Viviane Nägeli

Das trügerische Glück

Es war einmal in einer lange vergangenen Zeit eine Wand. Diese stand in einem Dorf. Das Dorf war klein und die Dorfbewohner nicht gerade reich. Doch die Bewohner waren glücklich.

Die Wand stand noch nicht sehr lange dort. Aber trotz dem waren schon 18 Leute gegen diese Wand gelaufen und durch die Wucht des Aufpralls in Ohnmacht gefallen. Dass so viel Leute gegen die Wand liefen, lag daran, dass sie in der Mitte einer belebten Strasse stand. Aber es gab auch noch einen anderen Grund dafür. Denn im Dorf ging das Gerücht um, dass es einem Glück beschert, wenn man gegen diese Wand läuft und ohnmächtig wird. Mit der Zeit liefen immer mehr Leute gegen die Wand und es schien zu funktionieren. Das ganze Dorf war glücklicher denn je. Es wirkte, als könnte dieses Dorf niemals wieder von Unglück heimgesucht werden.

Bis eines Tages ein Kind gegen die Wand rannte und dabei ums Leben kam.

Die Dorfbewohner waren zutiefst erschüttert und entsetzt. Das Kind hatte sich beim Aufprall eine schwere Kopfverletzung geholt und ist daran verstorben.

Nach diesem Ereignis wurde die Wand noch am selben Tag zerstört und nie wieder ist jemand gegen diese Wand gelaufen.

Für die Dorfbewohner stellte die Zerstörung der Wand jedoch ein neues Problem dar. Denn wie sollten sie jetzt glücklich sein? Ohne Wand. Sie hatten sich so an sie gewöhnt, dass sie von ihr abhängig geworden waren.

Zum Glück aber erinnerten sich die älteren Dorfbewohner noch an die Zeit vor der Wand und sie konnten erneut lernen, ihr Glück von sich aus zu gewinnen. So wurden sie schliesslich glücklicher als mit der Wand und die Wand geriet schnell in Vergessenheit.


 

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