Bis das der TÜV uns scheidet
Hallo Roland, heute muss ich Dir endlich einmal für alles danken. Du kannst unbesorgt sein . Ich habe nicht vor, mich von dir zutrennen, obwohl du in die Jahre gekommen bist. Du spurst halt nicht mehr so wie früher. Aber das ist mir total egal. Du wirst für mich immer
besonders sein. Schließlich warst Du bisher immer zuverlässig. Nie hast Du herumgezickt, nie hattest Du Macken. Am Morgen hast Du geduldig meine Schlechte Laune ertragen, meinen verkleckerten Kaffee ignoriert und meine mit Flüchen begleiteten Schminkversuche während der Fahrt. Du bist halt ein wahrer Löwe: gelassen und charmant.
Wenn ich an unsere erste Begegnung denke, dann zaubert das immer noch ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich war so jung und unbedarft, ließ mir alles Mögliche einreden. Deshalb ging es gar nicht um Dich. Aber als ich Dich so dastehen sah, in all Deiner Pracht, stolz und ein bisschen unnahbar, war ich rettungslos verloren. Es war Magie, vom ersten Augenblick an. Ich ging langsam auf Dich zu, verschlang Dich mit den Augen. Genoss Deine Schönheit und die sinnlichen Kurven. Wie ein Schock kam die Gewissheit über mich: Entweder Du oder keiner. Was folgte war nicht leicht. Man versuchte, uns auseinanderzubringen, aber ich gab nicht auf. Nach langem, zähem Ringen bekam ich schließlich meinen ersten Kredit bewilligt und war somit stolze Besitzerin eines Cabrios.
Roland, sollten Rost, Korrosion und Motorschaden und doch einmal trennen, werde ich Dich niemals vergessen.
Nackt am Fenster
Hi Fremder,
es ist für mich leichter Dir zu schreiben, als den Leuten, die ich kenne. Es ist manchmal voll peinlich, ihnen persönliche Sachen mitzuteilen. Warum ist das eigentlich so? Keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil es oft ätzende Sachen sind. Nichts Nettes, weißt Du.
Zum Beispiel, dass meine Schwester eine doofe Kuh ist. Dass sie mir Luc ausgespannt hat. Ich habe sie mit ihm knutschen sehen! Er hat ihr seine Zunge reingesteckt, obwohl sie ein Jahr jünger ist als ich. Was für ein Schwachmat.
Oder, dass meine Mutter so unheimlich schlecht kochen kann. Ich bin jedes Mal froh, wenn sie eine Dose Ravioli aufmacht. Das Zeug schmeckt besser, als das, was sie selbst kocht. Ja gut – wie soll sie das auch gelernt haben. Sie hat sich in ihrer Jugend von Pommes, Burgern und Pizza ernährt. Jedenfalls erzählt sie das und findet es auch noch gut. Übrigens: Wenn ich ihre Figur sehe, glaube ich ihr das sofort.
Siehst Du, wen soll ich sowas erzählen?
Ich stelle mir vor, dass Du ein total gutaussehender Typ bist. So wie Chris Hemsworth. Auf den fahre ich voll ab. Und ich glaube, dass Du nicht nur sensationell küssen kannst, sondern auch noch zuhören und mich verstehst können drauf hast. Oder ist das zu viel verlangt? Was wäre, wenn ich dir erzähle, dass ich manchmal Sachen mitgehen lasse? Nicht besonders wertvolle Dinge. Auf den Wert kommt es nicht an, sondern auf das Kribbeln. Der Reiz des Verbotenen ist das wohl. Genauso, wie ich mir manchmal ausmale, wie es wäre, wenn Du und ich in der Umkleide bei H&M Sex hätten. Würde Dich der Gedanke auch anmachen? Ich glaube schon.
Manchmal stelle ich mich nachts nackt ans Fenster und schaue auf die dunkle Straße. Dann meine ich, Deinen Schatten zu sehen. Du stehst bewegungslos unten und schaust zu mir hoch. Und dann stelle ich mir vor, Du wärst meine große Liebe …. Gibt es sie wirklich?
Lieber Paul,
es ist schön, dass es Dich gibt, danke dafür. Als wir uns kennenlernten, befand ich mich in einer tiefen seelischen Krise, denn ich war sehr allein. War es wirklich ein Zufall, dass ich dich spät abends auf der Parkbank fand? Alles um uns herum war menschenleer. Du wirktest so verloren, ganz genauso, wie ich mich fühlte. Deshalb konnte ich dich in dieser kalten und finsteren Nacht nicht allein dort zurücklassen. Ich hob dich auf und drückte mich dich fest an mich. Fast schien es mir, als würdest du friedlich weiterschlafen, obwohl deine kleinen schwarzen Konpfaugen mich aufmerksam musterten. Dann fuhrst du mit der Zunge vorsichtig über meine Hände, dann schienst du Vertrauen gefasst zu haben und sabbertest mich ganz schrecklich ab. Das entsetzte und entzückte mich gleichermaßen.
Seitdem teilst du den Alltag mit mir. Du liegst neben mir im Sessel, wenn ich lese, träume oder in Erinnerungen versunken bin. Oder du wärst dich vor dem Kamin, wie gerade jetzt. Des Nachts kuschelst du dich neben mich in die Kissen. In den letzten Monaten habe ich dir alles erzählt, was mich beschäftigt. Du bist stets ein guter Zuhörer. Ich kann es nicht anders sagen: wir lieben uns, tun uns gegenseitig gut. Heute Morgen ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, warum ich dich Paul nenne. Wie soll ich es dir erklären, wo ich es ja fast selbst nicht begreife: Zur Zeit geht es mir gut, weil es dich gibt.
Jetzt hör mir bitte gut zu, denn es ist wichtig: Ich werde morgen einen alten Freund anrufen. Er heißt genau wie du. Bestimmt lernst du ihn bald kennen, jedenfalls, wenn alles gut geht. Ich würde es mir sehr wünschen.
In deinen Augen lese ich eine Frage:
„Und was dann?“, willst du wissen. Darauf kann ich dir noch keine Antwort geben. Doch egal was geschieht, in meinem Herzen wirst du immer die erste Stelle einnehmen.
Ich hab dich lieb
An meinen Schwarm
Verehrter Mister Darcy, lieber Fitzwilliam.
Schon als sehr junges Mädchen bin ich Ihnen begegnet. Sie haben mich damals außerordentlich beeindruckt. Nein, beeindruckt, das ist nicht das richtige Wort. Vielmehr schwärmte ich für Sie. Mein Herz flog Ihnen gerade entgegen, denn Sie bezauberten mich ganz und gar. Meine Fantasie verlor sich zwischen den Zeilen, die Ihre Gedanken darstellten.
Wie gut konnte ich Sie verstehen. Ich litt mit Ihnen, empfand wie Sie die Glut der Gefühle, die Sie Elisabeth entgegenbrachten. Stolz und Vorurteil trennten sie beiden, wurden zu einer Mauer, die sich nicht durch die Liebe überwinden ließ. Die Nacht wurde mir zum Tag, denn ich konnte mich nicht losreißen, erlitt mit Ihnen und Ihrer großen Liebe Intrigen, Irrungen und Wirrungen. Das Herz klopfte mir bis zum Hals, als der Morgen graute und zwei unruhige Herzen in seinem Dämmerlicht zueinanderfanden.
‚Rastlos wandern Füße querfeldein, über Wiesen und weite Felder – allein bis am Horizont die Sonne aufgeht, sie sich begegnen und die ganze Liebe im Morgenlicht ihrer Augen steht.‘
Das war der Moment, der mir die Tränen des Glücks in die Augen trieb, den ich über alles liebte und noch immer liebe.
So waren Sie der Schwarm meiner Mädchenjahre. Doch habe ich mir die lieben Gefühle für Sie seither bewahrt. Auch jetzt noch, wenn mein Herz sich nach großen Gefühlen und romantischer Zärtlichkeit sehnt, tauche ich ab. Bleibe wie damals für eine Nacht in Ihrer Welt, die mich still umarmt, mich wärmt und mir die Sehnsucht stillt.
Auf bald, mein Held, wir sehen uns immer wieder.
Ihre heimliche Verehrerin
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.10.2026.
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