Klaus-D. Heid

Absurder Dialog

„Haben Sie bitte Feuer für mich...?“

„Ich rauche nicht. Tut mir leid.“

„Ich wollte nicht wissen, ob Sie rauchen... – ich wollte lediglich Feuer von Ihnen!“

„Verstehe. Aber ich habe kein Feuer, da ich ja nicht rauche.“

„Ich rauche auch nicht. Trotzdem brauche ich Feuer. Sie haben also kein Feuer für mich?“

„Das sagte ich ja bereits, oder?“

„Kein Grund, aggressiv zu werden...!“

„Ich bin nicht aggressiv. Ich bin nur ärgerlich, weil Sie sich wiederholt haben!“

„So etwas macht Sie ärgerlich? Sie sind wohl sehr empfindlich, wie?“

„Nicht empfindlich, aber sensibel.“

„Sie sind sensibel?“

„Sie wiederholen sich schon wieder!“

„Verzeihen Sie bitte. Ich wollte ja nichts anderes, als Sie um Feuer bitten.“

„...und ich sagte bereits, dass ich kein Feuer habe, weil ich nicht rauche!“

„Verstehe. Sie wollen mir also nicht helfen?“

„Das ist keine Frage des Wollens – sondern des Könnens! Ich kann nicht, da ich ja nicht rauche!“

„Weshalb rauchen Sie nicht?“

„Geht Sie das etwas an?“

„Nicht direkt.“

„Auch nicht indirekt!“

„Verstehe. Gehe ich Ihnen auf die Nerven?“

„Viel fehlt jedenfalls nicht, wenn ich ganz ehrlich bin!“

„Ich würde jetzt sehr gerne eine Zigarette rauchen.“

„Tun Sie’s doch!“

„Ich habe kein Feuer dabei. Außerdem bin ich ja auch Nichtraucher, wie Sie!“

„Sagten Sie nicht, dass Sie gerne eine Zigarette rauchen würden?“

„Na und?“

„Aber Sie rauchen doch nicht!“

„Das habe ich nicht gesagt. Ich meinte nur, dass ich Nichtraucher bin!“

„Ist das nicht das Gleiche?“

„Für den Einen ja – und für den Anderen nein. Wie man’s nimmt.“

„Seltsame Logik. Möchten Sie nun rauchen oder nicht?“

„Ich möchte. Ich tue es aber nicht, da ich ja Nichtraucher bin.“

„Und wofür möchten Sie dann Feuer von mir haben?“

„Interessiert Sie die Antwort wirklich? Ernsthaft? Sind Sie tatsächlich interessiert?“

„Wenn Sie mich so direkt fragen... Ja! Aber Sie müssen natürlich nicht antworten.“

„Möchte ich aber.“

„Dann tun Sie’s doch auch!“

„Was soll ich tun?“

„Antworten!“

„Auf welche Frage bitte?“

„Sie sind wohl ein wenig vergesslich, oder?“

„Weshalb?“

„Weil Sie meine Frage bereits wieder vergessen haben, die ich eben gerade erst stellte!“

„Sie stellten eine Frage? Wohin?“

„Was?“

„Wohin stellten Sie die Frage?“

„Wohin? Wie kann man denn eine Frage irgendwo hin stellen?“

„Man kann sie zum Beispiel an den Anfang eines Dialoges stellen. Oder ans Ende.“

„Sie überfordern mich mit Ihren Gedanken!“

„Ich habe nichts gefordert. Ich habe Sie nur um Feuer gebeten!“

„Ich weiß.“

„Und?“

„Und was?“

„Haben Sie nun Feuer?“

„Selbstverständlich habe ich Feuer.“

„Seht schön.“

„Möchten Sie Feuer haben, um sich eine Zigarette anstecken zu können?“

„Nein. Ich rauche nicht.“

„Sind Sie sicher?“

„Nein. Aber ich glaube fest daran.“

„Darf ich Ihnen trotzdem Feuer geben?“

„Aus welchem Grund?“

„Nur so. Einfach... nur so. Ohne Grund. Mehr als Geste, wenn Sie verstehen...!“

„Warum nicht. Ja. Ich würde gerne Feuer von Ihnen annehmen.“

„...wenn ich Feuer hätte.“

„Haben Sie nicht?“

„Nein. Ich rauche nicht.“

„Ich rauche auch nicht.“

„Sie sind also Nichtraucher?“

„Nein. Ich rauche nur nicht. Da ist nicht immer das Gleiche.“

„Interessant. Wissen Sie wohl, wie spät es ist?“

„Natürlich.“

„Fein.“

„Möchten Sie’s wissen?“

„Nein.“

„Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag.“

„Dürfte ich Sie – bevor Sie gehen – um einen Gefallen bitten?“

„Ja?“

„Dürfte ich wohl Feuer von Ihnen bekommen?“

„Natürlich. Es ist jetzt genau Sieben Uhr achtzehn.“

„Vielen Dank. Bitte grüßen Sie Ihre Frau von mir.“

„Ich bin nicht verheiratet.“

„Das macht nichts. Darf ich Ihnen vielleicht eine Zigarette anbieten?“

„Gerne. Haben Sie auch Feuer...?“

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