Artur Hüttemann

Der Streit vor der Zapfsäule

Der georgische Kalender verwies auf das Jahr 2026 hin, als der freischaffende Künstler Bernhard Hausmann, nachstehend kurz bei seinem Rufnamen Benni genannt, sich mit seiner Ehefrau Irmgard, nachstehend kurz Irma genannt, zu einer Urlaubsreise in die Höhen des Davoser Landwassertals aufmachte, und dabei fünf auf Leinwand gespannte Gemälde mit den leicht verkäuflichen Maßen von 40x50 cm, und vergoldeten Rahmen sorgsam unter eine Wolldecke versteckt, auf den Weg zur Deutsch-Schweizer Grenzgebiet aufmachten.

 

Dort am frühen Vormittag mit ihrem eleganten Mercedes 300 angekommen, kamen die Schweizer Zollbeamten spontan auf die beiden Ausreisewilligen zu, um diese nach dem Grund ihrer Einreise zu befragen, ob sich eventuell zollpflichtige Artikel an Bord befinden würden.

 

Benni, der schon öfters die fraglichen Recherchen von Zoll-beamten an der Deutsch-Tschechischen Grenze erlebt hatte, kurbelte beim Erscheinen der Zollbeamten das seitliche Wagenfester halb herunter und täuschte einen akuten Hustenanfall mit dem gleichzeitigen Hinweis dem diensthabenden Beamten vor, anlässlich eines Kuraufenthaltes in der Höhenluft des Schweizer Hochgebirges, um dort in einer entsprechenden Lungenheilstätte Heiluing von seinem Lungenleiden zu erfahren.

 

Ohe Weiteres zu hinterfragen, erlaubte der Beamte die spontane Grenzüberschreitung und schnelle Weiterfahrt, weil er wohl Angst hatte, sich eventuell selbst anzustecken.

 

Dieser von den beiden Hausmann gewünschten Aufforderung kam Benni unverzüglich nach, und freudigen Herzens über den gelungenen Lausbubenstreich, setzten sie ihre Reise in die an diesem Tag vollkommen sonnige Region Graubündens fort.

 

Dort am frühen Nachmittag angekommen, schlugen sie ihre Zelte in dem schon Tage zuvor tele-fonisch reservierten Hotel Bel weder auf, und begaben sich noch am Morgen des folgenden Tages mit den mitgeführten Gemälden in die Davoser Cafeterien Schneider und Café Weber, um dort Bennis Gemälde zum Erwerb anzubieten.

 

Kaum zu glauben, aber wahr, noch innerhalb weniger Minuten waren in beiden Cafeterien jeweils mehr als fünf Gemälde bestellt, und die vorgestellten Gemälde einzeln veräußert; jetzt konnte der heiß ersehnte Urlaub beginnen.

 

Nach etwa 2o Tagen schön erlebter Wanderungen auf Fußmärschen nach Arosa und Bergün, begaben sie die Beiden wieder in die heimatlichen Gefilde zurück, und überquerten die Schweiz-Deutschen Staatsgrenze ohne besondere Schwierigkeiten.

 

In Bern tankte Benni noch einmal ausreichend Kraftstoff für die Heimfahrt, mit dem er allerdings gerade noch bis zur altbewährten Michelstädter Opel-Tankstelle kommen sollte, doch als Benni dort das für 80 EURO getankte Benzin mittels Bank Card begleichen wollte, wurde seitens des dort beschäftigten Tankwarts ein Zahlungsausgleich in bar gefordert, was von Benni allerdings strikt abgelehnt wurde.

 

„Mein lieber Mann „, sagte darauf der Tankwart, „dann sollen Polizeibeamten die offensichtlich strittige Angelegenheit klären!“

 

Wie auf Kommando erschien ein Polizist und hinterfragte das Problem.

 

Nachdem der Tankwart seinen Unmut begründet hatte, überprüfte der Beamte den angesagten Tankinhaltmittels einer Sonde, und ließ sich Wageninhalt und Bennis Papiere sowie seinen Börseninhalt zeigen.

 

„Ja, werter Herr Hausmann, Sie müssen sich wohl mittels Blech-kanister den Sprit für Ihren Wagen an anderer Stelle besorgen, ich selbst kann Ihnen an dieser Stelle nicht helfen!“

 

Was also blieb Benni sonst möglich, als den relativ schweren Blechkanister zu seinem Freund Werner Brauin in die Bahnhofstraße zu tragen, um sich von diesem 10 Liter Benzin zu beschaffen?

 

Als Benni Werners Wohnstatt besuchte, fand er dort nur Helga, Werners Ehefrau, die ihn allerdings mit einem freundschaftlichen Wangenkuss begrüßte verbunden mit den Worten:

„Werner ist momentan nicht hier, er ist drüben in der Druckerei!“

 

Auf Bennis Bitte hin, überlies Helga ihm 10 Liter Benzin, den Benni ihr spontan in bar mit dem Restgeld seiner Geldbörse bezahlte.

 

In der Tankstelle wieder an-gekommen, erlebte Benni eine neue Überraschung.

 

Der Beamte bestand darauf, zu sehen, wie Benni mit welcher Sicherheit den mitgebrachten Kraftstoff in den Benzintag seines Wagens füllen würde.

 

„Das reicht mir allerdings“, sage Benni zu sich selber, „liebe Irma. jetzt lassen wir aller Dinge zum Trotz gut sein, und begeben uns nachhause!“

 

© 29.08.2026

Artur von Zell

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