Patrick Rabe
Quader
eine quadratische Quadrophonie in vier Teilen
für
Bob Dylan,
dessen übermütig tanzende Tarantel mich sehr inspiriert hat
und
Lucas "Lucky" Steiner,
ohne dessen Anwesenheit in meinem Leben dieses Buch sicher nicht entstanden wäre.
Meine Tage sind deine Nächte
Nach einer rauchigen Nacht wachte Quader Quadrolsky gegen sechzehn Uhr in seinem unordentlichen Zimmer auf. Berge von benutzter Wäsche türmten sich in der Osthälfte seiner Wohnstatt, während in der Westhälfte ausgetrunkene Flaschen mehrerer Alkoholika sich den Platz teilten mit vollgeaschten Aschern und dicken Manuskripten.
Quader griff nach einer Whiskeyflasche und nahm einen tiefen Schluck. „Guten Morgen, Lady Whiskey!“, raunte Quader mit seiner tiefen, rauhen Stimme, die weniger an Tom Waits erinnerte, als vielmehr an ein erkältetes Eichhörnchen, „Heute mach ich Studien für meinen neuen Roman!“
Quadrolsky wollte einen Naturroman schreiben, daher inspirierte er sich nur mit unnatürlichen Substanzen. Zunächst, um entspannt draufzukommen, setzte er sich einen Schuss Heroin. Um dennoch bei Bewusstsein zu bleiben, balancierte er seinen Gehirnstoffwechsel mit etwas Koks und Speed aus. Ein Silberreiher flog über den See in Quaders Wohnzimmer, Grillen zirpten und die Kuh auf seiner Toilette muhte herzhaft. Das Schleuderprogramm zeitigte vollen Erfolg.
Ein Diplomat mit grünem Schädel brachte Quader sein Telefon: „Herr Quadrolsky, ihre Freundin ist dran.“ Quader riss dem Diplomat den bumsfidelen Apparat aus der Hand und murmelte sirenengleich in die Muschel: „Muschi, komm so gegen einundzwanzig Uhr, dann kann ich deine Elvira verwöhnen, äh, du weißt ja, was ich meine!“ Quadrolsky warf das Telefon aus dem Fenster und schob sich zwei Scheiben Knäckebrot in den Hintern, denn er mochte dieses rauhe Gefühl. Es stimulierte ihn sexuell, und das brauchte er jetzt. Er wollte über Bienen schreiben. „Honig ist Bienenkotze…“, murmelte er. Ja, das war ein idealer Anfang für seinen Roman. Quader zog sich nun gänzlich nackt aus und vollführte ein paar Luftsprünge im Wohnzimmer. Dann jonglierte er ein bisschen mit Sammeltassen.
Neulich war er bei seiner Tante Erdmuthe zu Gast gewesen, aber das nur am Rande.
Quader bestieg linksfüßig einen Heißluftballon und flog über die schleswigmeckleniedersächsische Landschaft. Heißa, das wird der beste Nahtürroman seit Fontanes „Wanderungen durch die Marx Brandenburg“. Quader frohlockte gleich einem Kibitz und stieg nach dreieinhalbsekündiger Fahrt aus dem quietschorangen Taxi aus. Er war in New York, 5th Avenue West. Am Straßenrand kauerte Bob Dylan und blies den Wind durch seine Mundchaotica. Er sah Quader scheel in die Augen und sang: „Ich akzeptiere das Chaos, aber ich weiß nicht, ob es mich akzeptiert.“ Quader zahlte seine Rechnung an einen niederländischen Clown und stieg in ein Wasserbad, um seine Eier hart zu kochen. Denn seine Freundin Elvira bestand darauf. In weichgekochten Eiern könnten noch Salmonellen oder andere Lachsprodukte schlummern.
Nathan der weiße Neger Wumtata stimmte einen Jazzschlager an, worauf sich die Tanzfläche füllte. Sieben Giraffen und drei Rehe führten einen Balztanz auf, aber da sie alle weiblich waren, entstand dabei kein Nachwuchs. George suchte seinen Dabbeljuh, er hatte ihn in einem Bush verloren. Knallgelbe Gurkentiere meierten um die Wette und der letzte musste den zurückgebliebenen Schaum aus der Bierflasche schlürfen.
„Moment.“, ließ sich Quader vernehmen. „Zeit für ein erotisches Intermezzo!“
Muschi und ihre Elvira Minka waren mittlerweile in seinem Appartment aufgetaut. cht. Elvira zog sich ihren Oberkörper aus und liebkoste mit sündigem Klingeln Quaders Ohrmuschel. Muschi rieb sich derweil am Kratzbaum, was Quader sehr stimulierte, wenn auch mehr prophylaktisch. Elvira schob ihre Nebenniere apart in Quaders Apparat, was ihn nahe an einen Organismus brachte, den er jedoch gekonnt noch sechseinhalb Millisekunden hinauszögerte, um ihn organisch organistisch Oregon um die Ohren zu orgeln. „Danke, Elvira, das hab ich gebraucht.“ „Und wer denkt an mich!“, jammerte Elvira, „Du denkst doch immer nur an deinen Kunstscheiß!“ Damit schnappte sie sich Muschi und ging ins kölnisch Wasser. Quader goss noch etwas Natronlauge hinterher, damit auch keine Spuren von ihrer Leiche blieben.
Traurig starrte Quader aus den Fetzen seines Zimmerfensters. Was sollte er ohne Elviras Muschi anfangen? Er beschloss, einen traurigen Liebesroman zu schrauben oder vielleicht ein feucht-fröhliches Waldraumabentower. Nachts könnte er sich mit Scherlogg Holmes ins Pendragon einloggen und König Arthurs Tafelrunde über Eck ins Tor scheißen. Mehr Lin inklusive. Fragte sich nur, woher er soviel Apfellimonade herkriegen sollte, obwohl Avalon ja schließlich die Äpfelinsel war.
So langsam ließ die Wirkung des Speeds nach und Quader Quadrolsky beschloss, ins Brett zu gehen. Nur echt mit zweiundfünfzig Zehen. Oder Feen. Er seufzte. Heute war wieder ein sehr erfüllter Tag gewesen. Einer dieser Tage, an denen man den guten Rad neuerfinden konnte, vielleicht sogar blauerfinden konnte.
Quader Quadrolsky hielt sich an einer verglimmenden Zigarettenkippe fest und schief langsam eins zwei drei vier fünf weöjtlmsfgkrgjkörgök rgö krhgk lhgklr3ghlrghlghlrghrlghlrgtlhriigo4thio4ri4kkffn
Liebe Macht’s Möglich. Ab morgen in drei Farben in ihrem Lidl.
Knie nieder, Sklave!
oder
Geschmackloses an Chilisauce
Kasimir "Klippe" Rastorf war einer der besten Regisseure seiner Zeit. Er rauchte gerne große Zigarren, denn er hatte einen kleinen Jonathan und wollte durch diese Zigarren den Frauen suggerieren, dass dem nicht so wäre. Er arbeitete wie ein Tier, genauer gesagt wie ein Gürteltier, denn er ließ sich stets gefesselt mit einem Gürtel zum Set bringen. Gefesselt von Jean Brunft, seinem Herrn und Meister. Jean löste die Fessel um "Klippe's" Körper, jedoch die Hundeleine um seinen Hals behielt er stets fest in seiner zarten Hand. Jean war ein ungemein femininer Bengel, jedoch "Klippe" war ihm hörig. Die Leine war zehn Meter ausfahrbar, damit "Klippe" am Set genügend Auslauf hatte.
"Radio Pumpf" hieß der Film, den sie gerade drehten. Er handelte von einem verbotenen Sender während der Schmidtlerzeit. Dieser Sender war über den Volksbenebler empfangbar gewesen und hatte Propanganda für Propangras gemacht. Was die Leute von Radio Pumpf nicht wussten: Sie leisteten Schmidtler und seinen Mannen damit einen Bärendienst, denn das Propangras zogen die sich selber rein.
Wie auch immer: "Radio Pumpf" war eine Groteske und die Blätter hatten schon im Vorfeld viel gewindet, ob man überhaupt Grotesken über die Schmidtlerzeit drehen dürfe. Rastorf war das egal. Er hatte die größten Schauspieler seiner Zeit für diesen Film engagiert: Heino Zwerch (2 Meter 90 groß) und Martin Bobelkranz (10 Meter 48,22 groß).
Kasimir Rastorf lief mit jenseitig verschieltem Blick übers Set und brüllte mit Zwerghamsterstimme Befehle in eine Flüstertüte.
Da trat Mario Mohl von hinten an ihn heran, jener gefürchtete Filmkritiker, der schon "die Buschrommel" von Nathan Wigelmicks zerissen hatte. Er hatte Wind davon bekommen, das Rastorf sich allerhand, manchmal auch allerfuß und in seltenen Fällen auch allerleirauh durch die Nase zog und sagte im Tonfall eines jüdischen, schwulen, behinderten Negers zu Rastorf: "Lassen sie uns doch den Drehtag beenden und folgen sie mir ins Cafe Arschengel. Dort wird erstklassiges Mehl angeboten."
Natürlich willigte "Klippe" ein, denn er war ohnehin kein besonders ehrgeiziger Regisseur. Ob der Film jetzt oder in 20 Jahren fertig wurde, war ihm egal, schließlich hatte die Welt auch ein Millennium lang auf "Chinese Democracy" gewartet.
Jean Brunft, die Hundeleine und "Klippe" folgten Mohl zu seinem Trabi, in dem bereits Kaudia Kiffer, Kaudia Nohrab und Kau-Dia Vortrag mit ihren 65 Dezipeln saßen. Gemeinsam fuhren sie zum Cafe Arschengel, der bekanntesten Sado-Maso-Kneipe der Stadt.
Während der Fahrt bekam Rastorf Durchfall. Das kam öfter vor. Er tauschte mit Jean die Hosen, denn dieser liebte "Klippes" Dung.
Im Arschengel setzten sich die drei Männer auf einen nackten Studenten, der hier als Stuhl fungierte und bestellten vier Flaschen radioaktiven Schaumwein. Die vierte Flasche war für "Klippes" halluziniertes Alter Hugo namens Egon Balder, der bekanntlich gerne mal einen nachkippte.
Nachdem unsere sympathischen Freunde schon reichlich verseucht waren, begannen sie sich das Mehl durch die Ohren zu ziehen, und "Klippe" entfernte sich die Kopfhaut. Das machte er immer so gegen 28 Uhr, weil er wusste, dass Jean dadurch erregt wurde. Jean verstand den Wink seines Sklaven, nahm ihm die Kopfhaut ab und zog sie sich wie eine Strumpfmaske übers Gemächt.
Jetzt liefen 10 Nacktschnecken in den Saal und führten das Bavarian Dreamdirndlballett auf und ab.
Dicht gefolgt von seiner Muschi Elvira hüpfte nun, voll auf Braunkohle, Quader Quadrolsky durch die Menge. Er blieb vor dem Tisch der drei Filmspezis stehen und fragte kurz zugebunden: "Habt ihr 'n bisschen Koks? Zum Verheizen, wisst ihr. Meine Wohnung ist so kalt." "Na klar!", entgegnete Jean Brunft und füllte 30 Millihektar von Rastorfs mittlerweile getrocknetem Dung in dessen Kopfhaut und drücke diese Quadrolsky in die Hand. "Danke, Kumpel!", rotzte dieser rhabarbermäßig und hüpfte Richtung Toilette.
Die Filmcrew wollte sich eben wieder dem köstlichen Mehl zuwenden, da begann es unterirdisch zu dröhnen und zu beben. Das Arschengel erzitterte in seinen Grundfesten. Die bayrischen Nacktschnecken flogen quer über die Tanzfläche und bedeckten diese mit rosa Schleim. Das Dröhnen übertönte alle Gespräche. Da brach ein U-Boot aus dem Boden hervor. Die Luke öffnete sich und ein kleines, schnurrbärtiges Männchen schaute heraus. "Ihr seid erobert!", rief es mit schnarrender Stimme. Mario Mohl sprang auf: "Das...das ist Wudolf Schmidtler!", rief er ungläubig. "Ich dachte, der wäre längst tot!"
Der als Schmidtler bezeichnete stellte sich auf sein U-Boot und drehte sich herrschaftlich. "Sados, Masos, Römer, hört mich an! Ich bin nicht tot, wie die öffentliche Propanganda behauptet. Ich habe unter dem Meer auf der versunkenen Insel Hyperboare-Ey überwintert und mich mit Propangras jung erhalten. Jetzt ist die Zeit gekommen, da ich diesen Staat wieder übernehme und das goldene Zeitalter einläute, auch bekannt als "Arsch d' Ohr"! In diesem Moment machen meine Mannen alles dem Erdboden gleich. Aber beruhigt euch: Sado-Maso-Kneipen und vegane Restaurants werden verschont. Ich bin doch einer von euch!"
Jubel brandete auf. Draußen auf den Straßen verwüsteten die Schmidtlerhorden alles, was nicht niet-und nagelfest war und überrannten in 5, 45 Minuten den gesamten Erdball. Daraufhin begann die neue Schmidtlerzeit, die genau 1000 Jahre und 3 Sekunden dauerte. Danach zog Schmidtler sich mit seiner Frau Loki in einen Bungalow am Stadtrand zurück und kommentierte das Weltgeschehen in der von ihm herausgegebenen Zeitung "Breit". Im Jahr 20300 gab er ein denkwürdiges Fernsehinterview bei Sandra Maischberger, in dem er 80000000 Zigaretten rauchte und dazwischen 7,88 Worte zur politischen Lage in Stussland verlor.
Da "Klippe", Jean und Mario sich ab Schmidtlers Machtübernahme immer von Propangras ernährt hatten, waren sie zu der eben angegebenen Zeit immer noch am Leben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie in irgendeinem Darkroom, um sich gegenseitig ******* (zensiert, da judengefährdend).
Wer alle in dieser Geschichte auftauchenden Zahlen addiert, durch 2858395969547696847,5 teilt und daraus die Quersumme errechnet, hat das Recht auf einen kostenlosen Angezogenenputzer und freien Zwei-oder Dreitritt im Cafe Arschengel.
Knie nieder, Sklave und suche mein Propangras!
(...und nein: ICH BIN KEIN NAZI!)
Dakota Bildung
Scheißende Hausfrauen verwandeln jedes Internetforum in einen Sandhügel. Rolls Royce raucht eine und haut seiner Katze auf die Kippe. Im Dunkeln glühende Augen machen eine Schiffsreise nach Amerika, verfahren sich am Westhofener Kreuz und schauen mal kurz bei Jesus rein, der einen katholischen Andenkenladen betreibt. Wer noch was zu sagen hat, wird Präsident, der Rest ist Schweiger mit Didi Hallervorden zu hallervörderst durch den Hirnhonig gezogen. Marzel the Parcel gibt eine Party im Holundergarten, niederträchtige Henry Millers meiern ihren Eiersaft, kein Stieraußerirdischer vertilgt eine Kuh am Sonntag. Sonntags ist das verboten. Nur Jesus würde dieses Gebot brechen, der er ist die Erfüllung der Schrift.
Meine eigene Rolle in diesem Spiel war die eines Berichterstatters. Ich kaufte mir ein Haarsieb und zehn zahme Taranteln, die in einer Streichholzschachtel das Nussknackerballett tanzen konnten und machte mich mit Unmengen Pfeifentabak auf nach New York. Dort wohnte ich in der Nähe des Central Parks im sogenannten Dakota Building. John Lennon war vor diesem Haus erschossen worden und Rosa Polowsky hatte Roseromans Baby hier gedreht, das Haus stand im Ruf, vor paranormaler Aktivität nur so zu strotzen.
Ich bezog meine Wohnung im ersten Stock und machte mir eine Kanne grünen Tee. Ich wollte eben das erste Stück davon essen, da klingelte es an der Tür. Ich öffnete. Draußen stand ein graumelierter Herr mit Goldrandbrille. „Guten Tag, ich bin ihr Nachbar, Romunald Runkelbarg. Ich wollte sie zu mir und meiner Frau zum Tee einladen.“ „Tut mir leid“, sagte ich, „Ich habe keine Zeit, muss hier bei mir eine Tasse Tee trinken.“ Während ich das noch sagte, erinnerte es mich frappant an eine Kurzgeschichte von Patrick Rabe, an deren Ende der Protagonist, der immer die Einladungen seines Nachbarn ausschlägt, in der Psychiatrie landet, und so beschloss ich, mich umzuentscheiden, und auf das Angebot einzugehen.
In Runkelbargs Wohnung war es ziemlich dunkel, überall hingen Bilder von scheißenden Hausfrauen und Papstwitzen auf Kloschüsseln, die Frau meines Nachbarn sah aus wie Didi Hallervorden, und mich beschlich bald der Verdacht, dass ich hier gefickt werden sollte, um den Sohn des Satans auszutragen. Also schenkte ich den Beiden Rheinwein ein. „Sie wollen, dass ich den Sohn des Satans gebäre, nicht wahr, Herr Runkelbarg?“ „Offengestanden: ja.“, sagte dieser unumwunden. „Natürlich nur, wenn es ihnen nichts ausmacht.“ „Naja“, druckste ich, „Eigentlich wollte ich hier ein Buch über das gesellschaftliche Leben in New York schreiben und da wäre mir eine Schwangerschaft eher lästig, aber wenn sie unbedingt wollen… na gut! Aber ich möchte von dem Fickvorgang nichts spüren. Könnten sie mich also bitte vorher betäuben?“ „Na klar!“, lächelte Romunald Runkelbarg warmherzig und seine Frau Didi zwirbelte ihren Brustbart.
Die beiden flößten mir einen Bommerlunder ein und ich fiel in einen hundertjährigen Schlaf.
Als ich wieder aufwachte, waren die Beatles bereits berühmt und ich erkannte, dass John Lennon mein Sohn war. Meiner und Lucys. Stolz wie Ottokar verfolgte ich alle Stationen ihrer Karriere, rasselte bei ihrem Auftritt vor den Royals mit meinen Juwelen, stürmte im Shae Stadium die Bühne, brachte sie als Wolfgang Niedecken verkleidet mit Marihuana in Berührung, stand auf dem Seargeant Pepper Album als Aleister Crowley Modell und rief die Polizei, als sie auf dem Dach von Apple Records spielten.
Runkelbargs Rechnung war aufgegangen. Ich hatte nicht nur eingewilligt, den Sohn des Satans auszutragen, ich verfolgte auch noch stolz seinen Werdegang. Dabei war meine Mutter eine katholische Nonne gewesen! Als die Beatles sich trennten, überlegte ich, mich John zu offenbaren, und ihm seine Weltmission zu unterbreiten. Doch Didi Runkelbarg kam mir zuvor. Sie lud John und seine Hexenfrau Yoko ins Dakota Building auf einen Bommerlunder ein. Daraufhin fiel John in einen hundertminütigen Schlaf, und als er wieder aufwachte, war ihm schlagartig klar, dass er der Antichrist war. Er lief zu einem See und brüllte die untergehende Sonne an: „Warum ich!?“ Jedoch bald hatte er sich auf seine neue Rolle eingestellt. Er schrieb Balladen wie „Imagine“, die Himmel und Hölle leugneten, verherrlichte Drogen, beschwor seinen Vater in „Bring on the Lucy“ und tat auch sonst ne Menge, um Jesus zu bekämpfen.
Ich dachte mir nichts dabei und lebte weiter mein sorgloses Leben. Eines Tages jedoch, als ich so durch Whiskonsin pendelte, und zwar als Whiskeyverkäufer, der bei alten Frauen ungünstige Wasseradern und Erdstrahlen wegpendelte, kam ich bei einem katholischen Andenkenladen vorbei. Ich schaute rein und siehe, dort stand ein langhaariger, bärtiger Mann mit Jesuslatschen, der mich freundlich ansah. „Hallo, du verirrte Seele!“, begrüßte er mich, „Willst du einen Bommerlunder trinken?“ „Ach nee, lass man, damit hab ich schlechte Erfahrung!“ „Naja!“, sagte der Ladenbesitzer freundlich, „Du warst tierisch lange auf dem falschen Dampfer, mein Freund! Hast einfach so’n Beatle in die Welt gesetzt, und der ist noch nicht mal von VW! Ich könnte dir helfen, das auszubügeln. Ich hab hier `nen netten Assistenten, Mark Chapman heißt er. Den könntest du mit nach New York nehmen und ihm zeigen, wo der Antichrist wohnt. Er wird ihn dann erschießen. Das, lieber Freund, ist ein Angebot, welches du nicht ablehnen kannst. Es geht um dein Seelenheil! Und, wenn du noch einen Tipp haben willst: Lass das Whiskeysaufen und Pendeln!“
Ich verbrachte den restlichen Tag mit In-der-Nase-popeln und überlegte mir das Angebot des Ladenbesitzers. Schließlich entschloss ich mich, einzuwilligen. Immerhin ging es um mein Seelenheil und den Weltfrieden. Ich und der überaus scheue Mark Chapman, der ständig in Salingers „Sänger mit Streptokokken“ las, machten eine Schiffsreise nach Amerika, verfuhren uns am Westhofener Kreuz und fassten Heidi von hinten an die Schultern.
In New York angekommen zeigte ich Mark den Weg zum Dakota Building, vor dem er sich bewaffnet postierte. Ich schlenderte durch den Central Park. Plötzlich stieg brennend das schlechte Gewissen in mir hoch. John war doch mein Sohn! Wie konnte ich ihn verraten!? Und das nur wegen meiner Seele und so’m Piss-Weltfrieden! Eilends lief ich zu Johns Studio und warnte ihn. Er dankte mir und floh. So war er auch endlich Yoko los. Mark Chapman wartete die nächsten hundert Jahre vor’m Dakota Building auf John Lennon, bekam ab und zu von Romunald Runkelbarg und Didi Hallervorden einen Bommerlunder rausgebracht und wurde bald eine New Yorker Attraktion. Runkelbarg behauptete, Chapman sei eine von ihm angefertigte Skulptur mit dem Titel „Der Wartende“ und bekam dafür den Bildhauernobelpreis verliehen.
John Lennon war mittlerweile nach Palästina geflohen, hatte in Jerusalem das Jerichosyndrom gekriegt und sich für die Jungfrau Maria gehalten. Er nannte sich von da ab Lady Madonna und gründete 1948 den Staat Israel, in dem er Zwanzig Minuten vor Christus von den Römertöpfen gekreuzigt wurde.
Ich? Ich bekam einen lukrativen Job als Berichterstatter des „Propangandablattes“ in Schmidtlerdeutschland und verbrachte meinen Lebensabend damit, jede Menge Drogen zu nehmen. Mit 82 Jahren fand ich die Weltformel, hielt sie aber für ein weggeschmissenes, benutztes Kondom und warf sie in den Müllschlucker. Aber, im Vertrauen gesagt, ich weiß noch, wie sie ging. Und ich werde sie euch jetzt verraten, auf dass ihr alle erleuchtet werdet.
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaalso:
Bob Dylan ist der einzige Mensch, der die Wahrheit kennt. Und Frank ist der Schlüssel zu seinen Songs. Viel Spaß beim Suchen!
Homoheterosexuelle Nachtkakophonie
Quader Quadrolsky erwachte. Es war Nacht. Eine Nacht so finster wie ein Arschlocheisenbahntunnelmitabfahrtsmumie. Quadrolsky wusste, dass er heute seinen Homoheteropapagenogelüsten im vollen Umfang frönen wollte und zog sich eine Pfeife Pot rein. Dann kleidete er sich in seine Polizeiuniform und rief seine 28 Sklaven zusammen. Schwanzwedelnd und hechelnd krochen sie vor die Füße ihres Herrn. "Leckt den Staub vom Boden!", befahl Quader. Die Sklaven taten wie ihnen geheißen. Mit ihren geilen Zungen rotteten sie millionen Milbenstämme aus. "So!", bellte Quader herrisch, "Wollt ihr nun die Bergpredigt hören oder Krieg und Frieden?" "Krieg und Frieden, Krieg und Frieden!", winselten die 28 Sklaven, denn ihnen grauste vor der Vorstellung, dass sich Quadrolsky wieder in Jesus verwandeln könnte, wie in so manchen verhängnisvollen Nächten. Also holte Quader seine Perücken, Kleider und Uniformen und rezitierte auswendig, verkleidet und mit verteilten Rollen Tolstois Werk. Das machte ihn glücklich und nahm eine ganze Menge sexuelle Spannung von ihm. Nun ließ er Maggilutsch und Tantrafix vortreten, seine transsexuellen Sklaven. Er befahl ihnen, sich in Omas zu verwandeln, die mit seiner Modelleisenbahnanlage durch sämtliche Erdlöcher fahren sollten. Als sie völlig verschmutzt von ihrem Trip wiederkamen, duschte Quader sie mit seinem Sabber und krönte sie zu Königen des Pastinakenlandes. Sklave 8 und Sklave 9 mussten sich nun Märchenbücher nehmen und diese an exakt den Stellen, wo Hexen vorkamen, vollscheißen. Danach trockneten sie diese Scheiße und bastelten ein Knusperhäuschen daraus. Alle Mann/Frau tanzten um das Haus und sangen: "Die Hex ist tot, die Hex ist tot, die böse alte Hex ist tot!"
Da kam aus dem Nebelhorn an Quaders Wand ein Luxusliner gefahren mit Kaudia Kiffer und ihren 1000 Dezipeln darauf. Sie zog sich ihre Brüste aus und warf sie zu Quader herüber. Dieser zog sie sich erst an und dann durch die Nase, während Kaudia sich eine Gurkenmaske aus Schlehensperma aufsetzte. "Wal, da bläst er!", rief der tausendste Dezipel mit 99,2 Dezibel. "Ja!", lachte Quader, "Mein Dick ist wieder voll Moby Oil!" Und nun kam die weiße Wahl durch die Wand geschwebt, seitlings geschultert von Herkules 12 Arbeiten. Nachlässig aufgebahrt in Kokswittchens Glassarg, vor dem alle Sklaven und Dezipel niederknieten und "Old lang syne!" furzten. Faust und seine Mütter kamen fistend in den Raum gelaufen und brachten Quader einen Guten-Morgen-Tee, den sie zusammen mit Me Fist To, dem chinesischen Sex-Minister in Quaders Toilette urinierten. Nun wurde eine Runde Lachgas verteilt und alle rissen sich gegenseitig die Nasen ab, um zu demonstrieren, dass Karneval vorbei war (was also bedeutete, dass man die Nasen daraufhin aufaß, weil Fleisch ja wieder erlaubt war). Da erschien Nasi Goreng, der chinesische Nasenminister auf dem Plan und schimpfte ganz fürchterlich. Wie man unschuldige Nasen einfach abreißen und verspeisen könne. Er würde sofort Beschwerde bei Am-nas-ty International einlegen. Daraufhin bekundeten alle Anwesenden Reue und kotzten die Nasen wieder aus. "Das ist Kotze, das sind keine ganzen Nasen mehr!", keifte Nasi Goreng. "Na ja", bot Quader an, "wir können ja wieder Nasen daraus plastizieren!" Nasi stöhnte und riss sich in der Mitte durch, weil er seine eigentliche Mission (der Königin Kind zu holen) wieder nicht erfüllt hatte. Quader schüttelte sich: "Hey, Sklave 4, iss diese rumpelstilzigen Überreste auf!" "Was?", protestierte dieser, "Quader, du hast doch 'ne Meiwes!" Also kehrte Kaudia Kiffer Nasi Goreng einfach unter den fliegenden Teppich, damit der kleine Muck ihn zu Winnie Puh ins Hundertmorgenland bringen konnte.
Nun rief Quader seinen Nachbarn Bobinger an, der ein 1a Wolfskostüm besaß. "Ey, Bobinger, bring bitte mal die Wolfsnummer, wir brauchen das jetzt!" Bobinger zog sich sein Wolfskostüm an und klopfte an Quaders Tür. "Kleines Schwein, kleines Schwein, lass mich ein!" "Nein, nein ,nein!", intonierten Quader und sein Sklavenchor. "Dann rase ich und blase ich euer kleines Häuschen um!" "Mach doch, mach doch!", grunzten Quader und die Sklaven. Da saugte Bobinger Quaders Wohnungstür in seine Nüstern und stürmte herein. Die Sklaven rannten herum wie die Irren. Quadrolsky lachte sardonisch. "So, Bobinger!", sagte er, "Und nun schlachten wir eins nach dem anderen!" Die "Schweine" hatten bereits die Flucht ergriffen, stürzten sich zu Hauf wie die Lemminge über Quaders Balkon und zerklatschten auf dem Asphalt.
"Geschafft!", lachte Quader. Er entledigte sich seiner Polizeiuniform und Bobinger streifte das Wolfskostüm ab. Darunter trugen sie edle Sakkos und Schlipse. "Gut", sagte Bobinger distinguiert, "Wo waren wir in unserem philosophischen Exkurs stehen geblieben?" Quader runzelte die Stirne: "Ich glaube, bei der Bedeutung der Wiederkehr des ewig Gleichen bei Nietzsche." "Ja, Dr.Quadrolsky, sie haben Recht!" Bobinger entzündete eine Pfeife mit gutem Tabak, Quadrolsky folgte seinem Beispiel mit einer freudianischen Zigarre und sie sinnierten den Rest der Nacht über Nietzsche und seinen Zarathustra. In den frühen Morgenstunden rezitierte Quader für Bobinger noch die Bergpredigt und verwandelte sich in Jesus, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
Über den Autor
Patrick Rabe wurde 1976 in Hamburg geboren. Nach 14-jähriger Schulzeit auf einer Waldorf- und einer Staatsschule, die bereits geprägt war von künstlerischen Projekten im schriftstellerischen, musikalischen und Theaterbereich, ging er 1997 ins Ruhrgebiet, um Krankenpfleger zu werden, und seine Studien über das Leben zu betreiben. Eine Krise führte ihn bereits 1998 wieder nach Hamburg, wo er sich einer Künstlergruppe anschloss und sich anschickte, seine alten Talente neu zu entdecken. Die Entscheidung für ein Leben als Künstler fällte er bewusst.
Zwischen 2001 und 2015 ist er Mitglied des Theaterlabor 82 und war außerdem an mehreren Performances von Andreas Leuze beteiligt. Er war Straßen-und Kneipenmusiker, veranstaltete Konzerte und Lesungen. Zwischen 2005 und 2018 ist er als Mitgründer an der Literaturgruppe SeelenPFlug beteiligt. Er wurde in mehreren Anthologien veröffentlicht und gewann 2006 den März-Poetry Slam in der Ponybar.
2001 erschien sein Gedichtband Innerdom im Selbstverlag.
2005 erschien sein Kurzgeschichtenband Alter, ego im Selbstverlag.
2008 erschien sein Kurzgeschichtenband Nichts wie Weg! im Selbstverlag.
2011 erschien sein Sammelband Beide Seiten des Fensters bei books on demand.
2015 erschien Eros und Agape, Geschichten und Gedichte über die Liebe bei books on demand.
"So langsam ließ die Wirkung des Speeds nach und Quader Quadrolsky beschloss, ins Brett zu gehen. Nur echt mit zweiundfünfzig Zehen. Oder Feen."
In (nur!!!!) vier Kapiteln erzählt uns Patrick Rabe die Abenteuer des sado-maso-süchtigen Multitoxis Quader Quadrolsky und seiner vielen Freunde und Dezipel, wobei die erlaubte Dezibelgrenze mehrmals bedenklich überschritten wird. Wortgewandt und stets politisch unkorrekt führt uns der Autor in eine vor Anspielungen und Querverweisen strotzende subkulturelle Welt ein, die sich auch Timothy Leary nicht bunter hätte vorstellen können und denkt dabei Tolstoi, die Beatles und Kölnisch Wasser zusammen, gewürzt mit etwas Neuem Testament und Roman Polansky. Wer sich in der postmodernen Welt der letzten hundert Jahre zu Hause fühlt, kommt voll auf seine Kosten...
" Oberster literarischer Rang trifft unterste Schublade!" (Bellmuth Karasick)
"Endlich mal die ganze Unwahrheit über mich!" (John Lennon)
Vorheriger TitelNächster TitelDie Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Rabe).
Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.06.2026.
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