Endlich war es soweit. Der Startschuß zu einer 15 000 km langen Fahrt
ins Ungewisse war gefallen. Abwechselnd würden mein Freund Peter
Kastenholz und ich fortan hinter dem Steuer des "Käfers" sitzen.
Bestrebt sein, unser Ziel - Kalkutta in Indien - möglichst sicher zu
erreichen.
Zunächst wollten wir zu viert gefahren sein - aber zwei Leute
sprangen im letzten Moment ab. Trotzdem haben Peter und ich "das Ding"
dann noch voll durchgezogen.
Fast aber wäre die Mammut-Tour - kaum daß sie begonnen hatte -,
bereits an einer defekten Kupplung und einer bezaubernden jungen Frau,
an Rosi, gescheitert:
Wir hatten eine große Autoinspektion am Käfer vornehmen lassen. Dies
war schon ratsam, wenn die Asienfahrt über rund 15.000 km gehen sollte.
So fuhren wir beruhigt drauflos; zunächst auf der Autobahn Düren - Köln.
Als hinter Köln der Käfer kaum noch Steigungen hochkam, war das
Erstaunen groß. Eine Generalinspektion und dann das! Kupplung
defekt...Asien adieu?
Peter rief in einem Weinort Nähe Königswinter seinen Vater an. Dieser
hatte als Personalchef der Hauptpost Düren sagenhafte Postwohnheim-Kontakte
quer durch die Republik. Dies kam auch für uns jetzt wie gerufen.
Abends gegen 22.00 Uhr 'landeten' wir mit dem bereits sehr defekten Käfer am
Bahnhof Stuttgart. Fast ein Ehrenbahnhof: Zwei Postwohnheim-Leiterinnen, dar-
unter Esther, und ein Heimleiter-Kollege holten uns ab.
Im Postwohnheim Stuttgart-Leuschnerstraße gab es dann Gespräche, gute flüssige
und feste Stärkung und viel Freundlichkeit. Übernachten konnten wir dort aber nicht.
Esther residierte in Stuttgart-Schmieden. Ihre Wohnung mit den Türbögen war
echt gemütlich. Esther, um einiges älter als wir, mollig, recht sympa-
thisch und gesprächig. Zudem ebenfalls gastfreundlich.
Eigentlich ist dies Peter's Lovestory; doch ich war auch ganz schön
betroffen. Weil...
...Trotz bestimmter fraulicher Angelegenheit fanden sich in dieser Nacht Esther
und Peter erstaunlich intensiv. Ausgeprägtes Stöhnen und Lustschreie
wechselten einander ab. Ein Liebespaar so ganz in seinem herrlichen Element.
Und dies bis zum frühen Morgen. Wie gerne hätte ich anstelle von Peter
oder zu dritt...
Auf meine Befürchtungen ;-) hin, teilte Peter am anderen Tag sein Motto
mit: 'Ein guter Seemann watet eben auch durch's Rote Meer!'
Besagte Nacht aber wurde nicht nur für Peter zu einer der längsten. Ich
Ärmster bekam kein Auge mehr zu, weil aus dem Nebenraum fast unentwegt ty-
pische 'Verkehrsgeräusche' an meine Ohren drangen. Konnte mich drehen und
wenden, wie ich auch wollte. Genügend Zeit, um Ärger und Neid zu entwickeln.
Am anderen Tag wurden wir wieder gut bewirtet. Mittags gab es reichlich wohl-
schmeckendes Spätzle.
Esther und ihre nette Kollegin wie Freundin aus der Leuschnerstraße zeigten
Peter und mir noch vieles in Stuttgart.
Hoch hinaus ging es auf den Top des Fernsehturms. Cafébesuch dort. Klasse
Ausblick. Dann zum Schloßrestaurant. Klönen; etwas 'Sehen und gesehen werden'.
Wir hatten ohnehin eine Woche Zeit. Streiften mehrmals
bergauf-bergab durch Stuttgart, lernten hier noch dieses und jenes kennen.
Schließlich war unser Käfer wieder repariert und fahrbereit. Der Abschied von
Stuttgart fiel mir jedoch besonders schwer. Fast wäre ich bereits hier klebengeblieben
(Das Wieso in den nachfolgenden Passagen über 'Rosi' ! ).
Später, auf der eigentlichen Asienfahrt und weit weg von Stuttgart, kamen die
beiden Weltenbummler - also wir ;-) - nochmals auf Esther zu sprechen. Ich sagte Peter
direkt, daß ich in jener Nacht lieber mitgemischt als nicht geschlafen
hätte. Darauf mein Freund Peter: Warum nur hast du damals keinen Ton davon ge-
sagt, wir hätten bestimmt nichts dagegen gehabt!?... (Schmerzlich, schmerzlich...wieder eine meiner 100 verpaßten
Chancen!! Selbsterkenntnis: Tja, was so ein richtiger Trottel ist...)
************************************************************************************************************************
EXKURS:
Monate nach dem Ende der Asienfahrt besuchte ich erneut Stuttgart. Dies-
mal alleine, aber mit einem Haufen Dias von dem Asien-Abenteuer und dem großen
Wunsch, die netten Bekannten dort wiederzusehen. Bekam Gelegenheit, die
Dias einer beachtlichen Schar junger Leute in einem großen Raum des
Postwohnheimes Leuschnerstraße vorzuführen.
Esther sah ich dort leider nur über Tag. Dummheit, Ungeduld gepaart mit etwas
infantiler Sturheit ließen mich einen Tag zu früh abbrechen. Erneut ein glattes
Eigentor!
Und wieder typisch 'Harry'. Hatte mich einerseits über Episoden/Affären mit dem
weiblichen Geschlecht nicht zu beklagen. Andererseits verbuchte ich vielleicht
genau soviele verpatzte Gelegenheiten!
Daß ich mir auch im Falle Esther eine wahrscheinliche Nacht mit ihr verbaut
hatte, erfuhr ich später wieder durch Peter: Esther habe seinerzeit ge-
fragt, warum ich sie am anderen Tage nicht besucht hätte ?!? ...
(Bitter, bitter...denn immerhin war es ja noch die AIDSfreie Zeit
- Sex ohne tödliches Risiko !! ;-) )
Auch Rosi, Postbedienstete, eine ebenfalls bemerkenswerte Bekannte dort,
hatte zu meinem Pech ihre Unterkunft nicht mehr in der Nähe des Postwohnheims...
(Nachfolgend mehr über Sie und die Beinahe-Lovestory)
**********************************************************************************************************************
Noch immer Stuttgart, aber wieder zurück zum Asien-Trip:
Zunächst war der unfreiwillige Aufenthalt durch den Autoschaden mehr ärgerlich. Allmählich aber
wendete sich das Blatt...
Im Postwohnheim Stuttgart-Leuschnerstraße wurden wir Asienfahrer in
spe nicht nur nett empfangen und gut bewirtet. Auch an ansehnlichen
jungen Damen war hier wahrlich kein Mangel.
Dies ließ uns natürlich nicht kalt. Nur: Peter war durch seine Flamme Esther so gut wie aus dem
Rennen.
Und mir war klar: nach der verlorenen Nacht im Postwohnheim SCHMIEDEN, würde
ich so - in passivleidender Form - dort keine mehr verbringen!
Zunächst nur eine Schnapsidee; vielleicht würde sie mir aber aus dem Notstand ;-)
heraushelfen: Einfach irgendwo anders übernachten - und, vielleicht etwas
dreist - wenn es nicht anders geht, gerne bei der Rosi... ;-)
Die Rosi - ein Synonym für 'Liebe auf den ersten Blick'.
Nur eine kurze Begegnung im Postwohnheim genügte und ich wußte, diese Frau
ist fantastisch!
Rosi - große grüngraue Augen; hübsches Gesicht von fülligem dunklem Haar
weit umrahmt; sinnlicher Mund; wohlproportioniert; sympathische
Ausstrahlung. Dazu eine angenehme Stimme und den schönsten bayerischen
Dialekt, den ich je gehört hatte. Soweit Optik und Akkustik.
Hoffentlich würde ich auch ausreichend Gelegenheit bekommen, ihre bestimmt
auch interessanten Inneren Werte kennenzulernen. An mir sollte es da
wirklich nicht liegen. Jedoch das Schicksal (oder auch Fügung durch
Freundinnen?)...
Nun gehörte Rosi zwar zum 'Clan' des Postwohnheimes; hatte jedoch als
etwas ältere Jüngere ;-) gemeinsam mit einer ähnlichaltrigen Postfreundin
bereits eine Extrawohnung.
Esther versuchte zu vermitteln. Und zu meiner Riesenfreude gelang das
Unglaubliche: Ich konnte tatsächlich bei Rosi übernachten! Schnell verdrängte
die Vorfreude die frustrierende Vornacht in Stuttgart-SCHMIEDEN...
...Nach einem Weiterkennenlern-Gespräch war es dann soweit. Aus dem Raume
NÜRNBERG stammte Sie. Ihre Arbeit beim Fernmeldedienst sollte nur ein
Zwischenspiel sein; denn Katechetin wollte sie letztlich werden. Aha und
oho! Das signalisierte wohl kein leichtes Spiel für mich.
Rosi schlief in dem einen, meine Wenigkeit wurde sanft ins andere Bett dirigiert.
Überlegte, ob ich noch rhetorisch oder einfach unumwunden körperliche
Nähe zu Rosi anbahnen bzw. suchen könne.
Es konnte doch nicht wahr sein: Das Glück lag nicht nur sprichwörtlich so
nah und doch bewegte sich nichts. Sollte es auch hier wieder eine schlaflose
Nacht geben? So sehr ich mich mental und verbal auch mühte, Rosi liebte wohl
mehr die Distanz... Womöglich war ich auch wieder zu forsch?
Das ungewisse, unentschiedene Hin und Her wurde schließlich beendet.
Rosis Freundin und Mitbewohnerin tauchte plötzlich auf und Sie legte
sich zu ihr. Da ein Zweier jetzt wohl passé war, brachte ich einen
Sex-Dreier ins Gespräch. Es wurde darüber nur geredet und zerredet, aber
noch mehr gelacht - aus der Traum für diese Nacht!
Es gab noch einige Treffs mit Rosi. War nach wie vor riesig verknallt
in sie. Tagelang hielten sich der Wunsch bei ihr zu bleiben oder - wie
langfristig geplant und vorbereitet, mit Peter weiter nach KALKUTTA/Indien
zu fahren - die Waage.
Als schließlich unser Käfer die Werkstatt verließ und ich mich entscheiden
mußte, fuhr ich schweren Herzens mit. Auch der Wettergott schien meinen
Abschiedsschmerz auszudrücken: Es regnete kräftig und der Himmel war mit
großen Wolken verhangen. Alles wirkte grau und trostlos, als wir Stuttgart wieder verließen.
Rosi bekam noch einen Wangenkuß und den damaligen Plattenrenner,
MAXI-Vorläufer und Melancholie-Song 'Geh nicht vorbei...' (Interpret
Christian Anders) von mir geschenkt: 'Wo ich auch bin, seh ich dein Bild
vor mir"...

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Harry Schloßmacher).
Der Beitrag wurde von Harry Schloßmacher auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.08.2026.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
Harry Schloßmacher als Lieblingsautor markieren
Baader-Meinhof [...] (eBook)
von Huberti Jentsch
Hubertus Jentsch präsentiert sein Buch "Baader-Meinhof - Täter, Sympathisanten, Opfer und Andere aus der Personenanalyse und Karmabetrachtung mit den
Hubertus-Systemen" als gratis Version zum Online-Lesen.
Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!
Vorheriger Titel Nächster Titel
Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:
Diesen Beitrag empfehlen: