Egbert Schmitt

… ein ganz normales Abendessen mit zwei Schul-Kindern




Zeit: 19.34 Uhr.
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Vater sitzt mit Tochter und Sohn „endlich" am Abend-Esstisch.
Mutter hält seit geraumer Zeit das Essen bereit..

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Vater beginnt sein "allabendliches Gespräch"
über den schulischen Tagesverlauf.

Leo, – was weißt du denn über die erste urkundliche Erwähnung
Nürnbergs,– oder anders, über was habt ihr darüber in HSK
durchgenommen ?".

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Setzt euch "jetzt" endlich, ruft meine Frau aus "Richtung Küche".
Allerdings eine Nuance und eine halbe Oktave schärfer …

Leo setzt sich wiederwillig: Fischt die Gurken mit den Fingern
aus seinem Schälchen und erzählt/faselt was von gebastelten Ritterhelmen
und alten "Schutzblechen" und von Martin Luther, der vogelfrei war.

Mutter im Türrahmen: "Ein bisschen wenig, oder ? -
  !"

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Vater lenkt wiederholt zum Thema:

"Also, vor ca 950 Jahren gab es die erste urkundliche Erwähnung
Nürnbergs, die so genannte Sigena-Urkunde."

Leo: "Hat da wohl die Sigena bei einem Schulfest mitgemacht
und was gewonnen?"

Sina: "Oh Mann, Leo, das kenne ja ich sogar noch.
Die durfte doch die Urkunde nicht behalten,
die soll ja wieder in das Museum zurück, du Hirni !"

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Mutter: "Hey hey, wie sprichst du denn mit deinem Bruder ?
Sag Leo, nimmst du was Neues in HSK darüber durch ?

Nicht ? Ach so, du warst ja vorgestern krank. Und die Lehrerin ?
Ach, ist die immer noch schwanger ? Denkt denn keiner
an deinen Notendurchschnitt ?

Kannst du dich nicht mal schlau machen, Leonard ?"

Sina: "Mama ! Die haben doch längst wieder eine neue Lehrerin!
Außerdem, ich muss mal aufs Klo!"

Mutter: "Was, Sina, was ist los ? Geh doch einmal vorher auf Toilette, Kind!"

Sina: "Mamaaaa!"

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Vater: "Ah, äh – wo war ich doch ? –

Also, die Sigena und ihre Kinder wurden
von Kaiser Heinrich dem III. freigesprochen.
Das war damals sehr ungewöhnlich und kommt beinahe
einer Erhebung in den Adelsstand gleich."

Leo: "Ist das so was wie Stehbock - Freibock, Papa ?
Gibt es da auch Urkunden ?"

Sina aus Richtung Toilette: "KEIN KLOOPAPIER" !!!!!

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Vater: "Nein Leo, hör doch zu!
Der Kaiser nahm selbst die Freilassung vor
und schlug dem Leibherrn eine Münze …"

Leo: "Mir hat heute der Tobias auch die Mütze … "

Mutter: "Mensch Bub, hör zu, ein Geldstück, nicht eine Mütze !

Sag doch jetzt mal, Leon, was machen denn die anderen dritten Klassen?
Weißt du, der Papa möchte… – Vorsicht Leo, pass doch auf,
das Saftglas fällt gleich nochmal um …

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Lass das, trink dich nicht immer satt und sitz nicht so krumm da wie der Papa, ja! -
Außerdem geht ihr jetzt alle gleich eure Zähne putzen !"

Leo: "Alle ? Au ja, der Papa muss heute mit mir Zähne putzen !
Und wer als Erster fertig ist, kriegt 'ne Urkunde und auch ein Geldstück."

Vater: "Nein, ganz bestimmt nicht ! – Der Papa will damit sagen Leo,
dass der Adelige die Sigena bestimmt heiraten wollte
und mit ihr freie legitime Kinder … -

Sag mal, Leo, kannst du einmal den Ärmel nicht in den Teller hängen ?
Das ist jetzt der dritte Schlafanzug heute !"

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Sina: "Ach so, der Adelige Richolf wollte auch solche tollen Kinder
von der Sigena wie wir es sind."

Mutter: "Jetzt pass aber bloß auf, Tochter, was du jetzt sagst. -
Sag mal, Mann, - kannst du auch mal was Gescheites dazu beitragen?

Mach doch mal !
Du bist doch der, der hier geboren ist, nicht ich.
Du weißt doch sonst immer alles besser ! -

Kinder, der Papa liest euch noch in Ruhe die Geschichte
über die erste Erwähnung Nürnbergs vor, oder so.
Leonard, du hat doch bestimmt am Dienstag HSK-Probe.

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Also, Papa, pass auf, was du da vorliest, sonst schaffst du
den Notendurchschnitt nie, – äh, ich meine natürlich
deine Kinder schaffen's nicht. …

Und mein Mann passt auf, ob er alles gramatikalisch richtig ausspricht!

Vermeide einfach das Wörtchen ,wo' und ,wie', gell -
einfach wegfallen lassen.

Heute ist schon um 21 Uhr Schluss mit lustig.

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Morgen lernt die Mama dann wieder länger mit euch,
weil, der zeigens wir's, der Frau Hohlmeier
aus München mit ihrer depperten Schulreform."

Leo: "Genau, dann schicken wir der Frau aus Oberbayern ein Urkunde,
dass ihre eigenen Kinder auch frei wählen dürfen, auf welches Gymnasium
sie möchten und dann brauchen sie nicht mehr auf diese blöde Waldorf-
Schule, weil sie ja selbst keinen gescheiten Notenschnitt haben !

Sonst bekommt sie vielleicht irgendwann mal von ihren eigenen Kindern
eins auf die "Münze !"

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.03.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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