Heinz-Walter Hoetter

Der Apfelbaum

 

 

 

In einem Dorf in China lebte einmal ein alter Mann, der einen großen, wunderschönen Garten hatte, den er tagtäglich mit großer Hingabe pflegte.

 

Eines Tages entschloß er sich dazu, trotz seines bereits doch sehr hohen Alters, einen neuen Apfelbaum in seinen Garten zu pflanzen, den er sich in einer nah gelegenen Baumschule besorgt hatte.

 

Kurz darauf fing er damit an, ein Loch zu graben, doch musste er aber immer wieder zwischendurch eine Pause einlegen, weil ihn die Arbeit mit der schweren Eisenhacke zu sehr anstrengte.

 

Auf einmal hörte er eine Stimme hinter sich, die von seinem jüngeren Nachbarn kam, der ihn von seinem Zaun aus beobachtet hatte und verwunderte fragte: „Alter Mann! Warum pflanzt du jetzt noch einen neuen Apfelbaum? Kannst du mir mal verraten, weshalb du dir damit so viel Mühe machst? Du erlebst es ja sowieso nicht mehr, wenn er mal Früchte tragen wird. Wozu also die ganze Arbeit, wenn es für dich keinen Sinn mehr macht?“

 

Ach Herr Nachbar! Ich sehe das aber ganz anders. Ich weiß ja selbst nur zu gut, dass ich die Früchte meines Apfelbaumes nicht mehr ernten werden kann, weil es noch viele Jahre dauert, bis er zu einem stattlichen Baum heran gewachsen ist und schmackhafte Äpfel tragen wird. Aber ich tue es für meine Enkelkinder, die mir ans Herz gewachsen sind. Sie werden sich bestimmt darüber freuen, wenn sie sich eines Tages nicht nur in seinem kühlen Schatten ausruhen, sondern dazu noch die süßen Äpfel des Baumes essen können. Bestimmt werden sie sich dabei jedesmal auch an mich erinnern und fragen, wer diesen schönen Apfelbaum gepflanzt hat? So bleibe ich auf diese Art und Weise immer mit meinen Enkelkindern verbunden und, wenn ich schon lange nicht mehr da bin, ihnen vielleicht damit ein glückliches Lächeln in ihr Gesicht zaubern kann, wenn sie sich an mich erinnern.“

 

ENDE

 

(c)Heiwahoe

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