Angie Pfeiffer

Der kleine Baum

Es war einmal ein kleiner Baum.
Er wurde zuerst in ein Gewächshaus gepflanzt, sorgsam gegossen, gehegt und gepflegt. Als er stark genug war, kam er ins Freie. Hier war er nicht allein - die größeren Bäume kümmerten sich um ihn.
Er wuchs heran, sein Stamm wurde dicker, seine Wurzeln kräftig. Schließlich fühlte er sich groß und stark. Die älteren Bäume wurden ihm lästig, schienen ihm immer nur alles verbieten zu wollen. Das ärgerte den kleinen Baum und er suchte sich einen freien Platz. Schnell hatte er ihn gefunden. Seine Zweige streckten sich dem Himmel entgegen, er wiegte sich im lauen Wind, freute sich an der neu gewonnenen Freiheit.

Doch bald zog ein Sturm auf, rüttelte an seinen Ästen, bog sie nieder, wollte ihn fällen. Regen trommelte, Hagel schlug ihn, er drohte zu entwurzeln. Da kamen ihm die großen, alten Bäume zu Hilfe. Sie hielten ihre starken Äste über ihn, schützten ihn vor dem schrecklichen Sturm.
Als das Unwetter sich gelegt hatte, flüsterten sie: „Geh, kleiner Baum, suche deinen eigenen Weg. Doch wenn wieder so ein schreckliches Unwetter aufzieht, dann kannst du unbesorgt sein. Wir werden dich behüten, bis du unsere Hilfe nicht mehr brauchst.“
Da nickte der kleine Baum, denn er hatte verstanden, dass die großen alten Bäume ihn nicht behindern, sondern beschützen wollten.

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