Heinz-Walter Hoetter

Jennot vom Planeten Xaligoo

Jennot vom Planeten Xaligoo

oder

Manchmal werden Träume wahr

 

 

Es war tiefe Nacht und hinter den dunklen Wolken verbarg sich nur ein schwach leuchtender Mond.

 

Herr Anton Maier hatte erst vor zwei Monaten eine Erbschaft von seiner verstorbenen Tante Maria erhalten, die allein gelebt hatte und kinderlos geblieben war. Es war ein schickes Haus mit einem weitläufigen Garten, das sich draußen am Stadtrand in einer schönen, aber karg bewohnten Gegend befand.

 

Herr Maier war an diesem Tag schon früh zu Bett gegangen, denn er hatte tagsüber die ganze Zeit im Garten vor seinem Haus den kaputten Zaun reparieren müssen, der an einigen Stellen wegen morscher Latten beschädigt worden war.

 

Jetzt lag er friedlich schlafend in seinem Bett und schnarchte zufrieden vor sich hin.

 

***

 

Ganz plötzlich wurde er mitten in der Nacht von einem komischen Geräusch geweckt, das vom Dach seines einsam da liegenden Hauses kam.

 

Herr Maier griff sofort nach der Taschenlampe, die er in einer kleinen Kommode, gleich neben seinem Bett, in der obersten Schublade, stets griffbereit liegen hatte. Dann ging er leise in den Flur, schlüpfte in seinen Mantel und schlurfte hinüber zur Eingangstür, die er vorsichtig öffnete.

 

Ein paar Minuten später stand er draußen in seinem Garten, leuchtete von da aus in die Dunkelheit hinein nach oben auf das Dach und erblickte zu seiner großen Verwunderung eine ziemlich ungewöhnlich aussehende Kreatur, die auf seinem Schornstein kauerte. Plötzlich drehte sich die Gestalt zu dem völlig verdatterten Herrn Maier herum und rief mit verzweifelter Stimme: „Bitte entschuldigen Sie, aber ich weiß auch nicht, wie ich hier hin gekommen bin. Offenbar muss ein Fehler bei meinem Sprung durch die Zeit passiert sein, denn plötzlich befand ich mich auf dem Schornstein Ihres Daches wieder. Bitte tun Sie mir nichts, denn ich bin ein überaus friedlicher Außerirdischer oder Alien, wie ihr Menschen zu uns sagt.“

 

Herr Maier war mehr als nur verblüfft, blieb aber ruhig. Dann sagte er: „Kommen Sie erst einmal von da oben runter! Ich bin gleich bei Ihnen und öffne das Dachfenster, durch das Sie dann ins Haus steigen können. Warten Sie bitte einen kleinen Moment, bis ich da bin!“

 

Herr Maier stieg hinauf auf den Speicher, öffnete das Dachfenster und es dauerte auch nicht lange, das stand die fremde Person vor ihm, die sichtlich erschöpft und mitgenommen aussah.

 

Vielen Dank, dass Sie mir nicht feindlich gesonnen sind und mir so freundlich geholfen haben. Mein Name ist Jennot vom Planeten Xaligoo. Und mit wem habe ich die Ehre?“

 

Ich heiße Anton Maier und bin aus gesundheitlichen Gründen in Frührente gegangen. Ich habe erst vor ein paar Monaten dieses Haus von meiner verstorbenen Tante geerbt, leider mit Schulden, die ich jetzt nach und nach von meiner kleinen Rente abbezahlen muss. Es wird noch was dauern, bis ich diese Verpflichtungen zurück gezahlt habe.“

 

Der Außerirdische mit dem bleichem Gesicht sah Maier auf einmal aus traurigen Augen an und antwortete mit leiser Stimme: „Ich habe auf meinem Planeten mit der Zeitmaschine einige Versuche unternommen, wurde aber durch einen Fehler, der mir dummerweise unterlaufen ist, hier in Ihre Welt auf das Dach Ihres Hauses teloportiert. Zum Glück habe ich den Rückkehr-Notfall-Signalgeber dabei, der mich wieder in meine Welt zurück bringen wird. Es dauert aber noch ein Weilchen, bis mich die Suchfunktion der Zeitmaschine von meinem Planeten aus geortet haben wird. Ich würde gerne in der Zwischenzeit mehr von Ihnen erfahren, Herr Maier. Sie scheinen mir ein guter Mensch zu sein. Im Übrigen kann ich auch Gedanken lesen und diese sogar Wirklichkeit werden lassen. Das können wir alle auf Xaligoo, was dazu führt, dass wir alles, was wir uns wünschen, real werden lassen können. Das lässt uns in der Tat nicht nur reich, sondern auch äußerst zufrieden werden. Wir kennen keine Armut auf unserem Planeten. Wenn Sie wollen, Herr Maier, würde ich gerne mal Ihre Gedanken scannen, aber nur wenn Sie es natürlich freiwillig zulassen. Sie haben doch bestimmt auch Wünsche, die ich für Sie real werden lassen könnte – oder? Sie müssen sich mir nur öffnen, damit ich Ihre Gedanken lesen kann.“

 

Herr Anton Maier konnte es einfach nicht glauben, was er da hörte. Er bat aber den Fremden aus Höflichkeit zu sich in die Küche und bereitete ihm eine Mahlzeit zu, die aus Brot, Butter und einigen schmackhaften Würstchen bestand.

 

Jennot vom Planeten Xaligoo nahm dankbar an und war froh darüber, dass er nach dem unfreiwilligen Zeitsprung etwas zu essen bekam, auch wenn das Essen ihm ungewöhnlich vorkam. Aber Hauptsache war, es schmeckte ihm. Er genoss es sichtlich.

 

Kaum war er mit dem Essen fertig, kam ein piepsender Ton von seinem Gürtel, da ihn offenbar die Zeitmaschine geortet zu haben schien.

 

Ich muss mich von Ihnen verabschieden, Herr Maier. Sagen sie mir noch schnell einen oder zwei Wünsche in gedanklicher Form und ich werde Ihnen aus Dankbarkeit alle beide erfüllen. Beeilen Sie sich aber, bevor mich die Zeitmaschine zurück in meine Welt holt.“

 

Herr Anton Maier hatte nur ein paar kurze Gedanken, die sich um seine Gesundheit und ums Geld seiner Hausschulden drehten.

 

Kaum hatte er alles zu Ende gedacht, erfüllte Jennot vom Planeten Xaligoo ihm auch schon seine gedanklichen Wünsche, die sich aber nicht sofort für Maier realisierten, da kurz darauf sein Gegenüber von einem einem Lichtschein erfasst wurde und darin augenblicklich verschwand.

 

***

 

Anton Maier wachte erst auf, als draußen schon die Sonne aufgegangen war. Er wollte nicht gleich aufstehen und blieb daher einfach noch ein Weilchen liegen. Ganz plötzlich erinnerte er sich an seinen seltsamen Traum in der Nacht von einem eigenartigen Fremden, der oben auf seinem Dach gesessen hatte, sich ihm später als Jennot vom Planeten Xaligoo vorstellte und sogar im Traum versprach, ihm zwei Wünsche zu erfüllen, bevor er wieder verschwand.

 

Als Herr Maier das Bett verließ, fühlte er sich komischerweise ganz anders wie sonst. Er war plötzlich voller Spannkraft und Energie, als hätte er in einem Jungbrunnen gebadet. Doch er brachte diesen Umstand aber nicht mit seinem Traum in Verbindung, sondern nahm an, er hätte nur gut geschlafen.

 

Sechs Wochen später kam der Postbote an seine Tür und übergab ihm einen Brief von der Lotteriezentrale, die ihm einen Gewinn von über 500.000 Euro auf sein Konto überwiesen hatte. Herr Maier spielte schon jahrelang immer die gleichen Lottozahlen, die er auf der üblichen Plastikkarte mit seiner vollständigen Adresse rechtzeitig hat abspeichern lassen, aber diesmal nicht daran dachte, zu seiner Lottoannahmestelle in die nahe gelegenen Stadt zu gehen, um dort seinen Schein vorzulegen.

 

Auch hatte Maier seinen seltsamen Traum bald vergessen und dachte nicht mehr daran.

 

Ein paar Tage später fand Herr Maier in seinem Briefkasten abermals einen Brief, jedoch ohne Absender. Als er ihn öffnete, fand er eine hell leuchtende Folie darin, auf der geschrieben stand: „Hallo Herr Maier! Ich war noch einmal kurz auf einen Zeitsprung heimlich bei Ihnen und habe Ihnen diesen Mitteilung in Ihren Briefkasten geworfen. Ich hoffe, ich konnte all Ihre Wünsche erfüllen. Nochmals vielen Dank für das tolle Essen. Es hat mir wirklich gut geschmeckt. Leider kann ich Sie nicht mehr besuchen, weil man mir die Zeitreisen untersagt hat, die nicht nur sehr viel Energie verbrauchen, sondern auch gefährlich sind. Außerdem fallen hier und da immer noch Fehler bei einigen Zeitsprüngen an, die man natürlich aus Sicherheitsgründen vermeiden möchte. Ich habe meine Erlebnisse mit Ihnen in Ihrer Welt auch meinen Leuten erzählt, die mir das aber nicht abgenommen haben und mich jetzt als angeberischen Aufschneider und Lügner beschimpfen. Ist mir auch egal. Sie und ich wissen ja, was geschehen ist. Sollen meine Leute doch denken von mir, was sie wollen.

 

Ihr

 

Jennot vom Planeten Xaligoo

 

Ende

 

 

(c)Heiwahoe

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.06.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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