Das ist eine fiktive Kurzgeschichte
vom Autor Heinz-Walter Hoetter
Mittlerweile geht der Krieg in der Ukraine ins fünfte Jahr und der Konflikt nimmt einfach kein Ende. Doch im Hintergrund planen bestimmte ausländische Organisationen heimlich einen Mordanschlag auf Selenskyj, der endlich den Frieden bringen soll.
***
Der dämmrige, nasskalte Morgen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew begann mit einem heftigen Regenschauer.
Mittlerweile war es Ende Februar geworden, und der Winter befand sich immer mehr auf dem Rückzug. Dafür verdeckten jetzt graue Regenwolken die meiste Zeit den den trüben Himmel über dieser ukrainischen Metropole und die allgemeinen Temperaturen waren eigentlich zu warm für diese Jahreszeit.
Die Menschen regten sich allerorten über das schlechte Wetter auf. Nichtsdestotrotz mussten sie es aber hinnehmen, wie es nun einmal war und sich damit zufrieden geben, was die Natur für sie an Klimakapriolen bereit hielt.
Wegen des miesen Morgenwetters hasteten die Stadtbewohner mit hochgezogenen Schultern und eng anliegenden Mantelkragen durch den stickigen Dschungel aus Straßen und Gebäuden. Am fernen Horizont konnte man das Grollen von einschlagenden Bombenexplosionen vernehmen. Trotzdem hatte niemand auch nur einen Blick für den anderen. Deshalb bemerkte auch keiner die dunkle Gestalt, die aus einem altmodisch aussehenden Auto russischer Herkunft stieg und wie beiläufig in der regennassen Umgebung aufmerksam herumschaute.
Ein paar Sekunden später ging die Person ans Ende des geparkten Fahrzeuges, öffnete den Kofferraumdeckel und holte eine länglich aussehende, schwarze Tasche daraus hervor. Die ominöse Gestalt, ein etwa fünfunddreißig Jahre alter Mann, schulterte das Gepäckstück und steuerte schließlich direkt auf den Eingang eines ziemlich herunter gekommenen Hotels zu, das in einer abgelegenen, nur diffus beleuchteten Seitenstraße lag.
Vor dem überdachten Eingang des schäbigen Hotels stand ein fettleibiger Portier, der den heran nahenden Mann aus wässerigen Augen aufmerksam beobachtete. Kaum stand der Gast vor ihm, sprudelte es aus ihm heraus: "Hier wird im Voraus bezahlt! Eintragung in die Gästeliste jedoch nur auf Wunsch. Kostet allerdings etwas mehr. Ist das klar? Außerdem dulden wir keine Weiber auf dem Zimmer! Wenn Sie nicht damit einverstanden sind, dürfen Sie sich auch gleich wieder umdrehen und Leine ziehen, mein Herr!"
Der unbekannte Mann hielt einen kurzen Moment inne, holte wortlos ein Bündel ukrainische Grywna aus seiner Manteltasche und gab sie dem korrupten Türsteher, der die Scheine schnell und unauffällig wegsteckte. Dann sagte er zu ihm: "Ich akzeptiere natürlich. Ich werde ihnen deshalb auch keine Unannehmlichkeiten bereiten."
"In Ordnung, dann gehen Sie bitte da zur Kasse rüber! Die liegt genau in dieser Richtung, gleich gegenüber von unserem Standort. Die Dame an der Rezeption wird Sie dort in Empfang nehmen", sagte der dicke Hotelportier und ließ den Mann mit der umgehängten Langtasche passieren.
Als der neue Gast vor der sich reserviert benehmenden schon etwas älteren Frau stand, forderte sie von ihm mit herrischer Stimme sofort die übliche Kreditkarte an. Der unbekannte Fremde griff in seine rechte Brusttasche, zog eine goldfarbene Bankkarte aus ihr hervor und legte sie demonstrativ auf die Theke. Aufmerksam beobachtete er die Reaktion der grauhaarigen Hotel-Rezeptionistin.
Gierig fingerte diese nach der Geldkarte, steckte sie geübt in den Schlitz eines ziemlich altmodischen Computers und wartete ab, was passieren würde.
Einen Augenblick später weiteten sich ihre Augen und ihr Verhalten wurde schlagartig freundlicher. Offenbar befand sich auf der Kreditkarte ein ziemlich hohes Sümmchen an Guthaben. Dann sagte sie mit höflich gespielter Stimme: "Sir, wenn Sie es wünschen, gebe ich Ihnen unser bestes Zimmer oben im fünften Stockwerk. Von da aus haben Sie einen fantastischen Blick über die ganze Stadt, da unser Hotel zudem noch auf einer kleinen Anhöhe steht und daher alle anderen Gebäude genug überragt, um alles gut überblicken zu können. Oh, ich sehe gerade, dass in der fünften Etage noch ein sehr komfortables Zimmer frei ist."
Der Gast nickte zustimmend mit dem Kopf und nahm die Codekarte für das besagte Hotelzimmer wortlos entgegen. Die alte Dame zog den Rechnungsbetrag vom Guthaben ab, reichte die Geldkarte an seinen Besitzer zurück und deutete auf den Aufzug gleich neben der Rezeption.
Der Mann setzte sich in Bewegung und steuerte direkt auf den Fahrstuhl zu. Im fünften Stock stieg er aus und marschierte zielstrebig den langen Korridor entlang. Irgendwie roch es hier oben nach abgestandener Luft. Aber das störte ihn nicht weiter. Endlich erreichte er die Tür mit der Nummer 510, zog die Codekarte durch das elektronische Schloss und stand nur wenige Sekunden später im tadellos hergerichteten Zimmer.
Der neue Hotelgast stellte seine Langtasche behutsam auf dem Holzboden ab und trat ans Fenster. Die alte Empfangsdame hatte recht gehabt. Der Blick über die Stadt war perfekt. Fast jede Straße und jede Kreuzung konnte er ohne Schwierigkeiten einsehen. Zufrieden ließ er sich auf das weiche Bett fallen, das in der rechten Ecke gleich neben dem Fenster stand.
Nach einer Weile stand er wieder auf, öffnete die lange Tasche und breitete den Inhalt vor sich auf dem Bett aus. Dann begann er vorsichtig damit, die einzelnen Teile einer Waffe zusammenzubauen, die sich bald als ein hochmodernes Scharfschützengewehr entpuppte. Nachdem alles zusammengesetzt war, kontrollierte er ein letztes Mal seine Spezialwaffe mit aufgesetztem Schalldämpfer, steckte das geladene Magazin ins Magazinschacht und lud durch. Danach ging er zum Fenster, öffnete es vorsichtig und blickte angestrengt in die Tiefe.
In Gedanken ging er immer wieder den Plan durch, schätzte die ungefähre Entfernung zum Ziel ab und stellte sich den Fluchtweg vor, den er sich zurecht gelegt hatte, um unerkannt verschwinden zu können.
Plötzlich summte sein Smartphone. Sekunden später baute sich ein Bild auf. Das schöne Gesicht einer jungen Frau erschien. Sofort fing sie an zu sprechen.
"Hier spricht Madame Butterfly. MX, hören Sie mich?"
"Ja, laut und deutlich. Das Bild ist erstklassig. Die Übertragung steht. Wie ist die Lage, Madame Butterfly?"
"Das Ziel fährt in einen schwarzen Audi. Zwei Begleitfahrzeuge fahren hinterher. Die drei Fahrzeuge nähern sich jetzt der Kreuzung direkt vor ihrem Hotel. Sie sind jetzt noch zwei Häuserblocks weit entfernt. Machen Sie sich bereit, MX!"
"Alles klar! Ich bin bereit, Madame Butterfly“.
Hören Sie genau zu, MX! Ich befinde mich in einem unauffälligen, grauen Lieferwagen nicht unweit der Kreuzung. Also passen Sie auf, wohin Sie schießen. Der erste Schuss muss sitzen. Ich bin nur dazu da, um den Abschuss zu bestätigen, damit unser russische Kunde sicher sein kann, dass alles wunschgemäß erledigt worden ist. Nach erfolgreicher Liquidierung der Zielperson Selenskyj wird das Geld sofort auf das von Ihnen angegebene Konto in der Schweiz überwiesen. Gehen sie jetzt an die Arbeit MX und viel Erfolg!"
"Keine Angst, ich bin einer der besten Scharfschützen und habe bis jetzt noch nie ein Ziel verfehlt. Ich beende das Gespräch. Das Zielobjekt nähert sich jetzt nämlich der Kreuzung. Ab jetzt Sendepause, Madame Butterfly."
Der Mann stellte sich in aller Ruhe ans geöffnete Fenster, zog die Vorhänge etwas zu und positionierte das Scharfschützengewehr am Holzrahmen. Dann suchte er durch das Zielfernrohr nach seinem Opfer. Bald hatte er den schwarzen Audi mit der kleinen, seitlich vorne angebrachten blau gelben Frontflagge gefunden und zoomte die ahnungslose Zielperson heran.
Der ukrainische Präsident saß still im Fond der Limousine und hatte irgendein Blatt Papier in der Hand, das er konzentriert durchlas.
Der heimliche Schütze drückte das Gewehr mit dem langen Zielfernrohr fester an die Schulter. Sein Zeigefinger krümmte sich langsam um den Abzug. Die Ampel an der Kreuzung sprang plötzlich auf Rot und der schwarze Audi kam augenblicklich zum Stehen. In diesem günstigen Augenblick drückte der Mann am Fenster ab.
Lautlos verließ das mächtige Geschoss den schallgedämpften Lauf des Scharfschützengewehres, durchschlug mühelos das gepanzerte Seitenfenster des Präsidentenwagen und traf Selenskyj seitlich voll in den Kopf, der wie eine reife Melone zerplatzte. Gehirnmasse, Knochensplitter und ein riesiger Schwall Blut verteilte sich im Wageninnern. Im nächsten Moment fiel der Oberkörper des Opfers seitlich auf den schwarzen Lederrücksitz, wo sich eine große Blutlache bildete. Sekunden später raste die Staatskarosse auch schon mit hoher Geschwindigkeit über die wenig belebte Kreuzung, bog mit quietschenden Reifen in eine enge Seitenstraße und verschwand darin mit den zwei anderen Begleitfahrzeugen, die mit heulenden Sirenen und Blaulicht hinterher rasten. Überall sprangen Passanten schreiend auseinander oder brachten sich in den umliegenden Hauseingängen und hinter geparkten Fahrzeugen in Sicherheit. Das Chaos brach unter ihnen aus.
Nach dem treffsicher abgegebenen Schuss zerlegte der Schütze sein Gewehr seelenruhig in seine Einzelteile, verstaute alles akkurat wieder in der schwarzen Langtasche, warf noch einmal einen prüfenden Blick aus dem Fenster, schloss es vorsichtig, zog die Vorhänge zu und verließ zügig, aber in aller Ruhe, das Hotelzimmer.
Am Ende des Korridors öffnete er leise und behutsam die Balkontür, stieg über die Feuerleiter runter in den Innenhof und verließ auf diese Weise den inneren Bereich des Hotels. Bald hatte er sein in der Nähe abgestelltes Fahrzeug erreicht, verstaute sein eingepacktes Scharfschützengewehr unter einer dicken Decke im Kofferraum und nahm wenige Augenblicke später hinter dem Lenkrad seines Autos Platz. Dann startete er den Motor und das altmodisch aussehende Fahrzeug setzte sich mit wachsender Geschwindigkeit in Bewegung.
Keine fünf Minuten später summte abermals sein Smartphone. Ein Bild baute sich auf. Kurz danach fing eine weibliche Stimme an zu reden.
"Hallo MX! Hier ist Madame Butterfly! Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet. Alle Achtung. Sie waren in der Tat eine gute Wahl. Der ukrainische Präsident Selenskyj ist tot. Sein Schädel ist wie eine faule Melone regelrecht zerplatzt. Ich habe es selbst beobachten können. Der hat den Anschlag ganz eindeutig nicht überlebt. Die Nachricht von dem Attentat geht gerade um die ganze Welt. Die Menschen sind überall geschockt, aber das ist uns egal. Unser russischer Auftragsgeber hat das Finanzielle bereits veranlasst. Danke für die perfekte Zusammenarbeit! Wenn wir Sie wieder in Anspruch nehmen müssen, melden wir uns bei Ihnen. Bis dahin wünschen wir Ihnen alles Gute! Ende der Durchsage!“
Der Attentäter hinter dem Lenkrad grinste ein wenig und sagte mit halblauter Stimme: "Na klar. Solange die Kohle stimmt, übernehme ich jeden Auftrag. Davon lebe ich ja schließlich auch. Ich hoffe daher, dass wir schon bald wieder ins Geschäft kommen werden. Ich bin jederzeit bereit für ein neues Attentat überall auf der Welt."
Am Ende seines Satzes wurde die Nachricht durch ein leises Piepsen plötzlich unterbrochen. Das Bild auf dem Smartphone verschwand und der Fahrer konzentrierte sich jetzt auf das Einbiegen in die Fahrspur einer Autobahn, die ihn in Richtung Polen bringen würde.
Während der Fahrt dachte der Auftragskiller darüber nach, wie viel Geld er jetzt wohl auf seinem Geheimkonto hatte. Das hing in der Regel vom Wert des Opfers ab, das zu beseitigen war, fiel ihm dazu ein und loggte sich mit einem bestimmten Kennwort über sein Smartphone in sein Konto bei einer Bank in der Schweiz ein. Eine Summe von weit über 2 Millionen Euro waren erst vor wenigen Minuten eingegangen.
„Der ukrainische Präsident war eben ein hohes Tier im Staat, und ich habe ihn mit einem gezielten Schuss ins Jenseits befördert. Dieser Typ hat es nicht anders verdient. Aber was interessiert mich ein Mensch dieser verfluchten Sorte. Das ist eben mein Job, den ich zu erledigen habe“, murmelte er mit leiser Stimme vor sich hin, grinste wieder ein wenig, gab noch mehr Gas und raste über die breite Autobahn in Richtung der polnischen Grenze, wo er einen geheimen Grenzübergang kannte, den er problemlos überqueren konnte, wenn man den Grenzbeamten dort nur genug Euro zusteckte, die genauso korrupt waren, wie ihre ukrainischen Kollegen, denn Korruption ist der heimliche Schmierstoff in der Welt der Politik.
ENDE
(c)Heiwahoe

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.05.2026.
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