Leonhard Ried

Sommerfrust und Lebenslust!

Erfüllt von Vorfreude auf einen sommerlichen Tag verließ ich das Haus. Ein verheißungsvoller Wetterbericht hatte mich in meiner frohen Erwartung bestärkt. Die Sonne lugte bereits zwischen den Wolken hervor und schickte immer wieder wärmende Strahlen, während gleichzeitig noch ein frischer Wind wehte.

 

Meine sehr dürftige Bekleidung war ausgerichtet auf Temperaturen, die erst noch kommen sollten. Der Wunsch, leicht bekleidet unterwegs zu sein, war übergroß. Das ist es, was ich am Sommer so liebe: Nichts am Leib tragen zu müssen als ein kurzes Hemd, eine kurze Hose und Sandalen. 

Heute machte es mir nicht ganz so viel Freude wie sonst.

 

Ein leichtes Frieren nahm ich anfangs in Kauf. Es verstärkte sich aber im Laufe des Vormittags. Die Sonne verabschiedete sich unverschämterweise. Es wurde nicht wärmer, sondern kühler. Dunkle graue Wolken zogen auf. Es sah schon ganz nach Regen aus, der aber bisher ausgeblieben ist. Ich klapperte zwar nicht mit den Zähnen, dennoch hoffte ich, keinen gesundheitlichen Schaden zu nehmen.

 

Auch beim Männerstammtisch hatte ich wenig Vergnügen. Einer starrte nur auf sein Smartphone, ein anderer erzählte zuerst von seinen Krankheiten und dann von den vielen Motorrädern, die er schon gefahren hatte. Der Wunsch, immer wieder eine neue Maschine zu kaufen und auszuprobieren, war bei ihm nicht nur eine Leidenschaft, sondern eine richtige Sucht.

 

Gestern hörte ich von dem großen islamischen Mystiker Rumi den Spruch: “Was du liebst, das bist du!” Martin Luther hat ähnliches gesagt: “Was du liebst, das ist dein Gott!” oder “Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über.”

 

Ein anderer Mann spricht gern über Biersorten, die er mag, oder über ein Bierlokal, das erst eröffnet wurde. 

 

Kann es sein, dass wir uns durch unsere Art des Sprechens sehr schnell verraten?

 

Es gibt Herzensangelegenheiten, die uns sehr wichtig sind, oder Versuchungen, denen wir nicht widerstehen können.

 

Jeder braucht etwas anderes, um (scheinbar) glücklich zu sein.

Aber was ist das wahre Glück? 

Woraus entspringt echte Freude, die von längerer Dauer ist?



 

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