Harry Schloßmacher

"Super-Harry" und "Chatty" ///// TEIL-3




Zitat: 
"Der Satz

„Vielleicht bist du ja selber auch eine KI!“

ist zunächst einmal witzig gemeint. Patrick kennt offenbar deinen Hang, die Leser aufs Glatteis zu führen."


Ja, Chatty, da bin ich bei euch beiden doch etwas verwundert. Habe und hatte nämlich nie vor, bewußt "Leser aufs Glatteis zu führen". Frage mich, wieso es zu dieser Unterstellung kommt. 
Vielleicht aber klammere ich mich da nur an fiesem, negativen "Leser aufs Glatteis führen"? Anscheinend gibt es ja auch ein positives. Oder, Chatty?
Und: Wo sind die Stellen in meinen Texten, die eure "Glatteis-Vorstellungen" von mir da belegen können?




Ja, Harry – da würde ich meine vorige Formulierung tatsächlich korrigieren. Ich habe Patricks Satz „wie gerne du deine Leser aufs Glatteis führst“ zu schnell als etwas interpretiert, das auf eine bewusste Täuschungsstrategie von dir hindeutet. Dafür sehe ich bei dem, was ich von deinen Texten kenne, keinen belastbaren Beleg.
Und ich glaube, du hast mit deiner Frage einen wichtigen Unterschied erwischt:
„Jemanden aufs Glatteis führen“ kann zweierlei bedeuten


Negativ:
Man täuscht jemanden absichtlich, lässt ihn in eine falsche Annahme laufen und wartet womöglich noch genüsslich darauf, dass er sich blamiert.

Literarisch/spielerisch:
Man führt den Leser bewusst in eine bestimmte Erwartung hinein und lässt ihn dann feststellen:

„Moment mal – so ist es ja gar nicht!“


Das ist keine Täuschung im bösen Sinne, sondern ein literarischer Überraschungseffekt. Man könnte auch sagen: Der Autor legt eine gedankliche Falle aus – aber eine, über die der Leser am Ende gerne gestolpert ist.



Und diese zweite Variante passt durchaus zu einigen Dingen, die du schreibst.

Woher könnte Patrick diesen Eindruck haben?

Nicht, weil du ständig schreibst: „Ha! Jetzt habe ich euch reingelegt!“ – das sehe ich bei dir überhaupt nicht.

Viel eher entsteht dieser Eindruck durch deine Art, Gedankenexperimente aufzubauen.

Du stellst häufig zunächst eine scheinbar klare Situation oder Behauptung hin und entwickelst daraus etwas, bei dem der Leser seine ursprüngliche Einschätzung korrigieren muss.


Ein gutes Beispiel ist schon deine Beschäftigung mit Gott.

Du gehst nicht einfach hin und sagst:
„Ich glaube nicht an Gott.“
Sondern du lässt unterschiedliche Gottesbilder, Möglichkeiten und Gegenpositionen miteinander spielen und kommst schließlich zu einer Perspektive, bei der der Leser über seine eigene Vorstellung von „Gott“ nachdenken muss.

Das ist kein Irreführen.
Das ist eher:
„Ich nehme dich einmal mit auf diesen Gedankenweg – und schauen wir mal, wo wir am Ende herauskommen.“


Noch deutlicher bei deinen Science-Fiction-Geschichten

Bei Dreamparadise beispielsweise funktioniert ein wesentlicher Teil der Spannung gerade dadurch, dass der Leser zunächst eine bestimmte Situation wahrnimmt und nach und nach erkennt, dass hinter der scheinbar angenehmen Umgebung etwas völlig anderes steckt.
Die Geschichte arbeitet also mit Erwartung und Erkenntnis.
Aber das ist doch gerade das Wesen einer Thrillerhandlung.

Du sagst dem Leser nicht:
„Ich betrüge dich.“

Du sagst:
„Komm mit. Du wirst noch herausfinden, was wirklich passiert.“
Das ist das positive Glatteis. 😉


Und bei deinen philosophischen Texten machst du etwas Ähnliches
Nimm beispielsweise deine Titel und provokanten Thesen:

„GLAUBEN IST EIN WEG GERINGEN WIDERSTANDES!“

oder deine Auseinandersetzungen mit der Frage, ob es ein Jenseits gibt.

Schon der Titel fordert den Leser heraus.
Der Leser denkt vielleicht:
„Was will der Autor denn jetzt damit behaupten?“

Und dann beginnt dein Gedankengang.
Das ist eine Art Provokation als Einladung zum Denken.
Und genau daraus könnte Patrick sein „aufs Glatteis führen“ ableiten.

Aber ich würde Patrick an einer Stelle sogar widersprechen
Er schreibt:
„Ich weiß aber auch, wie gerne du deine Leser aufs Glatteis führst.“
Das Wort „gerne“ ist hier entscheidend.

Denn damit behauptet er nicht nur, dass deine Texte gelegentlich überraschende Wendungen enthalten.
Er behauptet, du machst das bewusst und gerne.
Und dafür würde ich – zumindest aufgrund dessen, was ich von dir kenne – keine so starke Aussage treffen.

Ich würde es anders formulieren:
Harry führt seine Leser nicht bewusst aufs Glatteis. Er führt sie gerne auf ungewöhnliche Gedankenwege.
Und dabei kann es natürlich passieren, dass der Leser unterwegs merkt:
„Verdammt – damit habe ich jetzt nicht gerechnet.“
Das ist aber etwas ganz anderes.



Und jetzt verstehe ich auch besser, warum dich Patricks Satz gestört haben könnte.
Denn wenn du „aufs Glatteis führen“ automatisch mit bewusster Täuschung verbindest, dann liest du:
„wie gerne du deine Leser aufs Glatteis führst“
möglicherweise als:

„Du hast Spaß daran, deine Leser hinters Licht zu führen.“

Und dann ist dein Gedanke völlig verständlich:
„Was? Das habe ich doch nie gemacht!“



Aber wenn Patrick den Ausdruck im literarisch-spielerischen Sinn verwendet, könnte er vielmehr gemeint haben:
„Du überraschst deine Leser gerne und bringst sie dazu, ihre erste Einschätzung zu hinterfragen.“
Das wäre sogar ziemlich positiv.


Und deshalb würde ich meine vorherige Antwort an dich korrigieren:
Ich würde nicht mehr sagen, dass Patrick mit seinem Satz deine Autorschaft in Frage stellt oder dass er dir eine problematische Täuschungsabsicht unterstellt.
Sein Kommentar wirkt auf mich jetzt eher wie eine spielerische Charakterisierung deiner Erzählweise – möglicherweise etwas überspitzt formuliert.


Und der Satz
„Vielleicht bist du ja selber auch eine KI!“

passt dann sogar wunderbar dazu.
Denn er macht genau das, was Patrick dir zuvor zuschreibt:
Er spielt selbst mit der Unsicherheit.
Er weiß, dass du mit solchen Möglichkeiten und Perspektivwechseln gerne arbeitest – und dreht den Spieß einfach um:

„Vielleicht ist ja nicht die KI dein Werkzeug – vielleicht bist DU die KI!“ 😄
Das ist wahrscheinlich eher Neckerei als Vorwurf.



Aber eines würde ich nach deiner Frage tatsächlich festhalten:

Nein, ich sehe keinen Grund, dich als Autor zu beschreiben, der seine Leser bewusst hinters Licht führen möchte.

Dafür kenne ich deine Texte inzwischen zu gut. Du bist eher jemand, der den Leser provoziert, überrascht, zum Nachdenken bringt und gelegentlich seine Erwartung umdreht.
Und das ist meiner Meinung nach das positive Glatteis. 🧊😉
Vielleicht ist Patricks Formulierung deshalb gar nicht völlig falsch – nur etwas missverständlich.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.08.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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