Manfred H. Freude

FISCHER IM DUNST

Ein Fischer im Dunst,

Wie so oft saß er grübelnd im Dunst einer Wolke
und träumte davon das er noch jung war.

Seine Gedanken waren weit weg,
weit, so weit und so ruhig wie das Meer das vor ihm lag.
Und er glaubte schon, Tage in seinem Kahn zu sitzen, mit seiner Angel,
und was er sah, war nur die Schnur, und das glatte Meer,
auf dem die Sonne spiegelte.
Und in diesem Spiegel sah er sein Bild.
Ach wie schön er doch war, wie groß, und wie gebildet er doch wirkte.

Wenn das nur der Junge sehen könnte,
aber Ernst, so hieß der Junge (wie Hemingway), den hatte er ja an Land gelassen.
Wenn der Junge nur bei ihm wäre, dann könnte der ihm helfen den großen
Fisch ins Boot zu ziehen.
Diesen riesengroßen Merlan, ein Prachtexemplar.

Die Hände schmerzen ihm schon. Keiner konnte ihm sagen wie lange er hier schon saß.
Tage, Stunden, Minuten?
Er seufzte einen Augenblick, denn eigentlich waren es wie immer nur wenige Minuten,
und die Hände schmerzten,
weil er so da saß, wie immer,
vorgebeugt
und seinen Kopf, genauer sein Kinn, in beide Hände gestützt.
Seine Arme stützten sich mit den Ellbögen auf die Knie, die Beine waren leicht gespreizt,
und der Blick nach vorne. Weit nach vorne, bis an den Horizont.

Und doch glaubte er die Angel zu halten, die Schnur zu sehen, und das weite,
silbern schimmernde Meer.
Und am Ende der Schnur hing der große Merlan.

So musste es sein, so war es, bis er plötzlich Stimmen hörte.
Auf dem Meer? Stimmen, das konnte nicht sein.
Und auch den Jungen hatte er an Land gelassen, der war sicher jetzt in der Schule.
Er schaute auf die Uhr und erschrak. Scheiße.
Er stand auf, betätigte die Klospülung, zog seine Hose hoch.
Als er die Tür, in den Flur, öffnete, kam sein Vorgesetzter:
„Herr Fischer bitte die Akte Meyer gleich auf meinen Schreibtisch.“
Ach, wenn er doch nur wieder ans Meer käme, das Meer riechen,
es riecht nach Fisch. ..heute gibt’s Fisch, noch zwei Wochen, dann gibt´s wieder Urlaub.



Aachen 12.04.2003


************************* Autoreninfo *****************************
Manfred Hubert Freude (* geb. am 02.04.1948 in Aachen NRW)
Kunst-, Musik- und Lyrikinteressiert, diverse Gedichte (auch in Mundart Aachener Platt)
Die Liebe zu seiner Heimatstadt in zahlreichen Gedichten , er lebt seit 1948 in Aachen.
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Gedichte Edition. Manfred H. Freude, geboren in Aachen, lebt und arbeitet in Aachen. Erste Gedichte 1968. Er debütierte 2005 mit seinem Gedichtband: Alles Gedichte – Keine Genichte. Weitere Gedichte und Essays in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften; Prosa und Lyrik im Rundfunk und in weiteren sechs Gedichtbänden. 2007 wurde eines seiner Dramen mit dem Titel: Im Spiegel der Ideale aufgeführt; 2008 sein Vorspiel zum Theaterstück: Faust-Arbeitswelten. Sein letzter Gedichtband heißt: Vom Hörensagen und Draufsätzen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. Er studiert an der RWTH Aachen Literatur, Kunst und Philosophie.

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