an Tor drei erzählen muss, um Informationen zu bekommen. Also beginnt Milan auch ihnen, seine Begegnungen mit den Schatten, zu erzählen. Auch danach können die Kollegen nur wieder bestätigen, noch nie etwas in der Art gesehen zu haben. Milan erinnert sich, dass auch er am Tage noch keinen dieser Schatten gesehen hatte. Ob sie womöglich das Tageslicht meiden? 

Auch diese Nacht geht Milan seinen gewohnten Rundgang durch die Anlage. Wie immer gibt es nichts Ungewöhnliches zu beobachten. Nur der Umgebung hinter Tor drei schenkt er wieder besondere Aufmerksamkeit. Doch diesmal kann er keinen Schatten erkennen. Auch nach längerem Warten bleibt der Platz hinter dem Tor leer. Leicht verwundert läuft Milan weiter. Erst als er seinen nächsten Rundgang antritt und an Tor drei ankommt, erkennt er einen Schatten aus der Dunkelheit herauskommen. Der war jedoch nicht allein und auf einmal waren wieder fünf dieser Schatten hinter dem Tor zu sehen. Milan bleibt in einiger Entfernung vor dem Tor stehen und wartet ab. Die Schatten sind momentan regungslos und scheinen direkt in seine Richtung zu zeigen, als würden sie ihn wieder ansehen. Für Milan kommt es so vor, als wollten sie etwas von ihm. Als sich nach einer Weile nichts an der Situation ändert, fast Milan den Entschluss, durch das Tor nach draußen zu gehen. Er will unbedingt wissen, mit wem er es zu tun hat. Deshalb muss er einfach aktiver werden und auf die Schatten zugehen. Als er auf dem Vorplatz inmitten der fünf Schatten steht, beginnen sich diese nacheinander in eine bestimmte Richtung wegzubewegen. Er nutzt die Gelegenheit und folgt ihnen.

Milan läuft den Schatten hinterher, bis diese in der Dunkelheit verschwinden. Sofort schaltet Milan seine Taschenlampe an, die er bei seinem Rundgang immer dabei hat. Dadurch kann er die Schatten durch das Licht der Lampe wieder erkennen und weiter verfolgen. Die Verfolgung geht in Richtung eines angrenzenden Waldes. Dort geht es hinein, wobei Milan mächtig Mühe hat, die Schatten nicht aus den Augen zu verlieren. Plötzlich erreichen sie einen Höhleneingang. Die Schatten bewegen sich darauf zu und bleiben direkt davor stehen. Sie formieren sich und befinden sich nun alle nebeneinander vor dem Eingang. Milan weiß nicht genau, wie er diese Konstellation interpretieren soll. Wollen die Schatten ihn davor warnen in die Höhle zu gehen und hab sich deshalb vor dem Eingang positioniert? Milan hat keine Ahnung, was er nun tun soll. Interessieren würde es ihn schon, was sich hinter dem Eingang befindet. Da kommen plötzlich die ersten Sonnenstrahlen der Morgendämmerung durch die Bäume. Schnell werden die Schatten unruhig und verschwinden einer nach dem anderen in der Höhle. Milans Vermutung scheint sich zu bestätigen, dass die Schatten das Sonnenlicht nicht vertragen. Möglicherweise ist bei diesem Licht eine bestimmte Strahlung vorhanden, die für die Schatten schädlich ist. Zumindest ist für Milan jetzt klar, dass er den Schatten in die Höhle folgen wird. 

Mit seiner Lampe folgt er den Schatten durch den Eingang in die Höhle. Dort geht es dann einen langen, verschlungenen Weg entlang, der sich durch die Höhle zieht. Nach einer Weile hat Milan das Ende des Weges erreicht und steht nun vor einer dunklen Wand. Er geht auf sie zu, um sie genauer zu betrachten. Als er sich die Oberfläche der Wand genauer anschaut, kann er keine Struktur erkennen, auch wenn er sie direkt anleuchtet. Es scheint, als ob das Licht vollkommen absorbiert wird.  Da bemerkt er, dass er die Schatten aus den Augen verloren hat. Er leuchtet mit seiner Lampe die Umgebung ab, kann allerdings keinen dieser Schatten mehr entdecken. Doch etwas scheint er dennoch entdeckt zu haben. Am Rande der dunklen Wand erkennt Milan die eigentliche Struktur einer Steinwand. Es hat den Anschein, als ob sich eine zweidimensionale Ebene auf der eigentlichen Wand befindet. Dann hebt er einen kleinen Stein vom Boden auf und wirft ihn auf die Wand zu. Dieser verschwindet einfach darin. Milan fragt sich, ob die Schatten dort hineingegangen sind. Auch wenn er nicht weiß, was auf ihn zukommt, möchte Milan wissen, was sich dahinter befindet. Er läuft langsam auf diese besondere Wand zu, bis auch er darin verschwindet.

Fred befindet sich in der Zentrale und wartet auf seinen Kollegen Milan, der schon längst wieder zurück sein müsste. Auch über sein Funkgerät kann er ihn nicht erreichen. Da es draußen schon hell ist und die Tagschicht bereits eingetroffen ist, beschließt Fred, nach Milan zu suchen. Er läuft den ganzen Weg ab, den auch Milan bei seinem Rundgang läuft. Doch Fred kann ihn nicht finden. Jeden Mitarbeiter der Basis befragt er nach Milan, doch keiner weiß, wo dieser sich befindet. Dann fällt ihm die Geschichte mit den Schatten an Tor drei ein und geht noch einmal dorthin. Aber auch da ist dieser nicht zu sehen. Auch diese Schatten waren nicht zu erkennen, von denen Milan immer erzählt hat. Da erinnert sich Fred, dass man keine Schatten bei Tageslicht entdecken würde. So entschließt er sich am Abend, nach Sonnenuntergang, noch einmal zum Tor zu kommen.

Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit, steht Fred vor Tor drei. Er schaut sich die Umgebung genau an und hofft, etwas zu entdecken, was ihn bei seiner Suche weiterbringen könnte. Möglicherweise hat das Verschwinden von Milan, wie den anderen vermissten Mitarbeitern der Basis, etwas mit den Schatten zu tun. Geduldig wartet er am Tor, bis nach einer Weile tatsächlich ein Schatten, aus der Dunkelheit heraus, auf dem Vorplatz auftaucht. Das ist das erste Mal, dass Fred einen dieser Schatten sieht, von deren Existenz er selber immer gezweifelt hatte. Plötzlich tauchen noch mehr davon auf. Fred erinnert sich, dass Milan zum Schluss von fünf Schatten gesprochen hatte. Jedoch sind hinter dem Tor sechs dieser Schatten zu sehen. Kurze Zeit später verschwinden sie wieder nacheinander in der Dunkelheit. Fred entschließt sich ihnen zu folgen, in der Hoffnung, dass sie ihn zu Milan führen. Er weiß in diesem Moment noch nicht, wie Recht er damit haben wird.



 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Jürgen Schnaible).
Der Beitrag wurde von Jürgen Schnaible auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.05.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Jürgen Schnaible als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Stille Sehnsucht: Gedichte von Marion Batouche



Fernweh
Unsere Gefühle
Fahren einfach Karussell
Alte Narben brechen auf
Möwenschrei!

Marion Batouche, geb. 1962 in Waren an der Müritz; lebt zur Zeit mit ihrem Mann und ihren beiden erwachsenen Kindern in Lilienthal bei Bremen. Sie arbeitet seit dreizehn Jahren als Sachbearbeiterin in einer Bremer Im- und Exportfirma und füllt ihre Freizeit damit aus, Gedichte zu schreiben.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Science-Fiction" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Jürgen Schnaible

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Reise zum Mars von Jürgen Schnaible (Science-Fiction)
Der Tod ist der engste Verbündete des Lebens von Daniel Polster (Science-Fiction)
Im Irrenhaus von Margit Kvarda (Humor)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen