Heinz-Walter Hoetter

Etwas über den sog. Homo sapiens sapiens

 

 

Überall dort, wo der Homo sapiens sapiens auftaucht, egal wo, kommt es früher oder später zu gravierenden Problemen.

 

Der lateinische Name, den der Mensch seiner eigenen Gattung gegeben hat, ist eigentlich eine Zumutung, zumindest für mich als vernunftbegabten Menschen.

 

Homo sapiens, der "weise Mensch"? Und ja, das klingt nach geistiger Reife, nach Selbstbeherrschung, nach ruhiger Voraussicht, nach geistiger Mündigkeit. Aber in Wirklichkeit unterliegt der Mensch, in so gut wie allen Gesellschaftsformen, die er auf diesem Planeten hervorgebracht hat, einer argen Selbsttäuschung.

 

Der Mensch hält sich für überlegen, was auch eine hartnäckige Einbildung von ihm ist. Er baut Kathedralen und Atombomben, gründet Hilfswerke, frönt seinen selbst konstruierten Religionen, führt aber gleichzeitig brutale Kriege und begeht furchtbare Genozide.

 

Er ist zur atemberaubender Kunst fähig, aber auch zu beispielloser Grausamkeit an seinen Artgenossen und anderen Lebewesen, mit der er auf diesem Planeten zur gleichen Zeit zusammen leben muss.

 

Und dann bildet sich diese Kreatur auch noch ein, sie wäre "die Krone der Schöpfung", die ihm allerdings nie verliehen worden ist, sondern die er sich aus Hochmut ausschließlich selbst gegeben hat.

 

In der Tat ist der Mensch immer noch im alten, frühzeitlichen Stammesdenken und verletzten Eitelkeiten verhaftet, die in ihm tief wirken.

 

Für mich als Autor ist es immer wieder erstaunlich wie sehr der Mensch an seinen eigenen Überzeugungen festhält und glaubt, dass sein Denken automatisch gut und richtig sei.

 

Denken ist überdies keine Garantie für Wahrheit. Das weist für mich auf ein Kernproblem hin: Der Mensch ist nicht in erster Linie ein vernünftiges Wesen, sondern eine von Emotionen, Affekt getriebene, von seinen Naturtrieben bestimmte und Gruppen abhängige Kreatur, die für ihre Entscheidungen nur gelegentlich die Vernunft benutzt, wenn überhaupt, um diese Entscheidungen von ihm meistens nachträglich noch zu rechtfertigen.

 

Und nun komme ich zur Weisheit.

 

Wenn Weisheit kein Zufall und keine göttliche Eingebung ist, dann braucht sie Struktur. Sie muss sich auf klare Prinzipien stützen können und muss vom Denken genauso getragen werden, wie im oder vom persönlichen Denken.

 

Weisheit zu üben heißt noch lange nicht, dass man "weise" ist. Man kann sich als Mensch bemühen, ihr nahe zu kommen. Weisheit hat nämlich viel mit Vernunft zu tun, weil menschliches (auch humanitäres) Handeln aus echter Vernunft die Welt nachweislich sukzessive in eine für alle Lebewesen bessere Welt entwickelt hat.

 

Vernunft steht immer vor Meinungen, denn Meinungen sind billig und vermehren sich schneller, als evidente Argumente. Vernünftiges Denken heißt auch nicht "Ich habe recht!", sondern heißt: "Ich prüfe, ob ich wirklich recht habe."

 

Somit steht die Selbstkritik immer vor dem Rechthaben.

 

Aber der Mensch ist leider unvernünftig und das ist sein Problem, weil er Irrtümer als Demütigung empfindet.

 

Egal wie auch immer.

 

Will der Mensch die Bezeichnung Homo sapiens sapiens sich jemals zurecht verdienen, muss er damit aufhören, sich nur moralisch oder sonst wie zu inszenieren und damit beginnen, sich geistig zu disziplinieren, sonst bleibt der Begriff Homo sapiens sapiens nur ein Mogeletikett.

 

Meine Empfehlung, auch an alle KritikerInnen: "Werde das, was du behauptest zu sein oder von anderen erwartest!"

 

Vielleicht wirst du dadurch zufriedener oder zumindest weiser. Aber das überlasse ich jedem selbst, denn am Ende unseres Lebens lösen sich alle Probleme durch unseren Tod wie von selbst. https://www.e-stories.de/autor/Heinz-Walter-Hoetter

 

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