Günter Weschke

Die Sprache der Liebe

Die unendliche Sprache der Liebe.

Bevor das erste Licht den Morgen kannte,
bevor der Wind den Namen eines Baumes sprach,
bevor das Meer wusste, dass es Wellen tragen würde,
gab es eine Stille.

Und in dieser Stille lag ein Vers verborgen,
so groß wie alle Sterne zugleich.

Dieser Vers war die Liebe.

Nicht laut, nicht fordernd, nicht auf der Suche nach Beweisen.

Sie war einfach da, wie das Herz das schlägt, ohne sich dafür zu entschuldigen.

Liebe ist kein Feuer allein, denn jedes Feuer der Liebe, ist auch die Glut, die nach der Nacht noch Wärme schenkt.

Sie ist kein Sturm allein, denn Stürme ziehen weiter.
Sie ist der Baum der stehen bleibt, ob Sommer kommt oder auch Schnee.
Ich sah sie, im Lächeln eines Kindes, das einen Schmetterling entdeckt.
Ich hörte sie, im zittern einer alten Stimme, die nach Jahrzehnten, noch denselben Namen, mit derselben Zärtlichkeit ausspricht.
Ich fand sie, zwischen Seiten vergilbter Briefe, deren Tinte längst verblasst war, während ihre Bedeutung, heiterer leuchtete, als jeder Sonnenaufgang.

Liebe misst keine Zeit.
Sie zählt keine Sekunden,  keine Geburtstage, keine Kalenderblätter.
Sie misst, wie oft jemand  aus freiem Herzen sagt: Ich bleibe.

Nicht weil alles leicht ist, sondern weil das Bleiben, manchmal die mutigste Form des Lebens ist.
Es gibt Tage, an denen die Welt nur aus Regen besteht, an denen Hoffnungen wie Blätter vom Himmel fallen. An denen Worte zu schwer  werden,  um gesprochen zu werden.

Dann setzt sich die Liebe leise daneben.
Sie hält keine Vorträge,  sie kennt keine perfekten Antworten.
Sie legt nur eine Hand auf die Andere.
Und plötzlich trägt man das Gewicht zu Zweit.

Die Liebe kennt die Sprache der Sterne,  sie liest in den Falten des Himmels. Sie erkennt im Schweigen, ganze Bibliotheken.
Sie schreibt Gedichte mit Blicken,  Sie malt Erinnerungen, auf das innerste unserer Seelen.
Sie baut Brücken über Entfernungen, für die keine Landkarte je einen Maßstab erfand.
Manchmal versteckt sie sich in einer Tasse Tee.
Manchml in einen Mantel, den jemand wortlos über einen Stuhl legte.
Manchmal in einem Lachen, das zwei Menschen teilen, während ringsum alles laut ist.
Manchmal ist sie nichts als ein einfaches -Wie geht es Dir-?
Ehrlich gefragt, geduldig abgewartet. Mit offenem Herzen gehört., denn Liebe ist Aufmerksamkeit..
Sie bemerkt, wenn Augen müde sind.
Wenn ein Lächeln zu sorgfältig wirkt.
Wenn jemand sagt ,-Alles gut--. Aber eigentlich meint, -Bitte sieh mich-.
Die Liebe sieht, nicht nur Gesichter, sie sieht Geschichten, Verletzungen, Mut und auch Neuanfang.

Sie erkennt den ganzen Himmel, wo andere nur Wolken sehen.
Liebe wächst langsam, wie ein Wald, wie Moos auf alten Steinen.
Wie Hoffnung nach einen langen Winter.
Sie braucht keinen Applaus, kein Publikum, keine Bühne.
Sie genügt sich, wenn zwei Herzen ehrlich zueinander finden.

Es gibt Menschen, die hinterlassen Fußspuren. Es gibt Menschen,  die hinterlassen Licht.

Wer liebt, verändert Räume. Ein Zimmer wird zu einem zuhause. Ein Weg wird zu einer Reise.
Ein Augenblick wird zu einer Erinnerung, die Generationen überlebt.

Vielleicht besteht das Universum  gar nicht aus Sternen, vielleicht besteht es aus Milliarden kleiner Liebesgeschichten, weil jede Einzelne ein Licht entzündet, welches nie ganz verlicht.

Und wenn eines Tages, alle Uhren schweigen, alle Straßen enden, alle Bücher geschlossen sind  und selbst die Zeit, ihr letztes Kapitel erreicht,  dann wird nicht gefragt werden, wie reich wir waren. Nicht  wie berühmt.
Wen hast du geliebt, wen hast du Hoffnung geschenkt. Warum bist du geblieben, als Gehen einfacher gewesen wäre?

Denn am Ende bleibt kein Besitz, kein Titel, kein Rekord.
Es bleibt nur das, was wir ineinander hinterlassen.
Und vielleicht ist das, das größte Wunder.
Das zwei endliche Menschen eine Liebe erschaffen können, die sich anfühlt, als hätte sie die Ewigkeit erfunden.






























 

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