Sebastian Tuczek

Das Blutende Herz


Und er stand da. Rund drei Minuten stand er da. Er traute sich nicht.
Die Angst und der Wille es zu tun, fochten einen wilden Kampf aus.
Doch schließlich rang der Wille die Angst nieder und hielt sie für den entscheiden Moment unten und er trat zu ihr und fragte sie:
„Hey, sorry falls ich störe, aber können wir mal reden.“ „Klar gerne“, antwortet sie und dreht sich wieder um.
Er war verwirrt. Konnte sie jetzt mit ihm reden. Er wusste nicht, ob er nochmal fragen soll oder ob das zu viel war.
Er wandte sich ab. Die Zweifel zerfraßen sein eh schon vom Pfeil der Liebe durchbohrtes Herz.
Er überlegte wie er es sagen könnte, doch sein Gehirn war von Staub gefüllt und nichts war von den guten Formulierungen übrig, die er sich zurechtgelegt hatte. Er drehte sich nochmal um und fragte nochmal: „Könne wir jetzt reden? “
„Klar, einen Moment.“, antwortete sie abermals und drehte sich ihrer Freundin hin und sprach weiter.
Er war ratlos. Was soll er tun?
Er stand nun schon seit zehn Minuten auf der Tanzfläche neben ihr wie so ein verliebtes Mondkalb und fühlte sich wie ein Idiot
. Er atmete tief ein und dann wieder aus. „Hey, können wir jetzt endlich mal reden?“, fragte er mit zitternder Stimme.
„Klar, was gibt es?“, drehte sie sich nun endlich um. „Schön, dass es endlich auch mal klappt. Wie geht es dir?“, wagte er sich auf das brüchige Eis der Kommunikation eines liebenden Jungen. „So ganz gut, und dir? “, antwortete sie mit einer Standardformel.
Er probierte es nun mit der Offenheit, die, so hoffte er gut ankommen würde:
„Ich hatte Angst vor dem Gespräch. Ich habe mir lange überlegt, wie ich was sagen soll, habe aber nie etwas klang gut
und nun ist mein Kopf leer und mein schön zurechtgelegter Plan für das Gespräch ist dahin.“
Bei diesen Worten brach seine Stimme schon wieder und sein Atem stockte. Wie soll er jetzt noch das sagen, was er fragen wollte.
Wie soll er es jetzt noch gescheit rüber bringen?
Er hatte den wichtigsten Moment in einem wichtigen Gespräch verkackt, dass realisierte er jetzt.
„ Mir ging es genauso. Seit du mich um dieses Gespräch gebeten hast, habe ich mir überlegt, was ich sagen soll.“
Er horchte auf. Was hatte er gehört? Ihr ging es genauso?
Die Zweifel wurden wieder weg gedrängt mit diesen Worten und er schöpfte neue Hoffnung.
Vielleicht kämpfte er doch nicht auf einem verlorenen Posten. Er nahm allen Mut auf und fragte die Frage, die ihn so lange gequält hatte.
Die ihn nachts nicht hatte schlafen lassen, die sich angefühlt hatte wie ein Messer in seinem Bauch, dass er nicht raus ziehen kann.
Und er stellte sie: „Was ist das zwischen uns? Manchmal ignorierst mich, manchmal telefonieren wir nächtelang?
Mal behandelst du mich als wäre ich dein Freund, manchmal als wäre ich ein Fremder. Was ist das zwischen uns?“
Sie war raus. Der Löwe war freigelassen und konnte nicht mehr eingefangen werden.
Würde er nun sich gegen seinen Befreier wenden und ihm sein Herz zerfleischen
oder würde er ein Symbol der Hoffnung werden und sich vom Löwen in die Taube der Liebe verwandeln. Gebannt wartete er auf die Antwort.
Seine Knie begannen zu zittern und um das zu unterdrücken, begann er mit einem Plektrum, das er um sein Hals gehängt hat, herumzuspielen
und registrierte auch bei ihr ein Zittern in der Hand.
Und nach einem Seufzer antwortete sie: „Ich dachte das war klar, seit du mir gesagt hast das du mich liebst.
Ich empfinde keine Liebe für dich." Doch schnell schob sie hinterher:"Tut mir leid das klang gemeiner als es gemeint war.“
„Alles gut. Theoretisch war es auch klar, nur habe ist es so, dass ich es als verliebte Person verdrängt hatte und auch nicht Glauben wollte.
Stets war da die Hoffnung, dass es du dich doch noch in mich verliebst.
Ich wusste es rational bestimmt irgendwann, doch habe ich es verdrängt und nicht glauben wollen.“
„Es ist nicht so als würde ich dich nicht mögen und ich finde du bist eine tolle Person, nur empfinde ich keine Liebe für dich.
Ich würde echt sehr gerne eine Freundschaft mit dir aufbauen nur deine Freundin kann ich nicht sein.
Es würde uns nicht gerecht werden und wir wären beide nicht glücklich.“ „Wie soll es eine normale Freundschaft sein?
Es wird immer wierd bleiben, denn du weißt von mir das ich mehr Gefühle als nur Freundschaft habe
und ich weiß von dir das du nicht mehr Gefühle als Freundschaft willst.“
„Es tut mir echt leid, denn jetzt bin ich wieder die Böse, die dich nicht liebt.“ „Du kannst ja nichts dafür.
Du kannst die Gefühle nicht steuern, die du empfindest oder eben nicht.
Mir tut es leid, denn ich habe dich in die Situation gebracht, dass du es mir nun nochmal sagen musst und ich es nicht beim ersten Mal verstanden habe.
Das tut mir leid. Und du könntest die schlimmste Person der Welt sein und du wärst für mich nie die Böse.“
„Ich wusste auch lange Zeit nicht, wie ich mich verhalten soll. Meine Freundin hat mir geraten einfach nicht mehr zurückzuschreiben
und dich einfach zu ignorieren, aber das wäre hart und gemein.
Und in letzter Zeit habe ich auch versucht, die Ratschläge von ihr zu beherzigen,
indem ich seltener zurückgeschrieben habe und länger für meine Antworten brauchte.
Sie hat mir sogar geraten einfach von ChatGPT mir eine Antwort schreiben zu lassen
und dir zu schicken als du nach einem Gespräch gefragt hast, was ich jedoch auch nicht wollte. Es tut mir echt leid.“
„Nein mir tut es leid, dass ich so aufdringlich nach einem Gespräch gefragt habe
und es nicht schon das erste mal verstanden habe, dass du nichts von mir willst.
Und es tut mir leid dich in diese Situation gebracht zu haben.“
Stille. Niemand sagt etwas. Ihm scheint es als würde die Tanzparty ebenfalls stiller werden.
„Okay, also ich habe dann nichts mehr.“, meinte sie zum Gehen gewandt.
„Auch ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte.“, antwortete er mit einem dumpfen Schmerz in der Brust.
„Ich wünsche dir noch alles alles Gute, und bleib wie du bist. Du bist ein toller Mensch“, waren ihre Antwort zu Abschied.
Perplex drehte er sich nochmal um: „Ich kann das alles nur zurückgeben. Mach dir keine Schuldgefühle, dass du mich verletzt hättest oder so. Nichts womit ich nicht klarkommen würde.“
Und damit ging er.
Auf der dunklen, verregneten Straße angekommen, brach er weinend zusammen
und es fühlte sich so an als würde man mit einem rostigen Messer sein vor Schmerz und Liebe blutendes Herz herausschneiden.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.08.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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