Harry Schloßmacher

Mystic Island---TEIL-6 /// Das Höllische Vollmond-Race

 

 

Der Vollmond stand nicht am Himmel.
Er hing dort — schwer, krankhaft bleich, wie ein Auge, das zu lange offen gehalten wurde.
Sein Licht fiel auf den Strand von Mystic Island und verwandelte ihn in ein Schlachtfeld aus Silber und Schatten.
Die Insel war wach.
Und sie war hungrig.
Ein tiefes Grollen vibrierte durch den Boden, als würde etwas unter der Erde mit den Zähnen knirschen.
Der Himmelsschlund pulsierte wie ein Herz, das kurz davor war zu bersten.
Und am Horizont begann der TeufelsTornado zu wachsen — langsam, genüsslich, wie ein Raubtier, das seine Beute beobachtet.
Dann kam das Donnern.
Nicht das Donnern eines Sturms.
Sondern das Donnern von Hufen, die den Boden zertrümmerten.

 

Die Schönlingsreiter – Weiß wie gebrochene Knochen
Ihre Rüstungen glänzten im Mondlicht, doch das Licht wirkte falsch auf ihnen — zu hell, zu rein, als würde es sie verhöhnen.
Ihre Pferde schnaubten, aber selbst ihr Atem war sichtbar kalt, als hätte die Insel ihnen die Wärme entzogen.
Seraphin Vale ritt an der Spitze.
Sein Gesicht war schön, ja — aber es war die Art von Schönheit, die man auf einem Grabstein findet.
Seine Augen waren leerer als sonst.
Vielleicht hatte der Tornado mehr aus ihm herausgerissen, als er zugeben wollte.
„Reitet“, sagte er.
Es war kein Befehl.
Es war ein Gebet.

 

Die Blackriders – Schwarz wie vergessene Gräber
Sie kamen lautlos.
Kopflose Körper, die sich bewegten wie Marionetten, deren Fäden von etwas Unsichtbarem gezogen wurden.
Ihre Pferde hatten keine Schatten — der Mondlichtschein glitt einfach durch sie hindurch.
Captain Mordrain ritt vorneweg, seine Fleischhakenhand zuckte im Rhythmus des Herzschlags der Insel.
Aus seinem Rumpf drang ein Laut, der wie ein Lachen klang — oder wie das Knacken von Knochen.
Seine Kutsche war ein rollender Sarg, aus dem kalter Nebel quoll.
Die Räder hinterließen keine Spuren im Sand.

 

Die Red‑Zombies – Rot wie brennende Wunden
Sie stürmten heran wie eine lebendige Seuche.
Ihre Körper waren halb verrottet, halb verbrannt, und aus ihren offenen Wunden stieg Rauch auf.
Ihre Augen glühten wie zwei brennende Kohlen in einem Schädel.
Bella Zomba ritt an der Spitze, ihr Umhang flatterte wie eine blutige Fahne.
Ihre Peitsche aus brennenden Ketten zischte durch die Luft und hinterließ Funken, die im Sand wie kleine Explosionen verpufften.
„Lasst sie brennen“, flüsterte sie.
Und die Insel hörte zu.

 

Der Start – Die Insel entscheidet
Es gab kein Signal.
Keinen Ruf.
Keinen Startschuss.
Die Insel selbst gab das Zeichen.
Ein Riss ging durch den Boden — ein langer, tiefer, klaffender Riss, aus dem rotes Licht drang.
Ein Schrei hallte über den Strand, ein Schrei, der nicht menschlich war.

 

Die Kutschen schossen los.
Sand flog wie Splitter.
Wellen brachen wie Knochen.
Der Vollmond flackerte, als würde er Angst haben.
Die Schönlingsreiter ritten mit verzweifelter Präzision.
Die Blackriders mit unaufhaltsamer Gewalt.
Die Red‑Zombies mit brennender Raserei.

 

Es war kein Rennen.
Es war ein Opfergang.
Der Strand wird zur Hölle
Der Boden begann zu leben.
Schwarze Hände aus Sand griffen nach den Rädern.
Wellen formten Gesichter, die schrien, bevor sie wieder zerplatzten.
Der Wind trug Stimmen, die flüsterten:
„Mehr… mehr… mehr…“

 

Seraphin Vale duckte sich, als eine Welle mit einem menschlichen Gesicht nach ihm schnappte.
Bella Zomba lachte, als ein Zombie von einer Sandhand in die Tiefe gezogen wurde.
Mordrain riss mit seiner Fleischhakenhand ein Stück Schatten aus der Luft — und der Schatten schrie.
Der Tornado am Horizont wuchs.
Er war nicht mehr nur ein Wirbel.
Er war ein Mund.
Der Höhepunkt – Das Urteil der Insel

 

Als die Kutschen die letzte Strecke erreichten, begann der Tornado zu glühen — rot, weiß und schwarz gleichzeitig.
Ein Zeichen.
Ein Urteil.
Ein Hunger.
Der Boden brach auf.
Der Himmel riss ein.
Der Strand wurde zu einem Schlund.

 

Seraphin Vale stand im Wagen, die Augen weit aufgerissen.
Bella Zomba schwang ihre brennende Peitsche, als wolle sie den Himmel selbst zerreißen.
Mordrain hob seine Fleischhakenhand, bereit, jeden zu zerfetzen, der ihm im Weg stand.
Doch die Insel hatte genug.
Ein einziger, gewaltiger Atemzug des Tornados —
und das Rennen endete.
Nicht mit einem Sieger.
Sondern mit einem Schrei, der die Nacht zerriss.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.06.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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