Heinz-Walter Hoetter

Das Experiment der Außerirdischen

 

 

 

 

Die unsichtbare Stimme fragte: „Kannst du diese Welt noch aushalten? Gib mir aber eine ehrliche Antwort auf meine Frage. Es ist wichtig für uns alle.“

 

Das zweibeinige, aufrecht gehende Wesen mit dem großen, Menschen ähnlichen Schädel machte einen etwas verängstigten Eindruck und sagte: „Wenn ich ehrlich auf deine Frage antworte, dann wirst du mir hinterher bestimmt nicht glauben und das Experiment einfach weiterlaufen lassen – oder?“

 

Nein! Warum? Ich möchte von dir nur eine ehrliche Antwort, weil von ihr das weitere Schicksal dieser Welt abhängt, die wir kontrollieren müssen.“

 

Das Wesen zögerte etwas, fing aber kurz danach an zu reden.

 

Nun, ich kann schon lange nicht mehr. Das Leben hier auf dem Planten Erde ist nicht gut, jedenfalls nicht für unsere Rasse. Ich habe es persönlich von Anfang an noch nie als gut oder förderlich empfunden. Genau deshalb halte ich es hier schon lange nicht mehr aus. Das Leben unter Menschen wird keiner von uns ertragen.“

 

Die unsichtbare Stimme hakte nach: „Warum kannst du diese Welt nicht mehr ertragen? Begründe es!“

 

Als man mich damals hier runter geschickt hat, wusste ich noch nicht, was auf mich zukommen würde. Aber im Laufe der Zeit erkannte ich, das diese Welt voll böser Hässlichkeiten und Widerlichkeiten ist. Zwar ist es im Grunde genommen nicht mein Problem, um ehrlich zu sein, dennoch wurde mir immer schrecklich übel dabei, als ich die hilflosen Schreie der Sterbenden hörte oder das flehende Bitten der Verdurstenden vernahm. Ich sah die Hungernden, aber auch die im Gemetzel ihrer furchtbaren Kriege schrecklich zugerichteten Soldaten und Zivilisten. Es gab niemanden, der sich um sie kümmerte. Nicht einmal ihre eigenen Artgenossen, die sie töteten. - Warum auch? Wer stirbt und dem Tode geweiht ist, der macht keine Probleme mehr, sagten sie. Die Menschen sind mehr als nur abgestumpft. Sie erscheinen mir geisteskrank zu sein. Ja, ich kann sie nicht mehr ertragen. Ich will hier nur noch schnellstmöglich weg.“

 

Die unsichtbare Stimme hielt eine Weile inne. Dann sagte sie: „Ich verstehe dich, warum du von dieser Welt so schnell wie möglich wieder weg möchtest. Erzähl mir aber trotzdem weiter, was du sonst noch alles so erlebst hast!“

 

Nun, manche Menschen glaubten sich tatsächlich glücklich. Ich empfand das leider als eine selbstgestrickte Illusion. Glücklich wird wohl derjenige unter ihnen gewesen sein, der ohne dieses vermeintliche Glück gelernt hat auszukommen, denn glücklich und zufrieden ist doch nur der, der nicht sehen kann, was sich wirklich hinter den versteckten Kulissen ihrer Welt der Lügen und Boshaftigkeiten verbirgt, ohne davon je etwas zu erfahren. Ja, Menschen verlieren alles. Nur an der Hoffnung halten sie unbeirrt fest. Sie klammern sich regelrecht daran. Aber sie verlieren dennoch alles, ihr eigenes Leben, ihre Liebsten, ihre Verwandten, ihre Bekannten, ihre Freunde und noch so vieles andere mehr. Trotzdem machen sie unverdrossen weiter, als gäbe es das alles für sie nicht. Ich halte diese komische Spezies schon für mehr als nur seltsam.“

 

Was hast du denn all die Zeit gemacht, als du unter den Menschen gelebt hast?“ fragte die unsichtbare Stimme weiter.

 

Ich habe mich irgendwann von ihnen zurück gezogen, sozusagen in die Einsamkeit und suchte dort Zuflucht in mir selbst. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg für unser Experiment war, aber ich sehne mich jetzt mehr denn je zurück in meine eigene Welt, die solche kranken und überaus hässlichen Zustände nicht kennt, wie sie hier auf dem Planeten Erde unter den „Menschen“ tagtäglich vorkommen. Ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich möchte daher, dass das Experiment sofort abgebrochen wird. Die Existenz unter dieser schrecklichen Kreatur widert mich einfach nur noch an.“

 

Die Antwort kam promt.

 

Ich werde dich umgehend abholen lassen, damit du in unsere schöne und friedliche Welt wieder zurück kehren kannst. Das Experiment endet für dich hiermit ab sofort. Wir werden aber die Menschheit auf dem Planeten Erde vorsichtshalber, laut deinen Schilderungen, schnellstens isolieren, weil wir diese Spezies für eine gefährliche Ausgeburt des Universums halten. Eine echte Anomalie im Kosmos. Sie erscheint uns wie ein rücksichtloses Virus, das sich unkontrolliert ausbreiten könnte. Dem müssen wir rigoros vorbeugen. - Und du mach' dich bereit! Wir sind gleich da.“

 

Plötzlich materialisierte eine Energieblase unmittelbar vor dem unbekannten außerirdischen Wesen, das langsam seine Gestalt veränderte, die noch vor wenigen Minuten eine menschliche war.

 

Dann wurde es im nächsten Moment von einem bläulichen Lichtstrahl erfasst, in das Innere der pulsierenden Energieblase gezogen und verschwand mit ihr zusammen augenblicklich im Nichts.

 

ENDE

 

(c)Heiwahoe

 

Bild zu Das Experiment der Außerirdischen

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.06.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

Bild von Heinz-Walter Hoetter

  Heinz-Walter Hoetter als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Bis in alle Ewigkeit von Ina Zantow



Ina Zantow beschreibt die Leidensgeschichte ihres Sohnes, der nach einem Unfall schwerstbehindert überlebt. In ihrem Buch verarbeitet sie ihre Ängste und Hoffnungen ohne jemals rührselig zu sein. Sie beschreibt offen ihre Kämpfe um Therapien und um den Erhalt ihrer eigenen Kraft als Mutter. Ein berührendes Buch um ein nicht alltägliches Schicksal.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Sonstige" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Ballade vom armen kleinen Mädchen von Heinz-Walter Hoetter (Hoffnung)
Omas Pflaumenkuchen von Heideli . (Sonstige)
Ab in den Keller von Norbert Wittke (Glossen)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen