Uwe Härtel

Uwi in Hongkong

Uwi in Hongkong
21. - 28. Februar 2004


Warum Hongkong?
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Zu allererst erhebt sich natürlich die Frage, wie jemand auf die Idee
kommt, in einer Großstadt mit 7 Millionen Einwohnern Urlaub zu machen.
Im wesentlichen gab es für mich 2 Gründe: Erstens war ich ja schon
eimal kurz in Hongkong, allerdings nur im Transit nach Bali, d.h. bis
auf den Flughafen und einigen Anblicken aus dem Flugzeug hatte ich nicht
viel von der Stadt gesehen - dies genügte jedoch vollkommen, um mein
Interesse zu wecken. Ich habe viel über Hongkong gelesen und hatte mir
damals im Herbst 2001 bereits vorgenommen, die Stadt einmal zu besuchen.
Zum zweiten wollte ich natürlich mal meine dort wohnende Mailfreundin
Py Ho treffen, welche meine Neugierde in unzähligen Chat-Plaudereien
noch mehr geweckt hatte.
Glücklicherweise fand ich ja nach fast einem Jahr Arbeitslosigkeit mal
wieder einen Job, so das nun neben dem festen Willen, dorthin zu reisen,
auch das dafür notwendige Kleingeld vorhanden war.
Da mir Hongkong im Vorfeld als verhältnismäßig teure Stadt erschien,
entschied ich mich Sicherheitshalber für einen 1wöchigen Aufenthalt.


Wie man einen 15-Stunden-Flug überlebt
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Der schnellste Weg von Berlin nach Hongkong (fortan verwende ich HK)
ist im Transit über London. Leider starten von der größten deutschen
Stadt aus keine Langstreckenflüge und der geneigte Reisende muß auf
jeden Fall einmal umsteigen, ein Armutszeugnis für eine Hauptstadt,
wie ich finde - aber das lässt sich nunmal nicht ändern.
Im wesentlichen besteht die Auswahl im Transit über Paris, Frankfurt
oder London. Wie man sich auch entscheidet, vom Prinzip her ist es
immer ein Umweg, da man quasi im West-Ost-Zick-Zack fliegt. Ich habe
mich für den Weg über London entschieden, da dort die Wartezeit am
kürzesten und der Ticketpreis von British Airways am günstigsten war.
Okay, mit irgendeiner Arabischen Airline im Transit über Dubai und
sonstwo war es noch billiger - aber ich wollte es mit dem Mut zum
Risiko nicht übertreiben... ;)

Normalerweise sollte man bei einem Flug ins Ausland etwa so 1.5 bis
2 Stunden vor Abflug am Flughafen sein. Dies erwies sich auf dem
Hinflug als völlig überflüssig, denn in Tegel war es dermaßen voll,
das es ohne weiteres ausgereicht hätte, wenn ich eine halbe Stunde
vor Abflug am Check-In gewesen wäre. Der Grund für die Verzögerungen
lagen zum einen an den peniblen Sicherheitskontrollen (gegen die ja
im Prinzip auch nichts einzuwenden ist) und zum anderen an einer
afrikanischen Großfamilie mit 3 oder 4 Kindern, welche den gesamten
Betrieb aufhielt. Während die Mutter am Schalter aus irgendwelchen,
mir nicht bekannten Gründen ihre 32 Taschen durchwühlte, liefen die
Kids völlig ausser Kontrolle auf dem Flughafen umher (auch mal auf
die Strasse!) und sorgten dafür, das die Sicherheitsbeamten vor Ort
sich nicht langweilen.

Schließlich hob der Flieger nach London mit etwa einer halben Stunde
Verspätung ab und geriet sofort in unangenehme Turbulenzen, die auch
nicht wirklich nachliessen, so das ich eine knapp 90minütige
Achterbahnfahrt “geniessen“ durfte. Die Landung in London Heathrow
war dementsprechend hart, genauer gesagt ging die Kiste für mein
Empfinden runter wie ein Stein.

Wenn man noch nie in London Heathrow war, wird man überrascht feststellen,
das das Flugzeug nicht an einem Terminal andockt, sondern mittem auf dem
freien Flugplatz landen, von wo aus ich dann in einem vollkommen
überheizten Bus zum Terminal 1 gefahren wurde. Dort angekommen musste ich
eine erneute Sicherheitskontrolle passieren, dann wieder hinunter zur
nächsten Bushaltestelle gehen, von der aus mich ein weiterer Bus in einer
knapp 10minütigen Herumkurverei im Dunkeln zum Terminal 4 brachte.
Dort angekommen stellte ich fest, das die Zeit zum umsteigen geradeso
ausreichte, denn das Boarding für den Flug nach HK hatte bereits begonnen.

Die rund 11 Stunden von London nach HK verbrachte ich meist schlafend, da
der Platz neben mir frei war, konnte ich auch eine dafür halbwegs angenehme
Position einnehmen. Irgendwann weckte mich der widerliche Geruch eines
typisch britischen Frühstücks und als ich aus dem Fenster blickte, war
10.000 Meter unter mir bereits China :)


Erste Begegnungen mit dem Chinesischen
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Der erste Chinese, dem ich begegnete, war ein Add-Value-Automat, mit dem
ich meine Octopus-Karte aufladen wollte. Diese Karte hatte mir Pui Yee
netterweise zugesandt. In erster Linie handelt es sich dabei um ein
elektronisches Ticket zum benutzen der öffentichen Nahverkehrsmittel.
Darüber hinaus fungiert die Octopus Card aber auch als vielseitig
einsetzbare E-Geldbörse und ist somit äußerst praktisch.
Wenn man nun an diesen Automaten herantritt, findet man dort 3 Schlitze,
einen für die aufzuladene Octopus Card, einen für Geldscheine und einen
für Kreditkarten. Zwar sind die einzelnen notwendigen Schritte zum
Aufladen in einigen sehr merkwürdigen englischen Bildchen erklärt, jedoch
ist die Bildschirmausgabe komplett auf chinesisch. Da ich nun als
durchschnittlicher Europäer dieser Sprache bedauerlicherweise nicht
mächtig bin, probierte ich es solange mit willkürlichem drücken aller
Tasten, bis mir der Bildschirm eine “400“ anzeigte und mir der Automat
meine Kreditkarte entgegen spukte.
Ein kurzer Test der Karte am nebenan stehenden Sensor bewies, das die
Karte tatsächlich mit 400 HK$ aufgeladen war. Interessanterweise hatte
ich irgendwie die eigentlich erforderlich Eingabe der PIN übersprungen?!?


Berechnungen
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Der Euro war bereits vor meiner Abreise sehr stark, trotzdem beschloss
ich, alle HK$-Preis durch 7 zu teilen, später stellte sich zu meinem
Vorteil heraus, das der Kurs sogar bei 1 : 9,65 lag - dennoch habe ich
meine Berechnungsgrundlage beibehalten und konnte die Preisverhältnisse
eigentlich ganz gut einschätzen.
7 HK$ entsprechen also 1 Euro.


Pui Yee
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Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals dafür bedanken, das Py einen
Teil ihrer ohnehin knappen Freizeit mit mir verbracht hat. Nach ihrem
Verständnis ist es für HK-Chinesen völlig normal, knapp 50 Stunden pro
Woche zu arbeiten, am Wochenende zusätzlich noch Lehrgänge zu besuchen
und im Jahr nur eine Woche Urlaub zu haben - für uns undenkbar!
Ausserdem ist sie durch mein Verschulden wahrscheinlich erst einmal
Pleite, aber ich hatte auch keine wirkliche Chance, mich zu revanchieren.
Sie hat mir bereits vor und während meines Aufenthalts in HK viele
nützliche Tipps gegeben und sie ist in persona mindestens genauso nett,
wie ich sie aus dem Internet kenne :))
Ich hoffe mal, das wir uns das nächste Mal hier in Berlin treffen und da
werde ich dann definitiv derjenige sein, der “forget about it“ sagt!!!


Öffentliche Nahverkehrsmittel in HK
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Die Airport-Expressbahn ist mit 100$ so ziemlich das teuerste Verkehrsmittel
der ganzen Stadt. Die Bezeichnung Express kann allerdings Wörtlich genommen
werden, denn diese Bahn ist wirklich verdammt schnell - sie bringt den
Reisenden in exakt 23 Minuten zur Central Station auf Hongkong Island.

Die Infrastruktur in HK ist sehr gut. Es gibt 4 U-Bahnlinien (MTR), ein
Netz aus rustikalen doppelstöckigen Straßenbahnen, Fähren zum Festland und
zu den umliegenden Inseln sowie 1 Million Busse, die in jeden Winkel der
Stadt fahren.

Schnell stellte ich fest, das die Öffentlichen Verkehrsmittel in HK
spottbillig sind. Es liegt einfach an der schieren Masse der Fahrgäste,
die U-Bahn ist wirklich zu jeder Tageszeit gerammelt voll. Allerdings störte
mich das kaum, da die Züge sehr schnell und außerdem - genau wie alle Busse -
klimatisiert sind. Eine Fahrt mit der MTR kostet zwischen 4 und 10 HK$,
abhängig von der Entfernung. Das ganze läuft vollautomatisch über die
Octopus Card, so das man sich nicht die geringsten Gedanken über Tarifzonen
oder ähnliche Dinge machen muß. Am Eingang wird die Karte kurz einem Sensor
präsentiert und am Ausgang des Zielbahnhofs ebenso, wo dann der entsprechende
Betrag abgebucht wird. In Bussen und bei den Fähren funktioniert es auf
ähnliche Weise. Eine Fahrt mit der Tram kostet grundsätzlich lächerliche
2 Dollar, egal wie weit man damit fährt! Die Streckenführung der Straßenban-
linien bleibt allerdings größtenteils ein Geheimnis der Einheimischen ;)

Desweiteren gibt es die KCR, eine Art S-Bahn, die u.a. in die nördlich
gelegenen New Territories bis hinauf an die chinesische Grenze fährt.
Leider hatte ich nicht genügend Zeit, diese Bahn zu benutzen.

Die MTR-Stationen sind riesig groß, sauber und hell. Servicepersonal ist zu
allen Tageszeiten anwesend und extrem Hilfsbereit. Die Stationen liegen tw.
sehr tief, verfügen über zahllose Rolltreppen und oftmals verwirrend viele
Ein- bzw. Ausgänge. Jedoch ist alles sehr gut ausgeschildert und hätte Uwi
die Schilder manchmal etwas genauer betrachtet, so hätte er sich bestimmt
1 oder 2mal weniger verlaufen ;)


Verloren in Hongkong
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Wenn man das erste mal aus dem Schutz einer Station in den unglaublichen
Hochhausdschungel von HK hinaustritt, trifft einen unweigerlich der Schlag.
Mein erster Eindruck war: ´Wow, mächtig laut hier!´
Gleich darauf folgte der zweite Eindruck: ´Wirklich verdammt hohe Häuser!´
Pui Yee hatte mich vorab gewarnt: Häuser, Häuser und nochmals Häuser, so
weit das Auge reicht und kaum ein Gebäude hat weniger als 30 Etagen. Man
kommt sich erst einmal völlig verloren vor.
Nach Überwindung des ersten Schocks, unternahm ich einen ersten Versuch,
mich zu orientieren, was nicht so einfach ist, wenn man um sich herum
nur riesige Häuser sieht. Auf Hongkong Island ist die Stadt (Victoria)
jedoch recht schmal, auf der einen Seite ist das Wasser und auf der
anderen geht es bergauf. Alle großen Hauptstraßen verlaufen annähernd
parallel, also findet man sich nach einiger Zeit recht gut zurecht, aber
in dem Gewirr der kleineren Nebenstraßen kann man sich trotzdem noch
recht schnell verirren.


Der Verkehr
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Auf den 6spurigen Hauptstraßen ist es wirklich sehr laut. Der Verkehr
fließt mehr oder weniger gut, in der frühen und abendlichen Rush Hour
meist gar nicht. Die Belastung der Luft durch Abgase war soweit erträglich,
jedoch möchte ich mir lieber nicht vorstellen, wie stickig es im Hochsommer
bei 35 und mehr Grad Hitze dort ist und kann sehr gut nachvollziehen, wieso
dann die Bewohner der Stadt nur noch mit Atemschutzmasken unterwegs sind.
Betritt man dann jedoch eine Nebenstrasse, geht es eigentlich und den
Parkanlagen inmitten der Stadt ist es sogar richtig ruhig.
In Hongkong herrscht Linksverkehr und die Autofahrer sitzen auf der rechten
Seite - was ich natürlich beides als völlig falsch empfand :)
Demzufolge blickte ich auch beim überqueren von Straßen grundsätzlich in die
falsche Richtung - allerdings sind HK´s Autofahrer so freundlich, kurz zu
hupen, bevor sich Dich überfahren - nein, nein, das war nur ein Scherz, wenn
man nicht gerade völlig blindlings auf die Strasse rennt, gibt es nichts zu
befürchten. Die Autofahrer dort sind alles andere als rücksichtslose Raser,
aber man sollte halt aufpassen. Hilfreich sind auch die oft vorhandenen
Hinweise auf der Straße, die dem Rechtsverkehr gewohntem Touristen mit
“Look left“ und “Look right“ darauf hinweisen, aus welcher Richtung er mit
der heranrollenden Blechlawine rechnen muß.
Wenn man in HK private Autos fahren sieht, handelt es sich Ausnahmslos um
die dicksten Limousinen, ansonsten bestimmen Taxis, Busse und manchmal
schrottreife LKW´s aus China das Straßenbild. Das Benzin in HK ist im
Vergleich zu Deutschland sauteuer, außerdem muß man für Fahrten durch einen
der Expresstunnel oftmals bezahlen.
Aus diesem Grund und da ja die öffentlichen Nahverkehrsmittel so preisgünstig
sind und das System ausserdem perfekt funktioniert, ist ein Leihwagen völliger
Unsinn, zumal man viel Zeit im Stau verbringen würde.


Die Einheimischen
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Es leben etwa 7 Millionen Menschen in Hongkong - und für meine europäischen
Augen sahen alle irgendwie gleich aus ;)
Ganz ehrlich, obwohl ich wußte, wie Pui Yee aussieht, hätte ich sie in der
Menschenmasse niemals entdeckt. Hingegen falle ich im Gewimmel der Chinesen
natürlich auf, wie ein bunter Hund und sie hatte offenbar keine Mühe, mich
zu identifizieren.
Hongkong funktioniert wie eine Art riesiger Ameisenhaufen, ein unglaubliches
Durcheinander. Allgemein empfand ich das Gedränge jedoch gar nicht als so
schlimm, die HK-Chinesen sind nämlich - ganz im Gegenteil zu unseren hiesigen
Zeitgenossen - sehr Rücksichtsvoll. Was auf den ersten Blick nach großer
Hektik aussieht, entpuppt bei näherem Hinsehen als eigentliche Gelassenheit.
Selbst im dichtesten Gewimmel wurde ich kein einziges Mal angerempelt.
Jeder (wirklich jeder!) Einheimische hat stets ein Mobiltelefon entweder am
Ohr oder griffbereit am Körper, natürlich handelt es dabei fast ohne Ausnahme
um die neuesten Hi-Tec-Modelle. In der U-Bahn herrschte immer ein irres
Geschnatter, von dem ich natürlich kein einziges Wort verstand. Auch andere
elektronische Spielzeuge, wie Pocket PC´s sind bei den HK´ern sehr beliebt.
Die Kleidung der Chinesen reicht von perfekt sitzenden Maßanzügen (die man
sich nebenbei gesagt an quasi jeder Ecke schneidern lassen kann) über lässe
Jeans-und-Shirt-Mode bis hin zu den schrillsten Kostümen, deren abartige
Farbzusammenstellung mich irgendwie an die wilden 80er Jahre erinnerte :)
Die meisten HK-Chinesen sprechen gut Englisch, zumindest hatte ich keine
größeren Verständigungsschwierigkeiten. Ausserdem gehörten Mandarin und
Kantonesisch zu den meist gesprochenen Sprachen, die ich jedoch bei besten
Willen nicht voneinander unterscheiden konnte.
Die Einheimischen sind auf jeden Fall freundlich, verhalten sich allgemein
aber eher zurückhaltend als aufdringlich. Höflichkeit ist selbstverständlich
und Service aller Art wird überall ganz Groß geschrieben.

Ein besonderes Erlebnis hatte ich bei McDonalds, wo ich mir etwas zu essen
kaufen wollte, aber nicht genügend Bargeld dabei hatte. Die Octopus Card
wird dort nämlich leider nicht akzeptiert (warum eigentlich?). Gerade, als
ich wieder gehen wollte, um einen Geldautomaten zu suchen, sprach mit ein
Amerikaner an, der gerade am Tresen stand und dort ein Eis kaufte. Er fragte
mich, was ich essen wollte und ich antwortete, das ich ein McChicken-Menü
kaufen wollte, aber kein Bargeld dabei hatte. Daraufhin meinte er, das ich
jetzt sein Kumpel wäre und er mir das Essen spendieren würde! Und ehe ich
protestieren konnte, hatte er auch schon bestellt und das Geld auf den
Tresen gelegt. Natürlich sagte ich ihm, das er das Geld von mir wieder
bekommt und rechnete damit, das er nach dem Essen warten würde, bis ich
mir am Automaten Geld geholt hatte. Aber der Kerl meinte nur, das sei schon
in Ordnung so. Ich konnte ihn gerade noch fragen, woher er kommt. Er sagte,
er sei zwar Amerikaner, wohne aber bereits seit 20 Jahren in Hongkong.
Ein paar Sekunden später marschierte er zum Ausgang, rief noch so etwas wie
“man sieht sich“ zu mir und verschwand! Ich nahm mein Essen, ging hinterher,
konnte ihn auf der Strasse aber nicht mehr entdecken, ich sah lediglich
einen davonfahrenden Jeep. Der Typ hatte gerade einem wildfremden Menschen
einfach so 20 HK$ geschenkt! So etwas ist in Deutschland völlig undenkbar!

Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Chinesen, ist das Tai Chi, man kann
fast in jeder ruhigen Ecke Menschen beobachten, die sich auf gar seltsame
Weise Zeitlupenartig bewegen und sich durch nichts dabei stören lassen.
Leider habe ich von dieser Entspannungstechnik nicht die geringste Ahnung,
aber ich bin mir sicher, hier in Deutschland würde man mich wahrscheinlich
unter dem Verdacht auf Drogenkonsum verhaften, würde ich mich in einem Park
in Tai Chi üben.

Die Menschen in Hongkong sind einfach verblüffend :)


Unterwegs in Hongkong
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Da ich ja nur eine Woche gebucht hatte, beschloss ich, jeden Tag davon so
gut wie möglich auszunutzen. Ich verließ das Hotel spätestens gegen 10 Uhr
und kehrte selten vor Mitternacht zurück. Das Wetter war zum herumwandern
ideal, um die 20 - 25 Grad herum, gerade angenehm warm. Zeitweise war es
zwar etwas bewölkt, die Luft ist sehr feucht, daher war es meist ein bisschen
diesig, das ist aber zu dieser Jahreszeit normal.

Also wer denkt, das HK nur eine Business-Metropole ohne Sehenswürdigkeiten
ist, irrt gewaltig. Es gibt soviel zu sehen und die Stadt bietet unzählige
Möglichkeiten für Unternehmungen aller Art.
Wer an den Strand will, fährt einfach zum Repulse Bay - im Februar ist das
Wasser jedoch noch zu kühl. Für Wanderungen im gibt es weitläufige
Naturparks. Wer etwas für seine Bildung tun will, kann eines der zahllosen
Museen besuchen. Wer Action bevorzugt, fährt zum Ocean Park, einem großen
Vergügungspark auf der Südseite der Insel, dessen Preise allerdings eher
den Europäischen Verhältnissen entsprechen...

Natürlich ist es das Shopping-Paradies schlechthin! Die Strassen sind voll
von Geschäften, in denen man wirklich alles kaufen kann. Und natürlich gibt
es gigantische Einkaufszentren, die oftmals miteinander verbunden sind, so
das man Kilometerweit von Gebäude zu Gebäude laufen kann, ohne sich auf das
Straßenniveau herunter zu begeben. Preislich wird alles geboten von super
billig bis Megateuer und natürlich sind alle Namhaften Designer in
pompösen Ausmaßen vertreten.
Und es duftet! Wenn man in eine der schmalen Nebenstraßen schlendert, wird
man alle paar Meter von neuen Gerüchen überwältigt: nach Gebäck, Tee, dann
plötzlich toter Fisch (naja...), dann wieder Räucherstäbchen, gegrilltes
irgendwas... In winzigen Läden werden merkwürdige getrockene Pilze und
Gewürze verkauft, die teilweise sogar Pui Yee unbekannt waren.
Neben einem Geldautomaten im Schatten eines Wolkenkratzers baut einer einen
Wok auf und fängt an, undefinierbares Meeresgetier zu kochen - allerdings
ist dieses Essen nicht unbedingt für europäische Mägen geeignet. Verhungern
kann man in Hongkong aber nicht, denn es reiht sich ein Restaurant an das
nächste. Meist handelt es sich um Fastfood aller Art, wobei unter asiatischen
Fastfood z.B. zu verstehen ist, das man bei Yoshinoya eine riesige Schüssel
mit Reis, Gemüse und Schweinefleisch für 18 HK$ bekommt, die ich gerade so
geschafft habe. Es gibt in beinahe jeder Strasse einen McDonalds. Es gibt
winzige Restaurants, deren Menü nur auf Chinesisch präsentiert wird und man
der Einfachheit halber dem nicht-englisch-sprechenden Koch seinen Wunsch
kundtut, indem man auf das ausgestellte Plastikmodell des Essens zeigt :)
Natürlich gibt es auch pikfeine Edelrestaurants, in denen man auf einen
freien Tisch warten muß und wie zu DDR-Zeiten platziert wird.
In den Apotheken bekommt man scheinbar ausschließlich Potenzsteigernde
chinesische Wundermedizin zu kaufen :)
In Schneidereien kann man sich ab 200 Dollar aufwärts einen Maßanzug
anfertigen lassen. Das es den neuesten technischen Schnickschnack aller Art
an jeder Ecke zu kaufen gibt, muß ich wohl nicht weiter erwähnen.
Brillen gibt es für einen Bruchteil des Preises, den man hier bezahlen muß,
hingegen sind z.B. Bücher deutlich teurer als bei uns.

Was guckt man sich am besten in HK an? Auf jeden Fall den Hongkong
Park, der als grüne Oase mitten in der Stadt liegt. Sehr empfehlenswert
ist auch der Zoo, zumal der Eintritt frei ist! Ein Teil des Tierparks war
jedoch wg. der Gefahr der Geflügelgrippe geschlossen. Altehrwürdige bzw.
geschichtlich bedeutsame Gebäude im viktorianischen Stil sind rar geworden
und liegen oftmals - genau wie die unzähligen Tempel - gut im Dickicht
der Wolkenkratzer versteckt. Die Spektrum der Architektur der Hochhäuser
reicht von eher nüchterner Standard-Ausführung bis hin zu den kuriosesten
Gebilden und immer dann, als ich meinte, das seltsamste oder höchste
Gebäude gesehen zu haben, entdeckte ich an der nächsten Ecke ein noch
seltsameres und / oder höheres :)

Es wird an allen Ecken renoviert, saniert und neu gebaut. In einer winzigen
Lücke, in die niemals ein Haus hineinzupassen scheint, wird ein Gerüst
aus Bambus errichtet, in dem die Arbeiter meist ohne Sicherung wie die
Schimpansen herumturnen - und keine 15 Monate später findet man an dieser
Stelle ein neues Gebäude mit mindestens 30 Etagen!

Wer immer sich entschließt, nach Hongkong zu reisen, sollte keinesfalls
an Höhenangst leiden. Eines der höchsten Gebäude ist das Central Plaza
Building, es hat über 70 Stockwerke. Von der Hauptlobby zur Skylobby in
der 46. Etage fährt ein Turbolift, der die Strecke in etwa 5 Sekunden
bewältigt. Von dort aus hat man einen hervorragenden Ausblick.

Desweiteren interessant ist der Victoria Park, in dem die Einheimischen
den merkwürdigsten Sportarten fröhnen. Dort gibt es z.B. einen aus
verschiedenen tw. spitzen Steinen bestehenden Fußmassage-Pfad, auf dem
die Leute ohne Schuhe herumlaufen - sehr seltsam... :)
Ausserdem sollte man unbedingt die sich gegenüber vom Park befindene
Central Library besuchen.


Der Peak
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So heißt die ganze Bergregion, die unmittelbar an die Stadt grenzt.
Entspechend einer Empfehlung war ich zwei mal dort oben, einmal am Tage
und einmal am späten Abend. Die schnellste und bequemste Möglichkeit,
auf den Peak zu gelangen, ist mit der Peak Tram, einer uralten Stand-
seilbahn, welche die Strecke von der Innenstadt zum 500 Meter hoch
gelegenen Peaktower in nur 10 Minuten bewältigt. Natürlich funktioniert
auch dieses Verkehrsmittel mit der praktischen Octopus Card, einmal
kurz die Geldbörse gegen den Sensor gehalten und schon kann es losgehen.
Die Bahn fährt alle 15 Minuten und das bis Mitternacht! In der Peak Tram
selbst sitzt man auf Grund der Holzbänke und der 17%tigen Steigung sehr
unbequem und das Panorama aus dem Zug heraus ist keineswegs so berauschend,
wie der Reiseführer vermuten lies. Aber wie gesagt, die Fahrt dauert nur
10 Minuten und der Ausblick auf der Terasse des Peaktowers ist einfach
Atemberaubend, vor allen Dingen in der Nacht! Im Peaktower befinden sich
gute Restaurants, eine Palette an furchtbar kitschigen Souvenir-Geschäften,
das Kuriositäten-Museum “Believe it or not“ sowie eine der berühmten
Madame Tussaud´s Wachsfiguren-Ausstellungen, den Eintritt dort befand ich
jedoch mit 95 HK$ als eindeutig zu hoch. Natürlich ist auch oben auf dem
Peak ein McDonalds :)
Ich entschloss mich, den Rückweg in die Stadt zu Fuß anzutreten und nutzte
den sog. “Green Trail“ der durch den Wald bergab zurück in die Stadt
führt und an der Talstation der Bahn endet. Dort sah ich auch das einzige
Graffitti, das ich in HK bemerkte - jemand hatte eine Mauer mit einem
Gruß besprüht, der dem Betrachter einen frohen Valentinstag wünschte.

Mein zweiter Besuch auf dem Peak war wie gesagt am späteren Abend. Die
beste Möglichkeit, den nächtlichen Blick auf die Stadt zu genießen, bietet
ein Spaziergang auf dem Panoramaweg, der einmal komplett um den Gipfel
herumführt. Die dafür im Reiseführer geschätzte Dauer von nur 50 Minuten
ist allerdings sehr unrealistisch und selbst im flotten Schritt nicht zu
schaffen. Ich habe mindestens 2 Stunden benötigt, bis ich wieder am
Peaktower ankam.


Der betonierte Dschungel
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Auf den ersten Blickt wirkte es auf mich schon sehr befremdlich, das
unmittelbar an die Stadt grenzenden Abhänge mit Beton versiegelt waren,
der die Bäume umgab bzw. durch den die Pflanzen hindurchbrachen. Alle
Wege sind ebenfalls betoniert und selbst im dichtesten Wald findet man
betonierte Wasserrinnen. Später kam mir dann er Gedanke, das diese
Zwangsmaßnahmen an der Natur vielleicht gar nicht mal so dumm waren,
wie es mir zunächst schien: Nach der Beschreibung von Pui Yee regnet
es in den Sommermonaten oft Stundenlang und das sehr heftig - ohne
weiteres könnte sich ein Erdrutsch ereignen und es würde sich eine
Schlammlawine in die Stadt ergießen!
Die Natur darf sich in HK nur eingeschränkt entfalten, aber was auf
den ersten Blick als Raubbau aussieht, entpuppt sich bei näherer
Betrachtung schnell als absolut notwendige Schutzmaßnahme für die
Bevölkerung.


Kowloon / Tsim Sha Tsui
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Da ich keine Fähren mag, fuhr ich mit der MTR unter dem Wasser hindurch
auf das Festland hinüber und stieg an der Station Tsim Sha Tsui aus.
Dort beginnt die berühmte Nathan Road, die im Reiseführer als
sehenswerte Shoppingmeile beschrieben wurde. Ich selbst fand diese
Straße nicht sonderlich sehenswert. Es handelt sich definitiv um eine
Shoppingmeile, Kilometerlang und übersäht mit riesigen Leuchtreklamen,
die teilweise so tief hängen, das man meint, sich den Kopf daran zu
stoßen. Aber es ist sehr laut und stickig dort. Desweiteren wird man
als Tourist ständig von herumstehenden Leuten arabischer Herkunft
angesprochen, die einem gefälschte Rolex-Uhren und ähnlichen Krempel
verkaufen wollen. Diese Typen ließen sich zwar fast immer mit einem
einfachen Kopfschütteln abwimmeln, es waren aber so viele, das es
wirklich nervte.
Der gesamte östliche Bereich des Bezirks ist eine fürchterliche
Großbaustelle, dort wird vom Bahnhof Kownloon aus eine unterirdische
Erweiterung der KCR geschaffen.
Eine sehr schöne Anlage ist der Kowloon Park, gleich daneben an
der Canton Road kann man die wirklich richtig heftigen Luxushotels
anschauen und am Ocean Terminal die dort anliegenden riesigen
Kreuzfahrtschiffe betrachten.
Das südliche Ufer ist ebenfalls recht Interessant, dort befindet sich
das Cultural Centre, das Space Museum und das Art Museum. Ausserdem
hat man von dort aus einen tollen Blick hinüber nach Victoria :)
Das etwas östlich gelegene New World Centre kann man widerrum getrost
aus seiner Besichtiungstour streichen.
Auf dem Platz vor dem Space Museum wurde ich ebenfalls ständig von
diversen höchst ominösen Turbanträgern angequatscht, die mir erzählen
wollten, wie ich ein glücklicherer Mensch werden könne. Und kaum setzte
ich mich auf eine Bank, kommt auch schon der nächste auf mich zu, es
stellte sich aber heraus, das es nur ein Student war, der eine Umfrage
zum Thema öffentlicher Nahverkehr in HK durchführte, an der ich mich
gerne beteiligte :)


Lantau Island
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Natürlich mußte ich den gigantischen Buddha besuchen! Die 22 Meter
hohe Statue befindet sich auf dem Gelände des Po Lin Klosters.

Uwi ist definitiv kein Seemann. Trotzdem entschloss ich mich, für den
Hinweg die Fähre zu nehmen, beließ es allerdings bei der Schnellfähre,
um die auf dem Wasser zu verbringende Zeit möglichst gering zu halten.
Eine Fahrt damit nach Lantau kostete 21 HK$, die Fahrt mit der wesentlich
langsameren normalen Fähre nur die Hälfte. Die Fahrt dauerte etwa eine
knappe halbe Stunde und obwohl das Schiff teilweise schon gut ins
Schwanken geriet, blieb es erträglich.
Auf Lantau angekommen, bestieg ich dann den Linienbus zum Kloster, der
zunächst einmal quer über die halbe Insel fährt und sich dann sozusagen
von der anderen Seite über Serpentinen den Berg hinaufschlängelt.
Um den Buddha zu besuchen muß man eine lange Treppe hinaufklettern, an
deren Fuß sich ein Einlass befindet, bei dem man normalerweise 50 HK$
Eintritt bezahlen muß. In diesem Preis ist dann ein vegetarisches
Mittagessen enthalten. Da ich aber keinen Hunger auf vegetarische Kost
verspürte und ich bereits vorab wußte, das man sich auch ungestraft
am Einlass vorbeimogeln darf, sparte ich mir dieses Geld und marschierte
nach oben. Die Statue ist wahrlich imposant! Im Sockel befindet sich
eine Ausstellung über den Bau des Buddha, ohne die Eintrittskarte kann
man aber nur einen Teil der Räumlichkeiten betreten.
Die Tempelanlagen des Klosters selbst sind durchaus Interessant,
insbesondere empfiehlt sich ein Blick in die Heldenhalle. Das daneben
befindliche vegetarische Restaurant machte auf mich eher den Eindruck
einer Kantine zur Massenabfütterung von Touristen. Wer clever ist, folgt
den selbst gemalten Schildern und findet einen Weg, der rechts am
Kloster vorbei führt. Vorbei an einer Jugendherberge gelangt man dann
nach vielleicht 1 km zu einem kleinen Freiluft-Restaurant im Grünen,
das nicht nur wunderbar ruhig inmitten des Waldes gelegen ist, sondern
auch eine wesentlich größere und vor allen Dingen billigere Auswahl
an hervorragenden Speisen bietet. Diesen Weg wollte ich sowieso nehmen,
da er laut Karte durch den Wald nach Tung Chung führt. Leider war der
Weg auf Grund einer Baustelle versperrt und ich mußte doch umkehren
und wieder den Bus nehmen.
Die Fahrt nach Tung Chung dauerte fast eine Stunde, obwohl es von Po
Lin aus nur 7 Kilometer sind. Das liegt daran das der Bus wieder erst
den ganzen Berg hinunter bis zur Südküste der Insel fährt dann nach
links abbiegt, um über einen Pass den Berg von der anderen Seite
erneut zu erklimmen. Nachdem ich also ein zweites mal über die halbe
Insel gefahren bin, kam ich in Tung Chung an, einer “kleinen“
Vorstadt mit “nur“ 330.000 Einwohnern. Dort wohnen vor allem
Angestellte des Flughafens, der sich nur wenige Kilometer nördlich
auf der Insel Chek Lap Kok befindet.
Von Tung Chung aus fuhr ich dann mit der MTR zurück.


Lamma Island
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Diese Insel liegt nur wenige Kilometer südwestlich vor Hongkong Island
und bietet dennoch ein völlig anderes Bild als die in Sichtweite
liegende Großstadt. Die Häuser in den Dörfern sind nur 2 oder höchstens
3 Etagen hoch. Es handelt sich um eine hügelige, grüne und sehr ruhige
Insel und man mag überhaupt nicht glauben, das sich die Metropole quasi
gleich um die Ecke befindet. Es gibt dort auch keine Autos.
Natürlich muß man eine Fähre nehmen, um nach Lamma Island zu gelangen.
Es gibt dort (noch) keine MTR-Station, leider...
Die Fahrtzeit vom Zentralhafen nach Sok Kwu Wan beträgt etwa 20 Minuten.
Dort angekommen benötigte ich mindestens nochmal solange, um dieses
Gefühl des auf- und ab- und hin- und herschwankens loszuwerden. Ich
hasse das!
Sok Kwu Wan ist ein kleines Fischerdorf, das aus nur einer Strasse
und vielleicht 30 Häusern besteht, wobei sich in 28 Häusern davon
Seafood-Restaurants befinden ;)
Am Ende des Dorfes beginnen mehrere gut ausgeschilderte Wanderwege.
Ich nahm den “Family Trail“ der einmal quer von Süd nach Nord über
die ganze Insel nach Yung Shue Wan führt. Langsamen Schrittes und mit
Pausen benötigt man für diesen Weg 2 Stunden, er ist also wirklich
Familienfreundlich. Yung She Wan ist ebenfalls ein nettes kleines
Städtchen in dem man gut und sehr Preiswert essen kann.
Das einzige, was das schöne Landschaftliche Gesamtbild der Insel stört,
ist das große Kohlekraftwerk, das sich dort befindet.


Hongkong Science Museum
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Das Museum liegt nahe dem KCR-Bahnhof Kowloon, d.h. ich mußte von der
MTR-Station Tsim Sha Tsui aus erneut die Großbaustelle durchwandern.
Es handelt sich um das größte Museum der Stadt, gleich gegenüber
befindet sich auch das historische Museum. Ich fand den Gebäudekomplex
so etwa gegen 16.30 Uhr. Usprünglich nahm ich an, einen Besuch in beiden
Häusern zu schaffen, was dann aber aus zwei Gründen nicht klappte: Erstens
schließt das Museum of History bereits um 19 Uhr (das andere hat bis 21 Uhr
geöffnet) und zweitens ist das Science Museum so genial, das ich knappe 4
Stunden dort verbrachte! Man kann wirklich alles anfassen, ausprobieren
und überall herumspielen, nahezu alle vorstellbaren Themengebiete der
Wissenschaft werden anschaulich in einfachen Englisch erklärt und die
gesamte Ausstellung bietet dem Besucher ein schier unglaubliches Maß an
Interaktion. Der absolute Hammer ist natürlich die riesige kinetische
“Energiemaschine“, die das halbe Haus einnimmt und alle 2 Stunden
angelassen wird.
Es handelt sich mehr um eine Art Abenteuerspielplatz mit interessanten
Lerneffekten, insofern kann ich einen Besuch in diesem Museum nur wärmstens
empfehlen. Der Eintritt kostete 30 HK$, inklusive einer Sonderausstellung
zum Thema Weltraum. China hatte kürzlich seinen ersten Menschen Erfolgreich
ins All geschickt hat, das die Chinesen verdammt stolz darauf sind, ist
nicht zu übersehen :)


Stanley
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Da mein Rückflug ja erst am Samstag kurz vor Mitternacht startete, fuhren
Pui Yee und ich am Nachmittag in diesen südlich gelegenen Ort, wo es einige
recht Interessante Dinge zu besichtigen gibt. Zum ersten natürlich der große
und sehr Preiswerte Markt, wo man sich z.B. von einer Art Caligraphen seinen
Namen in chinesischen Schriftzeichen ausdrücken lassen kann.
Ich bin nun nicht so der Souvinierjäger, aber wenn man Kunst und Krempel
kaufen möchte, dann wird man dort auf alle Fälle fündig werden.
Desweiteren empfiehlt sich ein Besuch des alten Murray House und für
Geschichtlich Interessierte lohnt sich auch eine kleine Wanderung zum
Nahegelegenen Militärfriedhof. Die alte Polizeistation fand ich hingegen
total uninteressant,das Gebäude sieht völlig gewöhnlich aus und beherbergt
einen Supermarkt... Es gibt dort auch einen schönen Strand mit angrenzenden
Grillplatz (dort war auch ordentlich Betrieb), glaubt man jedoch dem dort
aufgestellten Schildern, ist dort - ausser ertrinken - so ziemlich
alles verboten ;)


Der Rückflug
------------

Die Rückreise verlief relativ unspektakulär, während des Langstreckenfluges
von HK nach London hatte ich 2 nette junge Damen aus China zum Nachbarn und
befand mich somit in bester Gesellschaft :)
Dieses Flugzeug war bis auf den letzten Platz besetzt, im krassen Gegensatz
dazu befanden sich am Sonntag Morgen im Anschlußflieger nach Berlin gerade
mal 10 oder 12 Personen, daher war das auschecken in Tegel eine Sache von
wenigen Minuten.
Der Londoner Flughafen Heathrow versetzte mich erneut in Erstaunen, als ich
nämlich am Terminal 1 feststellte, das für den Flug nach Berlin eine halbe
Stunde vor Abflug noch kein Gate ausgeschildert war. Auf meine Nachfrage
beim Schalter der Britisch Airways meinte die Dame nur selbstverständlich,
das sie das so früh noch nicht wissen würden - wie bitte??? Und ich darf
dann, wie ein Wahnsinniger losrennen, wenn sich 15 Minuten vor Abflug
herausstellt, das ich zum Gate 60 muß oder wie? Die spinnen die Briten! :)

Naja, schließlich hatte ja doch alles geklappt, auch wenn mir die Zeit
in London verdammt knapp vorkam. Das ernüchternste Erlebnis hatte ich,
als ich nach der Landung in Berlin aus dem Fenster sah - hier lag schon
wieder Schnee!


Allgemeine Vorurteile über Hongkong und was Uwi davon hält
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Zum Abschluss möchte ich zusammenfassend noch auf einige Aussagen betreffs
Hongkong eingehen, die mich vor und auch nach meiner Reise immer wieder
begegneten bzw. nach denen ich gefragt wurde.

Eine Woche ist zu kurz!
Falsch!
Alles dort ist so unglaublich komprimiert, das man an einem Tag in HK mehr
sieht und erlebt als in 3 Tagen irgendwo anders. Natürlich habe ich nicht
alles gesehen, ich konnte z.B. nicht in die New Territories fahren oder
eine der anderen umliegenden Inseln besuchen, aber für einen ersten Besuch
genügt eine Woche vollkommen! Ausserdem handelt es sich bei mir auch um
eine Frage des Geldes, hätte ich vorab gewußt, das dieser Urlaub so billig
wird, wäre ich natürlich 2 Wochen geblieben. Naja, es gibt bestimmt ein
nächstes Mal :)

Hongkong eine teure Stadt!
Teilweise falsch!
Der Euro ist gegenüber dem Dollar derzeit sehr stark, insofern kann man
in HK als Europäischer Tourist und Exporteur unserer Währung dort momentan
sehr günstig Urlaub machen! Es gibt einige Dinge, die unverhältnismäßig
teuer sind, aber im großen und ganzen geht es. Natürlich gilt auch in
Hongkong: wer puren Luxus will, wird ihn finden!

Hongkong ist eine unsichere Stadt!
Falsch!
Hongkong gilt als eine der sichersten Städte der Welt und ich kann dies
auf Grund meiner Eindrücke nur bestätigen. Überall patroullieren Polizei-
streifen zu zweit und man trifft überall auf private Sicherheitskräfte.
Ausserdem werden viele öffentliche Plätze (auch alle Bahnstationen usw.)
per Video überwacht. Man kann auch in tiefster Nacht völlig unbehelligt
durch die abgelegensten Nebenstrassen spazieren.
Natürlich, wer hat noch nicht von den berüchtigten Triaden gehört, die
in HK ihr Unwesen treiben und es gibt mit Sicherheit auch Taschendiebe
und ähnliches Gesindel - es wäre töricht, eine Stadt mit einer derartig
hohen Bevölkerungsdichte als vollkommen Kriminalitätsfrei zu bezeichnen.
Aber im allgemeinen kann man als Tourist auch seine dicke und teure
Kameraausrüstung gut sichtbar mit sich herumtragen (mein Cousin fragte
mich danach) und muß keinen räuberischen Überfall befürchten - schon
allein deswegen, weil die meisten Chinesen vermutlich sowieso eine bessere
Ausrüstung besitzen :)

Hongkong ist schmutzig!
Falsch!
Wenn ich mich nicht verlesen habe, ist HK die Stadt mit der Weltweit
größten Einwohnerdichte und für ein derartig dicht besiedeltes Gebiet,
ist die Stadt unglaublich sauber! Das liegt zum einen daran, das allerorts
unzählige Servicekräfte ständig irgendwie fegen, wischen, polieren, Müll
sammeln und sortieren sowie Pflanzen hegen. Ausserdem muß man z.B. als
achtloser Umweltverschmutzer mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.
Beispielsweise kostet das spucken auf die Strasse 1500 HK$ und wer seinen
Zigarettenstummel wegschmeisst oder seinen Hund ausserhalb der eigens
aufgestellten Sand-“Toiletten“ sein Geschäft verrichten läßt, wird auch
gar heftig zur Kasse gebeten.
Ich habe wirklich (bis auf die eine Ausnahme) nirgendwo Schmierereien
bzw. Graffitti gesehen! Das Leitungswasser in HK ist sauber, aber dennoch
nicht unbedingt trinkbar, weil es deutlich spürbar mit Chlor versetzt ist.
In den meisten größeren Parkanlagen gibt es kostenfrei Trinkwasserbrunnen.

Hongkong ist laut!
Richtig!
Es stimmt, in den den Hauptverkehrsstraßen herrscht ein hoher Geräuschpegel
bis in den späten Abend hinein. In den Nebenstrassen und Parks ist es
wesentlich ruhiger. Im Bergland auf dem Peak ist es wundervoll still, das
man gar nicht glauben mag, das man sich in einer Großstadt befindet.

Hongkong ist eine arme Stadt!
Ganz im Gegenteil!
Die meisten Hongkong-Chinesen sind durchaus wohlhabend. Die Arbeitslosen-
quote liegt bei akzeptablen 8,7% - wie ich laß, eine für dortige Verhält-
nisse hohe Zahl, jedoch immer noch locker um die Hälfte geringer als
Beispielsweise in Berlin. Natürlich habe ich auch die Obdachlosen, die
auf den Strassen lagen, nicht übersehen können, aber es sind bei weitem
nicht so viele, wie man vielleicht vermuten würde.

Hongkong erstickt im Verkehr!
Teilweise richtig!
Das Verkehrsaufkommen ist Vergleichsweise hoch und gerade zur Rush Hour
geht oftmals gar nichts mehr, aber im großen und ganzen ist es erträglich.
Im Gegensatz zu anderen asiatischen Metropolen sind in HK nicht tausende
stinkende 2-Takt-Mopeds unterwegs, dafür 3 Millionen Taxis :)

Hongkong ist unglaublich voll!
Teilweise richtig!
An vielen Plätzen herrscht tatsächlich ein wahnsinniges Gewimmel, aber
ich empfand es zu keiner Zeit als wirklich bedrängend. Die Chinesen
verhalten sich eher Rücksichtsvoll und irgendwie haben sich die
Menschenmassen z.B. in den Bahnhöfen immer ganz gut verteilt.

Hongkong leidet unter der Regierung von China!
Kann ich so nicht bestätigen.
Die Stadt ist chinesische Sonderverwaltungszone und auch nach der
Machtübergabe der Großbritanniens an die Volksrepublick weitestgehend
autonom geblieben. Negative Einflüsse der KPCH sind eigentlich nirgendwo
zu spüren, zumal sich ja das Land ohnehin mehr und mehr dem Westen öffnet.

Alle Chinesen haben braune Augen!
Denkste!
Der neueste Trend sind Augentropfen, welche die Farbe der Augen
vorrübergehend ändern und auch farbige Kontaktlinsen sind bei der Jugend
gerade ungeheuer beliebt :)

Alle Schulkinder tragen Uniformen!
Richtig!
Und zwar hat jede Schule ihre eigene Uniform mit individuellen Farben
und Wappen. Das faszinierende daran ist, das die Kids die Uniformen mit
absoluter Selbstverständlichkeit auch in ihrer Freizeit freiwillig tragen,
während sich die Leute hierzulande bereits über den Ansatzweisen Versuch, eine
solche Uniformierung eventuell einzuführen, gar fürchterlich aufgeregen.

Hongkong ist ein Moloch wie New York!
Niemals!
Ich war zwar noch nicht in NY, aber nach allem, was mir von dieser Stadt
erzählt wurde und was ich in HK gesehen habe, kann das nicht stimmen!
Hongkong ist eine Stadt, in der sich östliche und westliche Kultur auf
erstaunliche Weise vermischt haben, eine Stadt voller krasser Kontraste,
unglaublich lebendig und meines Erachtens sogar schön.
Es ist eben the city of life! :)





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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.03.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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