Inge Hoppe-Grabinger

Meine Pechsträhne

Was ist eine Pechsträhne? Wann beginnt sie, wann hört sie auf? 
Und was ist Pech?  "Pech" ist keine Katastrophe, aber auch keine Kleinigkeit, 
die man einfach so wegstecken könnte. 
'Wieviel Pechsträhnen hat man im Leben? Mehrfach im  Jahr oder alle 
sieben Jahre ? Ich für mein Teil hatte sie so gut wie nie und dann aber 
im hohen Alter in Dauerschleife, endlos. 
Es betraf fast immer die Wohnung und begann im Badezimmer. Wasser 2 cm hoch, 
weil die total veralteten Rohre des Handwaschbeckens platzten. Dann sorgte die 
Waschmaschine für eine Überschwemmung. Ein Wasserrohrbruch über mir veranlasste mich, 
einen Eimer unter  die Tropfstelle zu stellen, Verursacher unbekannt. Eine neue Kliingelanlage 
zerstörte das alte bequeme System. Der Herd wurde plötzlich  und unkontrolliert heiss, also 
ersetzt durch einen neuen Herd. Der Kühlschrank produziert zu oft Eisschichten, er 
müsste auch erneuert werden. Im Flur randalierte in meiner Abwesenheit der Feuermelder, 
so dass Nachbarn - alarmiert - mich retten wollten, obwohl ich gar nicht zu Hause war. 
Als die Heizung ausfiel, war die kälteste Jahreszeit vorbei, also Glück!l  Als meine 
Armbanduhr stehen blieb um 7 Uhr früh, war das Glück, denn drei Tage später, als ich meinen 
Mann ganz früh ins Krankenhaus bringen musste, wäre das fatal gewesen. Als ich an meinen dünn 
gewordenen Fingern einen Ring durch die Luft wirbeln sah, war es Glück, dass ich sein Aufleuchten 
im Supermarkt zufällig registrierte. Als ich vorgestern meine Hörgeräte vergass, als ich meinen 
Mann im Pflegeheim besuchte, war ich sehr traurig. Ich hatte nur ein Gegenmittel: Musik. Ich spielte
ihm auf dem Akkordeon alle Lieder vor, die mir gerade einfielen. Offenbar so schlecht, dass die Tür 
von Unbekannt geschlossen wurde 
Dann fand ich den Hausschlüssel nicht, ich alarmierte eine Nachbarin, die mich einließ. Der Schlüssel hatte sich 
im kaputten Seidenfutter der Tasche verfangen. Ein Ausflug heute für meinen Mann im Pflegerollstuhl 
endete in einem nachhaltigen Regenschauer - endlose Minuten unter einem Baum - kein Schirm, gar nichts. 
Abere: Direkt neben uns, unsichtbar, der wunderbare Gesang einer Nachtigall um l7 Uhr. 

3l. Mai - ihg - 

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