Jürgen Schnaible

Das Spiel

Die Farm

Milo ist Farmer und lebt seit einigen Jahren mit seiner Familie auf dem Planeten Brantena. Er hat hier, weit weg von der Erde, eine neue Heimat gefunden. Er ist einer von vielen Farmern, die den Boden urbar machten und die dadurch entstandenen Felder bewirtschaften. Die Erträge werden dann von riesigen Raumschiffen, die die einzelnen Farmen regelmäßig anfliegen, abgeholt.

Wie jeden Morgen sitzt Milo auf der Terrasse vor seinem Haus und überschaut sein Gebiet mit den riesigen Feldern. Sie ziehen sich, soweit das Auge reicht. Zur Bewirtschaftung hat Milo eine große Halle mit den modernsten Maschinen, welche die Bewirtschaftung der Felder automatisch durchführen. Er selber kontrolliert den ganzen Ablauf und muss gelegentlich kleinere Reparaturen vornehmen. Bei größeren Problemen muss er eine Spezialfirma rufen.

Seine Kinder werden gerade zur Schule in die nächste Stadt gebracht und seine Frau ist noch im Haus beschäftigt, als Milo sich in seinen Wagen setzt, um seine Kontrollfahrten zu machen. Er fährt die Felder ab und kontrolliert dabei seine Maschinen, ob sie ihre Arbeit richtig ausführen. Nachdem er seine erste Kontrollfahrt hinter sich hat, schaut er noch kurz auf das Display in seinem Wagen, wo ihm eine Landkarte angezeigt wird. Darauf sind die gegenwärtige Position und der Zustand aller seiner Maschinen abgebildet. Da im Moment alles in Ordnung zu sein scheint, entschließt sich Milo, zurückzufahren.

Unterwegs kommt er an einem Fluss vorbei. Kurz entschlossen entschlieft er sich dann doch noch ein wenig dort zu verweilen. Am Fluss angekommen, setzt er sich ans Ufer und betrachtet die Gegend auf der gegenüberliegenden Seite. Eigentlich gibt es da nichts besonderes zu sehen, bis er im Hintergrund einen kleinen Berg erkennt, der sich von seiner Umgebung hervorhebt. Er ist ihm vorher noch nie aufgefallen, obwohl er schon oft mit seinem Wagen am Fluss vorbeigefahren ist. Milo wird neugierig und fast den Entschluss, sich den Berg etwas genauer anzusehen. Er war noch nie auf der anderen Seite des Flusses, den er jetzt überqueren will. Da sein Fahrzeug aber auch dafür ausgelegt ist, durchquert er den Fluss mühelos, um auf der anderen Seite weiterzufahren. Milo fährt direkt auf den Berg zu, der rasch näher kommt.


Der Berg

Endlich ist er am Berg angelangt. Er bleibt mit seinem Wagen vor ihm stehen, steigt aus und betrachtet ihn. Ein ganz normaler kleiner Berg, mehr nicht. Milo steigt wieder in seinen Wagen und entschließt sich, den Berg noch kurz zu umrunden, bevor er wieder zurückfährt. Als er gerade an der gegenüberliegenden Seite vorbeifährt, bemerkt er etwas Sonderbares. Ein kreisrunder, künstlich angelegter Platz, von der ein Weg direkt auf den Berg zuläuft. Milo hält den Wagen an und steigt aus, um sich das Ganze genauer anzusehen.Er geht zu diesem Platz und folgt dann dem Weg in Richtung des Berges. Dieser bringt ihn zu einem Eingang, der in den Berg hineinführt. Milo bleibt kurz stehen und überlegt, ob er dem Weg weiter folgen soll. Dann läuft er rasch zum Wagen zurück und holt eine Handlampe, um den Weg auszuleuchten. Am Eingang wieder angekommen, geht er in den Berg hinein. Er folgt dem Weg durch einen langen Gang. Nach einiger Zeit erreicht Milo das Ende des Weges, der in einem großen, runden Raum endet. Dieser ist leicht von einem blau flackernden Licht erleuchtet, das in der Mitte des Raumes, direkt über dem Boden schwebt. Milo leuchtet mit seiner Lampe den gesamten Raum ab, kann aber nichts Interessantes entdecken.  Milo will daraufhin das Licht näher untersuchen und beobachtet es einige Zeit. Dann geht er langsam und vorsichtig darauf zu, ohne es aus den Augen zu verlieren. Als er direkt davorsteht und immer doch nichts passiert, versucht er mit seiner Hand, das Licht zu berühren.


Tag 1

Was ist passiert? Milo befindet sich irgendwo in einem Wald wieder. Wie ist er bloß hierhergekommen? Er schaut sich um, um zu sehen, wo er sich befindet. In diesem Wald wachsen die verschiedensten Pflanzen, die er noch nie zuvor gesehen hat. Er hat keine Ahnung, wo er sich im Moment befindet. Milo will den Wald verlassen, um mehr von der Gegend zu sehen, in der er sich befindet. Sofort läuft er los und schlägt sich durch den Wald. Es ist ein angenehm warmer Tag und die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel.

Nach einiger Zeit verlässt er endlich den Wald. Doch alles, was er sieht, ist eine weite, unberührte Landschaft. Keine Anzeichen von Zivilisation zu erkennen. Er weiß, dass er weiter gehen muss, um irgendwo Hilfe zu finden. Somit macht er sich auch gleich wieder auf den Weg. Milo läuft auf die angrenzende Hügellandschaft zu. Aber nach kurzer Zeit hört er auf einmal ein laut summendes Geräusch. Erschrocken schaut er sich um, um zu erkennen, woher es kommt. Da entdeckt er plötzlich, in einiger Entfernung vor ihm, dieses blaue Licht, das er schon im Berg gesehen hatte. Im gleichen Moment hört auch das Summen auf. Milo beobachtet das Licht und wartet ab, was passiert. Es passiert gar nichts. Das Licht schwebt immer noch über dem Boden auf der gleichen Stelle. Da Milo nicht länger warten will und neugierig ist, fängt er an, langsam auf das Licht zuzugehen. Er kommt vorsichtig immer näher. Als er schon relativ nahe ist, verschwindet plötzlich das Licht. Sofort bleibt er stehen und starrt auf die Stelle, wo sich gerade eben noch das Licht befand. Dann läuft er auf die Stelle zu, um doch noch etwas zu entdecken. Hier gibt es allerdings nichts mehr zu sehen. Er schaut sich noch kurz um, aber das Licht ist verschwunden. 

Milo bemerkt, dass es langsam dunkel wird und entschließt sich, zum nahen Wald zurückzukehren. Dort will er die Nacht verbringen. Er findet dort einen kleinen Bach, an dem Pflanzen mit den verschiedensten Früchten wachsen. Darum entschließt er sich, hier sein Nachtlager zu errichten. Nachdem er sich mit einigen essbaren Dingen gestärkt hat, beschließt er sich hinzulegen und noch einmal über das gerade Erlebte nachzudenken. 


Tag 2

Nachdem Milo am nächsten Morgen aufgestanden ist und etwas gegessen hat, macht er sich gleich wieder auf den Weg. Er nimmt sich noch ein paar Vorräte mit, verlässt den Wald und geht wieder auf diese Hügellandschaft zu. Vielleicht kann er dort jemand finden, der ihm weiterhilft. Unterwegs bemerkt er, dass es nicht mehr so angenehm warm ist, wie am Tag zuvor. Auch einige Wolken sind am Himmel zu sehen.

Nach einiger Zeit erreicht er die erste Anhöhe. Er schaut sich um, kann jedoch noch immer keine Anzeichen von Zivilisation erkennen. Also geht er immer weiter, doch überall nur unberührte Natur. Er hat keine Wahl, er muss weiter.

Als er nach einer Weile vor einem weiteren Hügel steht, hört er wieder dieses Summen. Sofort weiß er, dass das Licht wieder in der Nähe ist. Er schaut sich um und entdeckt dieses blaue Licht diesmal ganz oben auf dem Hügel. Jetzt muss er schnell handeln. Er hat sich nämlich überlegt, dass er das Licht vermutlich berühren muss, um hoffentlich zurückzukommen. Damals im Berg hatte er es ja auch kurz berührt und war dann hier gelandet. Dann kann es doch umgekehrt auch funktionieren, hofft Milo. Also läuft er gleich los, den Hügel hinauf, auf das Licht zu. Je mehr er sich dem Licht nähert, desto mehr schwinden auch seine Kräfte. So kommt es, dass er noch kurz vor Erreichen seines Zieles zusehen muss, wie das blaue Licht vor seinen Augen wieder verschwindet.

Enttäuscht, müde und völlig außer Atem, setzt er sich auf die Stelle, wo sich gerade noch das Licht befand. Er war nicht stark genug, um das Licht rechtzeitig zu erreichen. Seine körperlich Verfassung ist auch nicht mehr die Beste. Vielleicht hätte er etwas abwarten sollen, bevor er versuchte das Licht zu erreichen. Schließlich hat er bemerkte, dass das Licht genauso lang da war, wie beim letzten mal. Und die Zeit beginnt erst abzulaufen, wenn man das Licht gesehen hat. Aber dafür ist es jetzt zu spät. 

Milo steht nach einer Weile wieder auf und schaut sich um. Da erkennt er, dass nach dieser Hügellandschaft, sich eine weite Ebene anschließt. Dort fließt auch ein kleiner Fluss hindurch. Wenn er dem Fluss folgt, kann er womöglich eine Siedlung finden. Auch ein kleines Waldstück kann er von hier ausmachen. Dort könnte er wieder was zu essen finden und übernachten. Sofort macht sich Milo auf den Weg, um den Wald noch vor der Dunkelheit zu erreichen. 

Es ist schon spät, als er das Waldstück erreicht. Aber noch hell genug, um sich wieder ein Nachtlager zu errichten und sich was zum Essen zu besorgen. Sichtlich müde legt sich Milo schlafen, um morgen ausgeruht zu sein. 


Tag 3

Als Milo am nächsten Morgen aufwacht, merkt er sofort, dass es spürbar kälter geworden ist. Auch der Himmel ist von einer dichten Wolkendecke überzogen. Er muss an seine Familie denken, die ihn sicher schon vermissen wird. Was ist mit seinen Erntemaschinen, die jetzt keiner mehr kontrolliert? Es bringt nichts, sich darüber Gedanken zu machen, da es ihm nicht weiterhilft.

Nachdem er sich wieder was zu Essen zusammengesucht hat, macht er sich erneut auf den Weg. Er will dem Fluss folgen, den er gestern gesehen hat. Also verlässt er den Wald und folgt dem Fluss stromaufwärts.Würde er stromabwärts laufen, müsste er in die Richtung gehen, wo er hergekommen ist. Dadurch würde er viel Zeit verlieren. Also läuft Milo durch diese Ebene, nahe am Flussufer entlang. Im Hintergrund erkennt er ein kleines Gebirge und ein größeres Waldstück davor. Den Wald will er heute noch, vor Einbruch der Dunkelheit, erreichen.

Milo hat schon eine größere Strecke hinter sich gebracht, als er das altbekannte Summen wieder hört. Aber er weiß, was er zu tun hat. Er muss sofort, so schnell er kann, auf das Licht zulaufen. Er darf keine Zeit verlieren, wenn er es noch rechtzeitig erreichen will. Einen Moment atmet er noch kurz durch und schaut sich dann langsam um. Jederzeit bereit, sofort loszulaufen. Als er das blaue Licht jedoch sieht, ist er im ersten Moment wie geschockt. Das Licht befindet sich auf der gegenüberliegenden Flussseite. Damit hat Milo nicht gerechnet. Entsetzt blickt er hastig beide Flussrichtungen entlang, um einen Weg auf die andere Seite zu finden. Doch da ist nichts. Einen Übergang hätte er sicherlich schon vorher gesehen. Die Zeit drängt, er muss etwas unternehmen. Milo hat keine Wahl, wenn er auf die andere Seite will, muss er ins Wasser. Schnell springt er in den Fluss und schwimmt so schnell er nur kann, auf die gegenüberliegende Seite. Als er sich völlig erschöpft am anderen Ufer aus dem Wasser zieht und das Licht sucht, muss er feststellen, dass er durch die Strömung abgetrieben ist. Sofort läuft Milo mit seinen nassen Kleidern, am Ufer entlang, den Fluss hinauf, auf das Licht zu. Doch auch diesmal reicht die Zeit wieder nicht und das Licht verschwindet, noch bevor er es erreicht.

Wieder einmal maßlos enttäuscht setzt er sich kurz hin, um sich zu erholen. Er hat zwar immer die gleiche Zeit, das Licht zu erreichen, jedoch wird es jeden Tag schwieriger. Milo hat nicht viel Zeit seine Kleidung zu trocknen, denn er hat noch einen langen Weg vor sich.

Erst spät abends erreicht er, mit noch feuchten Kleidern, den Waldrand. Aber auch jetzt hat er keine Zeit sich lange auszuruhen. Wieder streift er durch den Wald und sucht was zu essen. Danach muss es sich sofort an sein Nachtlager machen, bevor es dunkel wird. Nachdem alles erledigt ist, legt er sich hin. Mit jedem Tag der vergeht, merkt er, wie das alles an seinen Kräften zehrt. Was wird ihn morgen erwarten? Wenn ihm nicht bald etwas einfällt, wird er das Licht wohl nie erreichen. 


Tag 4

Milo erwacht am nächsten Morgen und hört sofort ein plätschern. Er verlässt sein Nachtlager und sieht, dass es regnet. Auch die Luft hat sich weiter abgekühlt. Das erschwert seine Situation natürlich erheblich. Über Nacht hat sich Milo noch einmal Gedanken gemacht. Er will sich zum kleinen Gebirge, am Ende des Waldes, durchschlagen. Wie jeden Morgen holt er sich was zu essen, packt etwas Proviant für unterwegs ein und geht los.

Mühsam streift er durch den Wald, voller für ihn fremder Pflanzen. Der Waldboden weicht langsam durch den Regen auf und das Vorankommen fällt ihm sichtbar schwerer. Seine Kleidung ist nach einer Weile schon durchnässt, aber er hat keine Zeit vor dem Regen Schutz zu suchen. Da sich das Wetter jeden Tag verschlechtert glaubt er nicht, dass er abwarten kann, bis es besser wird. Er muss weiter und das Gebirge erreichen. Also kämpft er sich weiter durch diese Pflanzenwelt.

Es ist bereits Nachmittag und Milo kommt dem Gebirge immer näher. Der Regen und die kühle Luft machen ihm schwer zu schaffen. Dann ist es wieder da, dieses Summen, dass Milo nur zu gut kennt. Er blickt um sich, kann aber nichts entdecken. Dem Geräusch folgend, versucht er das Licht zu finden. Er weiß, dass die Entfernung zum Licht und die Zeit es zu erreichen, immer gleich sind. Nur die Bedingungen werden immer schwieriger. Dann erkennt er weit vor sich, durch die Pflanzen hindurch, das blaue Licht. Milo weiß zwar, dass er auch heute kaum eine Chance hat, das Licht rechtzeitig zu erreichen, dennoch will er es versuchen. Er läuft mit seiner nassen Kleidung und seinen schweren, verdreckten Schuhen, dem Licht entgegen. Es ist nicht möglich auf direktem Wege auf das Licht zuzulaufen, da er immer wieder den verschieden Pflanzen ausweichen muss. Dadurch verliert er auch das Licht immer wieder aus den Augen, da es, je nach Blickwinkel, von anderen Pflanzen verdeckt wird. Milo muss deswegen öfters seine Position wechseln, um das Licht wieder zu finden. Wenn er es erneut entdeckt hat, läuft er sofort weiter darauf zu. So bewegt er sich kreuz und quer durch den Wald und verliert dadurch kostbare Zeit. Trotz allem kommt er langsam näher. Er spürt, dass die Zeit knapp wird. Mit aller Kraft kämpft er sich auf das Licht zu. Dann verschwindet es. Er hat es wieder nicht geschafft. Wieder hat er verloren. Milo lässt sich einfach auf den Boden fallen. Zwar hat er damit gerechnet, dennoch ist er natürlich enttäuscht. Er ist außer Atem und müde, deswegen bleibt er einfach noch eine Weile liegen.

Milo rafft sich wieder auf und schlägt sich weiter durch den Wald auf das nahe gelegene Gebirge zu. Völlig durchnässt und verdreckt erreicht er den Waldrand noch vor Einbruch der Dunkelheit. Endlich steht er vor dem kleinen Gebirge, dass er erreichen wollte. Mit allerletzter Kraft findet er dort einen tiefen Felsvorsprung, wo er sich vor dem Regen schätzen kann. Hier kann er die Nacht im Trockenen verbringen.


Tag 5

Milo hatte die Nacht nicht gut geschlafen, obwohl er todmüde war. Noch immer nicht richtig wach zwingt er sich trotzdem aufzustehen. Er hat heute noch einiges vor sich und muss sich deshalb beeilen. Der gestrige Tag hat ihn sehr mitgenommen, deswegen fühlt er sich nicht gut. Wenn er jetzt noch krank wird, wie soll es dann weitergehen?

Das Wetter hat sich abermals verschlechtert. Milo sieht diesen starken Regen, der sich über die Landschaft ergießt. Zudem weht ein unangenehm, kalter Wind. Schlechte Bedingungen für ein Weitergehen. Doch Milo hat einen Plan und den will er auf jeden Fall durchführen.

Noch einmal begibt er sich in den Wald, um sich noch was zum Essen zu besorgen. Dann beginnt er mit dem Aufstieg auf das Gebirge. Er hat sich einen alleinstehenden Berggipfel ausgesucht, den er erreichen will, noch bevor das Licht wieder erscheint. Da er auf den höchsten Gipfel gelangen will, muss er sich beeilen, wenn er es noch rechtzeitig schaffen will. Das blaue Licht kommt normalerweise nicht vor dem Mittag. Bis dahin will Milo sein Ziel erreicht haben.

Der Aufstieg unter diesen Witterungsbedingungen und ohne Ausrüstung ist eine extreme Herausforderung. Nur mühsam kommt er seinem Ziel näher. Er weiß, wenn er noch eine Chance haben will, muss er da hoch. Die Anstrengung steht ihm ins Gesicht geschrieben und er ist sich nicht sicher, ob er es noch rechtzeitig schafft. Doch irgendwie erreicht er dennoch den Gipfel um die Mittagszeit. Völlig erschöpft, durchnässt und zitternd vor Kälte, sitzt er am Gipfel dieses Berges. Er schaut sich nach allen Seiten um und versucht sich die Umgebung einzuprägen. Da er ungefähr weiß, in welcher Entfernung das Licht erscheinen wird, kann er sich jetzt schon darauf einstellen. Es wird jedenfalls unter ihm sein, weil es höher nicht mehr geht. Er muss also nicht hoch klettern, sondern immer nach unten, was natürlich schneller geht. So wartet Milo, dem Wetter hier oben gnadenlos ausgesetzt, auf seine möglicherweise letzte Chance. 

Es geht los. Milo reist die Augen auf, als er das unverkennbaren Summen hört. Er ist aufgeregt, aber auch irgendwie froh, dass es endlich losgeht. Er sieht sich langsam um. Da ist es, dieses blaue Licht, das ihn langsam zur Verzweiflung bringt. Sofort läuft er los, den Berg hinab, auf das Licht zu. Da er sich die Gegend vorher genau angesehen hat, kommt er dem Licht schnell näher. Er erkennt, dass er nicht mehr weit weg sein kann und läuft so schnell er kann darauf zu. Plötzlich wird er langsamer, denn er bewegt sich direkt auf eine kleine Schlucht zu. Als er direkt am Rande des Abgrundes steht, ist seine letzte Hoffnung wie weggeblasen. Milo hatte die Situation von seiner Perspektive aus vorher nicht erkannt. Damit konnte er nicht rechnen. Das Licht befindet sich auf einem Felsvorsprung inmitten einer kleinen Schlucht, auf der gegenüberliegenden Seite. Es weiß, dass es in der Zeit nicht zu schaffen ist, diese zu umgehen und dann noch nach unten zu klettern. Es ist einfach unmöglich. Erstarrt steht er nun da und kann keinen klaren Gedanken fassen. Doch er muss jetzt handeln, ob er will oder nicht, denn die Zeit läuft ihm weg. Dann endlich weiß er, was er zu tun hat. Ihm ist klar, dass das Licht zu erreichen, bald nicht mehr möglich sein wird. Auch sein Gesundheitszustand wird immer schlechter. Er wird das Ganze nicht mehr länger durchhalten können. Milo schaut sich die Position und Entfernung des Lichtes noch einmal kurz an, dreht sich um und läuft zurück. Nach einigen Metern dreht er sich wieder um und rennt mit voller Geschwindigkeit auf die Schlucht zu. Am Rande des Abgrundes angekommen, springt Milo ab und überlässt sich seinem Schicksal. In diesem Moment weiß er, dass es sein letzter Tag hier sein wird. Entweder er verfehlt das Licht, dann wird er den Abgrund hinab fallen und dort sein Ende finden. Oder er erreicht es und kommt dann hoffentlich wieder nach Hause. Oder auch nicht. Egal was passiert, es gibt kein zurück. 


Die Rückkehr

Milo steht wieder, oder immer noch, neben dem Licht. Er befindet sich weiterhin im Raum, im Inneren des Berges befindet. Wie versteinert schaut er auf das Licht, das jetzt nicht mehr blau, sondern grün leuchtet. Er fühlt sich, als wäre er gerade von einem Traum aufgewacht. Da er trockene und saubere Kleidung trägt und er sich eigentlich recht gut fühlt, könnte man meinen, er wäre gar nicht weg gewesen. Selbst die Handlampe brennt noch, als wäre die Zeit stehen geblieben, solange er fort war. Er vermutet, dass er bei seinem letzten Sprung das Licht erreicht hat und ist deswegen zurückgekehrt. Deshalb hat sich auch die Lichtfarbe verändert, da er das Ziel erreicht hat. Was wäre geschehen, wenn er das Licht verfehlt hätte? Das wird er wohl nie erfahren.

Milo verlässt den Raum, um durch den Gang wieder ins Freie zu gelangen. Dann geht er den Weg entlang, der zu dem runden Platz fährt. Sein Wagen steht immer noch da, wo er ihn abgestellt hatte. Jetzt will er nur noch heim und nach seiner Familie sehen, die ihn sicher schon lange vermisst. Sofort steigt er in den Wagen und fährt zurück zum Fluss, um ihn abermals zu durchqueren. Danach geht es direkt nach Hause. Unterwegs blickt er noch kurz auf seinen Monitor im Wagen, um zu sehen, was mit seinen Erntemaschinen los ist. Es scheint allerdings alles in Ordnung zu sein. Jemand muss sich in der Zwischenzeit um sie gekümmert haben. Nicht mehr lange und er ist wieder daheim. 

Zuhause angekommen verlässt Milo den Wagen und geht direkt ins Haus, da draußen niemand zu sehen ist. Er ruft seine Frau und geht in die Küche. Dort steht sie gerade am Herd. Sie dreht sich um und sagt zu Milo, dass er spät dran sei und sie das Essen noch einmal kurz aufwärmt. Verwundert setzt sich Milo erst mal an den Tisch. Dann erst sieht er auf die Uhr mit Datumsanzeige, die an der Wand hängt. Da erst erkennt er, dass es immer noch der gleiche Tag ist. Die Zeit, die er in der anderen Welt verbrachte, hatte hier keine Bedeutung.

Nach dem Essen setzt sich Milo mit seiner Frau auf die Terrasse und erzählt ihr die ganze Geschichte, die er erlebte. Vielleicht nimmt er sie mal mit und zeigt ihr den Berg mit dem geheimnisvollen Licht. Ja, dieses Licht. Woher kommt es, oder wer hat es erschaffen. Das Ganze wirkt doch wie ein Spiel, wo es um das reine Überleben geht. Zumindest hat er das erste Spiel gewonnen. Was würde ihn erwarten, wenn er das grüne Licht berührt? Er will es lieber nicht wissen, oder doch? Immer wenn Milo am Fluss entlang fährt und den Berg im Hintergrund sieht, muss er an sein Abenteuer denken. Wer weiß, ob er doch noch einmal den Fluss überquert und das Licht herausfordert.






Die Farm

Milo ist Farmer und lebt seit einigen Jahren mit seiner Familie auf dem Planeten Brantena. Er hat hier, weit weg von der Erde, eine neue Heimat gefunden. Er ist einer von vielen Farmern, die den Boden urbar machten und die dadurch entstandenen Felder bewirtschaften. Die Erträge werden dann von riesigen Raumschiffen, die die einzelnen Farmen regelmäßig anfliegen, abgeholt.

Wie jeden Morgen sitzt Milo auf der Terrasse vor seinem Haus und überschaut sein Gebiet mit den riesigen Feldern. Sie ziehen sich, soweit das Auge reicht. Zur Bewirtschaftung hat Milo eine große Halle mit den modernsten Maschinen, welche die Bewirtschaftung der Felder automatisch durchführen. Er selber kontrolliert den ganzen Ablauf und muss gelegentlich kleinere Reparaturen vornehmen. Bei größeren Problemen muss er eine Spezialfirma rufen.

Seine Kinder werden gerade zur Schule in die nächste Stadt gebracht und seine Frau ist noch im Haus beschäftigt, als Milo sich in seinen Wagen setzt, um seine Kontrollfahrten zu machen. Er fährt die Felder ab und kontrolliert dabei seine Maschinen, ob sie ihre Arbeit richtig ausführen. Nachdem er seine erste Kontrollfahrt hinter sich hat, schaut er noch kurz auf das Display in seinem Wagen, wo ihm eine Landkarte angezeigt wird. Darauf sind die gegenwärtige Position und der Zustand aller seiner Maschinen abgebildet. Da im Moment alles in Ordnung zu sein scheint, entschließt sich Milo, zurückzufahren.

Unterwegs kommt er an einem Fluss vorbei. Kurz entschlossen entschlieft er sich dann doch noch ein wenig dort zu verweilen. Am Fluss angekommen, setzt er sich ans Ufer und betrachtet die Gegend auf der gegenüberliegenden Seite. Eigentlich gibt es da nichts besonderes zu sehen, bis er im Hintergrund einen kleinen Berg erkennt, der sich von seiner Umgebung hervorhebt. Er ist ihm vorher noch nie aufgefallen, obwohl er schon oft mit seinem Wagen am Fluss vorbeigefahren ist. Milo wird neugierig und fast den Entschluss, sich den Berg etwas genauer anzusehen. Er war noch nie auf der anderen Seite des Flusses, den er jetzt überqueren will. Da sein Fahrzeug aber auch dafür ausgelegt ist, durchquert er den Fluss mühelos, um auf der anderen Seite weiterzufahren. Milo fährt direkt auf den Berg zu, der rasch näher kommt.


Der Berg

Endlich ist er am Berg angelangt. Er bleibt mit seinem Wagen vor ihm stehen, steigt aus und betrachtet ihn. Ein ganz normaler kleiner Berg, mehr nicht. Milo steigt wieder in seinen Wagen und entschließt sich, den Berg noch kurz zu umrunden, bevor er wieder zurückfährt. Als er gerade an der gegenüberliegenden Seite vorbeifährt, bemerkt er etwas Sonderbares. Ein kreisrunder, künstlich angelegter Platz, von der ein Weg direkt auf den Berg zuläuft. Milo hält den Wagen an und steigt aus, um sich das Ganze genauer anzusehen.Er geht zu diesem Platz und folgt dann dem Weg in Richtung des Berges. Dieser bringt ihn zu einem Eingang, der in den Berg hineinführt. Milo bleibt kurz stehen und überlegt, ob er dem Weg weiter folgen soll. Dann läuft er rasch zum Wagen zurück und holt eine Handlampe, um den Weg auszuleuchten. Am Eingang wieder angekommen, geht er in den Berg hinein. Er folgt dem Weg durch einen langen Gang. Nach einiger Zeit erreicht Milo das Ende des Weges, der in einem großen, runden Raum endet. Dieser ist leicht von einem blau flackernden Licht erleuchtet, das in der Mitte des Raumes, direkt über dem Boden schwebt. Milo leuchtet mit seiner Lampe den gesamten Raum ab, kann aber nichts Interessantes entdecken.  Milo will daraufhin das Licht näher untersuchen und beobachtet es einige Zeit. Dann geht er langsam und vorsichtig darauf zu, ohne es aus den Augen zu verlieren. Als er direkt davorsteht und immer doch nichts passiert, versucht er mit seiner Hand, das Licht zu berühren.


Tag 1

Was ist passiert? Milo befindet sich irgendwo in einem Wald wieder. Wie ist er bloß hierhergekommen? Er schaut sich um, um zu sehen, wo er sich befindet. In diesem Wald wachsen die verschiedensten Pflanzen, die er noch nie zuvor gesehen hat. Er hat keine Ahnung, wo er sich im Moment befindet. Milo will den Wald verlassen, um mehr von der Gegend zu sehen, in der er sich befindet. Sofort läuft er los und schlägt sich durch den Wald. Es ist ein angenehm warmer Tag und die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel.

Nach einiger Zeit verlässt er endlich den Wald. Doch alles, was er sieht, ist eine weite, unberührte Landschaft. Keine Anzeichen von Zivilisation zu erkennen. Er weiß, dass er weiter gehen muss, um irgendwo Hilfe zu finden. Somit macht er sich auch gleich wieder auf den Weg. Milo läuft auf die angrenzende Hügellandschaft zu. Aber nach kurzer Zeit hört er auf einmal ein laut summendes Geräusch. Erschrocken schaut er sich um, um zu erkennen, woher es kommt. Da entdeckt er plötzlich, in einiger Entfernung vor ihm, dieses blaue Licht, das er schon im Berg gesehen hatte. Im gleichen Moment hört auch das Summen auf. Milo beobachtet das Licht und wartet ab, was passiert. Es passiert gar nichts. Das Licht schwebt immer noch über dem Boden auf der gleichen Stelle. Da Milo nicht länger warten will und neugierig ist, fängt er an, langsam auf das Licht zuzugehen. Er kommt vorsichtig immer näher. Als er schon relativ nahe ist, verschwindet plötzlich das Licht. Sofort bleibt er stehen und starrt auf die Stelle, wo sich gerade eben noch das Licht befand. Dann läuft er auf die Stelle zu, um doch noch etwas zu entdecken. Hier gibt es allerdings nichts mehr zu sehen. Er schaut sich noch kurz um, aber das Licht ist verschwunden. 

Milo bemerkt, dass es langsam dunkel wird und entschließt sich, zum nahen Wald zurückzukehren. Dort will er die Nacht verbringen. Er findet dort einen kleinen Bach, an dem Pflanzen mit den verschiedensten Früchten wachsen. Darum entschließt er sich, hier sein Nachtlager zu errichten. Nachdem er sich mit einigen essbaren Dingen gestärkt hat, beschließt er sich hinzulegen und noch einmal über das gerade Erlebte nachzudenken. 


Tag 2

Nachdem Milo am nächsten Morgen aufgestanden ist und etwas gegessen hat, macht er sich gleich wieder auf den Weg. Er nimmt sich noch ein paar Vorräte mit, verlässt den Wald und geht wieder auf diese Hügellandschaft zu. Vielleicht kann er dort jemand finden, der ihm weiterhilft. Unterwegs bemerkt er, dass es nicht mehr so angenehm warm ist, wie am Tag zuvor. Auch einige Wolken sind am Himmel zu sehen.

Nach einiger Zeit erreicht er die erste Anhöhe. Er schaut sich um, kann jedoch noch immer keine Anzeichen von Zivilisation erkennen. Also geht er immer weiter, doch überall nur unberührte Natur. Er hat keine Wahl, er muss weiter.

Als er nach einer Weile vor einem weiteren Hügel steht, hört er wieder dieses Summen. Sofort weiß er, dass das Licht wieder in der Nähe ist. Er schaut sich um und entdeckt dieses blaue Licht diesmal ganz oben auf dem Hügel. Jetzt muss er schnell handeln. Er hat sich nämlich überlegt, dass er das Licht vermutlich berühren muss, um hoffentlich zurückzukommen. Damals im Berg hatte er es ja auch kurz berührt und war dann hier gelandet. Dann kann es doch umgekehrt auch funktionieren, hofft Milo. Also läuft er gleich los, den Hügel hinauf, auf das Licht zu. Je mehr er sich dem Licht nähert, desto mehr schwinden auch seine Kräfte. So kommt es, dass er noch kurz vor Erreichen seines Zieles zusehen muss, wie das blaue Licht vor seinen Augen wieder verschwindet.

Enttäuscht, müde und völlig außer Atem, setzt er sich auf die Stelle, wo sich gerade noch das Licht befand. Er war nicht stark genug, um das Licht rechtzeitig zu erreichen. Seine körperlich Verfassung ist auch nicht mehr die Beste. Vielleicht hätte er etwas abwarten sollen, bevor er versuchte das Licht zu erreichen. Schließlich hat er bemerkte, dass das Licht genauso lang da war, wie beim letzten mal. Und die Zeit beginnt erst abzulaufen, wenn man das Licht gesehen hat. Aber dafür ist es jetzt zu spät. 

Milo steht nach einer Weile wieder auf und schaut sich um. Da erkennt er, dass nach dieser Hügellandschaft, sich eine weite Ebene anschließt. Dort fließt auch ein kleiner Fluss hindurch. Wenn er dem Fluss folgt, kann er womöglich eine Siedlung finden. Auch ein kleines Waldstück kann er von hier ausmachen. Dort könnte er wieder was zu essen finden und übernachten. Sofort macht sich Milo auf den Weg, um den Wald noch vor der Dunkelheit zu erreichen. 

Es ist schon spät, als er das Waldstück erreicht. Aber noch hell genug, um sich wieder ein Nachtlager zu errichten und sich was zum Essen zu besorgen. Sichtlich müde legt sich Milo schlafen, um morgen ausgeruht zu sein. 


Tag 3

Als Milo am nächsten Morgen aufwacht, merkt er sofort, dass es spürbar kälter geworden ist. Auch der Himmel ist von einer dichten Wolkendecke überzogen. Er muss an seine Familie denken, die ihn sicher schon vermissen wird. Was ist mit seinen Erntemaschinen, die jetzt keiner mehr kontrolliert? Es bringt nichts, sich darüber Gedanken zu machen, da es ihm nicht weiterhilft.

Nachdem er sich wieder was zu Essen zusammengesucht hat, macht er sich erneut auf den Weg. Er will dem Fluss folgen, den er gestern gesehen hat. Also verlässt er den Wald und folgt dem Fluss stromaufwärts.Würde er stromabwärts laufen, müsste er in die Richtung gehen, wo er hergekommen ist. Dadurch würde er viel Zeit verlieren. Also läuft Milo durch diese Ebene, nahe am Flussufer entlang. Im Hintergrund erkennt er ein kleines Gebirge und ein größeres Waldstück davor. Den Wald will er heute noch, vor Einbruch der Dunkelheit, erreichen.

Milo hat schon eine größere Strecke hinter sich gebracht, als er das altbekannte Summen wieder hört. Aber er weiß, was er zu tun hat. Er muss sofort, so schnell er kann, auf das Licht zulaufen. Er darf keine Zeit verlieren, wenn er es noch rechtzeitig erreichen will. Einen Moment atmet er noch kurz durch und schaut sich dann langsam um. Jederzeit bereit, sofort loszulaufen. Als er das blaue Licht jedoch sieht, ist er im ersten Moment wie geschockt. Das Licht befindet sich auf der gegenüberliegenden Flussseite. Damit hat Milo nicht gerechnet. Entsetzt blickt er hastig beide Flussrichtungen entlang, um einen Weg auf die andere Seite zu finden. Doch da ist nichts. Einen Übergang hätte er sicherlich schon vorher gesehen. Die Zeit drängt, er muss etwas unternehmen. Milo hat keine Wahl, wenn er auf die andere Seite will, muss er ins Wasser. Schnell springt er in den Fluss und schwimmt so schnell er nur kann, auf die gegenüberliegende Seite. Als er sich völlig erschöpft am anderen Ufer aus dem Wasser zieht und das Licht sucht, muss er feststellen, dass er durch die Strömung abgetrieben ist. Sofort läuft Milo mit seinen nassen Kleidern, am Ufer entlang, den Fluss hinauf, auf das Licht zu. Doch auch diesmal reicht die Zeit wieder nicht und das Licht verschwindet, noch bevor er es erreicht.

Wieder einmal maßlos enttäuscht setzt er sich kurz hin, um sich zu erholen. Er hat zwar immer die gleiche Zeit, das Licht zu erreichen, jedoch wird es jeden Tag schwieriger. Milo hat nicht viel Zeit seine Kleidung zu trocknen, denn er hat noch einen langen Weg vor sich.

Erst spät abends erreicht er, mit noch feuchten Kleidern, den Waldrand. Aber auch jetzt hat er keine Zeit sich lange auszuruhen. Wieder streift er durch den Wald und sucht was zu essen. Danach muss es sich sofort an sein Nachtlager machen, bevor es dunkel wird. Nachdem alles erledigt ist, legt er sich hin. Mit jedem Tag der vergeht, merkt er, wie das alles an seinen Kräften zehrt. Was wird ihn morgen erwarten? Wenn ihm nicht bald etwas einfällt, wird er das Licht wohl nie erreichen. 


Tag 4

Milo erwacht am nächsten Morgen und hört sofort ein plätschern. Er verlässt sein Nachtlager und sieht, dass es regnet. Auch die Luft hat sich weiter abgekühlt. Das erschwert seine Situation natürlich erheblich. Über Nacht hat sich Milo noch einmal Gedanken gemacht. Er will sich zum kleinen Gebirge, am Ende des Waldes, durchschlagen. Wie jeden Morgen holt er sich was zu essen, packt etwas Proviant für unterwegs ein und geht los.

Mühsam streift er durch den Wald, voller für ihn fremder Pflanzen. Der Waldboden weicht langsam durch den Regen auf und das Vorankommen fällt ihm sichtbar schwerer. Seine Kleidung ist nach einer Weile schon durchnässt, aber er hat keine Zeit vor dem Regen Schutz zu suchen. Da sich das Wetter jeden Tag verschlechtert glaubt er nicht, dass er abwarten kann, bis es besser wird. Er muss weiter und das Gebirge erreichen. Also kämpft er sich weiter durch diese Pflanzenwelt.

Es ist bereits Nachmittag und Milo kommt dem Gebirge immer näher. Der Regen und die kühle Luft machen ihm schwer zu schaffen. Dann ist es wieder da, dieses Summen, dass Milo nur zu gut kennt. Er blickt um sich, kann aber nichts entdecken. Dem Geräusch folgend, versucht er das Licht zu finden. Er weiß, dass die Entfernung zum Licht und die Zeit es zu erreichen, immer gleich sind. Nur die Bedingungen werden immer schwieriger. Dann erkennt er weit vor sich, durch die Pflanzen hindurch, das blaue Licht. Milo weiß zwar, dass er auch heute kaum eine Chance hat, das Licht rechtzeitig zu erreichen, dennoch will er es versuchen. Er läuft mit seiner nassen Kleidung und seinen schweren, verdreckten Schuhen, dem Licht entgegen. Es ist nicht möglich auf direktem Wege auf das Licht zuzulaufen, da er immer wieder den verschieden Pflanzen ausweichen muss. Dadurch verliert er auch das Licht immer wieder aus den Augen, da es, je nach Blickwinkel, von anderen Pflanzen verdeckt wird. Milo muss deswegen öfters seine Position wechseln, um das Licht wieder zu finden. Wenn er es erneut entdeckt hat, läuft er sofort weiter darauf zu. So bewegt er sich kreuz und quer durch den Wald und verliert dadurch kostbare Zeit. Trotz allem kommt er langsam näher. Er spürt, dass die Zeit knapp wird. Mit aller Kraft kämpft er sich auf das Licht zu. Dann verschwindet es. Er hat es wieder nicht geschafft. Wieder hat er verloren. Milo lässt sich einfach auf den Boden fallen. Zwar hat er damit gerechnet, dennoch ist er natürlich enttäuscht. Er ist außer Atem und müde, deswegen bleibt er einfach noch eine Weile liegen.

Milo rafft sich wieder auf und schlägt sich weiter durch den Wald auf das nahe gelegene Gebirge zu. Völlig durchnässt und verdreckt erreicht er den Waldrand noch vor Einbruch der Dunkelheit. Endlich steht er vor dem kleinen Gebirge, dass er erreichen wollte. Mit allerletzter Kraft findet er dort einen tiefen Felsvorsprung, wo er sich vor dem Regen schätzen kann. Hier kann er die Nacht im Trockenen verbringen.


Tag 5

Milo hatte die Nacht nicht gut geschlafen, obwohl er todmüde war. Noch immer nicht richtig wach zwingt er sich trotzdem aufzustehen. Er hat heute noch einiges vor sich und muss sich deshalb beeilen. Der gestrige Tag hat ihn sehr mitgenommen, deswegen fühlt er sich nicht gut. Wenn er jetzt noch krank wird, wie soll es dann weitergehen?

Das Wetter hat sich abermals verschlechtert. Milo sieht diesen starken Regen, der sich über die Landschaft ergießt. Zudem weht ein unangenehm, kalter Wind. Schlechte Bedingungen für ein Weitergehen. Doch Milo hat einen Plan und den will er auf jeden Fall durchführen.

Noch einmal begibt er sich in den Wald, um sich noch was zum Essen zu besorgen. Dann beginnt er mit dem Aufstieg auf das Gebirge. Er hat sich einen alleinstehenden Berggipfel ausgesucht, den er erreichen will, noch bevor das Licht wieder erscheint. Da er auf den höchsten Gipfel gelangen will, muss er sich beeilen, wenn er es noch rechtzeitig schaffen will. Das blaue Licht kommt normalerweise nicht vor dem Mittag. Bis dahin will Milo sein Ziel erreicht haben.

Der Aufstieg unter diesen Witterungsbedingungen und ohne Ausrüstung ist eine extreme Herausforderung. Nur mühsam kommt er seinem Ziel näher. Er weiß, wenn er noch eine Chance haben will, muss er da hoch. Die Anstrengung steht ihm ins Gesicht geschrieben und er ist sich nicht sicher, ob er es noch rechtzeitig schafft. Doch irgendwie erreicht er dennoch den Gipfel um die Mittagszeit. Völlig erschöpft, durchnässt und zitternd vor Kälte, sitzt er am Gipfel dieses Berges. Er schaut sich nach allen Seiten um und versucht sich die Umgebung einzuprägen. Da er ungefähr weiß, in welcher Entfernung das Licht erscheinen wird, kann er sich jetzt schon darauf einstellen. Es wird jedenfalls unter ihm sein, weil es höher nicht mehr geht. Er muss also nicht hoch klettern, sondern immer nach unten, was natürlich schneller geht. So wartet Milo, dem Wetter hier oben gnadenlos ausgesetzt, auf seine möglicherweise letzte Chance. 

Es geht los. Milo reist die Augen auf, als er das unverkennbaren Summen hört. Er ist aufgeregt, aber auch irgendwie froh, dass es endlich losgeht. Er sieht sich langsam um. Da ist es, dieses blaue Licht, das ihn langsam zur Verzweiflung bringt. Sofort läuft er los, den Berg hinab, auf das Licht zu. Da er sich die Gegend vorher genau angesehen hat, kommt er dem Licht schnell näher. Er erkennt, dass er nicht mehr weit weg sein kann und läuft so schnell er kann darauf zu. Plötzlich wird er langsamer, denn er bewegt sich direkt auf eine kleine Schlucht zu. Als er direkt am Rande des Abgrundes steht, ist seine letzte Hoffnung wie weggeblasen. Milo hatte die Situation von seiner Perspektive aus vorher nicht erkannt. Damit konnte er nicht rechnen. Das Licht befindet sich auf einem Felsvorsprung inmitten einer kleinen Schlucht, auf der gegenüberliegenden Seite. Es weiß, dass es in der Zeit nicht zu schaffen ist, diese zu umgehen und dann noch nach unten zu klettern. Es ist einfach unmöglich. Erstarrt steht er nun da und kann keinen klaren Gedanken fassen. Doch er muss jetzt handeln, ob er will oder nicht, denn die Zeit läuft ihm weg. Dann endlich weiß er, was er zu tun hat. Ihm ist klar, dass das Licht zu erreichen, bald nicht mehr möglich sein wird. Auch sein Gesundheitszustand wird immer schlechter. Er wird das Ganze nicht mehr länger durchhalten können. Milo schaut sich die Position und Entfernung des Lichtes noch einmal kurz an, dreht sich um und läuft zurück. Nach einigen Metern dreht er sich wieder um und rennt mit voller Geschwindigkeit auf die Schlucht zu. Am Rande des Abgrundes angekommen, springt Milo ab und überlässt sich seinem Schicksal. In diesem Moment weiß er, dass es sein letzter Tag hier sein wird. Entweder er verfehlt das Licht, dann wird er den Abgrund hinab fallen und dort sein Ende finden. Oder er erreicht es und kommt dann hoffentlich wieder nach Hause. Oder auch nicht. Egal was passiert, es gibt kein zurück. 


Die Rückkehr

Milo steht wieder, oder immer noch, neben dem Licht. Er befindet sich weiterhin im Raum, im Inneren des Berges befindet. Wie versteinert schaut er auf das Licht, das jetzt nicht mehr blau, sondern grün leuchtet. Er fühlt sich, als wäre er gerade von einem Traum aufgewacht. Da er trockene und saubere Kleidung trägt und er sich eigentlich recht gut fühlt, könnte man meinen, er wäre gar nicht weg gewesen. Selbst die Handlampe brennt noch, als wäre die Zeit stehen geblieben, solange er fort war. Er vermutet, dass er bei seinem letzten Sprung das Licht erreicht hat und ist deswegen zurückgekehrt. Deshalb hat sich auch die Lichtfarbe verändert, da er das Ziel erreicht hat. Was wäre geschehen, wenn er das Licht verfehlt hätte? Das wird er wohl nie erfahren.

Milo verlässt den Raum, um durch den Gang wieder ins Freie zu gelangen. Dann geht er den Weg entlang, der zu dem runden Platz fährt. Sein Wagen steht immer noch da, wo er ihn abgestellt hatte. Jetzt will er nur noch heim und nach seiner Familie sehen, die ihn sicher schon lange vermisst. Sofort steigt er in den Wagen und fährt zurück zum Fluss, um ihn abermals zu durchqueren. Danach geht es direkt nach Hause. Unterwegs blickt er noch kurz auf seinen Monitor im Wagen, um zu sehen, was mit seinen Erntemaschinen los ist. Es scheint allerdings alles in Ordnung zu sein. Jemand muss sich in der Zwischenzeit um sie gekümmert haben. Nicht mehr lange und er ist wieder daheim. 

Zuhause angekommen verlässt Milo den Wagen und geht direkt ins Haus, da draußen niemand zu sehen ist. Er ruft seine Frau und geht in die Küche. Dort steht sie gerade am Herd. Sie dreht sich um und sagt zu Milo, dass er spät dran sei und sie das Essen noch einmal kurz aufwärmt. Verwundert setzt sich Milo erst mal an den Tisch. Dann erst sieht er auf die Uhr mit Datumsanzeige, die an der Wand hängt. Da erst erkennt er, dass es immer noch der gleiche Tag ist. Die Zeit, die er in der anderen Welt verbrachte, hatte hier keine Bedeutung.

Nach dem Essen setzt sich Milo mit seiner Frau auf die Terrasse und erzählt ihr die ganze Geschichte, die er erlebte. Vielleicht nimmt er sie mal mit und zeigt ihr den Berg mit dem geheimnisvollen Licht. Ja, dieses Licht. Woher kommt es, oder wer hat es erschaffen. Das Ganze wirkt doch wie ein Spiel, wo es um das reine Überleben geht. Zumindest hat er das erste Spiel gewonnen. Was würde ihn erwarten, wenn er das grüne Licht berührt? Er will es lieber nicht wissen, oder doch? Immer wenn Milo am Fluss entlang fährt und den Berg im Hintergrund sieht, muss er an sein Abenteuer denken. Wer weiß, ob er doch noch einmal den Fluss überquert und das Licht herausfordert.






















 

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