Charles G. Dannecker

Gedankenspiel. Warum ich?

 

Stell dir vor, du stehst mitten in einem leeren Raum. Keine Fenster, kein Echo, nur du, und all das, was du ein Leben lang versucht hast zu sortieren.

Nichts verschwindet, alles ist da. Und du merkst: Dieser Raum bist du selbst.

Da ist deine schöne Seele, die du viel zu selten ans Licht lässt, weil du glaubst, man könnte sie falsch verstehen.

Sie sitzt in der Ecke, ruhig, geduldig , sie weiß, was sie wert ist. Du zweifelst daran, sie nicht.

Über dir zucken die Blitzableitergedanken.

Diese grellen, harten Sätze, die dich treffen wie Stromstöße:

Hätte ich anders sein sollen? Bin ich genug? Warum ich?

Du hast sie jahrelang weggedrückt, aber sie gehören zu dir. Sie zeigen nur, dass du lebendig bist, und sensibel genug, um die Welt wirklich zu spüren.

Unter deinen Füßen branden Ozeanwellen-Gefühle.

Mal tragen sie dich, mal reißen sie an dir.

Du nennst es Schwäche, aber es ist genau das Gegenteil:

Wer so fühlt, kann ertrinken, aber auch über Wasser laufen.

Du hast beides schon getan.

Hinter dir türmen sich die Restgedanken auf der Erinnerungsmüllhalde.

All das, was du nicht mehr brauchst, aber aus Gewohnheit noch mit dir herumträgst.

Sie riechen nach alten Ängsten, alten Stimmen, alten Verletzungen.

Du weißt längst, dass sie dir nichts mehr geben. Und trotzdem hältst du sie fest, weil du dachtest, ohne sie wärst du nackt.

In der Mitte des Raums steht eine Gestalt.

Du erkennst sie erst nicht.

Dann begreifst du:

Du hast dich hinter dir selbst versteckt.

Vor Erwartungen, vor Schuld, vor dem Gefühl, nicht zu passen.

Aber du bist kein Fehler, du bist eine Überlebensform.

An der Wand hängt ein Lachen.

Es glänzt, künstlich sauber, als hättest du Angst für ein Lachen verkauft.

Ein Deal, den du nie hättest machen dürfen, aber irgendwie hast du ihn überlebt.

Und jetzt kannst du ihn rückgängig machen.

Ganz tief in deinem Brustkorb spürst du etwas, das du lange nicht erreicht hast.

Die Liebe, eingemauert im siebten Teil des Herzens.

Nicht tot, nicht erloschen, nur geschützt.

Du hast sie nicht versteckt, weil sie schwach ist,

sondern weil du es warst.

Damals.

Jetzt bist du stärker.

Und an deinen Händen klebt der Geruch von Vergangenheit.

Von Menschen, die du berührt hast, und die dich hätten zurückstoßen können.

Deshalb hast du fremde Hände mit Ablehnung desinfiziert, 

vorsorglich, aus Selbstschutz.

Aber du weißt: Wenn du niemanden berührst, berührt dich auch niemand.

Und das ist die gefährlichste Form der Sicherheit.

Am Ende dieses Gedankenspiels stehst du wieder im Raum.

Er ist nicht mehr leer.

Er ist voll von dir.

Von dem, was du getragen, verdrängt, verloren und gerettet hast.

Und in diesem Moment wird klar:

Die Frage „Warum ich?“ ist keine Anklage.

Sie ist eine Einladung.

Denn die Wahrheit ist hart, aber befreiend:

Du wolltest so sehr leben und genau deshalb bist du noch hier.

Jetzt ist der Punkt, an dem du nicht mehr fragen musst, warum du.

Sondern:

Warum nicht du?

Und dann trittst du hinaus.

Kein Versteck mehr.

Kein Desinfektionsmittel.

Nur du,  roh, mutig, und bereit, dir selbst endlich zu gehören.

©️12-2025 Charles G. Dannecker 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.06.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Da ich der Meinung bin, dass die Kinder heute viel zu wenig lesen ( sehe ich bei meinen 11 und 13 ), habe ich mir Gedanken gemacht, was man machen könnte um dieses zu ändern.

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