Heinz-Walter Hoetter

Ist es zu spät für eine Wende im Verhalten des Menschen zur Natur?

 


 


 


 

 

Wir Menschen der Neuzeit müssen grundlegende Tatsachen zur Kenntnis nehmen, die keiner von uns ignorieren kann.

Die Gesetze der Natur, und so wie sie sich auf dem Planeten Erde im Verlauf von vielen Jahrmillionen entwickelt haben, muss der Mensch bei all seinem Tun und Handeln unbedingt mit einbeziehen. Tut er das nicht, begeht er sogleich seinen ersten (schwerwiegenden) Fehler, der (jedes mal) schmerzhafte Folgen nach sich zieht.

Stichwort: Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit heißt beispielsweise nicht mehr Bäume im Wald zu fällen als nachwachsen (können). Dies zu übertragen auf Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft wäre eigentlich nur natürlich - sollte man meinen.

Doch die Wirklichkeit in unserer modernen Welt schaut anders aus.

Die meisten Menschen sind von Natur aus träge, vom Verstand her nicht fähig komplexe Zusammenhänge richtig zu verstehen (bzw. logisch zu deuten), sie sind selbstsüchtig, rigoros egoistisch und in den meisten Fällen geistig schon gar nicht auf der Höhe der Zeit.

Der Philosoph Vittorio Hösle hat mal gesagt:
"Es ist auf die Dauer der eigenen Selbstachtung abträglich, sich sagen zu müssen, dass man durch das eigene Verhalten zu einem Zustand der Welt beiträgt, der elementare Grundrechte und Grundgüter gefährdet, und wenn es sich als schwierig erweist, das eigene Verhalten zu korrigieren, dann mag es nahe liegen, das Problem zu verdrängen."

Ich meine daher, dass die Natur einen eigenen Wert jenseits ihrer Nützlichkeit bekommen muss, das Prinzip der Ressourcenschonung und der Erhalt des Eigenwertes der Natur müssen gleichberechtigt neben dem Zweck der Wohlstandsmehrung stehen.

Doch lassen sich diese beiden Dinge in Wirklichkeit miteinander auf Dauer vereinen, wo doch die Natur unerbittlich ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt? Hat der Mensch mit seinen gefräßigen Zivilisationen nicht zwangsläufig das Nachsehen, wenn es um seine ökologische Zukunft geht?

Der Mensch vergisst, dass er nur
"ein kleiner Teil" der Natur ist und keine Sonderrechte in ihr hat, wenngleich er sich mit der Macht seiner eigenen Ideen ständig was anderes einredet (suggeriert).

Klaus Töpfer sagte mal den Satz:
"Die Armut ist die giftigste Substanz für die Umwelt in dieser Welt."

Nun, das mag vordergründig zwar stimmen, weil Armut zu Umweltfrevel allzu oft zwingt.

Doch leider ist Reichtum noch giftiger. Die Konsum verwöhnten Menschen der Industrieländer können oder wollen nicht Verzicht üben, um ihre Umwelt
"nachhaltig" zu schonen oder zu schützen.

Schlagendes Beispiel: Die meisten Menschen in den modernen Gesellschaften besitzen mindestens einen Computer.

Ein Personalcomputer braucht von der Herstellung bis zu seiner Entsorgung ca.
15 Tonnen Material.

Ist das nicht eigentlich schon widernatürlich genug?

Denn an diesem einfachen Beispiel habe ich aufgezeigt, dass wir der Natur in den allermeisten Fällen mehr wegnehmen, als wir ihr zurückgeben.

Das ist eine nicht zu bestreitende Tatsache.

Da nützen uns selbst hochtrabende Ideen nichts, mögen sie auch noch so sehr einem intelligenten Gehirn entsprungen sein.

Wir alle leben in einer Gewalt gewohnten Zivilisation, sind zumeist elitär ausgerichtet, was vorteilhaft für wenige auf Kosten von Nachteilen für viele andere ist.

Diese rücksichtslose Denkweise, die wir schon kritiklos verinnerlicht haben, ist letztendlich widernatürlich, Lebens verachtend, spaltend und kriegerisch der Vernichtung geweiht.

Wir müssten eigentlich umdenken und umkehren. Jetzt, sofort!

Aber wir können (oder wollen) nicht mehr zurück ohne uns selbst und unsere (technisch und wirtschaftlich geprägte) Zivilisation aufzugeben oder zumindest Teile davon.

Einbahnstraßenprinzip?


Materialismus und Konsumwahn eine Krankheit unserer Zeit, die uns letztendlich keine Chance mehr lässt?

Damit der Kapitalismus gut und reibungslos funktionieren kann, müssen die Menschen daran glauben, dass der Weg zur Glückseligkeit die Anhäufung von genug Geld und Guthaben erfordert. Nur dann können wir uns ein schick eingerichtetes Häuschen, ein schönes Auto, einen Computer, ein Boot oder die Universitätsausbildung unserer Kinder finanzieren.


 

Um uns all jene Dinge leisten zu können, müssen wir dafür hart arbeiten, bis wir in den Ruhestand gehen oder sterben. Je härter wir arbeiten, desto mehr Geld haben wir (?), desto mehr können wir kaufen und umso glücklicher werden wir sein, jedenfalls will man uns das weismachen bzw. einreden (auch von der Politik).

Aber wenn das wirklich so wäre, warum sind dann trotzdem so viele Menschen unglücklich bzw. unzufrieden mit ihrem Leben oder leben in Armut und Verzweiflung?


Woher kommen in Deutschland die hohen Scheidungsraten, was ist der Grund für die vielen Selbstmorde und warum sind immer mehr Menschen so wütend, so glücklos, zynisch und ausgebrannt? Depressionen, Abtreibungen und Drogenmissbrauch häufen sich allerorten und werden zu einen gesellschaftlichen Problem oder sind es schon.

Wir leben heute in einer Zeit des noch nie dagewesenen Wohlstandes, aber dennoch ist es auch scheinbar die Zeit der
"lebenden Toten", wie ich mich mal dazu ausdrücken möchte.

Der Romancier Walter Percy hat mal folgendes gesagt:
"Es gibt etwas Schlimmeres als des Lebens beraubt zu werden, und zwar des Lebens beraubt zu werden, ohne es zu wissen."

Wir Deutsche sollten uns wieder mehr besinnen auf grundsätzliche Werte. Wir sollten die Bedeutung von Technologie, Märkte, Medien, Bildung, Gesundheitsförderung, Religion, Regierung, Globalisierung, Außenpolitik, Verteidigung genauer entschlüsseln.

Wir sollten uns einfach wieder mit weniger begnügen. Denn "weniger" ist oft "mehr".

Mit weniger begnügen? Können wir das überhaupt noch?

Oder ist es einfach schon zu spät dafür?

 

Macht euch mal alle ernsthafte Gedanken darüber!

 

(c)Heiwahoe

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.05.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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