Harry Schloßmacher

AUGE UM AUGE, NACHT UM NACHT...///Kapitel 1 – Die kaputte Ehe

 

Ein Krimidrama mit Thriller-Elementen und etwas Erotik

 

 


Ralf war ein Mann, dem das Leben lange Zeit alles gegeben hatte, was er sich wünschte.

Er war reich, erfolgreich und gewohnt, dass sich Türen öffneten, sobald er auf sie zuging. Als Immobilienmakler hatte er ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet. Sein größter Besitz aber war das alte Schloss, das er vor Jahren erworben und teilweise modernisiert hatte.

Ein weitläufiger Park umgab das Gebäude. Hinter den alten Mauern lagen zahlreiche Zimmer, lange Flure und Gewölbe, die noch aus einer Zeit stammten, in der man Schlösser nicht nur bewohnte, sondern gegen die Außenwelt abschottete.



Ralf liebte diesen Besitz.

Und die Frauen liebten offenbar Ralf.

Nur seine Ehe mit Simone war längst zerbrochen.

Nach außen allerdings funktionierte sie noch.

Zumindest manchmal.



An diesem Morgen fuhr Simone ihre fünfjährige Tochter Marly zum Kindergarten.

Das blonde Mädchen saß auf der Rückbank und sang leise vor sich hin.

Vor dem Kindergarten stieg es aus.

„Tschüs, Mami!“

„Bis Mittag, mein Schatz. Und spiel schön.“

„Mach ich!“

Marly winkte noch einmal und verschwand durch die Eingangstür.

Simone blieb einen Augenblick im Wagen sitzen.

Sie sah ihrer Tochter nach.

Marly war das Einzige, was in ihrem Leben noch vollkommen unbeschädigt schien.



Dann startete sie den Motor und fuhr zu Doris.

Doris besaß einen gutgehenden Kosmetiksalon und war eine von Simones engsten Freundinnen.

„Na, meine Liebe!“, begrüßte sie Simone mit zwei Küsschen. „Du siehst doch wieder blendend aus.“

Simone lächelte matt.

„Das ist nett von dir.“

Doris musterte sie.

„Aber glücklich siehst du nicht aus.“

„Bin ich auch nicht.“



„Ralf?“

Simone nickte.

„Wer sonst?“

Doris ging um sie herum, als wolle sie ihr Gesicht genauer untersuchen.

„Also, verkaufen kann ich dir heute nichts.“

„Warum?“

„Weil du eigentlich nichts brauchst.“

Simone setzte sich.

„Ich wünschte, Ralf würde das auch einmal sagen.“



Doris schwieg.

„Manchmal“, sagte sie schließlich, „merkt ein Mann erst dann, was er hatte, wenn es nicht mehr da ist.“

Simone sah sie fragend an.

„Was soll das heißen?“

Doris lächelte.

„Nichts. Komm. Wir trinken Kaffee.“



Einige Wochen später veranstalteten Ralf und Simone wieder eines ihrer berühmten Sommerfeste.

Über hundert Gäste bevölkerten das Schloss und den Park.

Lampions schwebten zwischen den Bäumen. Fackeln brannten entlang der Wege. Kerzen standen auf Tischen und Mauern. Musik drang aus dem Schloss in die warme Sommernacht.

Menschen tanzten, lachten und tranken.

Ralf bewegte sich souverän durch die Gesellschaft.

Er war Gastgeber, Geschäftsmann und Mittelpunkt zugleich.

Simone beobachtete ihn aus einiger Entfernung.



Doris trat neben sie.

„Ich kann dich wirklich beneiden.“

„Worum?“

„Um alles. Dieses Schloss. Das Geld. Ralf. Und dann noch Marly.“

Simone sah sie an.

„Du beneidest mich?“

„Natürlich.“

„Du kennst nur die Fassade.“

Doris schwieg.



In diesem Moment kam Rudi zu ihnen.

„Simone! Du kannst doch nicht den ganzen Abend herumstehen.“

„Warum nicht?“

„Weil du mit mir tanzen musst.“

Simone lachte.

„Das ist eine überzeugende Begründung.“

Rudi nahm ihre Hand.

„Siehst du? Ich wusste, dass du vernünftig bist.“



Die beiden gingen zur Tanzfläche.

Doris blieb zurück.

Sie sah ihnen nach.

Lange.

Sehr lange.



Gegen Mitternacht kam Elke auf Simone zu.

Sie wirkte ungewöhnlich aufgeregt.

„Komm schnell.“

„Was ist?“

„Ich muss dir etwas zeigen.“

„Was denn?“

Elke zögerte.

„Vielleicht ist es besser, wenn du Ralf nicht siehst.“



Simone wurde plötzlich ernst.

„Jetzt erst recht.“

„Ich habe dich gewarnt.“

„Dann zeig es mir.“

Etwa dreißig Gäste schlossen sich ihnen an.

Sie gingen hinaus in den Park.

Fackeln wurden entzündet.

Dann blieb Simone stehen.

Vor ihr lagen Ralf und Doris im Gras.

Eng umschlungen.



Für einen Augenblick schien die ganze Welt stillzustehen.

Dann sagte Simone:

„Das ... ist doch nicht wahr.“

Niemand antwortete.

Ralf richtete sich auf.

„Simone, hör mir zu ...“

Sie hob die Hand.

„Nein.“



Ihre Stimme war erstaunlich ruhig.

„Darf ich vorstellen?“, sagte sie zu den Umstehenden. „Doris, meine beste Freundin.“

Ein bitteres Lächeln.

„Und mein Göttergatte.“

Doris bedeckte sich hastig.

„Simone ...“

„Du hast mich um meinen Mann beneidet.“

Simone nahm eine brennende Kerze.

„Jetzt weiß ich wenigstens, warum.“

Sie ließ heißes Wachs auf Ralfs Rücken tropfen.



Er schrie auf.

Doris fuhr herum.

„Bist du wahnsinnig?“

Simone schleuderte die Kerze zur Seite.

„Vielleicht.“



Doris starrte sie an.

„Diese Demütigung wirst du mir büßen.“

Simone erwiderte ihren Blick.

„Ich werde auf diesen Tag warten.“

Doris' Stimme wurde leise.

„Das solltest du.“

 


Niemand ahnte, dass dieser Satz mehr als eine bloße Drohung sein würde.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.08.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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