Gestatten: Sherlock Holmes mein Name. Ja, genau, wie der große Detektiv. Ich bin aber nicht das Original, nicht der echte Sherlock Holmes.
Reiner Scharwenzelmann lautet mein bürgerlicher Name. Verkleiden tue ich mich für meine Frau Stephania Scharwenzelfrau. Ich liebe sie sehr, und sie mich hoffentlich auch. Aber ich mache mir in letzter Zeit Sorgen um sie, große, sehr große Sorgen um sie.
Wir waren vor geraumer Zeit in einem Wachsfigurenkabinett, müssen Sie, liebe Leser, nämlich wissen. Bekannte Detektive aus der Literaturgeschichte wurden dort vorgestellt.- Sherlock Holmes, Lord Peter Wimsey, Arsené Lupin, Hercule Poirot Philip Marlowe und viele andere – Sie wissen schon.
An einem Berührbildschirm wurden verschiedene Schauspieler gezeigt, die Holmes in Filmen verkörperten. Diese Namen habe ich vergessen, die meisten sind eh´ tot.
Stephania war aber hingerissen. „Wie unterschiedlich Holmes doch aussehen kann, fast schon wie ein Formwandler,“ schwärmte sie damals schon.
Emotional hat sie sich seitdem sehr weit von mir entfernt. Fiktosexualität heißt das neue Zauberwort – das romantische Schwärmen von, die Verliebtheit in literarische Figuren ist damit gemeint.
Was sie an dem hochgewachsenen, hageren Kerl mit der Hakennase mag, kann ich Ihnen nicht sagen – Stepahnia verrät es mir nicht. Hercule Poirot mag sie überhaupt nicht: „Ach, der mit seinem Eierkopf!“ stöhnt sie nur.- Und Lord Wimsey? „Zu viel Snob. Zu reich. Zu englisch,“ lauten ihre Gegenargumente.
Ich bin inzwischen bei einem Kostümverleih gewesen und habe mir die erforderlichen Verkleidungsgegenstände besorgt, bei einer Parfümerie und bei einem Kosmetiker weitere Utensilien (wie Schminke).
In der Zwischenzeit habe ich weitere Leute kennengelernt, die in ihrer Partnerschaft von Fiktosexualität betroffen sind. Ich kann ihnen helfen, sich entsprechend den Wünschen und Neigungen ihrer Partnerin zu verhalten…
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.08.2026.
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