Heinz Werner

Verlust der Ewigkeit


(Death of Eternity)

Du hast geschworen, du würdest ihn ewig lieben – bereits nach drei Jahren hast
du ihn verlassen. Das dritte Reich sollte tausend Jahren dauern. Nach nur
dreizehn Jahren endete es 1945 in einer Katastrophe. Beim „ewigen Rom“ wird es
wohl auch nicht klappen. Verfall und Niedergang sind zu offensichtlich. Auch das
frühere Römische Reich (200 BC – ca. 480 AD) währte nicht ewig. Das
Mesopotamische Reich – wird als Wiege der Zivilisation bezeichnet – zerfiel
ebenfalls um ca. 140 BC. Manche sportliche Rekorde oder Leistungen werden als
nicht mehr überbietbar und als ewig beschrieben. In immer kürzeren Abständen
jedoch werden sie eingestellt und neue, noch unglaublichere Marken sind
plötzlich Realität. Auch das sogenannte ewige Eis wird nicht in die Ewigkeit
reichen – es schmilzt, schneller als uns lieb ist.


Was ist eigentlich Ewigkeit, was verstehen wir darunter? Antwort: etwas, das
weder einen zeitlichen Anfang noch ein zeitliches Ende besitzt, eigentlich
unabhängig vom Phänomon Zeit existiert. Ewigkeit ist nach dieser Definition von
unendlicher Dauer. Gegensatz könnte Vergänglichkeit sein. Ich glaube, wir
können die wahre Bedeutung nicht wirklich erfassen oder verstehen. Bei allen
Versuchen, dieses Phänomen wissenschachaftlich zu erklären, bleibt es wohl für
uns unfassbar. Wenn wir von ewiger Arbeit oder ewiger Herausforderung sprechen,
wissen wir zwar was gemeint ist, bewegen uns jedoch nur ganz vage an der
Oberfläche. Im Grunde beschreiben wir damit eine lange Zeitspanne oder eine
besonders lange Wartezeit. Philosophen bezeichnen Ewigkeit als etwas, das
zeitlos oder außerhalb der Zeit existiert. In der Religion ist Ewigkeit oft mit
Unsterblichkeit verknüpft.

Gerade die neuen technischen Möglichkeiten, Künstliche Intelligenz und rasante
digitale Fortschritte lehren uns, wie schnell als ewig bezeichnete Standards
obsolet werden und laufend durch noch bessere und noch weiterreichende
Einsatzmöglichkeiten ersetzt werden. Es scheint, kein Ende dieser Entwicklung zu
geben, Grenzen verschieben sich permanent, Lebenszyklen werden immer kürzer.
Ewig ist gar nichts mehr! Ewige Freundschaften sind auch seltener als gemeinhin
angenommen wird. Oft halten sie nur ein paar Jahre oder für einen bestimmten
Lebensabschnitt. Ich kenne Fälle, bei denen es nicht mal mehr für eine
Weihnachtskarte reicht.
Dieses kurzfristige Denken und Empfinden – meist auf das Hier und Heute
ausgerichtet – beeinflussen natürlich alle unsere Aktivität und Handlungen. Der
Sinn für Übersinnliches (für Metaphysisches) geht verloren. „Was interessiert
mich die Ewigkeit, ich will jetzt leben und Spaß haben“ - eine verbreitete
Einstellung und Sichtweise, bei der Ewigkeit natürlich keinen Platz hat. Wir
packen alle Erwartungen und Erfüllung in unser Leben – nur um nichts zu
verpassen. Haben wir die Perspektive verloren, hat das Wort Ewigkeit für uns
noch eine Bedeutung? Es ist für die meisten von uns schon schwierig genug, die
oben genannten weltlichen Ewigkeitskriterien zu verstehen und deren Endlichkeit
zu akzeptieren. Wir sind unsicher und halten uns deshalb an das, was wir kennen
und kognitiv aufnehmen können, also das Hier und Jetzt. Ewigkeit hat in diesem
Konzept keine Relevanz mehr und keinen Raum. Sicher ist auch ausschlaggebend,
dass Religion in unserer Gesellschaft eine immer unbedeutendere Rolle spielt und
Ewigkeit nun mal eng mit Religion und Glauben verbunden ist.
Bedeutet das, wir verlieren die Ewigkeit? Es wäre schade – sehr schade!


Heinz Werner (Copyright)
(Mai 2025)
(für Anthologie 2025 Frankfurter Verlagsgruppe)

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Stream of thoughts: Stories and Memories – for contemplating and for pensive moments (english) von Heinz Werner



Do we know what home is, what does this term mean for modern nomads and cosmopolitans? Where and what exactly is home?
Haven't we all overlooked or misinterpreted signs before? Are we able to let ourselves go during hectic times, do we interpret faces correctly? Presumably, even today we still smile about certain encounters during our travels, somewhere in the world, or we are still dealing with them. Not only is travveling educating, but each travel also shapes our character, opens up our view for other people, cultures and their very unique challenges.
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