Miriam Bashabsheh

Der Kirschbaum

Langsam ging Julie den Korridor im vierten Stockwerk entlang. Die Sonne knallte heiß in das große Fenster. Noch zehn Minuten bis zur großen Pause. Die dreistündige Englischklausur hatte sie geschafft und erst recht bei der Hitze. Sie ging runter, kaufte sich eine kalte Apfelschorle und setzte sich großen Trauerweide. Sie ließ sich die Fragen der Klausur noch mal durch den Kopf gehen, eigentlich hatte sie ein ganz gutes Gefühl. Hoffentlich trügt ihr Gefühl sie nicht wieder mal einmal wie so oft!
„Hey Julie!", hört sie die Stimme ihres besten Freundes Noah über den Schulhof rufen. „Na du Verrückter!",begrüßte Julie ihn und rutschte ein Stück, um ihm Platz zu machen. „Wie war denn deine Englischklausur?", erkundigte er sich und setzte sich neben sie. Ein Hauch von seinem Parfüm oder After Shave streifte Julies Nase und sie nahm den vertrauten Geruch danken auf.
Sogar im Sitzen war er einen ganzen Kopf größer als sie. Seine feinen, blonden Haare, die bis zu den Ohren reichten, hatte er mit etwas Gel gebändigt. „Du hast mal wieder deine Haare ein geschleimt...", bemerkte Julie und fasste mit den Fingern auf die gel-harten Haarsträhnen. Er zog sein Kopf schnell weg und hielt sie am Arm fest. „Bist du verrückt? Du ruinierst meine Frisur!", beschwerte er sich lachend und schaute Julie mit seinen klaren blauen Augen direkt an. Sie erwiderte den Blick, aber konnte ihn nicht lange stand halten, als sie merkte wie ihr Herz ein Tick höher schlug. Sie zog ihren Arm aus seiner Hand und rückte ein Stück von ihm weg. „Hab ich dir weh getan?", fragte er schnell und ernsthaft. „Quatsch!!", erwiderte sie und schaute ihn wieder mit einem Lächeln an. Ein Lächeln, das sie sich angewöhnt hatte, für Fälle in denen sie nicht zeigen wollte was sie wirklich dachte!! „Also Englisch war ganz gut......hab ich jedenfalls das Gefühl!", wechselte sie schnell das Thema, „wie war Deutsch?" Sie redeten noch ein Moment über ihre gerade hinter sich gebrachten Klausuren, bis es zur Pause klingelte. „Ich muss los.....du weisst ja....", er lächelte sie an und stand auf, „ ach so was ist jetzt eigentlich mit heute abend? Kommst du vorbei wegen Geschi?" Julie überlegte ein kurzen Moment und stimmte zu. Im nächsten Augenblick bereute sie ihre Entscheidung. Sie sah ihm nach und konnte ein kleines Schmunzeln nicht unterdrücken. Er hatte eine süße und eigenartige Gangart. Und dazu auch noch seine weiten Baggyhosen. Sie würde ihn unter Tausenden wieder erkennen!!!
„Hi", jemand setzte sich neben sie und sie wandte geschwind ihren Blick von Noah ab. „Hallo Ben", sagte sie erstaunt, als sie ihn neben sich auf der Bank vor fand. Ben war einer diese Sonnyboys, die auf jeder Schule mindestens einmal zu finden sind. Er hatte dieses Lächeln, das ihn Julies Meinung nach so unwiderstehlich machte. Außerdem hatte er eine Sportlerfigur, breite Schultern, schlanke Taille und so weiter...und dazu kam noch dass er ganz gut aussah. Gut aussehen hieß für Julie in diesem Fall: dunkelblaue Augen, hellbraune Haare, süßes Lächeln. Anscheinend fanden dies viele Mädchen..... auch sie war einmal in Ben verknallt gewesen. Er aber offensichtlich nicht in sie! Na ja sie waren mal zusammen in einem Projekt an der Schule gewesen. Er war nicht besonders nett zu ihr gewesen. Das war jetzt fast ein halbes Jahr her.
„Na wie geht‘s dir denn so?", fragte Ben freundlich und rückte ein Stück näher an sie. Sie verstand nicht was da gerade ablief. Ben, der Typ, der sie nicht mal mit seinen vier Buchstaben ansah, als sie zusammen in dem Projekt waren, sass neben ihr-dicht neben ihr!!!- und fragte sie wie es ihr geht! „Hast du niemand mit dem du reden kannst oder warum redest du mit mir?", wollte Julie skeptisch von ihm wissen. Sie musterte ihn genau aus dem Augenwinkel. Ben sah sie entrüstet an: „Warum soll ich nicht mit dir reden...." Oh mein Gott was ging hier vor? Hatte sie ein schlechten Traum oder schon Halluzinationen von der Hitze?? Oder hatte er ein Hitzeschlag??
Dieser Kerl führt irgendetwas im Schilde. Warum sollte er sonst nett zu mir sein??, dachte sie bei sich und überlegte, wie sie so schnell wie möglich aus dieser Situation wieder raus kam.
„Mir geht‘s ganz gut....ich muss jetzt leider gehen...da drüben kommen meine Freundinnen...", sie stand auf und schaute ihn noch mal an. Er lächelte sie an. Kein dreckiges, gemeines Lächeln. Nein....ein nettes, süßes, unwiderstehliches Lächeln!! „Okay wir sehen uns ja...", verabschiedete er sich noch höflich, bevor sie endgültig die Flucht ergriff. Was war denn das???
„Leute, ihr werdet nie glauben was mir eben passiert ist...ich hatte eine Begegnung mit der dritten Art!", eröffnete Julie ihren Freundinnen Ellen und Noemi. „Mit Ben??", hackte Noemi nach und schaute sie mit einem breiten Grinsen an, „was hat er denn gesagt??" „Der kam einfach zu mir und hat sich neben mich gepflanzt, als Noah zu seiner Angebeteten gedackelt ist!", erzählte sie immer noch verwundert von dem eben Geschehenem. „Erstens hat er mich gefragt wie es mir geht...und zweitens hat er gesagt wir sehen uns....", Julie fuchtelte wild mit den Händen in der Luft rum beim Erzählen, „der führt was im Schilde!" „So ein Müll.....du hast voll Verfolgungswahn, weißt du das? Vielleicht hat er sich erst jetzt getraut dich mal an zu sprechen, weil du grad alleine warst...", entgegnete ihr Ellen bestimmt. Julie warf ihr ein ungläubigen Blick zu, der Bände sprach. „Aber ich hab doch schon mal gesagt, dass er dich in letzter Zeit sehr oft heimlich beobachtet!", fügte sie noch flüsternd hinzu, um ihre Meinung mit fester Überzeugung zu vertreten. „Denkt was ihr wollt...ich werde mich jedenfalls vor ihm hüten....", beschloss sie und wechselte das Thema.

Scheiße auch noch ein Platten!!!! Julie war sowieso schon spät dran. Sie wollte schon fast vor einer viertel Stunde bei Noah sein. Durch eine Diskussion zu Hause, an der sie unbedingt teilnehmen mußte, hatte sie aufgehalten. Julie fummelte schnell die Luftpumpe aus ihrem Rucksack und pumpte nur das Nötigste in den Reifen. Sie mochte es nicht, wenn sie zu spät war. Es war etwas kühler geworden, durch den frischen Wind der inzwischen wehte. Sie spürte die kalte Brise auf ihrer frischgeduschten Haut, zog ihre schwarze Strickjacke über und schwang sich auf ihr Fahrrad.
Sie stoppte an Hausnummer 34. Es war ein schönes, großes Haus. Zweistöckig, einen Garagenanbau, einen „kleinen" Garten mit einem großen Kirschbaum in der Mitte, der viel Schatten und Kirschen spendete. „Hallo Julie", begrüßte Noah sie, „wo bleibst du denn? Wir haben auf dich gewartet...!" „Wer ist wir?", fragte sie nach und betrat den Flur, „redest du jetzt schon in der Mehrzahl von dir?" Beide lachten und er legte den Arm um sie. „Nein...Lisa ist hier!", flüsterte er Julie ins Ohr, „du hast doch nix dagegen....!" Eine Sekunde lang hasste sie ihn und sie.
Doch im nächsten Moment hatte sie ihr „Bloß-nichts-anmerken-lassen-Lächeln" aufgesetzt. „Nein...kein Problem.....solange du mir nur erklärst was das mit der blöden Industriellen Revolution auf sich hatte, ist alles klärchen...", sie hoffte sie klang glaubwürdig. Denn ihrer Stimme konnte man ein kleines Zittern entnehmen. Aber er bemerkte es nicht einmal. Na ja damit hatte sie gelernt sich ab zu finden. Sie gingen auf die Terrasse und Julie begrüßte Lisa, die Angebetet ihres besten Freundes. Sie hatte nichts gegen Lisa .
Doch seit einem geraumen Zeitraum merkte sie, wie sehr es an ihr nagte, dass er anscheinend verliebt war in sie. Natürlich war sie eifersüchtig, er war ja schließlich ihr „Freund". Seit gut einem Jahr war sie die Nummer eins. Alles machten sie gemeinsam. Eigentlich komisch, da sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht sehr lange kannten. Sie haben sich nur auf Anhieb gut miteinander verstanden, als sie neu in den schon seit Jahren festen Klassenverband kam. Obwohl die Klassen angeblich neu zusammen gewürfelt wurden, kannten sich doch alle unter einander, nur Julie war neu. Und Noah war doch so nett um sich ihrer an zu nehmen. Es war eigentlich total komisch wie sie dazu gekommen sind, sich näher kennen zulernen. Julie erinnert sich als wäre es gestern:
„So und nun zieht jeder einen Namen", sagte Herr Hellwig, ihr damilger Englischlehrer, „mit dem den ihr gezogen habt, sollt ihr mir bis Freitag ein Referat halten. Of course in English and you can chose a theme!" Die Reihe durch sagte jeder der ein Zettel hatte, den Namen seines Partners. Der letzte in der Reihe war Noah und mein Name war noch nicht gefallen. „Julie", las er vor und es dongte zur Pause. Er lächelte sie verschmitzt an, was Julie sehr wunderte. Nun sie bereiteten sich für dieses Referat vor und verstanden sich ziemlich gut. Er war ein herzlicher und vor allem intelligenter Mensch, was auf den ersten Blick nicht so aussieht!

Sie fühlte sich etwas fehl am Platz, als sie so neben Noah sass, er sie aber kaum beachtete. Natürlich erklärte er ihr die Industrielle Revolution, denn was er versprach, hielt er auch.
„Ich hol‘ noch was zum Trinken!", erklärte Julie, als die beiden immer mehr zusammen rückten. Beide schauten kurz auf, teilten ihr mit was sie trinken möchten und wandten sich wieder einander zu. Sie stand seufzend auf und ging in die Küche. Sie kannte sich bestens aus in diesem Haus. Sie holte eine Flasche Cola und einen Eistee aus dem Kühlschrank. Sie versuchte so langsam wie möglich zu machen, um nicht gleich wieder raus zu müssen. Sie holte noch ein Tablett und ein paar Kekse aus dem Schrank über der Spülmaschine. „Warum brauchst du so lange?", fragte Noah und kam in die Küche, „sag mal hat Ben mit dir gesprochen?" Sie sah ihn entsetzt an. „Wieso??", fragte sie ihn neugierig und sah ihn erwartungsvoll an. „Er wollte mit dir sprechen....wegen des Sommerfestes!", meinte Noah und kam zu ihr und legte ihr wieder den Arm auf die Schulter, „er ist interessiert!" Er zog die Augenbrauen hoch und runter. „Verarsch mich nicht!!!!",entgegnete sie ihm schroff und schupste seinen Arm von ihrer Schulter, „du weißt, dass ich ihn gut finde...." Sie machte eine kleine Pause und setzte sich auf eine der Stühle am runden Küchentisch. „Du weißt genau wie er mich immer behandelt hat...auch bei der Projektarbeit...", fügte sie ernsthaft hinzu. Er kam zu ihr, setzte sich gegenüber von ihr auf den Stuhl und sagte ruhig und bestimmt: „Da kann ich nur eins sagen : Manche merken es nicht gleich, wer zu einem gehört, auch wenn sie genau vor seiner Nase sitzt!" Er sah sie direkt an. Sie musste schlucken, als er das sagte! Für ein Moment schien es ihr als setzte ihr Herzschlag für eine Sekunde aus. Sie wich seinem Blick aus und hoffte nicht rot geworden zu sein. Wie recht er doch hatte!!!
„Da hast du wohl recht!", sagte sie in einem Flüsterton und stand auf, „ich war ja sehr überrascht, als er plötzlich ankam und mich fragte wie‘s mir geht!" Sie wollte ihr Lächeln einsetzten, doch sie hatte das Gefühl diesmal würde sie es nicht hinkriegen. „ Ich hab da noch so eine kleine Überraschung für dich....", eröffnete er ihr und nahm das Tablett, „ich hoffe du drehst jetzt net durch...ich hab ihm gesagt er soll doch mal vorbeikommen...er wird so in zehn Minuten vorbeikommen.." Sie sah ihn entgeistert an. Sollte sie sich jetzt freuen? Irgendwas in ihrem Bauch freute sich....doch sie war der festen Überzeugung, dass das jedoch keine Schmetterlinge waren. „Ja..... ich seh‘ doch total bekloppt aus heute.....in meinen alten Jeans...", sie lief ins Bad und kämmte ihr schulterlangen, braunen Haare einmal kräftig durch. „Du siehst süß aus...wie immer!", sagte er zu ihr im Vorbeigehen, auf dem Weg auf die Terrasse, „mach dir keine Sorgen.." Hatte er eben süß gesagt??? Bevor sie sich noch mal über ihn aufregen konnte und sich bei ihm zu beschweren, klingelte es an der Tür. Es war weder Zeit um sich über sein Kommentar aufzuregen, noch sich geschmeichelt zu fühlen.
Das müsste Ben sein.....Ein kleines Kribbeln machte sich in ihr breit. „Gehst du mal!", rief Noah ihr von der Terrasse aus zu. Sie warf noch einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und eilte zur Tür.
„Hallo Ben", begrüßte sie ihn mit einem aufrichtigem herzlichen Lächeln, „komm doch rein...wir sind auf der Terrasse..." Er trat ein und ließ seinen keinen Moment aus den Augen: „Hi!" Im Vorbeigehen nahm sie seinen Geruch auf: ein behagliches Gemisch aus Shampoo und Parfüm. Langsam kam es wieder...das Gefühl für ihn!!!! Dieses „Ich-bin-so-verrückt-darauf-dich-kennen-zulernen-Gefühl"! „Möchtest du was trinken?", fragte Julie Ben und machte ein Schwenker in die Küche. „Ne Cola...vielleicht...danke", antwortete er und wollte ihr geade folgen. „Du kannst dich ja schon mal zu den andern setzten, ich komme gleich", sagte sie, ohne sich umzudrehen und hoffte dass sie einen Moment hatte um Luft zu holen. Er war so nett und freundlich zu ihr....sollte sie Noah glauben?? Natürlich...er würde sie nicht anlügen!!!! Doch was wenn Ben ihn angelogen hatte??? Nein, keine schlechten Gedanke!, befahl sie sich leise und nahm die Cola. Ben hatte sich ins Wohnzimmer auf die Couch gesetzt. „Willst du nicht raus zu den anderen?", wunderte sie sich und gab ihm die Cola. Er schüttelte den Kopf: „Setz sich doch neben mich ....ich beiße nicht..." Er lächelte sie verschmitzt an....dieses Lächeln war echt unwiderstehlich!!! Sie zögerte und setzte sich dann doch neben ihn. No Risk, No Fun! War das nicht immer das, was sie Ellen und Noemi riet. Warum hielt sie sich nicht dran!? „Wollen wir ein bisschen Musik hören?", fragte Julie nach einer Weile Schweigen zwischen ihnen. Er nickte, sichtlich erleichtert, dass sie was gesagt hatte. Sie machte das Radio an und setzte sich wieder.
„Also.....", fing er mit etwas schüchterner Art an zu erklären, „ eigentlich wollte ich fragen, ob du Lust hast mit mir zu dem Ball vom Sommerfest zu gehen.." Er suchte ihren Blick, um ihre Reaktion zu sehen. Sie sah ihn begeistert, aber mit einem Hauch von Skepsis, an. War er wirklich so, wie er sich jetzt gab...oder?? Meinte er das überhaupt ernst??? „Ich meine es ernst...", fügte er leise hinzu. Konnte er jetzt auch noch Gedanken lesen???! Okay...wenn das so ist. „Weißt du was ich dir schon immer mal sagen wollte.....Ben...dazu musst du die Augen schließen...", erwiderte sie und rückte näher an ihn heran. Er schloss die Augen. „Du willst mich doch nicht etwa schlagen?", scherzte er und grinste. Sie beugte sich etwas vor, nah an sein Gesicht. Er öffnete die Augen. Beide spürten diese Spannung zwischen ihnen. Ihre Gesichter nur circa zwei Zentimeter voneinander entfernt. „Ich küsse dich jetzt", flüsterte er sanft und presste seine Lippen zärtlich auf ihre Lippen.
„Oh, störe ich etwa!", wurden die beiden von einer lauten Stimme bei ihrer Knutscherei erwischt. Noah stand in der Tür und sah die beiden an. Sie ließen von einander ab und grinsten sich verlegen an. Noah hatte so einen seltsamen Gesichtsausdruck drauf und seine Stimme klang verdammt nach schlechter Laune. Aber warum??? War Lisa schon weg?? Hatten sie einen Disput?? „Es ist schon spät.... meine Eltern kommen bestimmt gleich und sie möchten dich bestimmt nicht knutschend auf ihrer Couch vorfinden!", sagte Noah zu Julie, mit einem bitterem Unterton. Was ist los mit ihm???, fragte sie sich ratlos. Sie brachte Ben noch zur Tür und verabschiedete sich noch mit einem kleinen Abschiedsküsschen.
„Was ist bitte los mit dir????", stellte sie Noah zur Rede, als Ben weg war. „Was soll sein?", redete er sich raus. Julie merkte es, wenn er log. Seine linkes Augenlid fing an nervös zu zucken. „Wo ist überhaupt Lisa??", löcherte sie ihn weiter. „Nach Hause gegangen....das solltest du jetzt auch", meinte er abweisend und stellte zwei Gläser in die Spülmaschine. „Sag mir was ich dir getan hab das du so zu mir bist jetzt....vorher geh ich nicht...", trotze sie ihm und setzte sich auf ein Stuhl.
Eine Weile sassen sie sich schweigend gegenüber.
„Hast du ihn geküsst oder er dich?", fragte er plötzlich, sein Ton hatte was Abwertendes in sich. Sie schaute ihn verwirrt an. „Er mich....kaum vorstellbar...oder???", entgegnete sie ihm giftig und stand auf, „schon klar.....aber wieso bist du dann so sauer auf mich....? Weil er mich, Mauerblümchen, geküsst hat oder weil deine Traumtussi dich nicht geküsst hat!!" Sie holte ihren Rucksack und ging in Richtung Tür. „Ich melde mich!", sagte sie gleichgültig zum Abschied und schmiss die Tür hinter ihr zu.

Eine Woche war absolute Funkstille zwischen ihnen. Sogar in der Schule versuchten sie sich aus dem Weg zu gehen. Das war die schlimmste Woche ihres Lebens. Ben hatte anscheinend wirkliches Interesse an ihr, doch dies war ihr mittlerweile schon total egal.
Sie fühlte sich leer. Sie fühlte sich wie eine halbe Person......wie eine Blume ohne Blüte.......wie ein Geburtstagstorte ohne Kerzen......wie ein Füller ohne Tinte.....wie ein Lied ohne Text! Das alles wegen Noah! Es gab einfach nichts mehr dran zu rütteln...oder zu zweifeln...sie war eindeutig in ihn verliebt! Und es gab keinen anderen Weg als es ihm zu sagen, denn nur so könnte man noch einiges retten...auch wenn ihre Freundschaft nie wieder so werden würde, wie sie vorher einmal war!
„Hallo Julie", Noahs Mutter öffnete ihr die Tür. Sie begrüßte sie mit einem herzlichen Lächeln und bat mich sie zu kommen: „Er ist im Garten. Er ist in letzter Zeit so komisch...verschlossen! Ist irgendwas passiert..? In der Schule oder so?" Sie schüttelte den Kopf und erzählte seiner Mutter von einer Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen. „Deswegen bin ich hier....ich wollte mit ihm reden...", fügte sie hinzu und ging auf die Terrasse, die Treppen zum Garten hinunter.
Er sass auf einem der Schaukelstühle unter dem Kirschbaum. „Ihr Kirschbaum", über den sie das Englischreferat gehalten haben, beziehungsweise über Kirschbäume generell. Ein seltenes, um nicht zu sagen ein seltsames Thema.
„Hey", sagte sie leise. Noah drehte sich erstaunt um und sah zu ihr hoch. Er stand auf und sah sie an. Er hatte nicht mehr diesen bösen, bitteren Blick drauf. „Es tut mir leid, wie ich mich verhalten hab...", fing er an zu reden, kaum hörbar. Er wich ihrem Blick aus. Das hatte er noch nie zuvor gemacht..... Hatte das was zu bedeuten?
„Ich bin gekommen...weil ich dir was dringendes sagen muss!", unterrichtete sie ihn über den Grund ihres Kommens. „Ich muss dir auch was sagen....du hattest doch nur recht...was du sagtest, dass ich nur sauer war, dass du Glück hattest und ich nicht...so zu sagen....", erklärte er sein Verhalten vom vorigen Freitag Abend.
Es machte sich Enttäuschung in ihr breit. Im ersten Moment hatte sie noch ein Funken Hoffnung, dass er das selbe wie sie sagen wollte. Doch nun...na ja....wie sollte es auch anders sein?
„Also ich bin gekommen, um dir zu sagen.....dass ich ....", sie stotterte vor sich hin und spielte nervös mit einem Ast des Baumes. Sie schaute ihn verzweifelt an. Er stand genau im Einfallswinkel der Sonne und seine Augen waren noch klarer als sonst! Sie bildete sich ein sich darin spiegeln zu können. Sie ging ein paar Schritte auf ihn zu und umarmte ihn. Er erwiderte die Umarmung und sie drückte ihn an sich...als wäre es das letzt Mal.....man konnte ja nie wissen wie er auf ihr nun folgendes Geständnis reagieren würde. Er schaute mit sanftem Blick auf sie nieder. „Weißt du noch was ich sagte über denjenigen, zu dem man gehört...", sagte er, bevor sie was sagen konnte. „Genau das wollte ich dir sagen....", sie stoppte mitten im Satz, als sie spürte wie er ihr über den Rücken streichelte...Sie bekam ein Gänsehaut am ganzen Körper.
„Mein Gott! Ich bin blind gewesen....oder einfach nur blöd....oder beides!",er sah sie liebevoll an. Sie verstand jetzt, was er sagte. „Meinst du das ernst, was....", wollte sie fragen, doch er legte seine Fingerspitzen auf ihre Lippen. „Sch......sch", flüsterte er und beugte sich vor, um sie zu küssen. Stille. Nur die Blätter des Kirschbaums raschelten im Wind.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.12.2001. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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