Dieter Battisti

Der Sekt und das Meer

Ralf Kißbrand stand an seinem Fenster und blickte auf die grauen Wolken, die
über Ätherkamm zogen. Der April 2026 hatte die Stadt noch nicht ganz aus dem
Griff des Winters befreit, und der Kalte Wind ließ ihn frösteln. Doch heute war
ein besonderer Tag. Ein geschenkter Tag.

Ralf hatte sich entschieden, sich selbst etwas Gutes zu tun. Er war 38 Jahre
alt, Immobilienmakler in Äthern, und hatte in den letzten Jahren viel
durchgemacht. Die ständigen Herausforderungen des Marktes, die unzähligen
Besichtigungen, die oft frustrierenden den Verhandlungen-all das hatte ihn
geformt, aber auch erschöpft.

Mit einem tiefen Atemzug, packte Ralf eine kleine Tasche. Er entschied sich für
einen kurzen Trip ans Meer, ein Ort, den er seit Jahren nicht mehr besucht
hatte. Das Meer hatte für ihn eine heilende Kraft, eine Möglichkeit, den Kopf
freizubekommen. Er wusste, dass er sich nicht nur eine Auszeit gönnen sollte
sondern auch einen Moment der Selbstreflexion finden wollte. Als er in sein Auto
stieg, spürte er eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität. War es wirklich der
richtige Schritt, sich einfach so auf den Weg zu machen?

Die Fahrt dauerte nicht lange, und als er schließlich den Strand erreichte, war
er überwältigt von der Weite des Horizonts und dem Geruch des Salzwassers. Der
Wind blies ihm ins Gesicht und ließ ihn für einen Moment alles vergessen. Ralf
stellte sein Auto am Rand des Parkplatzes ab und machte sich auf den Weg zum
Strand. Die Wellen schlugen sanft an die Ufer, und das Rauschen des Wassers
wirkte beruhigend.

Er setze sich auf den warmen Sand, schloss die Augen und ließ die Sonne auf sein
Gesicht scheinen. In diesem Moment fiel es ihm wie Schuppen von den Augäpfeln:
Er hatte es geschafft. Trotz aller Rückschläge, der gescheiterten Beziehungen
und der stressigen Arbeit war er immer noch hier, lebendig und bereit für das,
was noch kommen mochte. Ralf holte sich eine Flasche Sekt aus seiner Tasche, die
er sich für diesen besonderen Anlass mitgebracht hatte. Mit einem kleinen, aber
feierlichen Ritual öffnete er die Flasche, der Korken knallte und der süße Duft
des Schaumweins erfüllte die Luft.

Er füllte sich ein Glas, hielt es in die Höhe und sprach leise zu sich selbst. >
Auf dich, Ralf Kißbrand. Du hast den ganzen Scheiß bis hierher überlebt. < Er
nahm ein Schluck und fühlte die prickelnde Frische des Sektes auf seiner Zunge.
Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. In diesem Moment war er nicht
nur der Immobilienmakler der in einem hektischen Alltag gefangen war, sondern
ein Mann, der die kleinen Siege des Lebens feierte.

Die Sonne begann langsam unterzugehen, und die Farben des Himmels verwandelten
sich in ein leuchtendes Orange und Rosa. Ralf saß da, spürte den Sand unter
seinen Füßen und die Freiheit, die der Moment ihm schenkte. Er dachte an die
Zukunft und an all die Möglichkeiten, die vor ihm lagen. Vielleicht war es an
der Zeit, neue Wege zu gehen, den Mut zu haben, das Leben anders zu gestalten.

Als es langsam draußen Dämmerte, stand Ralf auf, blickte noch einmal auf das
Meer und versprach sich selbst, dass er öfter solche Tage einplanen würde. Er
wollte lernen, sich selbst mehr zu schätzen und die kleinen Dinge im Leben zu
genießen. Mit einem letzten Blick auf den Horizont machte er sich auf den Weg
zurück zu seinem Auto, das Herz Hoffnungsvoll, die Seele ein Stück leichter. Der
geschenkte Tag war erst der Anfang.


ENDE


Dieter Battisti


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.06.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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