Da sitze ich nun im Garten der Villa Mittelhof, schaue auf mein Blatt Papier und
mir fällt einfach nichts ein. „Schreiben, was wir so sehen“,
hat Manfred uns aufgetragen. Meine Mitstreiter sitzen verteilt auf mehreren
Bänken.
Was sehe ich? Die Bäume sind grün, der Rasen
auch. Den spielenden Kindern zuzusehen, macht Spaß. Einige Eltern spielen
mit, andere sind genervt und ermahnen ihre Sprösslinge, doch etwas leiser
zu sein. Aber darüber schreiben?
Huch, was ist denn das? Ich
bekomme einen furchtbaren Schreck. Eine feuchte Hundeschnauze stupst an meine
rechte Wange.
„Hey, wer bist denn du?“, frage
ich.
„Ich bin der Jockel“, antwortet der
Hund.
„Du kannst sprechen?!“
„Ja, ich habe die menschliche Sprache gelernt. War gar nicht so
einfach.“
„Bist du allein hier?“
„Nee, mein Herrchen liegt hinten im Garten und schnarcht. Mir
war langweilig und ich habe dich beobachtet. Du siehst sehr nachdenklich aus,
fast verzweifelt. Was ist los mit dir?“
„Ach, ich
gehöre zu einer Schreibgruppe, aber mir fällt nichts ein. Ich habe
wohl eine Schreibblockade.“
„Mach dich doch nicht
so fertig und geh mit mir spazieren!“, meint Jockel. „Na gut, drehen
wir eine Runde.“
Es ist ein merkwürdiges Gefühl,
einen sprechenden Hund zu begleiten. Unterwegs kommt uns ein Schäferhund
entgegen.
„Hallo Freddie, wie geht es dir?“, fragt
Jockel.
„Danke, gut. Wen hast du denn da dabei? Wo ist
dein Herrchen?“
„Der pennt und schnarcht sich die
Seele aus dem Leib. Die Frau hier habe ich im Garten vom Mittelhof aufgegabelt.
Ist ganz nett.“
So so, ich bin also nur „ganz
nett“, denke ich vor mich hin. So ein Schlawiner! Der soll froh sein, dass
ich mich um ihn kümmere.
Was sehe ich da? Ein Eiscafé!
„Lieber Jockel, magst du ein Eis?“
„Nichts
lieber als das!“, bekomme ich freudestrahlend zur Antwort.
Ich suche einen Tisch, und der wunderschöne Golden Retriever läuft
schwanzwedelnd neben mir her. Schon kommt der Kellner und ich bestelle für
uns beide einen Eisbecher.
„Für den
Hund auch eine Portion Eis?“, fragt der Kellner erstaunt.
„Na klar!“, antworte ich.
Während
wir auf unser Eis warten, schmiegt Jockel sich nah an mich heran. Ich streichle
ihn; sein Fell fühlt sich warm und weich an. Es geht uns beiden gut. Das
Eis wird serviert und der Hund bekommt sein Schälchen unter dem Tisch.
„Sowas habe ich noch nicht erlebt!“, lässt mich der
Kellner wissen. Ich auch nicht, denke ich.
So, nun sollte ich
Jockel aber langsam zu seinem Herrchen zurückbringen. Am liebsten
würde ich ihn mit zu mir nach Hause nehmen, aber in meiner kleinen Wohnung
würde er sich sicher nicht wohlfühlen. Wir betreten wieder den
Mittelhofgarten.
Plötzlich sitze ich wieder auf meiner Bank.
Vor mir liegen zwei voll beschriebene Papierseiten. Da ist die Fantasie wohl mit
mir durchgegangen – Jockel gibt es nur im Traum. Schade, es war wirklich
schön mit ihm! 🐶
Rosemarie Behrendt
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.08.2026.
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