VERSION-2
„Der Herr schenke dir die ewige Ruhe.“
Diesen oder einen sehr ähnlichen Satz hört man häufig bei christlichen Beerdigungen.
Doch was bedeutet eigentlich „ewige Ruhe“?
Wenn man den Ausdruck ganz wörtlich nimmt, klingt er wenig verlockend. Ewige Ruhe hieße schließlich: keine Ereignisse mehr, keine Abenteuer, keine Überraschungen, keine Entwicklung – einfach für alle Zeiten völlige Ruhe.
Wer würde sich ein solches Dasein wirklich wünschen?
Gleichzeitig erzählen viele christliche Vorstellungen jedoch von Himmel, Fegefeuer und Hölle – also von Orten oder Zuständen, in denen etwas geschieht: Freude, Begegnung, Gottesnähe, Läuterung oder Leid.
Da drängt sich unwillkürlich die Frage auf – ganz im Sinne von Mario Barth:
„Ja, wat denn jetz?“
Gibt es nun
Himmel, Fegefeuer und Hölle
oder
die ewige Ruhe?
Beides gleichzeitig scheint auf den ersten Blick schwer zusammenzupassen.
Nun werden Theologen vermutlich einwenden, dass mit der „ewigen Ruhe“ gar kein ewiger Schlaf oder völliges Nichtstun gemeint sei. Vielmehr stehe das Wort „Ruhe“ sinnbildlich für die Befreiung von Leid, Angst und aller irdischen Unrast – also für einen Zustand vollkommener Erfüllung.
Das ist eine nachvollziehbare Erklärung.
Dennoch bleibt die Frage, ob diese Formulierung für die meisten Menschen nicht etwas völlig anderes vermittelt. Wer von „ewiger Ruhe“ hört, denkt zunächst eher an vollständige Ereignislosigkeit als an ein erfülltes, aktives Dasein.
Vielleicht wäre es deshalb sinnvoll, deutlicher zu sagen, was tatsächlich gemeint ist.
Denn Sprache prägt unsere Vorstellungen.
Und solange Christen einerseits von Himmel, Fegefeuer und Hölle sprechen, andererseits aber Verstorbenen „die ewige Ruhe“ wünschen, darf man zumindest fragen, ob diese Worte wirklich das ausdrücken, was sie ausdrücken sollen.
Oder – um noch einmal Mario Barth zu zitieren:
„Ja, wat denn jetz?“
Amen. 😉

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.07.2026.
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