Das Glück kommt selten alleine
„Bist du es, Dirk?“ „Natürlich!“ log Dirks Bruder Achim. „Natürlich bin ich es!“ wiederholte er. „Wer sollte ich denn sonst sein!“
„Ich habe juristische Fragen an dich! Ich möchte mich scheiden lassen. Die Zeit des Trennungsjahres ist vorbei. Ich möchte den Rechtsanwalt wechseln und zu dir. Ich war mit dem vorhergehenden unzufrieden. Liesel hatte Tränen in den Augen. „Er hat mir nur Geld aus der Tasche genommen und mich falsch beraten.“ Liesel stockte und sprach weiter: „Ich sprach mit unseren Nachbar Erwin, der sich vor vielen Jahren trennte und wieder geheiratet hat…“ Liesel erklärte den Sachverhalt. Achim hörte aufmerksam zu.
„Wollen wir uns treffen und ich erkläre dir alles Nähere!“ fragte Achim mit zarter Stimme.
Achim und Liesel treffen sich.
„Achim? Du bist`s? Ich dachte, ich bin mit Dirk verabredet!“
„Du hast mir alles erzählt, Liesel. Ganz recht, ich bin auch Rechtsanwalt wie Dirk!“
Liesel war ganz erstaunt und hielt den Mund offen.
Das Gespräch begann zaghaft und beide wurde gesprächiger und gesprächiger. Es endete mit Erleichterung und beide freuten sich, nach langer Zeit wieder zu sehen. Genauer gesagt ist das 40 Jahre her, als sie sich aus den Augen verloren hatten. Dann trennten sich ihre Wege und sie sahen einander nicht mehr. Achim ging auf das Gymnasium nach Freigericht, was in Hessen lag. Liesel besuchte die Realschule in Alzenau und machte eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Warum sie sich nicht mehr sahen, kam daher, dass Achim Kontakt zu dem Dorf, in dem er lebte, abbrach. Er vergaß seine Heimat nicht und baute vor kurzem mit seinem Bruder Dirk diese Kanzlei auf. Die beiden Brüder gingen getrennte Wege, dann wollte Achim wieder zurück in seine Heimat. Er hatte Heimweh und in Berlin fand er sein Glück nicht. Er blieb partnerlos und ohne Kinder. Liesel hatte zwei Kinder, eines war ein Mädchen von 14 Jahren, das andere Kind war ein angehender Mann und dieser war 16 Jahre alt. Beide gingen auf das Gymnasium in Alzenau. Sie hießen Anne und Vito. Liesels Kinder wollten bei ihr bleiben und nicht zu ihrem Vater, der das Sorgerecht beantragt hat.
Das erfuhr Achim eben alles. Es wurde zwischendurch herzlich gelacht und Liesel trauerte nicht ihrem Verflossenen nach. Das Trennungsjahr tat gut und nun Achim! Für ein Zusammenkommen für Liesel und ihren Ex war damit der Schlussstrich endgültig gezogen und beide, Liesel und Achim verabschiedeten sich mit einem Kuss links und rechts auf der Backe.
„Dein Ex wird nicht drum herum kommen, Unterhalt für Euch Drei zu zahlen. Das Sorgerecht bleibt bei Dir. Das packen wir und das zum Sonderpreis. Auf die alte Zeit!“ und beide haben angestoßen.
Die Abstände der Treffen zwischen Achim und Liesel wurde kürzer und Dirk ließ beiden das Glück. Er liebäugelte auch mit Liesel, funkte Achim aber nicht dazwischen. Auch er war alleine geblieben. Dirk musste jetzt einfach weiter. Sein Bruder Achim hatte mehr Pech gehabt wie er.
Es wurde ganz intim zwischen Liesel und Achim. Einmal verabschiedeten sie sich vor Liesels Haus. Liesel flüsterte ihm leise zu „Die Kinder!“ und sie gab ihm trotzdem einen Kuss auf den Mund, drehte sich um und verschwand ganz schnell. Sie huschte davon, drehte sich noch einmal zu Achim und es flog ihm ein Handkuss zu. Achim blieb versteinert stehen und er schaute ihr nach. Ihn wunderte gar nichts mehr, was Frauen angeht. Sie sind ihm immer geheimnisvoll geblieben.
Beide, Liesel und Achim blieben in der Nacht lange auf und konnten nicht schlafen. Sie dachten jeder für sich einander und wünschten den anderen neben sich im Bett.
„Hoffentlich werden die Kinder mich akzeptieren!“ dachte Achim im Bett wachliegend.
„Hoffentlich akzeptieren ihn meine Kinder!“ Und Liesel hatte die Augen geöffnet bis sie unfreiwillig einschlief.
Am nächsten Morgen in der Küche:
„Wer war denn das gestern vor unserem Haus, Mama? Ihr saht so vertraut aus. Als kennt ihr euch schon ganz lange!“
„Das war Achim!“ rutschte Liesel heraus. „Mein neuer Rechtsanwalt. In der Tat kennen wir uns schon lange, schon als Kinder spielten wir miteinander. Er hat mit seinem Bruder Dirk, den ihr ja immer seht, eine Kanzlei aufgemacht!“ Als Liesel das sagte, lächelte sie und die beiden Kinder schauten sich an, Anne schubste Vito, der grinste. Beide wussten um die Kämpfe ihrer Eltern und wollten ihre Mutter gut unter wissen.
„Haste etwas mit dem, Mama!“ Liesel errötete leicht und nickte. „Ja!!“ Es war einige Zeit still.
„Stört das Euch?“ Beide schüttelten den Kopf und verneinten. „Ihr könnt Papa jederzeit sehen. Achim und ich stehen euch nicht im Wege.“ Sie hielt inne. Liesel war ganz ernst.
„Darf ich ihn euch vorstellen?“ Sie seufzte etwas. „Natürlich, Mama und beide nickten wiederum. „Was Papa da gebracht hat, war das allerletzte und jetzt möchte er uns Dreien nicht mal den Unterhalt bezahlen. Du hast es verdient, einen netteren Mann an deiner Seite zu haben!“ meinte Anne während sie Vito zu blinzelte.
Liesel gab ihren Kindern einen Kuss auf die Wange und strahlte. „Ich lade ihn heute Abend ein. Er brennt darauf, euch zwei kennenzulernen!“ log die Mutter, die wusste, dass er bis jetzt kein Wort über ihre zwei Kinder verloren hatte.
Liesel hatte Angst, Achim anzurufen. Als beide Kinder fort waren, rief sie Achim dann doch an, der sich freute von ihren beiden Kindern akzeptiert zu werden und er lud sie in das Lokal ein, wo Liesel und er sich das erste Mal nach 40 Jahren wieder sahen.
Begegnung im Lokal von Liesel, Achim und den Kindern
„Hier sahen wir uns nach 40 Jahren wieder, Anne und Vito!“
Das Treffen verlief schleppend
Beide Kinder waren etwas enttäuscht. Dirk gefiel ihnen besser und obwohl Achim beiden etwas schenkte, klappte es nicht wie Liesel und Achim sich das vorstellten.
Nachdem Liesel mit Achim alleine war, schubste sie Achim an:
„Lass ihnen Zeit, Achim! Es war doch ganz in Ordnung!“ Achim schüttelte enttäuscht den Kopf und ließ seine Schulter hängen.
„Liesel, also ich weiß nicht!“ und Achim schaute unter sich.
„Kopf hoch! Die zwei wollen mich glücklich sehen. Was ich alles mit meinen Ex mitmachte, das wissen beide doch!“
„Gibt es jemanden, bei dem sie meinen, dass es besser passt?“
„Ich weiß, was du meinst?!“ Liesel schaute einen Moment nach oben, dann sagte sie. „Sie vergleichen dich vielleicht mit deinem Bruder Dirk, der ihnen immer über den Weg läuft und der uns helfen sollte.“
„Dirk ist immer freundlich! Ich sprach immer mit ihm. Sie freuten sich darüber und zogen mich mit ihm hoch.“
„Ich spreche mit ihm. Der stellt sich meinem Glück sicherlich nicht im Weg.!“ Und Achim fuhr dabei Liesel über ihr Haar.
Liesel und Achim gaben sich darauf einen zärtlichen Kuss auf den Mund und lächelten. Dann wurde es leidenschaftlich und Achim vergaß die Zeit darüber hinaus, einen Termin in einer Stunde wahrzunehmen. Ganz abgehetzt packte es dennoch und dann knöpfte er sich Dirk vor. Der bei Anne und Vito patzen soll, dass das Bild von Dirk als idealen Vater bei ihnen platzt.
Dirk versprach es Achim ganz fest und er stellte eine Szene, in der er gerade eine Frau küsste. Liesels Kinder gingen gerade frohgemut auf den Weg zur Schule, sahen das und schauten zur gleichen Zeit weg, als es so schien, dass Dirk die Frau abknutsche.
„Sagte Mama nicht, dass Achim schon ganz lange alleine ist?“ und Vito nickte. „Wir wollen Mama glücklich wissen. Komm! Heute Nachmittag möchte doch Achim mit Mama und uns in den Zoo!“
„Ja, Wir waren schon lange nicht mehr da!“ und beide lachten sich an und gingen zufrieden weiter, als hätten sie das mit Dirk nicht gesehen. Dirk wusste mit dieser gestellten Szene, Abschied von Liesel und ihren zwei Kindern genommen zu haben und schluckte nachdem er die Kinder nicht mehr sah.
Es klappte seitdem mit Achim, Liesel und ihren Kindern und nachdem Liesel geschieden war, läuteten bald die Hochzeitglocken für Achim und Liesel und auch Dirk lernte mittlerweile jemanden kennen, was sich als ernsthaft entwickelte. Dirks Freundin fing dann auch den Hochzeitstrauß.
Die Sonntagszeitung Prima Sonntag hat eine Ausschreibung in die Zeitung gestellt, indem glückliche Paare ihre Kennlerngeschichte erzählen durften und Liesel und Achim landeten auf Platz 2 mit ihrer Geschichte samt gemeinsamen Foto und beide bekamen einen Gutschein für einen Restaurantbesuch in Aschaffenburg.
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Katja Baumgärtner).
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.06.2026.
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