“Paul Gauguin war meist schlecht gelaunt. Nicht selten prügelte er sich mit anderen. Einmal brach er sich dabei das Bein. Er stellte sich selbst als gelben Christus dar. Es kann sein, dass er ein bisschen verrückt war. Er verwendete kräftige Farben und machte schwarze Striche außen herum!”
So sprach Alan. Mit wenigen Strichen konnte er Personen oder Sachverhalte skizzieren.
Über die heilige Therese von Lisieux sagte er: “Einmal erschien ihr die Jungfrau Maria. Und die sagte ihr, sie solle ihr kurzes Leben auf dieser Erde genießen."
Alan begleitete uns drei Tage lang als Reiseführer in der Bretagne.
Er war nicht nur sehr intelligent, sondern auch sehr humorvoll. Seit über dreißig Jahren arbeitet er als Reiseführer. Im Laufe dieser Zeit sind ihm vermutlich immer mehr Witze eingefallen, die seine Ausführungen auflockern.
Eines blieb uns ein Rätsel: Weshalb atmete er so schwer? War es sein beträchtlicher Leibesumfang? Er liebte deutsches Bier und französischen Rotwein. Gab es da Zusammenhänge?
Seine Mutter kam aus der Bretagne und studierte in Oxford. Dort wurde sie von einem Engländer geschwängert, mit dem sie allerdings nicht allzu lange zusammenblieb. Sie wurde Deutschlehrerin. Acht Jahre lang verbrachte sie mit ihrem Sohn Alan in Deutschland, der selbst auch Germanistik studierte, zuerst in Kiel und später in Brest.
Im Gegensatz zu seinen Eltern wurde er nicht Lehrer, sondern Reiseführer. Sein Deutsch ist gut, aber nicht perfekt. Vorsichtshalber spricht er in kurzen Sätzen: Für die Zuhörer ist das vorteilhaft. Sie können ihm dann besser folgen. Auch bei den Artikeln ist er nicht ganz sattelfest.
Er sagt zum Beispiel “das Bucht”.
Solche kleinen Mängel macht er wett durch einen unschlagbaren und trockenen Humor.
Einmal stehen wir mit dem Bus vor einer militärischen Einrichtung.
Alan sagt zum Busfahrer: “Wir müssen weiterfahren, sonst schießen die auf uns!”
Beim Abschied erntet er viel Beifall. Er hat uns seine Heimat, die Bretagne, wirklich nähergebracht.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.06.2026.
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