Klaus-D. Heid

Euro-Verweigerung

Da ging sie hin, unsere heißgeliebte Deutsche Mark, die uns so lange bei all unseren finanziellen Transaktionen begleitet haben. Taschengeld wurde in DM gezahlt. Tomaten und Unterhosen konnten für harte DM erworben werden. Afrika- oder Nordseeurlaube, Briefmarken und Bordellbesuche dienten dazu, herrliche deutsche Geldscheine in Umlauf zu bringen. Jeder einigermaßen talentierte Farbkopierer-Besitzer konnte sich seine eigenen neckischen DM-Scheine fertigen, ohne allzu große Risiken einzugehen. Tonnen von DM-Schwarzgeld lagerten wohlbehütet in den Tresoren findiger Unternehmer. Das Eis an der Ecke und den Killer, der jemanden um die Ecke bringen sollte – das alles ließ sich mit wunderschönen Groschen und Tausend-Mark-Scheinen bezahlen.

Alles vorbei...

Und jetzt?

Jetzt quält sich Deutschland mit diesem unsympathischen Monopoly-Geld herum, das sich anfasst, als hätte man es dem kleinen Fritzchen aus der Spielkiste entwendet. Viel zu kleine Scheine, viel zu unübersichtliche Münzen und viel zu wenig Erinnerungen quetschen sich in unsere Geldbörsen und sind – auch wenn es de facto nicht stimmt – plötzlich nur noch die Hälfte wert.

Wer hat sich denn Gedanken um die vielen alten Menschen dieses Landes gemacht, die sich mit einer neuen Währung konfrontiert sehen? Wieder eine Währungsreform? Umrechnen? Einskommaneunfünffünfachtdrei? Welcher arme Teufel soll da klar kommen, ohne am System zu verzweifeln? Wer denkt an die Versuchung jener kriminellen Elemente, unseren Opas und Omas jetzt das Euro-Geld aus der Tasche zu ziehen? Wer macht sich Gedanken um die zeit, in der unseren Eltern und Großeltern die DM als Symbol einer harten, stabilen und nationalen Währung erschien? Wer denkt an die Köpfe armer Rentnerinnen und Rentner, die urplötzlich nur noch halb so viel Geld überwiesen bekommen, obwohl es tatsächlich den gleichen Wert darstellt?

Und was ist mit der nationalen Identität?

Sprechen Sie einmal langsam und betont das Wort ‚Deutsche Mark’ aus. Und jetzt bitte mit gleicher Betonung das Wort ‚Euro’...

Merken Sie’s? Da ist nichts mehr! Der schöne Klang des Geldes ist verschwunden. Außerdem macht es dem einen oder anderen Bundesbürger Angst, wenn ‚sein’ Geld genauso in Frankreich, Spanien oder den Niederlanden zu bekommen ist.

Denken Sie auch an die Bettler auf den Straßen? Was wird aus dem geflügelten Wort: „Hamsemalnemark...?“ Stattdessen nur noch: „Hamsemalnenhalbeneuro...?“

Völlig bescheuert!

Und das Trinkgeld?

Hat vor der Währungsumstellung ein Kännchen Kaffee und ein Stück Torte neun Mark fünfzig gekostet, wurde jovial auf Zehn Mark aufgerundet. Fünfzig Pfennige (...was für ein schönes Wort!) Trinkgeld für die überlastete Bedienung. Jetzt kostet das gleiche Gedeck vier Euro und sechsundachtzig Cent. Wieder wird gütigst auf Fünf Euro aufgerundet. Die Differenz beträgt somit satte vierzehn Cent. Umgerechnet in DM kann sich die Bedienung nur noch über knapp achtundzwanzig Pfennige freuen. Und da in den Köpfen der Deutschen eine Eins noch immer eine Eins ist, rundet der nette Kunde seinen Betrag, den er zu zahlen hat, auf sechs Euro auf, da er unbewusst glaubt, lediglich eine Deutsche Mark draufgelegt zu haben. Welchen Irrtum er damit begeht, bemerkt er wohl erst um den 20. des Monats herum, wenn seine Barreserven plötzlich nicht mehr bis zum Monatsende reichen!

Haben Sie mal mit Anderen über das neue Geld geredet? Und? Geht’s denen wie mir? Sagen Ihnen auch alle, dass sie den Euro ‚eigentlich’ niiiiiiiiiiiiiiie wollten?

Ich wollte ihn auch nicht! Im Gegenteil! Ich hätte mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, wenn ich eine Chance gesehen hätte, ihn zu verhindern. Nun bleibt mir nur noch der radikale und knochenharte Weg, um mich gegen den Euro aufzulehnen:

Ich gebe ihn einfach nicht mehr aus! Ich bringe ihn nicht in Umlauf. Ich kaufe nichts mehr. Wenn mir etwa fünfzig Prozent der Bundesbürger nacheifern, die sich allesamt dem Spielgeld verweigern, muss die Bundesregierung irgendwann einlenken! Natürlich dauert dieser Prozess ein gewisses Weilchen. Es kann durchaus sein, dass einige von uns längst verhungert und verdurstet sind, bis die Aktion zu unserem Bundeskanzler durchgedrungen ist. Aber was soll’s?

Für die DM muss man bereit sein, Opfer zu bringen.

Stimmt doch, oder?

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