Lesedauer: 4 Minuten mit 7557 Satzzeichen. (Human Verifit)
Ich war lange ein Doppelagent des Bewusstseins !
Mit offenen Augen saß ich in Werbeagenturen als Reinzeichner, Retuscheur oder in Satz-Redaktionen technischer Art.
Klickte mich durch endlose Layouts, polierte Pixel, korrigierte Schatten und Rohtexte. Verschlief dabei ganze Jahre an eig'ner Lebensqualität ...
Geistig im Standby, bis zur nächsten Firmenpleite, bis zum nächsten Technologiesprung, der mich kurz aus der Lethargie riss, nur um mich wieder in die Routine zurückzustoßen.
Des Nachts, wenn andere die Lichter löschten und unsere Babys in Bettchen schlummerten, begann mein Hirn-Maloch erst richtig.
Lag im Ehegemach mit geschlossenen Augen, hellwach, manisch kreativ, völlig überdreht.
Fertigte im diffusen Dunkel bereits unzählige Rastermasken für den BabyButt-Katalog und trennte gedanklich-sinnbefreit unsere Schlafzimmer-Stores von den Übergardinen im i-Mac-Wahn.
Retuschierte Sie lösend vom Hintergrund, als könnte ich durch reine Vorstellungskraft die morgige Arbeits-Welt - vorab - gestalten.
Jedes Ding, das still in seinem Regal stand, hatte ich bereits nächtelang im Traum umgefärbt, bis mich eine Photoshop-Vorstufe der KI davon erlöste ... oder besser gesagt ... aussortierte ...
Da Apple-Technologie dies in Thailand oder Bulgarien per Datenversand zu siebzig Prozent günstiger erledigte. Zu unserem Leidwesen und Portemonnaie vor Ort.
Desterwegen bereits weit vor 2008 im Krisenmodus, zum vierten Mal mit Kleinkindern - immer vor Weihnachten -arbeitssuchend wurde ...
Schritt ich wenigstens zur Eigenschlaf-Selbsthilfe, um nicht nur finanziell zur Gänze nervlich abzudrehen.
Hirnforscher wussten schon lange, der Mensch, als solcher, ist im Schlaf am hellsten.
Somit wurde ich Nachtspezialist. Luzider Träumer. Antrainierter REM-Schm(itt)-(ied).
Luzid, der Zustand, in dem man seine Träume steuern und in dem Übergang zur Tiefschlaf-Phase veredeln kann.
Lebte so in zwei Welten meines Daseins !
Auch, um nicht ständig des Nächtens, jedesmal einen imaginär-antiken spanischen Schrank und in seine unzähligen Intarsientürchen, mit jedweden Krimskrams ein- auszusortieren ... wo sich schweisgebadet ...
Beim Morgengrauen alles wieder inhaltsleer öffnete ... und alles von vorn' begann !
Irgendwann machte ich mir dies luzide Träumen zunutze, auch, um musikalische Ideen für ein hiesiges Orchester zu formen, bei schwierigen Notierungen auf der Bassposaune. - Mein geistiges Halteseil.
Was dem Samurai sein Zen ist, reifte in mir viele Jahre später, als die heilige Kunst des gezielten Büroschlafs, hin zum letzten siebten Software-Arbeitgeber, bis zur Rente und Verlängerung nach 51 Vollzeitjahren zu erlangen.
Mein finaler Lotto-Siebener mit Zusatzzahl !
Dort hätten unsere japanischen Delegationen, die uns beehrten, vermutlich ehrfürchtig geflüstert:
„Sehet her ! Dieser arbeitet sogar im Schlaf !“
Legte mich oft in die vielen Sitzlounges, die zur neuen Firmenphilosophie gehörten, aber niemand von den - irgend was mit Medien Bachelor-Master's - zu nutzen wagten.
Da viele nur Zeit-Werksverträge inne hatten, aber ich Jahrzehnte - in allen analogen Belangen - ihnen voraus war ...
In unserer prosperierenden Medien-Genossenschaft, ohne Finanzdruck von irgendwo, meine analog-praktikable Denke, als Brücke hin zum KI-Digitalen, richtig einschätzten.
Schloß dort oft für lange Minuten die Augen und erwachte als mein eigener Problemlöser, statt Qualmen oder Kaffee, wie's andere taten.
Dann kam die Pandemie !
War Homeoffice zuvor verteufelt, insbesonders von sich im Quadrat vermehrend' studierten Untergruppen-Teamleitern mit Splitting-Aufgaben, als Quasselfloskler ohne Entscheidungsbefugnis.
So waren plötzlich die erst neu umgebauten Design-Büros mit Spiel & Ruhewiesen inhaltsleer, da die Mitarbeiteten im Zwangs-Homeoffice.
Fazit: Schlafphasen nun frei flottierend, weil ja ich als Einziger zugegen, angepasst an den eigenen Biorhythmus ... unsere ...
Angelieferten Wissensvermittlungs-Druckerzeugnisse analog Endprüfte, vor Auslieferung ... und siehe da:
Rekordumsätze, fast von einem Tag auf den anderen. Vorstände jubelten: „Digitalisierung ! Transformation ! New Work !“
Nochmals Tonagen an Papier eingespart, vorher schon, bei den Weggla's-Wochen.
Nur Wissende vermuteten: Es war der gezielte Nervenschlaf. - Leistungssteigerung im Liegen.
Evolution im Pyjama, frei von sinnlosen Zeitdiebe-Meetings und nerviger An-/Hinreise in Staus oder VAG-Öffentlich unterwegs.
Nun, man stelle sich vor, was als Nächstes käme, wenn uns - von lang oder kürzer - die KI diesmal pandemisch-technokratisch zusetzt:
Man erwacht - und alles, was du geträumt hast, erscheint animiert in einer Neuro-Cloud (siehe mein KI-Schlussbild) !
Verschwommen heute noch. Selbstverständlich morgen !?!
Wie damals das erste Telefon.
Erst technische Revolution, dann nur noch ein tragbares Smartphone-Feature in überfrachteten Medien-Winzlingen.
KI-Systeme werden bald von Hirnscans-Bilder und Szenen rekonstruieren. Aus Fantasien werden Seelenraumbilder zu Tatsachen im steten Datenverkehr.
Was du arbeitsreich erträumst, liegt am Morgen visuell zum Reinzeichnen bereit und verfliegt nicht nutzlos im schweißgebadeten Erwachen wie früher.
Selbst Alzheimer and more wäre somit behandelbar !
Innerste Gedanken werden ersichtlich - und für andere offen darlegend.
Schlecht, wenn du nachts im Tiefschlaf deine Ehefessel meuchelst, oder einer Traumfrau absdruse Fortpflanzungs-Praktiken abverlangst. Mitunter umgekehrt.
Symbolisch. Freudianisch. Therapeutisch ...
... aber ...
Erklär das einmal einer KI ohne schwarzen Humor mit Compliance.
„Ich roman(t)isiere meine Ehefessel-Albträume“, zeilte KI-ihr mir unverblümt mit.
Das sei (k)ein Skript für einen fränkischen Deppendativ-Dadord (=Tatort) mit gelebtem Alltagsbezug.
Ki-Sie notiert: Patient bagatellisiert homicidale Tendenzen - und weist mich in die geschlossene Psychiatrie ein ...
Siehe Justizirrtum Gustl Mollath dahier, der über sieben Jahre in der geschlossenen Psychiatrie unschuldig saß, weil er - auf seine Wahrheit - stoisch beharrte. Im Komplott sich Auftrieb, aber final Recht bekam.
Deren politische Verschlepper, wie so oft, ins Austragsstüberl Brüssel abgeschoben wurden.
Dort würde auch ich vermutlich nun von Leuten untersucht, die nachts von mutierten Ki-Feldhasen verfolgt werden, die ihnen ihre gefälschten Steuerbescheide vorlesen.
Gesellschaften reagieren wie immer: spät, falsch, moralisch überfordert.
Priester könnten fragen, ob Gott Albträume bewertet oder ob der Teufel einfach die bessere CGI hat.
Therapeuten referieren über „positive Aggressionsverarbeitung im Traumdelikt“.
Philosophen wittern die große Stunde: „Wenn die Innenwelt öffentlich wird, hat die Außenwelt dann noch Bedeutung ?“
Bereits Nietzsche wusste es: Wenn du in den Traum blickst, blickt der Traum irgendwann zurück !
Ja, was wird nun aus meinem Muster-Schlaf ?
Früher galt er als Pause vom Leben, jetzt wird er zweite Arbeitswelt. - Schlafen, um produktiver aufzuwachen. Träumen, damit eine KI meine Motivation bewertet.
Die letzte Bastion der Menschlichkeit, das schamhafte, unkontrollierte Innenleben, wird zum bearbeitbaren Datensatz. Nährwerte top, Schale irrelevant.
Wir sollten das Recht auf Dunkelheit ins Grundgesetz schreiben. Das Recht, im Traum zu scheitern. Das Recht, jemanden zu hassen. Rechte auf unzensierte Abgründe.
Abends verspreche ich mir, nur von Blumenwiesen zu träumen. Harmonie, Weltrettung, reine Unschuld !
Doch die Weltlage spannt die dramaturgischen Muskeln des Unterbewusstseins jeden Abend neu.
Wo Träume frei waren, herrscht nun Leistungspflicht: Effizienz im REM. Sinnstiftung im Halbschlaf, mit Optimierungsdruck bis in die Tiefen unseres Oberstübchens.
Wir hatten einmal die Berechtigung auf Verschwommenheit. Nun herrscht Fokuspflicht.
Was einst die Werkstatt des Tages war, wird gläsern, denn bevor wir unsere Gedanken verstehen, hört Selbstbestimmung auf.
Die Dunkelheit schützt uns mehr als jede Aufklärung ... denn erst hier ... Beginnt die Echtzeit-Freiheit.
Gedanken verlieren ihre Namen, lösen sich aus den Begriffen. Nur dort dürfen wir verborgen sein - vor uns selbst !

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.06.2026.
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