Hundstage über dem Wohngebiet. Es ist drückend heiß und die Luft flirrt. Auch nachts. Janislav Stezco liegt schwitzend im Bett. Er weiß, heute werden sie es tun. Ihm seine inneren Organe entnehmen. Er weiß nicht, wie sie es machen, er weiß nur, DASS sie es machen. Seit Jahren quälen sie ihn.
An einem Sommertag im Jahr 2018 war er im Vergnügungsviertel seiner Stadt unterwegs gewesen. Plötzlich ist alles menschenleer. Er geht durch einsame Gassen. Dann fährt ein Auto von links an ihn heran. Das ist das, was Janislav noch weiß. Filmriss. Die nächste Erinnerung, die er hat, ist, dass er vollständig nackt durch einen anderen Stadtteil läuft, wie gehetzt. Als er merkt, dass er nackt ist, durchfährt ihn ein tiefer Schreck. Irgendjemand muss ihm KO-Tropfen gegeben und ihn ausgeraubt haben. Vielleicht die Leute in dem Auto. Janislav rennt zu einem Haus. Er muss dringend dort hinein, und sich neue Kleider leihen, ehe ihn jemand sieht. Das Haus ist ein Mehrfamilienhaus mit zahlreichen Klingeln. Janislavs Augen gleiten über die Klingelschilder. Und dann sieht er es. Die Namen auf den Schildern ergeben keinen Sinn. „Quarkjoghurt“ steht auf einer Klingel. Und „Fotzenhund“ auf einer anderen. Janislav überläuft es kalt. Können das Namen sein? Noch schlimmer wird es, je höher seine Augen gleiten. Dort stehen nur noch Buchstabenfolgen. „Grttodpmtnend“ steht dort. Und „Vinielöätneno“. Janislav verliert die Lust, dort zu klingeln. Hat man ihm LSD gegeben, und er halluziniert diese Namen?
Janislav fängt an, zu zittern. Da fährt zu allem Überfluss eine Streife vorbei. Der Wagen hält an.
Ein stiernackiger Polizeibeamter steigt aus. Er spricht Janislav an. „Entschuldigen sie, sie wurden dabei beobachtet, wie sie schon seit Stunden nackt durch die Stadt joggen. Kann ich ihnen helfen?“ „“Ich weiß nicht…“, murmelt Janislav, „Ich glaube, man hat mir ein Halluzinogen gegeben. Ich hatte einen Filmriss.“ „Kommen sie erstmal mit auf die Wache.“, sagt der Polizist. Janislav steigt ihn den Wagen. Der Polizist fährt los. Er greift sich sein Smartphone. „Kücklehoba nosiranke!“, sagt er mit quäkender Stimme in das Smartphone. Dann hängt er es wieder ein. „Sorry.“, fragt Janislav, „Was haben sie eben gesagt?“ . „Ich habe meinem Kollegen auf der Wache mitgeteilt, dass ich sie aufgegriffen habe, und sie für gefährlich halte.“. Janislav schreit auf: „Aber ich bin nicht gefährlich! Und was reden sie am Telefon für eine Sprache? Das war doch kein Deutsch!“. „Doch.“, sagt der Beamte. „Das war klares, lauteres Deutsch.“ „Ich will hier raus!“, schreit Janislav! „Sie kommen erstmal mit.“, sagt der Polizist. Er stellt das Radio an. Ein elektronischer Song läuft. Zu sphärischen, verwaschenen Keyboardklängen intoniert eine Computerstimme: „Innere Organe, innere Organe.“. Janislav verliert die Contenance. Er schreit wie am Spieß.
Sie haben die Wache erreicht. Der Polizist nimmt Janislav am Arm und führt ihn durch die Tür. Diesmal erstaunlich zartfühlend. Janislav fasst wieder Vertrauen. „Können sie mir ein Antihalluzinogen besorgen?“; fragt er. „Und, da war ein schwarzes Auto, dass von links an mich ranfuhr. Können sie nach dem fahnden?“. „Kommen sie erstmal hier herein.“, sagt der Beamte. Er führt Janislav in den sogenannten Arztraum. Ein leerer Raum mit einer Liege. „Kräx Dastoi!“; ruft der Beamte plötzlich aggressiv, dreht Janislav die Hände auf den Rücken, legt ihm Handschellen an, und drückt ihn auf die Liege. „Hilfe, was machen sie da?“ ruft Janislav. „Der Beamte grinst. „Ich nehme ihnen die Schnürsenkel weg, damit sie sich nicht damit erhängen können.“ „Aber ich habe doch gar keine Schuhe an!“, ruft Janislav. „Was Schnürsenkel sind, bestimme ich!“, grinst der Beamte, und popelt mit den Fingern in Janislavs Ohr. Im Ohr werden die Finger des Polizisten immer länger und dünner. Er reißt in Janislavs Ohr herum. Es tut asig weh. Der Beamte popelt Janislavs Hörschnecke aus dem Ohr. Es blutet. Janislav schreit wie am Spieß. „Das wird gleich wieder besser!“; sagt der Polizist, und legt die Hand auf Janislavs Ohr. Eine warme Energie strömt von der Hand aus. Der Blutfluss stoppt. Der Polizist zieht eine Spritze hinter seinem Rücken hervor. „Das wird ihnen guttun!“; sagt er und jagt Janislav die Nadel in den Arm. Dann verlässt er den Raum.
Janislav liegt auf dem Rücken. Offenbar hat ihm der Polizist etwas Beruhigendes gespritzt. Janislav sieht zur Decke hoch. Dort ist der Rauchmelder. Der Anblick des Rauchmelders entspannt Janislav. Plötzlich ist ihm, als stünde der Rauchmelder marginal versetzt an einer anderen Stelle der Decke. „Das kann nicht sein…“, denkt Janislav. Er schaut den Rauchmelder unverwandt an. Dann sieht er es deutlich. Der Rauchmelder kriecht über die Decke und positioniert sich an einer anderen Stelle. Janislav wird es mulmig. Er hatte doch um ein Gegengift gebeten… Plötzlich beginnt grünes Gas aus dem Rauchmelder zu stömen, und aus dem Melder ertönt eine Stimme: „Ich bin deine Oma. Fühl dich wie zu Hause. Ich bringe dir gleich ein Glas Milch.“. „Du bist nicht meine Oma!“; ruft Janislav erregt, „Du bist ein Rauchmelder!“. „Wie kannst du deine arme Oma einen Rauchmelder nennen?“, fragt der Rauchmelder. „Du bist krank, Jani. Und du stinkst. Nach Saluäliöle! Ich gebe dir Hustensaft!“. Janislav schreit. Ein Beamter kommt herein. „Ergüne bobastik wukkenamm!“, sagt der Polizist wütend, und schlägt Janislav ins Gesicht. Dann setzt er in Deutsch nach: „Halt die Schnauze, du Schwein!“. Er verlässt den Raum wieder. Janislav zittert. Er zittert am ganzen Körper. Vor der Glasscheibe, die den Arztraum von der restlichen Wache trennt, erscheint ein Mann mit Mikrophon. „Dem Proband ist offenbar kalt. Er zittert. Er braucht Wärme…“, sagt er in das Mikro. Janislav durchfährt ein heißer Schreck. Plötzlich weiß er, was das ist! Die Beamten sind Außerirdische und er ist in einem Ufo! Wie in den vielen Fernsehberichten aus den 1980ern! Der Rauchmelder sagt: „Ich habe ihre Gedanken gelesen. Sie haben ganz recht. Dies hier ist ein Ufo, Ihnen passiert nichts Schlimmes. Wir werden ihnen nur ihre inneren Organe entnehmen. Das kann aus technischen Gründen noch nicht sofort geschehen. Wir müssen erst die Geräte justieren.“ Janislav schreit wie am Spieß. Er schließt die Augen und hofft inständig, dass er träumt. Da wird es im Raum immer wärmer. Langsam schraubt sich die Temperatur hoch. Janislav beginnt zu schwitzen. Er zittert immer noch. Der Beamte hinter der Glasscheibe sagt in sein Mikro: "Dem Probanden ist offenbar immer noch kalt. Erhöht die Temperatur!". Jetzt wird es backofenwarm. Es müssen über 40 Grad sein. Janislav ist, als müsse er verbrennen. Langsam gleitet er in die Bewusstlosigkeit. Er hört noch den Rauchmelder sagen: "Macht die Kopie!"
Ein Finger tickt Janislav an. Er öffnet die Augen. Er liegt in einem weißen Krankenzimmer. Neben ihm steht ein Arzt. „Was ist geschehen?“, fragt Janislav. Der Arzt lächelt freundlich. „Man hat sie nackt in der Stadt aufgegriffen und hierhergebracht. Sie sind in einer Psychiatrie.“. Janislav weint. „Ich hatte furchtbare Halluzinationen!“, ruft er. „Ich dachte, ich bin von Außerirdischen entführt worden!“. Der Arzt nimmt tröstend Janislavs Hand. „Das ist nicht so.“, sagt er. „Sie haben wahrscheinlich eine schizophrene Psychose. Wir werden ihnen ein Medikament geben, das sie bald wieder auf den Damm bringt, und dann können wir sie entlassen. Sie bekommen auch gleich ihre Kleider zurück. Man hat sie in der Stadt gefunden. Überwachungskameras haben ergeben, dass sie plötzlich anfingen zu tanzen, und sich dann ihre Kleider vom Leib rissen. Dann sind sie fünf Kilometer nackt durch die Stadt gejoggt. Alle Achtung!“. „Ich kann mir das gar nicht vorstellen.“, sagt Janislav. „Ich war immer völlig gesund! Meinen sie nicht doch, dass man mich in ein Auto gezerrt, und mir KO-Tropfen gegeben hat?“. „Leider nein.“, sagt der Arzt. „Sie haben eine Schizophrenie. Vielleicht auch eine multiple Persönlichkeitsstörung. Wir vermuten, dass sie mehrere Personen sind. Aber machen sie sich keine Sorgen. Wir kriegen das in den Griff!“. Der Arzt gibt Janislav einen Becher Wasser und eine Tablette. „Das ist Risperdal!“, sagt der Arzt. „Das strukturiert ihren Kopf wieder.“ Janislav nimmt die Tablette und kuschelt sich in sein Bett ein. Vielleicht wird bald alles gut. Trotz allem.
Janislav erwacht. Er hat seine Kleider wieder an. Der Arzt beugt sich über ihn. „Wir wissen jetzt, was sie haben.“, sagt er. „Eine Malade!“. Janislav lacht. „Das ist ein Scherz, Doc oder?“, fragt Janislav. „Nein.“, sagt der Arzt ernst. „Das ist ihre Diagnose. Und es ist besser, wenn sie sich nicht gegen sie sträuben. Sie haben eine Malade. Sogar eine besonders schwere Malade. Aber wenn sie ja dazu sagen, dürfen sie sogar heute schon gehen.“. „Doc“, sagt Janislav lachend, „Die Diagnose gibt es nicht.“. Plötzlich bekommt der Arzt einen roten Kopf. Er kreischt. „Doch, Herr Stezco! Sie haben eine Malade dritten Grades aus dem schizophrenen Formenkreis!“. Der Arzt klatscht in die Hände. „Röper, Bileam! Fixiert den Mann! Er will seine Diagnose nicht annehmen.“.
Zwei Pfleger kommen in den Raum. Sie reißen Janislav grob aus dem Bett und zerren ihn auf den Flur. Dann bringen sie ihn in einen abgedunkelten Raum. Dort steht ein Fixierbett. Ein Bett mit Hand-Bein-und Halsgurten. „Nein!“, schreit Janislav. Die Pfleger werfen ihn auf das Fixierbett und schnallen die Gurte fest. Dann laufen sie aus dem Raum. Janislav sackt mutlos ein. Was ist das nun alles wieder? Wie von selbst lenken sich seine Augen zum Rauchmelder an der Decke. Ein Schauer durchfährt ihn. Ob das merkwürdige Spiel gleich wieder anfängt? Aber der Rauchmelder ist völlig fest an der Decke. Janislav beruhigt sich etwas. Dass ihm das einmal passieren würde! Fixiert in der Psychiatrie! Und plötzlich merkt Janislav es. Er hat in die Hosen gemacht. Janislav schluchzt. Da geschieht es. Der Rauchmelder beginnt zu sprechen. „Jani, ich bin es, deine Oma! Fühlst du dich nicht wohl? Ich komme gleich, und bringe dir Hustensaft!“. Janislav stößt einen erschreckten Schrei aus. Eine Krankenschwester betritt den Raum. „Ich bin deine Oma.“, sagt sie mit warmer Stimme. „Ich bringe dir Hustensaft!“. „Sie sind nicht meine Oma!“, schreit Janislav. „Meine Oma ist schon tot!“ „Doch!“, kreischt die Schwester, „Ich bin deine Oma, und du nimmst jetzt den Hustensaft!“. Mit Brachialgewalt jagt sie Janislav eine Spritze in den Arm. Der Arzt und die Pfleger Röper und Bileam betreten den Raum. „Nöbe.“, sagt der Arzt. „Entweder Nöbe oder Böbe. Rudeinegrattugelga.“. Röper lächelt. „Silewerne abheoka Malade mellitus!“, grinst er. Der Arzt haut Janislav in den Bauch. Dann verlassen die drei den Raum.
Janislav zittert am ganzen Körper. Der Rauchmelder beginnt wieder zu sprechen. „Machen sie sich keine Sorgen. Wir haben ihnen doch gesagt, wir entnehmen ihnen ihre inneren Organe. Wenn sie ganz ruhig sind, dauert der Vorgang kürzer. Sie sollten am Besten immer im Bett liegen. In ihrer Wirklichkeit kann der Vorgang Jahrelang dauern, wenn sie nicht mitspielen. Aber in Wahrheit dauert es nur ein paar Sekunden. Wir brauche eure inneren Organe, um Klone von euch erschaffen zu können, mit denen wir dann euren Planeten neu bevölkern. Ihr habt euch als zu zerstörerische Spezies herausgestellt. Wir klonen perfekte Abbilder von euch, die euch ersetzen. Sie haben nur zwei Dinge nicht. Aggressionen und ein Ich!“. Janislav schreit wie am Spieß. Dann verliert er sein Bewusstsein.
„Sie können gehen!“, sagt der Arzt zu Janislav. „Aber ich bin doch erst einen Tag hier und halluziniere noch!“, wagt Janislav einen Einwand. „Das macht nichts.“, sagt der Arzt. "Sie haben zu ihrem Risperdal noch das hochpotente Neuroleptikum Amosteta bekommen, das noch im Test ist. Sie sind Teil einer Studie. Sie haben offenbar eine multiple Persönlichkeitsstörung mit starken Gedächtnisausfällen. Wir vermuten, dass sie ganze Jahre ihres Lebens vergessen haben.“. „Das ist ja hart.“, murmelt Janislav. „Wissen sie, gestern habe ich mir eingebildet, dass sie mir gesagt haben, ich hätte eine Malade aus dem schizophrenen Formenkreis.“. Der Arzt lächelt freundlich. „Das habe ich ganz sicher nicht gesagt. Sie gehen jetzt nach Hause, und in ein paar Tagen wird ihr gesetzlicher Betreuer zu ihnen Kontakt aufnehmen.“ Janislav stockt. „Aber… ich habe keinen gesetzlichen Betreuer. Ich war auch vorher noch nie in einer Psychiatrie. Ich bin Verkäufer in einem Parfümgeschäft!“. Der Arzt bekommt einen ernsten Gesichtsausdruck. „Herr Stezco, das ist es ja eben. Sie haben Jahre ihres Lebens vergessen, weil sie die vergangenen Jahre alle in einer von ihrem heutigen Ich abgespaltenen Persönlichkeit verbracht haben. Sie arbeiten schon seit zwanzig Jahren nicht mehr, und sind Langzeitpatient bei uns. Ihren gesetzlichen Betreuer haben sie seit gut zehn Jahren, weil ihre Psychosen schlimmer wurden und sie zu Fremdgefährdung zu neigen begannen.“ Janislavs Augen werden leer. „Ich kann mich wirklich an nichts mehr erinnern.“, stockt er. „Aus meiner Sicht habe ich bis letzte Woche gearbeitet!“. „Ich weiß, ihre Krankheit ist schlimm!“, sagt der Arzt mitfühlend. „Aber das Amosteta ist ein wahres Wundermittel. Wenn sie Glück haben, werden ihre Erinnerungen in Kürze wiederkehren.“. Janislav sieht geknickt aus. Er nimmt den Arztbrief entgegen, und verlässt die Psychiatrie.
Janislav ist in seiner Wohnung. Vor ihm sitzt ein dicklicher Mann, an den sich Janislav nicht erinnern kann. „Es ist wirklich ein Kreuz mit ihnen, Herr Stezco!“, sagt der Mann, der sich als Herr Bastian vorgestellt hat. „Ich bin doch schon seit zehn Jahren ihr Betreuer, und wir arbeiten gut zusammen. Es ist schon fürchterlich, dass sie das vergessen konnten.“. „Ich kann mich an wirklich nichts mehr erinnern!“, sagt Janislav. „Alles weg. Aus meiner Sicht habe ich sie noch nie gesehen, und habe bis letzte Woche noch gearbeitet. Wissen sie, in meinen psychotischen Schüben denke ich, dass ich von Außerirdischen entführt worden bin, und mich vielleicht gar nicht mehr auf der Erde befinde.“. Herr Bastian schaut geduldig drein. „Herr Stezco, ich nehme an, das bildet ihr Gehirn sich ein, um die fehlenden Jahre zu überbrücken. Aber sie haben ja jetzt das Amosteta. Das baut ihre Synapsen wieder zusammen. Es wurde an Schlaganfallpatienten mit Gedächtnisverlust getestet. Da hilft es bestens. Heben sie ihren Arztbrief immer gut auf. Er kann ihnen helfen, die Realität nicht wieder zu vergessen.“ Herr Bastian verabschiedet sich. Janislav bleibt ratlos zurück.
Aber in den nächsten Wochen vollzieht sich ein Wandel mit ihm. Immer mehr von seinem verlorenen Gedächtnis kehrt zurück. Janislav beginnt zu glauben, dass die Ärzte recht haben. Wieder und wieder liest er seinen Arztbrief durch. Und er findet in seiner Wohnung auch Kopien, die er in den vergangenen Jahren von alten Arztbriefen gemacht hat. In den Arztbriefen steht, dass er eine paranoide Schizophrenie beziehungsweise eine multiple Persönlichkeitsstörung hat. Er ist wirklich schon seit 1998 in psychiatrischer Behandlung. Besonders freut ihn, dass er sich an die Beziehung zu Bianca wieder erinnert. Eine Frau, die er in der Psychiatrie kennen gelernt hat, und die in einer Bäckerei arbeitete. Sie war seine große Liebe gewesen und ihre Beziehung war von großer Innigkeit. Leider hatte sie ein starkes Trauma. Sie war als Siebenjährige sexuell missbraucht worden. Irgendwann hatten die Erinnerungen sie zu stark übermannt. Sie war 2012 in den Suizid gegangen. Janislav grübelt. Vielleicht hatten damals seine Amnesien angefangen, weil er mit Biancas Tod nicht zurecht kam?
Viele Jahre geht es gut. Janislav erholt sich und hat keine psychotischen Rückfälle mehr. Bald gelingt es ihm, wieder zu arbeiten. Im Büro, ohne Kundenkontakt, um ihn zu schonen. Er beginnt wieder eine Beziehung; mit Manuela, die er in seinem Büro kennenlernt. Sie hat leichtes Borderline, aber die Symptome sind bei ihr nicht so schlimm.
Es ist 2026. Die Hundstage. Die Erde steht unter dem Einfluss des Sirius, des größten Sternes im Sternbild des großen Hundes. Janislav hat Urlaub, ist aber zuhause geblieben. Es ist Nacht, und er liegt im Bett. Durchgeschwitzt. Es ist drückend heiß und die Luft ist feucht. Er sieht hoch zu seinem Rauchmelder. Plötzlich muss er an die halluzinierten Wahrnehmungen mit den Rauchmeldern auf der Polizeiwache und in der Psychiatrie denken. Ihm wird unwillkürlich mulmig. Und da geschieht es! Der Rauchmelder beginnt über die Decke zu kriechen und seinen Platz zu wechseln. Janislav erschrickt bis ins Mark. Sollte er vergessen haben, seine Tabletten zu nehmen? Aber nein, die Palette auf seinem Nachttisch ist leer. So ein Mist! Er scheint einen Rückfall zu haben! Nach acht guten Jahren…
Plötzlich ertönt eine beruhigende Stimme aus dem Rauchmelder: „Alles in Ordnung, Herr Stezco! Sie haben schön mitgespielt. Die Justierung unserer Geräte ist nun abgeschlossen. Wir werden ihnen gleich ihre inneren Organe entnehmen.“. „Ihr seid nicht echt!“, ruft Janislav entschlossen. "Ihr seid nur eine Halluzination!“. „Beruhigen sie sich, Herr Stezco.“, sagt die Stimme milde. „Wenn sie jetzt nicht mitspielen, dauert die Prozedur nur unnötig lange und kann weh tun. Bleiben sie einfach ruhig auf dem Bett liegen. Ihnen passiert nichts. Es sind ja nur ihre inneren Organe.“ Janislav schreit und springt auf. Panik erfüllt ihn. Was soll er nur machen? Da schießt es ihm durch den Kopf. Er wird Manuela anrufen. Hektisch geht er zum Telefon und wählt ihre Nummer. Nach einiger Zeit geht Manuela an den Apparat. „Was ist denn los, nuschelt sie, „Es ist mitten in der Nacht!“ „Manu!“, ruft Janislav, " Ich bin wieder psychotisch! Der Rauchmelder spricht mit mir!“. Stille am anderen Ende der Leitung. Dann sagt Manuela ganz ruhig: „Janislav. Das ist nur wieder deine Malade!“. „Meine waaas!?“, ruft Janislav. Manuela antwortet völlig ruhig: „Deine Malade Mellitus. Rualde senop rickel abgewuppka.“. „Manu, was machst du da!?“, schreit Janislav. Manuela antwortet mit fester Stimme: „Röla bajode erkosterge.“. Erschreckt legt Janislav auf. Er verspürt ein Stechen im Herz. Unruhig nestelt er die Schublade auf, in dem er seine Arztbrief-Kopien liegen hat. Er zieht den Arztbrief von 2018 aus dem Umschlag. Dort steht nur ein Wort: Malade! Erschreckt nimmt Janislav einen anderen Umschlag zur Hand. Doch auch dort: Nur das Wort Malade! Der Reihe nach öffnet er alle Umschläge. In jedem Arztbrief nur ein Wort: Malade!
Janislav rennt zur Tür. Er muss in die Psychiatrie. Aber die Tür ist von außen abgeschlossen. Aus dem Rauchmelder entönt die Stimme von Janislavs Oma: „Jani, leg dich ins Bett und nimm eine Tablette. Ich bin es, deine Oma. Ich meine es doch gut mit dir!“. Merkwürdiger Weise beruhigen Janislav diese Worte. „Es ist doch nur eine Halluzination!“, denkt er, „Das geht vorüber!“. Janislav geht zum Bett, entnimmt seinem Nachtschrank eine Risperdal und schluckt sie mit einem Glas Wasser hinunter. Dann legt er sich wieder hin.
„Sehr gut.“, ertönt die beruhigende Stimme aus dem Rauchmelder. „Sie spielen mit! Zur Sicherheit werden wir sie dennoch im Bett festfrieren.“ Janislav spürt, wie eine schwere Energie ihn überkommt, und ihn ins Bett drückt. Er schreit. „Stellen sie sich nicht so an, Herr Stezco!“, sagt die Stimme milde. „Wir waren von Anfang an ehrlich zu ihnen. Wir mussten ihnen suggerieren, dass wieder mehrere Jahre vergangen sind, damit sie sich entspannen, und wir unsere Geräte justieren können. Aber jetzt haben sie es bald hinter sich.“ Janislav schreit. Markerschütternd. Dann ist ihm, als würde ein Schlauch in ihn eingeführt. Ein stetes Saugen beginnt. Er spürt, wie seine Innereien sich bewegen. Und dann werden sie plötzlich mit einem schlürfenden Geräusch aus seinem Körper nach oben abgesaugt. Janislav spürt, wie er innerlich zerreißt. Er zittert und weint. Die Energie, die ihn ins Bett gedrückt hat, ist weg. Er steht auf. Er befühlt seinen Körper. Er fühlt sein Herz in sich und seinen Magen. Nichts wurde abgesaugt! Er atmet auf. Jetzt schnell in die Psychiatrie!
Janislav geht zur Tür. Sie ist nicht abgeschlossen. Er öffnet sie und…
tritt hinaus in einen metallisch glänzenden Raum. Violettes Licht erfüllt ihn. Vor ihm steht ein Wesen, wie er noch nie eines gesehen hat. Zwar leicht humanoid, aber nackt und mit grünlicher Haut, die im Dunkeln schimmert. Die Gestalt hat einen ovalen Kopf und ganz dunkle Augen, die nur aus Pupillen bestehen. Sie führt einen Apparat an ihren Mund und spricht hinein. „Lieber Herr Stezco, willkommen!“, tönt es aus dem Gerät. „Dies ist ein Simultanübersetzer. Wir sprechen ihre Sprache nicht, und sie bekommen ja Angst, wenn sie unsere hören. Sie haben richtig gedacht. Sie sind nicht mehr auf der Erde. Dies ist der Sirius. Ich werde ihnen jetzt alles erklären. Das ist unsere Art. Wir sind grausam, aber gerecht.“. Das Alien nimmt Janislavs Hand und führt ihn durch einen Gang zu einem abgetrennten Raum. Sie betreten ihn. Janislav erschrickt. In dem Raum steht ein Stuhl. Und auf dem Stuhl sitzt… er selber. Splitternackt. Das Alien spricht wieder in seinen Simultanübersetzer. „Herr Stezco, dies ist ein Körperdouble von ihnen. Wir haben es während der Sitzung in der Polizeiwache von ihnen erstellt. Es funktioniert wie das, was sie auf der Erde eine Voodoopuppe nennen. Wir haben ihnen mithilfe dieses Körperdoubles ihre inneren Organe entnommen, daher fühlt es sich für sie so an, als hätten sie sie noch. Wir werden nun eine ganz genau exakte Kopie von ihnen herstellen, aber ohne Aggressionen und ohne Ich, und werden sie auf die Erde bringen. Sie wird ihre Stelle einnehmen. Die Menschen, die noch übrig sind- es sind nicht mehr viele- werden keinen Verdacht schöpfen. Seit ein paar Jahren oder Tagen ersetzen wir so die gesamte Menschheit. Damit retten wir ihren Planeten und machen ihn zu einem besseren Ort.“
„Das dürft ihr nicht!“, schreit Janislav.
„Das müssen wir sogar.“, sagt das Alien durch seinen Simultanübersetzer. "Wir werden sie jetzt mit einem elektrischen Schlag töten. Es wird sehr schnell gehen.“. Das Alien berührt Janislav an der Schulter. Da ist es ihm, als durchzuckten ihn tausend Volt. Janislav fällt zu Boden und krümmt sich. Das letzte, was er hört, sind die Worte: „Dasucktole Riuldöse Mussoebletuck Malade Malade Malade…“
©Patrick Rabe
Samstag, 15 August 2026
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Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.08.2026.
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