Joana Angelides

Ein Denkmal muß her!

Anläßlich des letzten Frühschoppen beim Kirchenwirt, stellte irgendeiner zwischen zwei Krügerln Bier, die Frage:


„Was soll denn mit dem großen freien Platz vor dem Rathaus geschehen?“

Alle waren sich einig, auf diesem freien Platz vor dem Rathaus soll eine Skulptur aufgestellt werden.
Damit begann aber auch schon das Dilemma!

Was soll sie darstellen?

Nach einigem Vorschlägen, die zwischen einem Denkmal für den Bürgermeister (der Vorschlag kam von demselben und wurde lallend vorgetragen), dem Stadtheiligen und einer öffentlichen Bedürfnisanstalt lagen, wurde eine Nachdenkpause bis zum nächsten Sonntag verordnet.

Schon vor dem Kirchgang am darauffolgenden Sonntag gab es heftige Diskussionen, wobei mit dem Armen kräftig herumgefuchtelt wurde.

Nach Stürmung des Kirchenwirts nach der Messe wurde die Debatte fortgesetzt.

Der Vorschlag des Bürgermeisters wurde glatt vom Tisch gewischt, besonders von der Opposition, denn man erwartete nach der Wahl ja einen Anderen auf seinem Sessel und Skulpturen konnte man ja schließlich nicht austauschen wie Türtaferln.

Der Vorschlag des Landarztes, Hypokrates in Stein zu meißeln und aufzustellen scheiterte daran, daß den außer dem Arzt und dem Apotheker, niemand näher kannte und er außerdem niemals Bürger dieser Stadt war.

Der Betreiber des einzigen Kinos der Stadt und gleichzeitig Besitzer des „Etablissement“ für individuelle Entfaltung, außerhalb derselben, meinte es würde eine Auflockerung des Stadtbildes ergeben, wenn man Madame de Pompadour in Stein gemeißelt aufstellen würde. Man könnte ja eine Bank rundherum montieren, damit man sich sozusagen im Schatten der Dame seinen Fantasien hingeben könnte.
Dieser Vorschlag wurde mit Seitenblick auf vorhersehbar entstehende Debatten beim Frühstückstisch und darüber hinaus, mit Ehefrau und Schwiegermutter, ebenfalls gestrichen.

Der Lehrer meinte, man konnte Archimedes aufstellen. Aber da das wieder so einer war, den keiner kannte und der ebenfalls nie Bürger der Stadt war, war auch dieser Vorschlag nicht von Bedeutung.
Der Vorschlag des Pfarrer, den Heiligen Nepomuk aufzustellen, wurde abgelehnt, der war schon in der Kirche zu bewundern.

Schließlich beauftragte man einen Künstler aus der Hauptstadt, einige Vorschläge zu machen.
Man könnte ja so ein Mahnmal aufstellen, das alle mahnt...... Ja, woran?

Die ersten Entwürfe wurden im Rathaus ausgestellt und von den Bürgern begutachtet.

Der Elternausschuß vom Lehrerverein schrieb in das aufliegende „Buch zur Bewertung der Vorschläge“:

Das Modell Nr. 1 erinnert an eine Karotte, abgelehnt.
Das Modell Nr. 2 erinnert an eine Rakete, aus Friedens erhaltenden Gründen, abgelehnt.
Das Modell Nr. 3 erinnert an einen Mann mit Magenkrämpfen, abgelehnt.

Der Frauenverein schrieb lediglich:
Alle drei Modelle stellen ein Phallus-Symbol dar und typisch den Gehirnen der Männer entsprungen, abgelehnt.


Der Huber-Bauer wollte in den Skulpturen einen Eiszapfen, eine Ordensfau und sich selbst erkennen, abgelehnt.

Der Pfarrer schrieb in das Buch
„Herr vergebe Ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!“, abgelehnt.

Dem Bürgermeister erschienen die Skulpturen zu halbfertig, er wollte verschiedenes besser heraus gemeißelt sehen, wobei er sich in Modell 3 durchaus wieder erkannte.

Nach heftigen Debatten beim Frühschoppen und anläßlich der Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, aus dem freien Platz einen Parkplatz zu machen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen.



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.02.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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