Stefanie Pigge

Kann das sein?

An einem heißen, schwülen Sommertag ging ich zum See. Die Blumen blühten gerade in voller Pracht und die Bienen holten sich summend den Nektar aus den Blüten. Es war um die 33° C im Schatten und ich war froh das ich den Nachmittag frei hatte. In dem kleinen Büro, das ich als Sekretärin, in einer riesigen Anwalts Kanzlei hatte, war kein Ventilator geschweige denn ein Raumlüfter. Und das alles im achten Stock. Da kam es schon mal vor das einem im Sommer, bei diesen Temperaturen, der Schweiz von der Nase tropfte.
Meinen Chef hatte ich weder gesehen noch mit ihm gesprochen, nur aus Erzählungen weiß ich das er ein sehr gut aussehnender Mann sein soll. Außerdem munkelte man seit einer Zeit, das dieses Jahr Stellenabbau stattfinden soll. Aber wie konnte er einfach einige seiner Mitarbeiter feuern, wenn er sie noch nicht einmal persönlich kannte? Diese Frage schwirrte mir schon seit geraumer Zeit im Kopf herum, doch ich fand nie eine Antwort darauf. Heute aber wollte ich nicht darüber nachdenken, sondern einfach nur meinen freien Tag genießen.
Sie Frische Seeluft tat mir gut und die frische Brise streichelte meine Beine, die nur bis zu den Knien von meinem Kleid bedeckt wurden.
Ich suchte mir einen schönen Platz am Strand unter einem Baum und breitete mich aus. Ich hatte kaum mein Kleid ausgezogen, da gesellte sich auch schon ein Mann zu mir und sprach mich an. Er stellte sich vor, sein Name war Klaus und er war Sechsunddreißig. Allem Anschein nach, hatte er keine Hemmungen einfach wildfremde Menschen anzusprechen und sich mit ihnen zu unterhalten.
Wir unterhielten uns noch eine Weile und dann stand ich auf um ins Wasser zu gehen. Schließlich war ich hier um mich ein wenig abzukühlen und nicht, um mich in der Sonne grille zu lassen. Nach ca. 15 Minuten kam Klaus mir hinterher und bespritze mich mit Wasser. Das ließ ich mir nicht gefallen und spritze zurück. Wir tobten im Wasser herum, als seien wir kleine Kinder, denen es Spaß macht, sich gegenseitig zu ärgern. Nach dem ausgedehnten Badespaß, lud er mich zum Essen ein. Insgesamt war es ein wundervoller Tag. Nach dem Essen brachte er mich nach Hause, da wir beide morgen wieder sehr früh rausmussten. Schnell schrieb ich ihm noch meine Telefonnummer auf und ging dann sehr gut gelaunt ins Haus. Irgendwie hatte ich das Gefühl das er sich bei mir melden würde.
Am nächsten morgen ging ich ausgeruht und ausgeglichen zur Arbeit, der gestrige Tag hatte mir sehr gut getan und das konnte man merken. Meine gute Laune schwand augenblicklich, als ich den auf meinem Schreibtisch liegenden Brief öffnete. Darin teilte man mir mit das man mich gekündigt hatte. Ich sollte doch bitte bis zum Mittag meinen Schreibtisch leeren und meine Unterlagen bei der Verwaltung abholen. Wütend auf die ganze Welt packte ich meine Sachen und verschwand.
Am Abend rief Klaus an und fragte mich ob ich nicht Lust hätte mit ihm auszugehen. Da ich aber noch immer schlechte Laune hatte sagte ich ihm ab. Er merkte sofort das etwas mit mir nicht stimmt und fragte nach. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte und er meinte, das so etwas vorkommen sollte und das es denen da oben auch nicht leicht fallen würde, zu entscheiden wer gehen musste und wer bleiben kann. Dann viel mir ein, das ich gar nicht wusste, was Klaus beruflich machte und fragte nach. Dann kam der Schreck! Er erzählte mir das er der Besitzer der Anwaltskanzlei war, in der ich gearbeitet hatte. Ich konnte es einfach nicht fassen! Er war derjenige der mich gefeuert hatte. Da ich jetzt so wütend war, schrie ich ihn an und erzählte ihm, wo ich gearbeitet hatte. Darauf wusste er nichts mehr zu antworten und da ich so wie so nie wieder mit ihm reden wollte, legte ich einfach auf.
Wäre doch auch nur zu schön gewesen, wenn ich endlich mal den Mann meiner Träume gefunden hätte. Tja was sollte man machen? Eine Woche meldete er sich gar nicht mehr und dann stand er aufeinmal vor meiner Tür. Er stand mit einem riesigen Strauß Rosen da und wollte mir alles erklären. Ich ließ ihn hinein und kochte uns einen Kaffee.
Er meinte, das er nicht mehr alle Mitarbeiter bezahlen konnte und das er gezwungen war den einen oder anderen zu kündigen. Ihm sei das auch nicht leicht gefallen und so weiter und so fort. Neben ihm sitzend erklärte ich ihm, das er seine Mitarbeiter noch nicht einmal kennen würde und sich so doch kein Bild über ihre Arbeit machen konnte. Wir diskutierten Stundenlang und irgendwann kamen wir zu dem Entschluss, das er alle Mitarbeiter persönlich kennen lernen sollte. Er versprach mir, die gefeuerten Leute am nächsten Tag wieder einzustellen um sie kennen zu lernen. Mit den Kündigungen wollte er sich noch ein wenig Zeit lassen, damit er nicht wieder Fehler macht und qualifizierte Angestellte rauswarf.
Und was uns beide betrifft, wir haben beschlossen noch einmal ganz von vorne an zu fangen. Inzwischen haben wir geheiratet und leben mit unseren beiden Kindern in einem kleinen Haus am Rande der Stadt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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