Claus Helge Godbersen

Lagebesprechung Deutschland

- Inhalt -


  1. Das Gesetz der Straße

  2. In Deckung, MĂ€nner!

  3. Jeden Samstag Straßensperre

  4. Noch ein paar VorschlĂ€ge zur RĂŒcksichtnahme

  5. Arroganz ganz unberechtigt

  6. Leere Worte an einem toten Tag

  7. Don Adolfo is back

  8. HĂ€tten wir doch bloß das Geld vergraben, das wir im Leben versoffen haben...

  9. Willkommen auf der dunklen Seite

  10. Man will uns ausrÀuchern

  11. Noch ein paar Tips zum Detektivspielen

  12. Den Schweden entkommt man nicht

  13. Kopftuch runter, Bart ab, stillgestanden!

  14. Die verbotene Bibliothek

  15. Kleines Einmaleins fĂŒr Abweichler

  16. Zu den Waffen!






Das Gesetz der Straße


Erinnert diese Überschrift Sie an Filme wie „Pulp Fiction“, „Traffic“ oder „Falling Down“ und BĂŒcher wie „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“? Denken Sie an Bandenkriege, Drogenhandel, Penner und Prostitution? Okay, denken Sie ruhig - das kann nie schaden. Wenn Sie in einer Metropole wie Hamburg oder Frankfurt leben, haben Sie auch allen Grund dazu und vielleicht finden Sie ja eine Möglichkeit, Ihre Stadt ein bisschen sicherer zu machen.
Aber ich komme aus einer kleinen Stadt, in der man sich fĂŒr gewöhnlich nur Gedanken ĂŒber Jodsohle- und MoorbĂ€der oder Marmelade macht und die langsam von LĂŒbeck verschlungen wird (die Stadt, nicht die Marmelade). Dort sind die oben erwĂ€hnten ZustĂ€nde AusnahmefĂ€lle.
Aber trotzdem: Das Gesetz der Straße hat auch fĂŒr solche friedlichen Gemeinden seine Paragraphen. Einer davon scheint zu besagen, dass man anderen Leuten höchsten zwei Sekunden in die Augen sehen darf und dann verpflichtet ist den Blick entweder zu senken oder aber aufmerksam Schaufenster, MĂŒlleimer und Straßenlaternen zu beobachten. NatĂŒrlich gibt es auch noch die Option, wie Kaiser Wilhelm II. den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Wie auch immer: Ich muss mal im Schönfelder „Deutsche Gesetze der Straße“ nachlesen, was genau erlaubt ist; denn ich fĂŒrchte, dass ich ziemlich oft mit dem Blickkontakt-Paragraphen in Konflikt komme. Ich sehe mir nĂ€mlich viele der Gesichter, die ich tĂ€glich passiere, genauer und lĂ€nger als zwei Sekunden an. Schon die eine oder andere Person hat mich zu interessanten Gedanken oder netten TagtrĂ€umen inspiriert. Die meisten befolgen jedoch - als brave deutsche StaatsbĂŒrger - den Wortlaut des Gesetzes der Straße und wenden ihren Blick von mir ab; seien es nun 16jĂ€hrige Skater (Nun gut, sie mĂŒssen ja auch stĂ€ndig nach unten gucken, um zu kontrollieren, ob ihr sich der Schritt ihrer Jeans noch modisch korrekt auf Kniehöhe befindet.), top gestylte junge Frauen (VerstĂ€ndlich, dass sie mich nicht ansehen - der Anblick meiner zeitlosen Kleidung und meiner ungegelten Haare ist sicher unertrĂ€glich.), Ă€ltere Herrschaften (Schon gut, mit 65 kriegt man den Nacken einfach nicht mehr gerade, das lĂ€sst sich nicht Ă€ndern.) oder Krawattenkrieger auf dem Weg ins BĂŒro (Viel zu beschĂ€ftigt, um sich mit Fußvolk wie mir abzugeben.). Sie alle sind gesetzestreu und bĂŒrgerlich, ich dagegen bin der RĂŒpel, der ihnen in die Augen sieht ohne eine NutzungsgebĂŒhr dafĂŒr zu entrichten!
Aber wenn solche Leute nach den erlaubten zwei Sekunden den Blick senken, das spannende Spiel der Pflastersteine verfolgen und diesen Nervenkitzel auskosten bis ich vorĂŒbergegangen bin, wird mir etwas klar: Leute, ihr seid mir hoffnungslos unterlegen! Ihr seid sogar zu schwach, um dem Blick eines Fremden fĂŒnf Sekunden Stand zu halten!! Ich könnte euch in die Tasche zwischen Uhr und SchlĂŒsselbund stecken und wĂŒrde das zusĂ€tzliche Gewicht kaum bemerken!!! Und besagt das Gesetz der Straße nicht auch, dass das Recht des StĂ€rkeren gilt? Da kommen mir doch einige grausame Ideen...
Jetzt aber mal im Ernst, liebe MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger: Es ist peinlich, wie Sie sich benehmen! Und unhöflich ist es auch; in gewisser Weise suggeriert dieses Verhalten nĂ€mlich Folgendes: „Sehr geehrter Unbekannter, Sie sind uninteressanter als der Fitzel Papier, der da ĂŒber die Straße flattert. Aus diesem Grunde sehe ich mich leider außer Stande, mein kostbares Augenlicht mit Ihrem Anblick zu belasten. Hochachtungsvoll, Ihr Passant Nr. 327 vom 29. August 2003.“
Dabei verpassen Sie viel! Im Gesicht des zotteligen Bikers, von dem Sie sich naserĂŒmpfend abgewandt haben, hĂ€tten Sie vielleicht die intelligentesten Augen der Woche entdeckt. Und wenn Sie das hĂŒbsche MĂ€dchen mit der Narbe auf der Wange nur einen Moment lĂ€nger angesehen hĂ€tten, hĂ€tte sie Ihnen vielleicht ein LĂ€cheln geschenkt und außerdem hĂ€tten Sie Ihren Termin beim Dermatologen nicht vergessen. Alles ist möglich und alles Mögliche entgeht Ihnen. Dabei haben Sie nichts zu befĂŒrchten: Niemand stiehlt Ihnen Ihre Seele, niemand trifft Sie mit dem „bösen Blick“, und wenn tatsĂ€chlich mal jemand sagen sollte „Ey, was glotzt du’n so?!“, dann können Sie daraus ein StĂŒck Menschenkenntnis gewinnen. NatĂŒrlich gibt es gewisse Situationen, zum Beispiel wenn Sie nachts unterwegs sind und Ihnen ein Haufen Betrunkener entgegenkommt - dann könnte Ihr Blickkontakt als Provokation aufgefasst werden. Wenn Ihre GegenĂŒber allerdings sowieso Streit suchen, könnten sie es genauso gut als Zeichen von SchwĂ€che werten, wenn Sie ihren Blicken ausweichen und Sie erst recht als Opfer auswĂ€hlen.
Alles in allem kann ich Ihnen mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass das es sich interessanter und entspannter lebt, wenn Sie die Gelegenheit nutzen und fremden Menschen ausgiebig in die Augen sehen (NatĂŒrlich sollen Sie niemanden, zum Beispiel in der U-Bahn, minutenlang anstarren.) und dann auch ĂŒber das, was Sie gesehen haben, nachdenken.
Ich komme mir blöd vor, weil ich Dinge, die mir selbstverstÀndlich erscheinen, in belehrendem Tonfall schreibe. Aber offenbar ist es vielen, zu viele Menschen noch nicht klar.



In Deckung, MĂ€nner!


Wer ein nicht-fiktives Buch schreibt, glaubt erfahrungsgemĂ€ĂŸ, die Lösung fĂŒr ein oder mehrere Probleme zu kennen. Und wenn das schon nicht der Fall ist, so glauben die meisten Autor(inn)en von SachbĂŒchern doch wenigstens ein Problem erkannt zu haben, dem noch nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird.
So geht es auch mir; aber folgenden Gedanken kann ich weder mit Sicherheit als Problem bezeichnen, noch kenne ich eine Lösung.
Im Juni 2000 habe ich zehn Tage als Praktikant in einer Försterei verbracht. Eines Nachmittag saßen der Forstwirtschaftsmeister, drei Azubis, eine weitere Praktikantin und ich hinter der Werkstatt und grillten anlĂ€sslich des Geburtstags eines der Azubis. Dabei kam das GesprĂ€ch irgendwie auf den Umgang mit Nacktheit. Die Praktikantin erklĂ€rte, dass es ihr unangenehm sei, ihren Vater unbekleidet zu sehen, was bei den einschließlich mir fĂŒnf MĂ€nnern auf UnverstĂ€ndnis stieß. Im Juni 2002 war ich mit der zwölften Klasse des Gymnasiums in SĂŒdfrankreich (bei St. Martin an der ArdĂšche, um genau zu sein; nettes Fleckchen, ist einen Besuch wert). In einer kleinen, gemischt mĂ€nnlich-weiblichen Runde erwĂ€hnte ein MitschĂŒler amĂŒsiert, unser Busfahrer habe eine knappe rosa Badehose getragen und man habe „voll seine Kanone sehen“ können. Darauf hin entfuhr einer anwesenden MitschĂŒlerin ein lautes „Iiieeeh!“. Im August 2003 ging eine Diskussion ĂŒber den jĂŒngsten Umbau in der stĂ€dtischen Schwimmhalle durch die lokale Zeitung. Besonders Frauen erregten sich darĂŒber, dass es nun kaum noch geschlossene Umkleidekabinen gibt und man im Zweifel einen offenen Umkleidebereich, der nur unzureichend nach Geschlechtern getrennt ist, nutzen muss. Eine Journalistin schrieb fĂŒr die „Schleswiger Nachrichten“ vom 28. August 2003: „Es gibt viele Frauen, die möchten nicht nackt gesehen werde - sie wollen ebenso wenig Vertreter des anderen Geschlechts in natura betrachten. Schließlich trifft man sich im kleinen Schleswig auch bei anderen Gelegenheiten oft wieder.“
So wurde ich immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass vielen Frauen die Betrachtung der mĂ€nnlichen BlĂ¶ĂŸe unangenehm ist. Dagegen habe ich noch von keinem Mann gehört, es sei ihm peinlich, eine nackte Frau zu sehen. Außerdem tragen Frauen oft so enge und knappe Badehosen, dass man(n) sich beim Betrachten einer Badenixe fragt, ob diese Falte im Schritt daher rĂŒhrt, dass sich... Ă€hem, Verzeihung... die nasse Textilie zwischen den Schamlippen eingeklemmt hat. Und auch daran hat noch kein Mann Anstoß genommen. Was ist also mit den Frauen los - oder was stimmt mit dem MĂ€nnerkörper nicht?
Noch verwunderlicher wird das Thema fĂŒr mich, wenn ich bedenke, dass Menstrip-Shows nicht ĂŒber Zuschauerinnen-Mangel klagen können. Immer wieder sieht man im Fernsehen Frauen jeden Alters den „California Dream Men“ und Ă€hnlichen Kombos zujubeln. Sind solche Reportagen (z. B. „Wa(h)re Liebe“) etwa getĂŒrkt? Sind die Frauen, was den Unterleib von MĂ€nnern betrifft, in zwei Lager gespalten? Oder fĂŒhren unsere MĂŒtter, Töchter, Schwestern und Ehegattinnen ein Doppelleben?
Ich stellte einem Freund diese Frage und er meinte, es sei einfach die von der Wirtschaft manipulierte Mode. Den Frauen wĂŒrde suggeriert, ihre Nacktheit oder Fastnacktheit sei nicht obszön sondern sexy, wohingegen dieses Dogma nicht fĂŒr MĂ€nner gelte.
Und was ist nun die Wahrheit? Wenn Sie ein Frau sind, können Sie mir vielleicht dabei helfen, das andere Geschlecht besser zu verstehen. Was denken Sie im Bezug auf nackte MÀnner?


Jeden Samstag Straßensperre


Eigentlich nicht nur jeden Samstag, sondern immer, wenn viele Leute meinen dringend einkaufen zu mĂŒssen, mache ich eine seltsame und lĂ€stige Beobachtung: Dort, wo die Einkaufswagen in drei Schlagen darauf warten, abgeholt und abgefĂŒllt zu werden, bildet sich im Laufe des Tages eine lange Schlange. Lassen Sie uns mal ein bisschen rechnen - sagen wir, 60 Einkaufswagen sind von den Angestellten des Einkaufszentrums auf drei Reihen verteilt worden... das macht 20 pro Reihe, richtig? Gut, mehr passen in die UnterstĂ€nde auf dem Parkplatz nicht rein. Nun kommen all die Kunden (Sie und ich und viele mehr), holen die Wagen ab, kaufen ein und bringen die Wagen zurĂŒck. Komischer Weise wird aber meistens eine der drei Reihen bevorzugt, um die Wagen wieder abzustellen. So enden etwa 50 der (vormals auf drei Reihen verteilten) 60 StĂŒck in einer Reihe. Können Sie mir noch folgen? Sehr schön, dann ist es sicher auch nicht schwer zu verstehen, dass diese eine Reihe viel lĂ€nger wird als die ursprĂŒnglichen drei, oder?! Und diese eine lange Lieblingsreihe, die wir Kunden so fleißig gebaut haben, wĂ€chst dann langsam aber sicher ĂŒber die ganze Straße (bzw. Durchfahrtgasse auf dem Parkplatz), so dass irgendwann nur noch ein Pkw durchkommt - wenn ĂŒberhaupt. Dass das eine lĂ€stige Situation ist, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Aber ich finde, wir sollten dafĂŒr sorgen, dass es anders wird - ist doch zu blöd! Und es geht ganz einfach: wenn nur alle Kunden darauf achten, die Einkaufswagen gleichmĂ€ĂŸig auf alle Reihen zu verteilen; das bedeutet, den Wagen immer dort abzustellen, wo die wenigsten stehen. Und noch eine Kleinigkeit verdient unsere Aufmerksamkeit: Wir mĂŒssen darauf achten, möglichst gerade Reihen zu bauen; denn sonst kann es schnell passieren, dass eine lange, schiefe Reihe den Zugang zu einer kĂŒrzeren blockiert.
Wenn wir uns an diese zwei einfachen Benutzungsregeln halten, werden wir bei „real“, „Magnet“, „famila“ und anderen GroßmĂ€rkten nicht nur unbegrenzten Einkaufsspaß, sondern auch freie Fahrt auf dem Parkplatz haben.
Ein paar Gedanken möchte ich noch loswerden zu der Frage, wie bei einer so einfachen Sache immer wieder der gleiche Fehler passieren kann.
Erster Grund: Viele Leute sind extrem gestresst und empfinden das stĂ€ndige Einkaufen außerdem als lĂ€stige Pflicht, die sie möglichst schnell hinter sich bringen wollen. (Eigentlich sollte man sich glĂŒcklich schĂ€tzen, nicht zu den Millionen Menschen zu gehören, fĂŒr die selbst das Sattwerden ein Problem ist.) Deshalb wird wahrscheinlich auch der Einkaufswagen gedankenlos irgendwie, Hauptsache schnell, abgestellt. Zugegeben, man spart ein paar Sekunden, wenn man ihn in die lĂ€ngste Schlange stellt anstatt ein paar Schritte weiter ans Ende einer kĂŒrzeren zu gehen. Machen Sie noch eine kleine Mathestunde mit? Wenn Sie dreimal in der Woche Großeinkauf machen, sind das bei 52 Wochen 156 GroßeinkĂ€ufe im Jahr. Sparen Sie bei jedem Einkauf 5 Sekunden durch Nutzung der lĂ€ngsten Wagenreihe, sind das 780 Sekunden im Jahr, also 13 Minuten. Wollen Sie nicht eine knappe Viertelstunde im Jahr opfern, um das Einkaufen fĂŒr uns alle angenehmer zu machen?
Zweiter Grund: Manche Leute haben eine fast panische Angst davor, aufzufallen, anders zu sein. (Das hĂ€ngt mit der Furcht vor Isolation zusammen - nachzulesen in Erich Fromms meisterhaftem Buch „Die Kunst des Liebens“.) Und Auffallen fĂ€ngt schon damit an, eine lange, schiefe Wagenschlange ein StĂŒck zur Seite zu schieben, um an die kĂŒrzeste heranzukommen. Wenn Sie mal jemanden sehen, der sich tatsĂ€chlich diese MĂŒhe macht, dann bin das wahrscheinlich ich. Probieren Sie es doch auch mal! Es mag nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein - aber Sie machen unsere Welt auf diese Weise ein winziges StĂŒckchen besser, und auch das Zischen eines kleinen, verdampfenden Tropfens wird von irgendwem gehört. Außerdem fĂŒhlt es sich verdammt gut an, eine der eigenen inneren Barrieren ĂŒberwunden zu haben.


Noch ein paar VorschlĂ€ge zur RĂŒcksichtnahme


Wenn Sie Ihren tĂ€glichen Beitrag zur Umweltentlastung leisten und die leeren SchlagsahnebehĂ€lter, Katzenfutterdosen, Konservendosen und ĂŒberhaupt alles, was irgendwie schmierig oder klebrig ist, in den gelben Sack werfen - halten Sie doch mal einen Moment inne. Was passiert eigentlich mit dem Inhalt dieses Sacks, wenn er abgeholt worden ist? So genau kann ich Ihnen das auch nicht sagen, aber den ersten Schritt kenne ich: Der Sack wird von ungelernten Arbeitern geöffnet, die die verschiedenen darin enthaltenen Dinge nach irgendeinem System sortieren. Nun haben die Kompott- Hundefutter- Thunfisch- und StreichkĂ€sereste aber mindestens ein paar Tage außerhalb des KĂŒhlschranks zugebracht; Sie können sich also denken, dass unsere MĂŒllsortierer einen ziemlich ekligen Job zu verrichten haben. Aber man - zum Beispiel Sie - könnte dem leicht ein Ende machen, wenn man die Plastik- Metall- und Verbundstoffwaren abspĂŒlt, wenigstens vom gröbsten Schmutz befreit, bevor man sie entsorgt. Und auch Sie könnten eines Tages arbeitslos dastehen und hĂ€nderingend nach einer Arbeit fĂŒr 6,10 Euro (oder weniger) die Stunde suchen.
Es gibt Leute, die mĂŒssen sogar sonntags frĂŒh aufstehen. Und dann gibt es noch Sonderlinge wie mich, die gerne frĂŒh ins Bett gehen und frĂŒh aufstehen. Solche Leute haben es gar nicht gerne, wenn ihre Nachbarn den Samstagabend zu einer kleinen aber lautstarken Feier nutzen. Abgesehen davon, dass ich mich kein bisschen wohlfĂŒhlen könnte, wenn ich wĂŒsste, dass irgendwo in der NĂ€he jemand ist, den oder die ich vom Schlafen abhalte oder auch nur davon, in Ruhe zu lesen, haben Freunde von lauter Musik am Feierabend offenbar noch nie darĂŒber nachgedacht, was ihnen blĂŒhen könnte. Ich jedenfalls könnte mir gut vorstellen, mich zu rĂ€chen indem ich um fĂŒnf Uhr morgens meine Stereoanlage bis zum Anschlag aufdrehe: „No Sleep till Hammersmith!“ - Motörhead wird schon dafĂŒr sorgen, dass diese Störenfriede in Zukunft an mich denken. Dabei bin ich selbst ein großer Musikliebhaber und habe mich beim letzten Metallica-Konzert in der Berliner Wuhlheide königlich amĂŒsiert! Aber wenn laute Musik, dann bitte so, dass niemand in seinen eigenen vier WĂ€nden gestört wird. Deshalb sollten auch alle StadtvĂ€ter und -mĂŒtter und Raumplaner(innen) beim Anlegen eines solchen Veranstaltungsortes darauf achten, dass alle Wohngegenden außer Hörweite liegen. Andernfalls sind Konflikte vorprogrammiert.
Ich gehe gern ins Schwimmbad. Schwimmen ist eine sehr ganzheitliche Sportart und damit, denke ich, auch eine sehr gesunde. Es gibt - soweit meine Beobachtungen - zwei Sorten Schwimmhallenbesucher: Die einen wollen trainieren und in Ruhe ihre Bahnen ziehen, die anderen wollen lieber ein bisschen rumplanschen und sich mit Freunden unterhalten. Ich finde, diese zwei Gruppen nehmen viel zu wenig RĂŒcksicht aufeinander. Die Planscher schwimmen mal ein, zwei Bahnen und stellen sich dann zehn Minuten oder lĂ€nger schwatzend im flachen Bereich auf, so dass den Sportschwimmern oft nur noch die halbe BeckenlĂ€nge bleibt. FĂŒr letztere ist in manchen SchwimmbĂ€dern eine Bahn abgetrennt, wo es möglich sein sollte, ungestört dem Geschwindigkeitsrausch zu frönen. Aber auch dort machen es sich hin und wieder Leute am Beckenrand fĂŒr einen kleinen Plausch bequem. Die RekordjĂ€ger, vielleicht aus Frust ĂŒber diese Respektlosigkeit gegenĂŒber ihren Hoheitsrechten, sind jedoch ebenso selten kompromissbereit: KĂŒrzt mal ein kleines Kind oder eine schwerfĂ€llige, alte Person den Weg zum Beckenrand ĂŒber die Überholspur ab, dann wird im Geiste die Lichthupe betĂ€tigt und gnadenlos durchgezogen. Gerade in kleineren StĂ€dten, die oft das regionale Zentrum fĂŒr die umliegenden Dörfer darstellen, sind die SchwimmbĂ€der schnell ĂŒberfĂŒllt. Da wĂ€re es wirklich angebracht, aufeinander RĂŒcksicht zu nehmen und zu ĂŒberlegen, ob man andere vielleicht behindert und wie sich das verhindern ließe. Wenn zum Beispiel drei Freundinnen ins sowieso schon gut besuchte Schwimmbad gehen, mĂŒssen sie ja nicht unbedingt gemĂ€chlich nebeneinander schwimmen, sich dabei unterhalten und somit drei Bahnen „blockieren“. Es wĂ€re eine Alternative, „im GĂ€nsemarsch“ ein paar flotte Bahnen zu absolvieren und dann außerhalb des Beckens eine Verschnauf- und Konversationspause zu machen. Diese Prozedur lĂ€sst sich beliebig oft wiederholen und entlastet den Betrieb im Wasser ganz ungemein!
(Mehr zum Thema „RĂŒcksichtnahme“ finden Sie unter „Den Schweden entkommt man nicht“)


Arroganz ganz unberechtigt


Ich will gar nicht erst fragen, zu welcher Sorte Mensch Sie gehören, aber manche Leute brĂ€uchten dringend eine Lektion in Bescheidenheit, soviel steht fest! Und damit meine ich nicht Bescheidenheit im materiellen Sinn, sondern vielmehr was die HochschĂ€tzung der eigenen Person und GeringschĂ€tzung anderer angeht. Manch ein Zeitgenosse blickt auf (gerade ungelernte) Fabrikarbeiter, Lagerarbeiter oder MĂŒllmĂ€nner herab, als hĂ€tten diese entsprechend ihrem niedrigen Lohn auch einen niedrigen menschlichen Wert. Zugegebenermaßen haben viele von ihnen wenig Phantasie, ein schlechtes Bildungsniveau, ein altes oder sogar kein Auto, ungekĂ€mmte Haare, tĂ€towierte Arme und noch nie in St. Tropez Urlaub gemacht, aber sie haben auch einen großen Vorteil: Sie machen die Arbeit, die den Verwaltungsbeamten, AnwĂ€lten, Offizieren, Architekten, Bankiers und Wirtschaftsbossen zu dreckig, zu langweilig, zu anstrengend ist. Sie sorgen dafĂŒr, dass unsere MĂŒlltonnen leer sind, wenn wir sie von der Straße holen und dass wir Konservenprodukte und Toilettenpapier kaufen können, wann immer uns der Sinn danach steht - kurzum: Sie sorgen dafĂŒr, dass der Laden lĂ€uft. Wer also eine MĂŒlltonne oder Toilettenpapier benutzt oder WĂŒrstchen aus dem Glas isst, kann sich Überheblichkeit gegenĂŒber dem arbeitenden Fußvolk ĂŒberhaupt nicht erlauben. Und wer der Meinung ist, es sei menschenunwĂŒrdig, acht bis zehn Stunden am Tag Fließbandarbeit zu verrichten, der muss auch fĂŒr sich selbst die Konsequenzen ziehen: Entweder weniger „Fließbandprodukte“ kaufen oder sich dafĂŒr einsetzen, dass diese unter angenehmeren Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Wobei eigentlich nur letzteres wirklich sinnvoll ist; Produkte aus Massenherstellung zu boykottieren wĂ€re vermutlich ein rĂŒcksichtsloses Vorgehen gegenĂŒber Leuten, die froh sind, mit ihrem schlechten Hauptschulabschluss ĂŒberhaupt Arbeit zu finden.
Arrogant oder wenigstens verstĂ€ndnislos sind viele BĂŒrger auch gegenĂŒber Obdachlosen. „Anstatt zu betteln sollen die sich doch Arbeit suchen!“, schimpft Frau Schmidt, wĂ€hrend sie die prall gefĂŒllten PlastiktĂŒten von RossmannÂź und New YorkerÂź in den Kofferraum ihres neuen Renault TwingoÂź hievt. Gestatten Sie mir eine Frage: Mit wie vielen Obdachlosen haben Sie denn schon gesprochen? Oder woher wissen Sie, dass keiner von denen versucht hat Arbeit zu finden? Ach so, außerdem finden Sie die Art und Weise, wie diese Kerle immer da sitzen - auf den Knien, den Pappbecher in der Hand, flehend zu den Passanten aufblickend - penetrant und theatralisch, verstehe. Kann ich nachvollziehen, geht mir manchmal Ă€hnlich. Aber leider sehe ich auch keine Straßenzeitung in Ihren Beuteln: „Hempels“ in Schleswig-Holstein, „Motz“ in Berlin, „Hinz & Kunzt“ in Hamburg, „The Big Issue“ in London... Selbst in den Einkaufszentren kleiner StĂ€dte wie Husum kann man die VerkĂ€ufer von solchen BlĂ€ttern antreffen. Und diese Leute betteln nicht - sie arbeiten: Teilweise bei Minusgraden stehen sie stundenlang an der Laterne und warten auf KĂ€ufer. Da haben Sie Ihre Möglichkeit, armen Menschen zu helfen sich selbst zu helfen. DarĂŒber hinaus bekommen Sie interessante LektĂŒre, die besser ĂŒber regionale Probleme informiert als die meisten Tageszeitungen. Eigentlich mĂŒssten diese Magazine weggehen wie warme Semmel mit Butter und Marmelade drauf! Aber nein - offenbar ist es doch nicht so wichtig, denen zu helfen, die sich anstrengen, aber bisher wenig GlĂŒck hatten... Wenn wir uns das nĂ€chste Mal treffen, liebe Frau Schmidt, möchte ich zwischen Ihren Kosmetikartikeln und Dessous auch die neueste Ausgabe der lokalen Straßenzeitung sehen, sonst hagelt’s aber!!!


Leere Worte an einem toten Tag


Diese Überschrift ist ein Zitat. Woher? Erraten Sie nie! Aus dem Lied „Leere Worte“ vom Album „Viva los Tioz!“. Komponisten? Die unverbesserlichen Böhsen Onkelz, die PrĂŒgelknaben der deutschen Musikbranche. Aber ich will hier keine AusfĂŒhrungen tĂ€tigen ĂŒber die ewige Frage, ob die Vier noch Nazis sind oder nicht, sondern ich will auf Orte hinweisen, an denen besonders viele leere Worte gesprochen werden.
Nicht etwa der Bundestag, sondern die deutschen Schulen. Zwar verdient auch die Politik Beachtung als Urheberin vieler leerer Worte, aber mit der Schule habe ich mehr Erfahrung. Schulen stehen stĂ€ndig im Kreuzfeuer, und stĂ€ndig mĂŒssen die Leerer... ‘tschuldigung... Lehrer sich anhören, wie schlecht sie ihren Job machen; regelmĂ€ĂŸig werden die schlechten SchĂŒler als Beweis fĂŒr die Faulheit und UnfĂ€higkeit der Dozenten herangezogen. Das mag alles richtig sein, aber es mĂŒsste auch mehr ĂŒber die vielen ambitionierten Lehrer gesprochen werden, die oft bis spĂ€t in die Nacht arbeiten, um sich interessante Unterrichtskonzepte auszudenken und die Klassenarbeiten möglichst schnell zurĂŒckzugeben.
Trotzdem fehlt an unseren weiterfĂŒhrenden Schulen (jedenfalls an den Gymnasien; ĂŒber Haupt- und Realschulen weiß ich wenig) etwas sehr Wichtiges: die ernsthafte Erziehung der Jugendlichen zu selbstĂ€ndig denkenden und handelnden Individuen. Die immer wieder aufflackernde Diskussion ĂŒber Schuluniformen ist ein Symptom dieses Umstandes. Es ist nĂ€mlich richtig, dass unter SchĂŒlern Konflikte auftreten, die mit teurer Markenkleidung oder deren Fehlen zusammenhĂ€ngen. Das jedoch rĂŒhrt maßgeblich daher, dass weder die Schule noch die Eltern genug unternehmen, um ihre SchĂŒtzlinge vor der Manipulation der Wirtschaft zu schĂŒtzen. Den Jugendlichen wird nicht klargemacht, dass ihr persönlicher bzw. menschlicher Wert nicht davon abhĂ€ngt, wie konform sie mit den aktuellen Trends sind. Zu viele hinterfragen die Handlungen von Modeschöpfern und Trendsettern ĂŒberhaupt nicht, sondern achten nur darauf, welcher Kleidungsstil sich wohl als am coolsten, welche Disco als am angesagtesten, welche Girlband als gerade am in-sten, welcher Skandalrapper als am schockierendsten fĂŒr die Eltern und welches englische Wort als am nichtssagendsten herausstellt. Und so klagt der Verein Deutsche Sprache ĂŒber das allgegenwĂ€rtige „denglisch“, schimpfen die Alten ĂŒber die unmögliche Kleidung der Jungen und jammern Politiker ĂŒber die zunehmende Politikverdrossenheit insbesondere junger Menschen.
Aber die Damen und Herren des Lehrkörpers, HĂŒter unseres Kulturschatzes, waschen ihre HĂ€nde in Unschuld. Sie geben sich damit zufrieden, wenn die mĂŒndliche Leistung von OberstufenschĂŒlern darin besteht, einen gelesenen Text wiederzugeben und komplexe Fragen mit ein-Wort-Antworten wie „Infrastruktur“ und „Globalisierung“ (Erdkunde), „Kompositionslinien“ und „Farbe-an-sich-Kontrast“(Kunst) oder „ReziprozitĂ€t“ und „oligotroph“ (Biologie) zu beantworten. Unter anderem ist auch die sprachliche AusdrucksfĂ€higkeit unserer Abiturienten in einem desolaten Zustand. (Ich weiß es - ich habe mein Reifezeugnis erst vor einigen Monaten erhalten. Urteilen Sie selbst, ob ich eine Ausnahme bin oder nicht.)
Der heutzutage an den Schulen herrschende Liberalismus sieht es weitgehend als Privatsache der SchĂŒler an, wie ordentlich oder unordentlich die Ranzen gepackt sind, wie sie sich in ihrer Freizeit verhalten und wie sie gekleidet sind. Das ist sicherlich besser als die UnterdrĂŒckung, die vor fĂŒnfzig Jahren Gang und gebe war, aber vielen jungen Leuten bekommt diese Freiheit (gepaart mit einem bis dato ungekannten jugendlichen Wohlstand) nicht. Sie werden nur noch als Einheiten potentieller Kaufkraft angesehen und zu SpielbĂ€llen der KrĂ€fte unserer sozialen Marktwirtschaft (Die soziale Komponente muss ich mir nochmal erklĂ€ren lasen.) Wie ein weiser GrundschulpĂ€dagoge einmal zu seinen DreikĂ€sehochs, unter denen auch ich mich befand, sagte: „Ihr hört nicht mehr die leisen Stimmen. Die leisen Stimmen schreien schon und ihr hört sie trotzdem nicht!“ Wenn er geahnt hĂ€tte, dass seine lieben Kleinen die leisen Stimmen, von denen er sprach, in ein paar Jahren mit den leisen Stimmen aus der Fernsehwerbung verwechseln wĂŒrden, hĂ€tte er sich vermutlich eine andere Metapher ausgedacht, um ihnen die Begriffe Eigenverantwortung und Gewissen nahezubringen.
Ja, ich gehe soweit zu sagen, dass es einer erschreckend großen Anzahl meiner Altersgenoss(inn)en aus gutem Hause an Gewissen fehlt! Wie sonst ließe sich erklĂ€ren, dass sie ihr reichhaltiges Taschengeld und den Verdienst aus ihrem Nebenjob beim Pizzaservice oder bei „Janny’s Eis“ samt und sonders fĂŒr edlen Zwirn, Discobesuche, CDs, Reisen in die Touristenhochburgen des SĂŒdens und Benzin verticken? Wenn ihr alle, liebe ehemalige MitschĂŒlerinnen und MitschĂŒler, nur einmal im Jahr die Kosten einer neuen Jeans fĂŒr einen guten Zweck spenden wĂŒrdet, könnte man der ausbeuterischen Kinderarbeit in Ägypten (Suchen Sie mal im Internet – Sie werden schnell fĂŒndig werden.), dem Kinderstrich in Bangkok (Fragen Sie mal Ihren Gemeindepastor.) und den Kindersoldaten in Liberia (siehe z. B. Scholl-Latour, „Afrikanische Totenklage) viel wirkungsvoller entgegentreten. Und noch etwas, was möglicherweise von mangelndem Gewissen zeugt: Kurz vor dem mĂŒndlichen Abitur hat ein ehemaliger MitschĂŒler ein kollektives Blutspenden organisiert. Obwohl wir vom Roten Kreuz in höchsten Tönen gelobt wurden, richtete sich mein Augenmerk auch auf die Tatsache, dass von etwa 75 Abiturienten nur knapp 30 gespendet haben. FĂŒr eine Gruppe junger, gesunder Leute ist das ein etwas enttĂ€uschendes Ergebnis, finde ich.
Um zu den an Schulen ĂŒblichen leeren Worten zurĂŒckzukommen: So ziemlich alle SchĂŒler(innen) sind von der Schule mehr oder weniger genervt. Diesen Zustand haben alle Beteiligten - SchĂŒler, Lehrer, Eltern, Kultusminister... inzwischen offenbar als unabĂ€nderlich akzeptiert. Dabei ist dieser Zustand keineswegs akzeptabel und keineswegs menschlich; Lernen kann und sollte stets eine angenehme BeschĂ€ftigung sein. (Seit ich nicht mehr zur Schule gehe, verbringe ich den grĂ¶ĂŸten Teil meiner Freizeit damit, Sprachen zu lernen, mich im Bezug auf das Weltgeschehen zu bilden, kĂŒnstlerisch tĂ€tig zu sein, Sport zu treiben und... naja... zu schreiben eben. Spaß muss keineswegs unproduktiv sein und ein kleines abendliches BesĂ€ufnis von Zeit zu Zeit steht dazu ja nicht im Widerspruch.) Und besonders die SchĂŒler sollten sich aufraffen und etwas gegen die Langeweile an Schulen unternehmen - wirklich gute, charakterlich fĂŒr ihren Beruf geeignete Lehrer werden solchen BemĂŒhungen stets entgegenkommen! Als SchĂŒler muss man jedoch bedenken, dass gerade gute, engagierte Lehrer sich meistens mit ihrer Schule identifizieren und Kritik, die SchĂŒler arglos vorbringen, etwas persönlicher nehmen. Einmal wurde der neue Direktor meiner ehemaligen Schule von dem lokalen Tagesblatt interviewt, wie sein bisheriger Eindruck von der Schule sei. Kurz gesagt: Er lobte sie in höchsten Tönen und von Problemen fiel kein Wort bzw. wurde kein Wort gedruckt. Daraufhin setzte ich mich mit zwei MitschĂŒlern und einer MitschĂŒlerin zusammen und wir verfassten einen Leserbrief, der sozusagen das negative GegenstĂŒck zum Artikel war: Wir ließen kein gutes Haar an unserer Schule. Am Tag seines Erscheinens bereiteten wir uns darauf vor, dass die Lehrer, die wir beim Verfassen unserer Pamphlets im GedĂ€chtnis hatten, geknickt oder erbost sein wĂŒrden und die unserer Meinung nach guten Lehrer uns hinter vorgehaltener Hand loben wĂŒrden. Wir sollten uns noch wundern... Ein Lehrer, vor dem wir großen Respekt hatten, erzĂ€hlte uns von einem beinahe-Familienkrach, den unser Leserbrief bei ihm zu Hause ausgelöst habe. Ein anderer Ă€hnlich beliebter Dozent forderte mit gezĂŒgelter Wut eine ErklĂ€rung von uns. Eine weitere, recht engagierte Lehrerin sprach von einem GĂŒllefass, das wir umgekippt hĂ€tten. Und die Schlafwandler, ungerecht-Benoter, Meckerer und auf-kosten-der-SchĂŒler-Witze-Macher unter den Lehrern, denen wir eins auswischen wollten? Die gingen zum Unterricht ĂŒber wie jeden Tag oder erwĂ€hnten vielleicht beilĂ€ufig, dass sie den ganzen Zirkus um diesen Leserbrief nicht verstĂŒnden. Gratulationen erhielten wir dagegen von SchĂŒlern der gesamten Oberstufe, unsere Eltern wurden von ihren Kollegen begeistert angesprochen, mein KieferorthopĂ€de und eine Nachbarin sprachen mir ihren Beifall aus. (Bei der Überreichung der Abiturzeugnisse raunte der Direktor, der sich wĂ€hrend des ganzen „Leserbrief-Skandals“ stets vorbildlich diplomatisch verhalten hatte, mir, fĂŒr die anderen SchĂŒler und das Publikum unhörbar, ins Ohr: „Und Ihre Kritik war berechtigt!“ Ich muss zugeben, dass ich davon ĂŒberrascht und, auch das muss ich zugeben, geschmeichelt war. Ich hoffe, ich haue ihn mit der Veröffentlichung dieser Aussage nicht in irgendeine Pfanne.) Was mich jedoch wirklich enttĂ€uscht hat, ist die Tatsache, dass niemand von der Passage Notiz zu nehmen schien, in der wir unsere Schule als „...Schule, auf der selbstĂ€ndig denkende SchĂŒler das GefĂŒhl haben, ihre IndividualitĂ€t werde eingeschrĂ€nkt,...“ („Schleswiger Nachrichten“ vom 21. 1. 2003) bezeichnet hatten. Ich hielt es fĂŒr den hĂ€rtesten Kritikpunkt von allen, gegen den die Schule sich heftigst hĂ€tte zur Wehr setzen und wir große Zustimmung erhalten mĂŒssen. Nichts!
Überhaupt kann ich mich nur an ein einziges Mal erinnern, dass eine Lehrerin uns SchĂŒler auf unsere individuelle Verantwortung hingewiesen hat. Ihre Worte waren sinngemĂ€ĂŸ: „Reden Sie sich nicht immer damit heraus, dass Sie manipuliert werden! Sie sind selbstĂ€ndige, erwachsene Menschen.“ Gehen wir davon aus, dass ich zwei oder drei weitere Ermahnungen dieser Art vergessen habe, dann ist das auf neun Jahre verteilt immer noch verdammt armselig. [Fortsetzung im nĂ€chsten Kapitel]


Don Adolfo is back


Haben etwa so Wenige erkannt, dass es unserer Gesellschaft zunehmend an IndividualitĂ€t mangelt und auch die Schulen wenig dagegen tun oder sich diesem „Trend“ sogar anschließen? Die heutige UniformitĂ€t wird von keinem kriegsflottengeilen Kaiser oder als Maler gescheiterten Diktator vorgeschrieben, sondern von dem schwer durchschaubaren KrĂ€ftespiel aus Profifußball, Bekleidungsindustrie und der Popstar-HexenkĂŒche von Dieter Bohlen (als Handlanger seines englischen Hintermannes Simon Fuller). Wir dĂŒrfen uns einen Bundesliga-Verein aussuchen, dessen Hochs und Tiefs wir mitgenießen und -erleiden wollen (da unser eigenes Leben nichts als Routine hergibt), wir dĂŒrfen uns zwischen elegantem, sportlichem oder Skater-Kleidungsstil, die alle gleichermaßen ĂŒberteuert sind, entscheiden und wir dĂŒrfen uns aussuchen, ob der neue Superstar Juliette Schoppmann, Daniel KĂŒbelböck oder Alexander Klaws heißen soll - und wer schließlich Unterschiede zwischen ihrem gleichklingenden Pop-Gedudel findet, wird zum Superdetektiv gekĂŒrt! Und es werden keine Alliierten kommen, die uns von diesem Joch der Dummheit befreien - diesmal sollten wir dem neuen Graf Stauffenberg (wer immer es ist) wirklich die Daumen drĂŒcken, dass er die Bombe glĂŒcklicher plaziert als am 20. Juli. Das Problem ist nur, dass der unsichtbare FĂŒhrer inzwischen in unser aller Köpfen kleine Wolfsschanzen errichtet hat. Der Befreiungsschlag wird also weh tun!
Aber noch ein weiteres Problem tut sich auf - wir kennen es aus Arnold Schwarzeneggers „Predator“: Wie kĂ€mpft man gegen einen unsichtbaren Feind? Es wurde keine KriegserklĂ€rung abgegeben, auf der Munition, mit der wir beschossen werden, steht nicht „made in U.S.“ oder „produce of France“, kein gegnerischer General prophezeit unsere Niederlage und die Gefangenenlager sind nicht von Stacheldraht und WachtĂŒrmen umzĂ€unt. Im Gegenteil, wir halten uns fĂŒr freie Menschen in einem demokratisch gefĂŒhrten Land, die sich unabhĂ€ngig ihre Meinung ĂŒber die verschiedenen Aspekte des Lebens bilden. Dabei ist es doch ganz offensichtlich, dass selbst der oder die Intelligenteste, Erfahrenste, Einflussreichste, Kritischste von den Informationen abhĂ€ngig ist, die ihm oder ihr die Medien zugĂ€nglich machen. Wenn man nicht selbst die Krisengebiete der Welt bereist, kann man das Risiko der - absichtlichen oder unabsichtlichen - Falschinformation nur verringern, indem man möglichst viele verschiedene Nachrichtenquellen konsultiert; ausschließen lĂ€sst sich dieses Risiko jedoch nie. Trotzdem halten selbst Menschen, die sich nicht einmal die MĂŒhe machen ihre Morgenzeitung zu ĂŒberfliegen oder im Badezimmer die Rundfunknachrichten zu hören, sich fĂŒr frei. Und das Dollste ist, dass wir niemanden anklagen können uns unsere Freiheit genommen haben. Jeder von uns hat das Recht eine Partei zu grĂŒnden, eine Randpartei, die wirklich neue Dinge wagen wĂŒrde, zu wĂ€hlen, klassische Musik oder Punkrock zu hören oder aufs Land zu ziehen und Selbstversorger zu werden. Wir haben sogar das Recht den Fernseher abzuschalten - aber wir fĂŒrchten uns offenbar vor dem dunklen Tal, dass sich auftut, sobald wir auf die dunkle Mattscheibe starren. Anstatt in die Fratzen unserer eigenen DĂ€monen zu blicken, blicken wir lieber in das geschminkte Gesicht der schönen Frau, die uns lĂ€chelnd auffordert: „Also bleiben Sie dran!“. Wir haben unsere Freiheit selber abgegeben, weil die Fresswelle, die Autowelle, die Reisewelle und der ganze Luxus und Wohlstand, den das Wirtschaftswunder mit sich brachte, unendlich schien und viel zu spaßig war, um sich mit Dingen wie Politik zu beschĂ€ftigen. Keine Experimente! Und als der alte Adenauer weg vom Fenster war, hatte man sich an diesen Zustand wohliger geistiger UntĂ€tigkeit offenbar gewöhnt. Das konnte selbst die 68er-Bewegung nicht wieder vollstĂ€ndig gutmachen.
Als im kleinen Schleswig einmal eine öffentliche Kundgebung gegen Rassismus stattfand, habe ich etwas beobachtet, das mir gewaltig zu denken gab. Es sprach der BĂŒrgermeister, doch seine Worte waren in der Entfernung, in der ich von der BĂŒhne stand, schlichtweg nicht zu verstehen. Bei offenbar besonders weisen Passagen seiner Rede applaudierten diejenigen, die nah genug waren, um ihn zu verstehen. Dieser Beifall pflanzte sich jedesmal auf wundersame Weise bis zu dem Punkt fort, wo ich mich befand, wo man nichts verstand. Die Leute applaudierten ohne zu wissen wofĂŒr! Solche Leute sind die Gefahr, dachte ich mir und denke es immer noch. Solche Leute, die im Herdenverhalten - als Masse stark zu sein - Genugtuung finden, sind voller Begeisterung in den Ersten Weltkrieg marschiert. Solche Leute, denen diese komische Sache mit der eigenen Meinung zu kompliziert und riskant erscheint („Überlassen wir das denen, die dafĂŒr bezahlt werden und die dafĂŒr brav bei der Jungen Union den Versammlungsraum gefegt haben.“), haben damals Hitler gewĂ€hlt und wĂŒrden es womöglich auch heute wieder tun, wenn Addi sich nur eine neue Verkaufsstrategie ausdenken wĂŒrde. Die paar ĂŒberzeugten Rassisten fallen da kaum ins Gewicht.


HĂ€tten wir doch bloß das Geld vergraben,
das wir im Leben versoffen haben...


Ich gehöre nicht zu den Menschen, die das Geld verdammen und fĂŒr den Großteil allen Übels auf der Welt verantwortlich machen. Im ĂŒbertragenen Sinne mag diese Behauptung zwar stimmen, aber sie kann auch zu Verwirrung und Ablenkung von eigentlichen Problemen fĂŒhren. Meiner Meinung nach sind vielmehr die Gepflogenheiten im Umgang mit Geld ein Ausdruck menschlicher Fehler, die sich in einem geldfreien System auch bemerkbar machen wĂŒrden - nur eben anders. Deshalb kann ich die Einstellung von Leuten, die sich fĂŒr den völligen Verzicht auf Geld entscheiden (Ein paar solcher Leute gibt es in Deutschland - klingt komisch, ist aber so.), auch nur begrenzt gutheißen. Wenn so etwas in unserer modernen, komplexen, neuen Ideen gegenĂŒber nur mĂ€ĂŸig aufgeschlossenen deutschen Zivilisation stattfindet, zeugt es auf jeden Fall von Mut; und Mut ist etwas Gutes, wovon wir unbedingt mehr brauchen. Innerhalb einer Gesellschaft, deren Fundament maßgeblich aus Geld besteht (andere Zutaten sind Konventionen, Christentum, Obrigkeitsglaube u. v. m.) ist der Verzicht auf den Gebrauch von Geld außerdem ein Zeichen (oder ein Hilfeschrei?) von extremer Deutlichkeit. Das Problem ist jedoch, dass die Meisten vermutlich falsch darauf reagieren: Die Einen werden glauben auf Geld zu verzichten sei der Weg zur Erlösung, den wir suchen, seit wir dem Erlöser ein Ticket ohne RĂŒckfahrschein nach Golghata spendiert haben. Die anderen wird die Extremheit dieses Zeichens (unbewusst) erschrecken und sie werden die betreffende Person als verrĂŒckt, naiv oder links abstempeln.
Deshalb bin ich nicht sicher, ob es sich lohnt Geld aus seinem Leben zu verbannen oder ob man nicht lieber versuchen sollte, viel Geld zu verdienen und einen Teil davon fĂŒr sinnvolle Zwecke zu spenden.
Kommen wir nun zu der unleugbar großen Rolle, die Geld in unserem tĂ€gliche Leben spielt. Jeden Tag lesen wir in der Zeitung (vorausgesetzt wir lesen sie ĂŒberhaupt) ĂŒber Geld: Geld, das George W. Bush sammelt, um seine nĂ€chsten Wahlkampf-Parties zu finanzieren; Geld, das die Politiker in die nĂ€chste DiĂ€tenerhöhung stecken wollen (Hey, kennt ihr schon den Witz von dem Arbeitgeber, der seinen Angestellten erlaubt hat, ihre Löhne selbst festzulegen?); Geld, das Deutsche gespendet haben, um fĂŒr ein armes Kind aus dem Balkan eine lebensrettende Operation zu finanzieren; Geld, das an den Schulen fehlt; Geld, das im Gesundheitswesen fehlt; Geld das den StĂ€dten und Kommunen fehlt...
Wenn es auch gelegentlich gute Nachrichten im Zusammenhang mit Geld gibt - ich habe eben versucht es beispielhaft darzustellen - lautet die Botschaft doch meistens, dass Geld fehlt. Man kĂŒmmert sich schon kaum noch darum; man nimmt es zur Kenntnis, aber beeindrucken oder gar erschrecken kann es einen nicht mehr. Wir leben in Deutschland, mitten in der EuropĂ€ischen Union und irgendwie wird das schon, ob nun Geld da ist oder nicht! Aber ein wenig unheimlich kann die ganze Geschichte schon werden - nĂ€mlich wenn man sich fragt, wohin die Unsummen von Geld verschwinden, die vom deutschen Export und vom Binnenhandel erwirtschaftet werden - wenn man sich klar macht, von BetrĂ€gen in welcher GrĂ¶ĂŸenordnung eigentlich die Rede ist. Und vor nicht all zu langer Zeit hat Kanzler Schröder etwas gesagt, wobei mir auch ein wenig mulmig wurde: Sparen schade der Wirtschaft und fleißig zu kaufen sei sozusagen erste BĂŒrgerpflicht, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das Rezept geht rechnerisch wahrscheinlich auf - wenn alle Leute mehr kaufen, machen alle GeschĂ€fte mehr Gewinn. Dann mĂŒssten die GeschĂ€ftsinhaber aber nicht nur ihren Warenbestand erweitern, sondern auch ihre Preise senken und ihre Angestellten besser bezahlen, damit diese wiederum woanders mehr kaufen können. Mehr Umsatz der GeschĂ€fte und bessere Löhne der Angestellten bedeuten mehr Einnahmen aus Mehrwert- und Einkommenssteuer etc. fĂŒr den Staat, der wiederum seine Beamten besser bezahlen, die Renten erhöhen, die Steuern senken etc. könnte. Ja, ich glaube, dieses System wĂŒrde aufgehen (soweit ich das mit meinem wirtschaftspolitisch ungeschulten Sachverstand ĂŒberblicke). Aber ich fĂŒrchte, es gibt noch ein paar Haken, die nicht mit einkalkuliert worden sind: Der Kreislauf des Geldes findet nicht gleichmĂ€ĂŸig zwischen allen Bundes- und WeltbĂŒrgern statt.
„Jeder deutsche Haushalt kauft im Jahr durchschnittlich 100 NestlĂ© Produkte.“ heißt es auf der Internetseite der NestlĂ© Deutschland AG. Bei Maggi, Thomy, Alete, BĂ€renmarke, Vittel und einer Vielzahl anderer Produkte hat das internationale NestlĂ©-Unternehmen seine Finger im Spiel oder seinen Daumen drauf.
Unter Coca Colas Schirmherrschaft stehen zum Beispiel Bonaqua, Kinley, Lift, Powerade und viele mehr. (www2.coca-cola.com)
Die Bayer AG ist weltweit auf den Gebieten Arzneimittelherstellung, Pflanzenschutz und SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung, Chemikalienproduktion fĂŒr „...Elektronik, Optik, Metallbe- und Verarbeitung, in Nahrungsmitteln, Farben, Bekleidung, Leder, Textilien, Papier, Kunststoffen, Kautschuk, Baustoffen und Hochleistungskeramiken...“ (Zitat von www.bayer.de) und betriebswirtschaftlichen Dienstleistungen tĂ€tig.
In seinem Buch „Afrikanische Totenklage“ weißt Peter Scholl-Latour mehrfach darauf hin, dass der internationale Diamantenkonzern „de Beers“ in fast alle Konflikte um afrikanische Diamantenvorkommen verstrickt ist.
Um es kurz zu machen: Vieles deutet darauf hin, dass ein großer Teil sowohl der innerdeutschen als auch der internationalen Finanzzirkulation durch die HĂ€nde einiger weniger Riesenkonzerne geht. StĂ€rken wir mit unserer Kaufkraft deren Einfluss, so scheint es mir, mag die Wirtschaft zwar aufblĂŒhen, gerĂ€t aber auch immer mehr in AbhĂ€ngigkeit von Wenigen. Zumal man als Faustregel annehmen kann, dass die Machenschaften der Multis stets mehr oder weniger zwielichtig sind: Die schwarzafrikanischen Diamanten fĂŒr „de Beers“ werden von Regierungstruppen, Rebellen und privaten Söldneragenturen umkĂ€mpft (Scholl-Latour, „Afrikanische Totenklage“); Coca-Cola, Pepsi und Dr. Pepper fĂŒhren zweifelhafte Werbe- und Marktforschungsprojekte an US-Schulen durch (Michael Moore, „Stupid White Men“); die Supermarktkette „real,-“ hat vor im zweiten Halbjahr 2003 vom Greenpeace-„Einkaufsnetz“ die rote Karte fĂŒr Giftwerte in z.B. Paprika in Höhe oder oberhalb der erlaubten Werte erhalten; Bayer wird von Einigen offenbar fĂŒr derartig gefĂ€hrlich gehalten, dass ein Verein namens „Coordination gegen BAYER-Gefahren“ ins Leben gerufen worden ist (www.cbgnetwork.org). Und dass große Wirtschaftsunternehmen in der Politik mitmischen, um ihre Interessen durchzusetzen, dĂŒrfte seit dem neuen Öl-PrĂ€sidenten der USA und seiner AufkĂŒndigung des Kyoto-Protokolls ja wohl eine allgemein bekannte Tatsache sein.
Das sind also meine laienhaften Bedenken bezĂŒglich des Aufrufs „KrĂ€ftig prassen, um die Wirtschaft zu reparieren!“. NatĂŒrlich werden die großen Unternehmen in der gegenwĂ€rtigen Situation so oder so die Oberhand behalten, ob wir nun viel oder wenig Geld ausgeben - also sind meine bisherigen, jugendlich-unbekĂŒmmerten wirtschaftspolitischen AusfĂŒhrungen wenig hilfreich bei der Lösung des vorliegenden Problems, der schlechten deutschen Wirtschaftslage. Aber eine Sache möchte ich noch loswerden: Ich halte Sparsamkeit (nicht zu verwechseln mit Geiz) trotz allem fĂŒr eine Tugend, die auch heutzutage besser ist als auf großem Fuße zu leben. Schließlich kann man davon ausgehen, dass sparsame BĂŒrger sparsame Politiker wĂ€hlen. Und diese wĂŒrden sich wahrscheinlich mehr und bessere Gedanken darĂŒber machen, wie die derzeitige Lage zu bewĂ€ltigen ist. Vielleicht hĂ€tte man dem Bau einer neuen Elbtunnelröhre fĂŒr knapp eine Milliarde D-Mark dann eine umfassende Lösung zur Minderung des Autoverkehrs vorgezogen, womit gleichzeitig die Umwelt entlastet worden wĂ€re. Aber viele MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger scheinen dem Bundeskanzler Glauben zu schenken; dafĂŒr spricht jedenfalls das Ergebnis die bayrische Landtagswahl 2003, die der CSU unter Edmund Stoiber ĂŒber 60% der abgegebenen Stimmen bescherte (bei mageren circa 59% Wahlbeteiligung). Dabei berichtete „Der Spiegel“ in Ausgabe 20/2003, dass „Milliardenvernichter Stoiber“ 1,4 Milliarden Euro aus staatlichen Stiftungen fĂŒr soziale Zwecke in ein waghalsiges AktiengeschĂ€ft gesteckt hat. Dass „Behinderte, kranke Kinder, Wissenschaftler - und sĂ€mtliche bayrische Steuerzahler“ nun die Zeche fĂŒr Eddi Abstoiber zahlen, scheint die bayrischen WĂ€hler weniger zu beeindrucken als das konservative Saubermann-Image ihres MinisterprĂ€sidenten... Und schließlich kurbelt Geldausgeben die Wirtschaft an.
Noch etwas mehr zum Thema Geld finden Sie im Kapitel „Noch ein paar Tips zum Detektivspielen“.


Willkommen auf der dunklen Seite


„Little Girl sleeping in dreams of piece,
mummy’s been gone a long time.
Daddy comes home and she still sleeps,
waiting for the world’s worst crime.“ *1

„Ich hasse eure LĂŒgen, eure doppelte Moral
und eure so genannte Freiheit ist mir scheißegal!“ *2

„There they wait in fear,
with swords in feeble hands,
with dreams to be a king,
first one should be a man.
I called about and charged them all
with their life that is a lie
and in the final hour
they shall confess before they die!“ *3

„Die Furcht auf diesen Zaun gespießt geh ich nun graben jede Nacht,
zu sehen was noch ĂŒbrig ist, von dem Gesicht das mir gelacht.“ *4

„Make a joke and I will sigh
and you will laugh and I will cry.
Happiness I cannot feel
and love to me is so unreal.“ *5

„Exit light!
Enter night!
Take my hand!
We’re off to never-never-land...“ *6

Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Ich könnte ewig so weitermachen. Das sind so die Sachen, die ich mir tĂ€glich reinziehe, die aus meiner Stereoanlage schallen und die ich in allen möglichen Situationen still rezitiere. Trotzdem habe ich weder Asthma, noch Magenprobleme, noch MigrĂ€ne, noch AlptrĂ€ume. Ich rauche nicht, nehme keine illegalen Drogen oder regelmĂ€ĂŸig Medikamente und trinke wenig. Und das, obwohl ich eher ein Außenseiter bin.
Jeanette, Britney Spears und die „Backstreet Boys“ mĂŒssen draußen bleiben. Statt dessen ergehe ich mich in den musikalischen Eskapaden („Das ist doch keine Musik!“, wird manch Einer protestieren.) von RĂŒpeln wie „Metallica“ und „Motörhead“, den Blasphemien von „Ozzy Osbourne“ und „Marilyn Manson“, den angeblich rechtsextrem angehauchten Texten von „Rammstein“ und „Böhse Onkelz“, den Kampfschreien von „Manowar“ und, und, und...
Hat es mir geschadet? Zugegeben, ich kenne Leute, die diese Frage hinter vorgehaltener Hand mit „Ja“ beantworten wĂŒrden. Und wo ich schon dabei bin, GestĂ€ndnisse zu machen: Die wenigen Leute, mit denen ich regelmĂ€ĂŸigen Kontakt habe, sind alle ein bisschen anders - da wĂ€re ein leidenschaftlicher Segler (von denen es zwar viele gibt, die aber trotzdem ein Menschenschlag fĂŒr sich sind) und VW-KĂ€fer-Freak; ein auf die MilitĂ€rgeschichte des 20. Jahrhunderts spezialisierter Sportfanatiker; ein vom Drogenmissbrauch gezeichneter Dichter und Hobbypsychologe; ein ehemaliger Hardrocker, der von Techno bis Hip Hop gerade alle denkbaren Subkulturen durchprobiert und zeitweise durch beispiellose UnzuverlĂ€ssigkeit glĂ€nzte; und dann könnte man noch ein MĂ€dchen in diese Liste aufnehmen, deren liebstes Hobby die Hundedressur ist und die sich ihre nötige Distanz zum Mainstream offenbar verschafft, indem sie gelegentlich mit komischen Typen wie mir zu tun hat.
Die Rock- und Heavy-Metal-Musik (Um die geht es in diesem Kapitel - falls das noch nicht deutlich geworden ist.) ist durch verschiedene Zeiten gegangen. WĂ€hrend sie zu Zeiten der „Beatles“ bzw. durch die „Beatles“ fast mit der Popmusik identisch war und der als „King of Pop“ gefeierte Michael Jackson mit Titeln wie „Beat It“ oder „Dirty Diana“ auch der schwarzen Kunst des Hard Rock gefrönt hat, ist die Trennung zwischen Pop und Rock heutzutage ziemlich scharf. WĂ€hrend „Motörhead“ und „Girlschool“ Anfang der Achtziger sogar einmal (vorĂŒbergehend zu „Headgirl“ fusioniert) bei „Top of the Pops“ aufgetreten sind, sind ihre gröhlenden, quietschenden Gitarrenriffs und die mal aggressiven, mal weinerlichen Lyrics völlig von der BildflĂ€che der Musiksender in Fernsehen und Radio verschwunden. Erst Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger drĂ€ngte sich das PhĂ€nomen „Metallica“ in die Öffentlichkeit und machte den Heavy-Metal (wieder) stubenrein. SpĂ€testens seit sie (zeitweilig) kurze Haare und ihren Hit „Nothing Else Matters“ haben, kann es sich kaum jemand noch erlauben, die Vier von „Metallica“ nicht wenigstens „ganz gut“ zu finden. Aber das sind Worte; die wahren Tatsachen sehen so aus, dass der Mainstream eine Weile „Nothing Else Matters“ gehört hat und dann zu neuen kurzlebigen Hits ĂŒbergangen ist. Wer ĂŒber lange Zeit ein breites Publikum bedienen will, kann sich harte Gitarrenriffs vielleicht gerade noch erlauben, aber Texte wie sie eingangs aufgefĂŒhrt sind, sprengen die Toleranzgrenze des durchschnittlichen „Teenie-und-Solche-die-gerne-noch-Teenies-wĂ€ren“-Publikums.
Überhaupt ist das mit den Texten der Rockpoeten so eine Sache. Ein Bekannter von mir Ă€ußerte einmal seine Abneigung gegen die komischen Texte von „Rammstein“. HĂ€tte er sich einmal die MĂŒhe gemacht die englischen Texte seiner „Metallica“-CDs zu ĂŒbersetzen, wĂ€re er auf nicht minder MerkwĂŒrdiges und Blutiges gestoßen. Oder das Lied „Don’t Let Daddy Kiss Me“ von „Motörhead“: kommt fĂŒr den Mainstream schon mal gar nicht in Frage, da es - auf erschreckend bewegende Weise, wie ich finde - die Leiden eines vom Vater missbrauchten MĂ€dchens beschreibt. Zu einem so traurigen Lied lĂ€sst es sich nun mal schlecht feiern und tanzen. Und wenn es in „No Remorse“, ebenfalls von „Motörhead“, mit bedrohlicher, tiefer Stimme vorgetragen heißt:

„All men know what waits for us: (Jeder weiß, was auf uns wartet:
wooden box, worm and dust. Holzkiste, Wurm und Staub.
Maybe heaven, Pearly Gates - Vielleicht das Himmelstor -
hasty prayer, when it’s too late. ein schnelles Gebet, wenn es zu spĂ€t ist.
Burn in hell, all is lost, Schmore in der Hölle, alles ist verloren,
purgatory, fingers crossed. Fegefeuer, Daumen gedrĂŒckt)
...“

werden vermutlich die Meisten Lemmy (den SĂ€nger von „Motörhead“) schon als Satanisten oder billigen Schockrocker abstempeln. Nur wer das Lied bis zum Ende hört, wird mit den Zeilen

„If you believe these tales they tell,(Wenn du diese Geschichten glaubst,
then you deserve to burn in hell.“ verdienst du es, in der Hölle zu schmoren.)

belohnt und kann erkennen, dass es sich bei diesem Lied um eine Parodie auf das katholische Teufels- und Höllendogma handelt. Vorausgesetzt ist natĂŒrlich grundsĂ€tzlich, dass man die Musik bewusst hört und auf den Text ĂŒberhaupt achtet.
Dabei gibt es genug HardrockstĂŒcke, zu denen es sich prima abfeiern lĂ€sst: „Mexiko“, „Wilde Jungs“, „Auf gute Freunde“ von den „Onkelz“; das gute alte „Whiskey in the Jar“ von welchem Interpreten auch immer; „Ace of Spades“, „Angel City“, „RAMONES“ von „Motörhead“; „Please don’t touch“ von „Headgirl“; „Sk8erboy“ von Avril Lavigne; „This Is the New Shit“ von „Marilyn Manson“; „Carry On“ von „Manowar“ und viele mehr, von denen ich wahrscheinlich nicht mal die HĂ€lfte kenne, haben wild-fröhliche „drauf-geschissen-wir-amĂŒsier’n-uns“-Texte. Das Argument, Metal sei Musik fĂŒr Paranoide, Aggressive und Depressive, zieht also nicht. Und nebenbei finde ich es nicht nur einseitig, sondern sogar verantwortungslos und undankbar, die vielen Rock’n’Roll-StĂŒcke mit gesellschaftskritischem oder nachdenklichem Inhalt einfach zu ignorieren. Wer beispielsweise nichts anderes tut als in der Woche routinierte Arbeit zu verrichten und am Wochenende lustig Party zu machen, verschließt seine oder ihre Augen vor all dem unsagbaren Leid in der Welt.

Motörhead: Brave New World
„And religion like the (Und Religion, als das Monster das sie ist,
monster that it is
keeps telling you to turn empfiehlt dir die andere Backe hinzuhalten.
the other cheek.
God is on you side but I don’t Gott ist auf deiner Seite, aber ich glaube
think that you’re on his. nicht, dass du auf seiner bist.
If Jesus showed up now he’d be WĂŒrde Jesus jetzt auftauchen, wĂ€re er nĂ€chste
in jail by next week.“ Wochen schon im GefĂ€ngnis.)

Das ist charakteristisch: In der ersten Zeile dieser Strophe wird die Religion beschimpft. Das dĂŒrfte schon reichen, um die Band als gottlos und sĂŒndig zu deklarieren. Nur Wenige werden da noch auf die letzte Zeile achten, die meiner Meinung nach völlig korrekt besagt, dass kaum jemand heutzutage ein wirklich christliches Leben fĂŒhrt und der Messias kaum bessere Chancen als vor gut 2000 Jahren hĂ€tte. Aber unchristliche Taten gehen eben leichter durch als unchristliche Worte. Und der Grundsatz auch die andere Backe hinzuhalten, wird offenbar von Vielen als „Nichts sehen, nichts sagen, nichts hören“ plus „Nichts tun“ aufgefasst. Machen wir das Beste aus der Situation und riskieren bloß keinen Zwergenaufstand. Solange es andere trifft, ist ja sowieso alles in Butter - fettarm, versteht sich, damit wir auch weiterhin in die trendigen stone-washed Jeans reinpassen!

Böhse Onkelz: Finde die Wahrheit
„Ich laufe durch die Straßen
Und alles was ich seh' - sind
Verlorene Seelen
Gesichtlose Armeen
Korrupte Bullen
Schulen voller Idioten
Die falschen Götter
Die falschen Drogen
Finde die Wahrheit
hab keine Angst
Finde die Wahrheit
solange du noch kannst.“

Das sind harte, vielleicht etwas ĂŒberzogene Worte, aber ich sehe das Ă€hnlich: So, zum Beispiel, bekommt man in der Schule zwar eine Grundausbildung, die einen erstens mit einigen unverzichtbaren FĂ€higkeiten ausstattet und einem zweitens beibringen kann, wie man selbstĂ€ndig lernt, wenn man es denn will. Aber die Wahrheit, was auch immer sie ist, wird man in der Schule nicht finden. Wie es bei „Akte X“ so schön heißt: „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.“ Ich merke gerade, wĂ€hrend ich diese Worte schreibe, wie gut dieser Satz mein Lebensmotto sein könnte; denn durch die Weiten des Internets zu surfen, durch die Welt zu reisen und mit Menschen zu sprechen, die Natur zu beobachten, verschiedene Bibliotheken und Buchhandlungen zu durchforsten und gelegentlich einfach mal in Ruhe zu trĂ€umen und in sich hinein zu horchen kann einen der Wahrheit nĂ€herbringen - wenn man dabei auf die eigenen Sinne und GefĂŒhle achtet. Lehrern zuzuhören kann jedoch immer nur eine Zeit lang helfen. FrĂŒher oder spĂ€ter kommt der Punkt, wo man wieder auf sich selbst gestellt ist bzw. einen neuen, weiseren Lehrer finden muss.

Marilyn Manson: Use Your Fist And Not Your Mouth
„It's too hard to hold hands when your hands are fists.“
(Man kann sich schlecht an den HĂ€nden halten, solange man FĂ€uste macht.)

Das ist nichts Neues, aber es ist eine sehr schöne Formulierung, wie ich finde (Ich glaube, im Deutschunterricht mĂŒsste ich „Metapher“ oder „Symbol“ sagen.) Solche Formulierungen, die etwas, was eigentlich jeder weiß, auf poetische und trotzdem unmissverstĂ€ndliche Weise ausdrĂŒcken, sind sehr wertvoll. Sie sollten wirklich Jede(n) nachdenklich stimmen und somit hier und dort kleine Verbesserungen des tĂ€glichen Lebens erzielen. Ich hoffe, das ist tatsĂ€chlich der Fall; aber auf jeden Fall bin ich immer wieder enttĂ€uscht, wie oft Leute solche guten Botschaften oder Erinnerungen verpassen, weil sie sich von unfeinen AusdrĂŒcken, extremer Musik oder dem skurrilen Auftreten der KĂŒnstler abschrecken lassen. Da sind wir bei „Marilyn Manson“ ja genau an der richtigen Adresse, und das ist auch ein Punkt, auf den ich die ganze Zeit hinaus wollte. Ich erinnere mich, dass dieser Herr zu den am hĂ€ufigsten und am heftigsten kritisierten Rockmusikern gehört. Nach dem Schulmassaker in an der Columbine High School in Littleton, Colorado, USA erklĂ€rten viele amerikanische Experten(?) ihn zu einem maßgeblich Mitschuldigen an der Tragödie, da die beiden AttentĂ€ter offenbar seine Musik gehört hatten. (Der deutschen Band „Rammstein“ erging es Ă€hnlich.) Es kam zu Anti-Marilyn-Manson-Kundgebungen in einigen US-StĂ€dten. Sicher: „Mansons“ und „Rammsteins“ Musik ist alles andere als fröhlich - mal traurig, mal wĂŒtend, mal spöttisch, mal pervers... Aber leider ist auch das Leben oft so. Und viele sensible Menschen leiden darunter. Manche finden in solcher Musik ihre Zuflucht, um die Unmenschlichkeit der Menschheit besser zu ertragen; andere stachelt sie vielleicht erst recht dazu an, sich zu „rĂ€chen“. Manch einer betreibt Krafttraining, um sich besser wehren zu können; manch einer tut es, weil er andere verprĂŒgeln will. Der eine wird unter Alkoholeinfluss ruhig und sentimental, der andere wird aggressiv.
Außerdem sollte man nicht vergessen, wie viele tausend Menschen „Rammstein“ und „Marilyn Manson“ mit Begeisterung hören und trotzdem noch nie eine Gewalttat verĂŒbt haben. Die meisten Fans solcher Musik teilen wahrscheinlich (so geht es mir) den Ärger ĂŒber die vielen Fehler der Gesellschaft, der aus den Texten spricht. Und da diese Texte mit energischer, leidenschaftlicher Musik einhergehen, bieten sie eine gute Gelegenheit, um Dampf abzulassen und danach - im Idealfall - wieder mit Ruhe und Verstand die Probleme der Welt anzugehen.
Und dann ist da noch der KĂŒnstler selbst: Wie viel Ärger mĂŒssen solche Leute im Bauch haben, wie unverstanden mĂŒssen sie sich fĂŒhlen, um ganze CDs ĂŒber Mord und Drogen, Gestank und Hass, Paranoia, Korruption und Scheinheiligkeit zu produzieren. Man kann echte KĂŒnstler, die in und von ihrer KreativitĂ€t leben, meistens von solchen, die einfach nur reich und berĂŒhmt sein wollen, unterscheiden. Und „Manson“ ist - da bin ich ziemlich sicher - ein echter, der auch Botschaften vermitteln will; jemand, der sich seines Einflusses bewusst ist und ihn ernst nimmt. Einmal traf er sich mit der Mutter eines weiblichen Fans, der sich umgebracht hatte, um mit ihr zu sprechen. Als Michael Moore ihn interviewte und fragte, was er den SchĂŒlern, die das Littleton-Massaker ĂŒberlebt hatten, sagen wĂŒrde, wenn er direkt zu ihnen sprechen könnte, war seine Antwort: „Ich wĂŒrde gar nichts sagen, ich wĂŒrde ihnen zuhören - weil das ja niemand tut!“ (Michael Moore, „Bowling for Columbine“, wie Sie wahrscheinlich wissen.) (Auch im „Spiegel 19/2003 ist ein lesenswertes Interview mit M.M. zu finden.)

NatĂŒrlich, das möchte ich nicht unter den Teppich kehren, finden sich auch in anderen Musikgattungen beachtenswerte Botschaften. Ich denke, da wĂ€re vor allem der Hip Hop zu nennen, aber auch bei zum Beispiel Country, Techno und, wenn auch seltener, Pop kann man fĂŒndig werden.

*1 - Motörhead: Don’t Let Daddy Kiss Me
2 - Böhse Onkelz: Scheißegal
3 - Manowar: Warriors Of The World
4 - Rammstein: Heirate Mich
5 - Black Sabbath: Paranoid
6 - Metallica: Enter Sandman


Man will uns ausrÀuchern


Seit ĂŒber zehn Jahren ringt die EU um EinschrĂ€nkung(en) der Tabakwerbung. Nun ist vor Kurzem ein weitgehender Konsens zu Stande gekommen, Tabakwerbung bis auf wenige Ausnahmen zu verbieten. Einige LĂ€nder strĂ€uben sich noch: Das sind die Niederlande, Griechenland, wo große Mengen an Tabak angebaut werden, und - Deutschland. Die Bundesrepublik Deutschland. Das hĂ€tte ich nicht gedacht; so `ne Blamage! Bisher war ich der Ansicht, dass die deutschen Politiker noch zu den verantwortungsbewusstesten der industrialisierten Welt gehörten. Aber diese meine Überzeugung hat nun einen ziemlichen Knacks erhalten.
Ich habe ein Fax an unseren Außenminister geschickt; der Wortlaut ist wie folgt:

„Sehr geehrter Herr Fischer,

die deutsche Bundesregierung stellt sich gegen das von der Mehrheit der EU-Staaten angestrebte Verbot von Tabakwerbung. Ich wĂŒrde gerne von Ihnen, als einem der - wie ich glaube - verantwortungsbewusstesten Politiker Deutschlands wissen, wie Sie es fĂŒr sich persönlich verantworten können, Mitglied einer Regierung zu sein, die eine Möglichkeit ihre BĂŒrger vor Schaden zu schĂŒtzen, nicht ergreift. (Noch dazu, dass der Tabakrauch bekanntermaßen schlimmste gesundheitliche Folgen hat und somit die Gemeinschaft große Summen kostet.)
Diese Angelegenheit ist mir sehr wichtig und ich bitte Sie deshalb um eine persönliche, von Ihnen unterschriebene Antwort (Veröffentlichung nicht ausgeschlossen, obwohl ich mich nur als besorgter BĂŒrger an Sie wende.)

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Claus H. Godbersen“

Bisher habe ich noch keine Antwort erhalten.

„Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schĂŒtzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Ich nehmen an, Sie kennen diesen Satz. Auch auf die Gefahr hin, etwas ÜberflĂŒssiges zu schreiben: Es ist Artikel eins, Absatz eins unseres Grundgesetzes.
Nun frage ich mich etwas und ich bitte Sie wieder einmal, kurz mitzudenken: Wenn eine an finanziellem und geistigem Einfluss ĂŒberlegene Gruppe, nĂ€mlich die FĂŒhrungskrĂ€fte der Tabakindustrie, eine zwar zahlenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸere aber finanziell und geistig schwĂ€chere Gruppe, nĂ€mlich die Masse der DurchschnittsbĂŒrger, dazu ĂŒberredet, ihre eigene Gesundheit zu beschĂ€digen (Oder sollte man es sogar innere SelbstverstĂŒmmelung nennen?) und dafĂŒr auch noch zu bezahlen - wird dann nicht die WĂŒrde dieser Überredeten (Eigentlich wollte ich „Manipulierten“ schreiben, aber das Wort ist inzwischen so verbraucht.) verletzt? Bitte drehen und wenden Sie diese Frage eine Weile im Kopf. Meine Antwort lautet „Ja“, aber ob ich damit Recht habe, bin ich nicht so sicher. Nur eine Sache weiß ich sicher: Wer neben mir sitzt und raucht, den könnte ich wegen Körperverletzung anzeigen und mĂŒsste vor Gericht, bei strenger Auslegung des Gesetzes, Recht bekommen. Ich wĂŒrde das nicht tun, da die meisten Raucher ja auch Opfer sind - von, so abgedroschen es klingt, Manipulation. Aber dieser Gedanke ist ein ganz nettes Spielzeug fĂŒr GrĂŒbler.
Ich will hier nicht weiter ĂŒber die mutmaßlich Zusammenarbeit der Tabakindustrie mit dem organisierten Verbrechen, ĂŒber die angebliche Bestechung von Helmut Kohl durch Tabakkonzerne, ĂŒber die Millionen von Toten in Folge des Rauchens jedes Jahr, die PR-Philosophie von Malboro & Co. und Ă€hnlich dicke Hunde schreiben. Lieber weise ich darauf hin, dass professionellere Journalisten als ich zum Beispiel im „Spiegel“ und der „SĂŒddeutschen Zeitung“ ausfĂŒhrlich darĂŒber recherchiert haben. Jeder und Jedem, die/der noch nicht ĂŒber dieses Thema, das bei mir zu erheblicher Irritation der Nackenhaut aufgrund stĂ€ndigen HaarstrĂ€ubens gefĂŒhrt hat, informiert ist, empfehle ich einmal ins nĂ€chste öffentliche Archiv zu gehen und sich durch einige Zeitungen und Nachrichtenmagazine zu lesen. Da wĂ€re zum Beispiel die Ausgaben 4/2003, 5/2003, 8/2003 des „Spiegel“. Sie werden ĂŒberrascht sein - wenn auch nicht positiv, fĂŒrchte ich. Dem, was man dort geschrieben steht, zu Folge, mĂŒsste jede(r) Raucher(in) fĂŒr Beihilfe zu verschiedensten Verbrechen bestraft werden. Und somit gibt es einen doppelten Grund das Rauchen jetzt einzustellen: Nicht nur, dass man die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen nicht lĂ€nger verletzt, man kann sein Gewissen auch von dem Wissen entlasten, tĂ€glich fĂŒr eine Ware zu bezahlen, deren Weg von Gewalt und Korruption gesĂ€umt ist.
Ach, Moment, eine Sache fĂŒr die Teerlungen noch: Die US-amerikanische Firma Vector Tobacco bietet seit Neuestem eine Zigarettenmarke namens „Quest 3“ an. Der Tabak dieser Glimmstengel enthĂ€lt praktisch null Nikotin. Rien! Nitschiewo! Nada! Drei Jahre geduldiger Bastelei am Erbgut der Tabakpflanze machen’s möglich! Aber mal im Ernst, ich dachte, das wĂŒrde Sie als Opfer der Nikotinsucht vielleicht interessieren (je nach dem, was Sie von Genmanipulation halten). Bisher werden die Science-Fiction-Zigaretten nur in sieben US-Bundesstaaten verkauft, aber Vector Tobacco freut sich bestimmt, wenn Sie nach den Alleinvertriebsrechten fĂŒr die EU oder wenigstens nach einem persönlichen Jahresabo fragen. (Diese Informationen stammen aus „Der Spiegel“ 15/2003)





Noch ein paar Tips zum Detektivspielen


Wenn es bisher noch nicht zu Ihren Gewohnheiten gehört, regelmĂ€ĂŸig Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, habe ich hier einige Einstiegshilfen fĂŒr Sie. Dazu werden Sie sich wohl oder ĂŒbel in ein Stadtarchiv o. Ă€., eine öffentliche BĂŒcherei oder zu einem belesenen PensionĂ€r, der ĂŒber die Zeit und Muße verfĂŒgt, ein eigenes Nachrichtenarchiv zu unterhalten, gehen mĂŒssen - aber ich versichere Ihnen: Es lohnt sich.
Und hiernach könnten Sie zum Beispiel Ausschau halten:

- „Der Spiegel“ 2/2003: Die auch in Deutschland vertretene Glaubensgemeinschaft der Jesiden ĂŒbe zum Teil heftigen Terror gegenĂŒber ihren Jugendlichen aus, wenn diese AndersglĂ€ubige lieben.

- „Der Spiegel“ 6/2003: Ein interessanter Bericht ĂŒber Mahagoni-Schmuggel lĂ€sst erahnen, dass auch die edlen Möbel in Deutschlands reichen Stuben eine dunkle Vergangenheit haben.

- „Der Spiegel“ 7/2003: Ein scheinbar harmloses und wenig bekanntes Gesetz in der TĂŒrkei sei gerade deutschen Urlaubern schon öfter zum VerhĂ€ngnis geworden. Und möglicherweise wĂŒrden tĂŒrkische Beamte es gezielt nutzen, um krĂ€ftig Kasse zu machen. Auch die „Bild“ berichtete in der Ausgabe vom 25. 9. 2003 darĂŒber.

- „Der Spiegel“ 13/2003: Der Handel mit der „weichen Droge“ Mariuhana sei dabei, mafiöse ZĂŒge anzunehmen. Und die EU-BĂŒros in BrĂŒssel seien Opfer einer hoch professionellen Abhöraktion geworden, als deren Urheber unter anderen Israel und die USA verdĂ€chtigt wĂŒrden.

- „Der Spiegel“ 14/2003: Die Pharmaindustrie verursache ĂŒberflĂŒssige Kosten in Millionenhöhe fĂŒr die Krankenkassen und stehe außerdem einer effektiven und gerechten Reform des Gesundheitswesens im Weg.

- „Der Spiegel“ 16/2003: Ein neuer Coup der Pharmaindustrie, riecht, wie es vom „Spiegel“ dargestellt wird, stark nach einem kostenpflichtigen Aprilscherz.

- „Der Spiegel“ 17/2003: Angeblich bringt es fĂŒr die deutschen Kriminalbehörden erhebliche Probleme und Risiken mit sich, wenn, wie Innenminister Schily es wĂŒnscht, kĂŒnftig enger mit den russischen Behörden zusammengearbeitet wird.

- „Der Spiegel“ 21/2003: Es heißt hier, eine Lobby aus Auto- und Bauindustrie wĂŒrde unter dem Vorwand des Umweltschutzes BĂŒrgerinitiativen fĂŒr Autobahnbau-Projekte unterstĂŒtzen. Außerdem ist von einer deutschen Firma, die als Geldwaschanlage fĂŒr die russische Mafia dient, die Rede.

- „Der Spiegel“ 22/2003: Verschiedene ZusammenschlĂŒsse unzufriedener BĂŒrger wollen der Politik Druck machen, heißt es.

- „Der Spiegel“ 23/2003: Ein Deutscher und eine serbisch Frau, deren Tochter bei einem dubiosen NATO-Angriff ums Leben kam, prozessieren gegen die Bundesrepublik als mögliche Beteiligte an einem Kriegsverbrechen, besagt ein Artikel. Zitat: „Nur einmal wurde bisher Schadenersatz fĂŒr die Opfer der „Operation Allied Forces“ gezahlt: als EntschĂ€digung fĂŒr die Raketen der USA, die irrtĂŒmlich in der chinesischen Botschaft in Belgrad einschlugen - 54 Millionen Mark. Ohne Paragraphen, Klageschriften, Gerichtsverfahren. FĂŒr China gab es Respekt, aber nicht fĂŒr eine Mutter irgendwo in Serbien, deren Name nicht fĂŒr die GeschichtsbĂŒcher und Weltkarten der Sieger taugt.“

- „Der Spiegel“ 26/2003: Hier finden Sie (mal wieder) einen Bericht ĂŒber den Menschenhandel mit osteuropĂ€ischen Prostituierten. Dazu möchte eine Sache loswerden, die meiner Meinung nach in diesem Artikel zu wenig beachtet wird: Die eigentlichen Schuldigen sind die sauberen deutschen Freier, die diese Liebesdienste in Anspruch nehmen, obwohl es hinlĂ€nglich bekannt ist, in was fĂŒr ausbeuterischen VerhĂ€ltnissen viele der auslĂ€ndischen MĂ€dchen arbeiten. In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden berichten die verschiedenen Medien ĂŒber diese Form der Sklaverei.

- „Der Spiegel“ 27/2003: Die Tochter der Deutschen Post, DHL, habe sich die Postbeförderung in den und im Irak gesichert - eine abenteuerliche Zusammenarbeit mit den amerikanischen StreitkrĂ€ften. Außerdem ein Bericht ĂŒber die zweifelhaften internationalen Umtriebe von Nike.

- „Die Zeit“ 16/2003: Es heißt, die deutschen GrundschĂŒler wĂŒrden im internationalen Vergleich gut abschneiden und der Leistungseinbruch kĂ€me (folglich) auf den weiterfĂŒhrenden Schulen. Einige der Probleme, die in diesem Artikel als an Haupt-, Realschulen und Gymnasien bestehend geschildert werden, konnte ich nur mit bitterem Kopfnicken quittieren, andere hingegen waren auch mir noch nicht bewusst, erschienen mir aber sehr plausibel.

- „Die Zeit“ 17/2003: Der Fall des MillionenbetrĂŒgers Harksen wird noch einmal erzĂ€hlt. Die ErzĂ€hlung lĂ€sst erahnen, warum wir solche Geldprobleme haben - nĂ€mlich unter anderem deshalb, weil ein großer Teil unseres Geldes in den HĂ€nden leichtglĂ€ubiger, gieriger Menschen ist, die damit einfach nicht umgehen können. Wird Zeit, dass wir unsere finanziellen Angelegenheiten wieder selbst in die Hand nehmen!
(Übrigens: Wenn ein einfacher Mensch arbeitslos wird, bedeutet das oft eine enge Wohnung und ein Leben, das jeglichen Luxus’ entbehrt. Wird dagegen ein Spitzenpolitiker arbeitslos oder laufen die GeschĂ€fte eines Topmanagers schlecht, muss er vielleicht aus seiner Villa in ein normales Einfamilienhaus ziehen, zwei seiner vier Autos verkaufen und kann nur noch im Yachtclub oder im Golfclub Mitglied sein, nicht mehr beides gleichzeitig. Um sich diesen Alptraum zu ersparen, entlassen Wirtschaftsbosse mal eben 2000 Arbeiter, die sich in Folge der Entlassung nicht mal mehr ein kleines Einfamilienhaus leisten können. So sieht’s aus im Boot Deutschland, in dem wir alle sitzen und alle gleich sind.)

- „Die Zeit“ 19/2003: Ein Autor der „Zeit“ geht so weit, zu sagen, durch die von der Regierung angestrebten Reformen gingen (vorerst) ArbeitsplĂ€tze verloren. Es werden Beispiele anderer Staaten gebracht, die in Ă€hnlichen Situationen klĂŒger gehandelt hĂ€tten und VorschlĂ€ge gemacht, was die deutsche Regierung in der aktuellen Lage falsch gemacht habe und wie sie es besser machen könne. Ich kann nur hoffen, dass Herr Schröder diesen Artikel gelesen hat.

- „Die Zeit“ 22/2003: Hier wird die Machbarkeit und der (volks)wirtschaftliche Nutzen des von Kanzler Schröder und einigen Ökonomen geforderten grĂ¶ĂŸeren Billigjob-Angebotes diskutiert und nebenbei dargestellt, wie hart das Leben fĂŒr solche Leute ist, die fĂŒnf Euro die Stunde bekommen.

- „Die Zeit“ 27/2003: Ein Kommentar zum „Sturz“ von Michel Friedmann beschreibt, wie scheinheilig die Medien in diesem Fall vorgegangen seien und welche psychischen Probleme der deutschen Gesellschaft dieser Fall offenbart habe. (Die Frage, ob man Friedmann nun mag oder nicht, sollte man beim Lesen dieses Artikels außen vor lassen.)

- „Die Zeit“ 29/2003: Eine Reportage stellt dar, wie eine ungewöhnliche Ermittler-Gruppe in Nordrhein-Westfalen auf ein wahres Korruptions-Netzwerk zwischen den StĂ€dten und Kommunen und der MĂŒllverbrennungs-Branche gestoßen sei. Außerdem gibt ein Kommentar zum von Berlusconi ausgelösten Streit um das Image deutscher Italien-Urlauber interessante Informationen darĂŒber, wie das Klischee vom „braunen“ Deutschland im Ausland weiterlebt.

Wenn Sie diese Buch in den HĂ€nden halten, sind diese VorschlĂ€ge vielleicht schon zu alt und nur noch schwer zu bekommen. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn man stĂ¶ĂŸt schnell auf die dicken Hunde. Es reicht schon, sich nur einmal wöchentlich eine Stunde Zeit zu nehmen, um das Inhaltsverzeichnis des aktuellen „Spiegel“ und die erste Seite der aktuellen „Zeit“ zu ĂŒberfliegen. Wenn Sie dann in diesen zwei Zeitschriften je ein oder zwei Artikel lesen, haben Sie schon recht viel fĂŒr Ihre Bildung getan. Ich denke dabei nicht an die „normalen“ politischen und wirtschaftlichen Meldungen, sondern an Berichte ĂŒber nicht alltĂ€gliche Geschehnisse und solche Dinge, die eigentlich nicht sein dĂŒrften.

Sollten Sie regelmĂ€ĂŸiger „Bild“-Leser sein, kann es nicht schaden mal ein wenig ĂŒber den Tellerrand zu schauen und die Nase gelegentlich in ein anderes Blatt zu stecken. Wenn es Sie nicht stört, die Witze direkt neben einem Bericht ĂŒber einen grausamen Mord zu lesen; wenn es Ihnen nichts ausmacht, dass Artikel oft weitaus weniger spannend sind, als die Überschrift es vermuten lĂ€sst; wenn Ihnen klar ist, dass der politische Informationsgehalt der „Bild“ im Vergleich mit anderen Zeitungen manchmal aufgrund der KĂŒrze der Meldungen qualitativ fragwĂŒrdig ist und wenn die bunte, chaotische Aufmachung und die extrem platten Texte neben dem Seite-eins-MĂ€dchen Ihnen zusagen, spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, „Bild“ zu lesen. Im Ernst, diese Tageszeitung hat einige Vorteile gegenĂŒber ihrer Konkurrenz: Sie hat keinen Ruf zu wahren und die Redakteure können deshalb ĂŒber alles schreiben, was ihnen zu Ohren kommt. Berichte ĂŒber UfO-Sichtungen, die anderen TĂ€glichen zu unseriös wĂ€ren, machen sich in der Zeitung, deren Name sich auf „wild“ reimt, besonders gut. Wer aus Prinzip einen Bogen um die „Bild“ macht, verpasst also etwas, genau wie der, dem es zu mĂŒhsam ist, die langen, spĂ€rlich bebilderten Texte der „normalen“ (Tages)zeitungen zu lesen.


Den Schweden entkommt man nicht


Dieser Titel hat nichts mit Gustav Adolf aus dem 30jĂ€hrigen Krieg und auch nichts mit den (angeblich so zahlreichen) schwedischen Skinheads zu tun. Ich meine die Schweden, die 1997 48.900 Deutsche daran hinderten, morgens die Bettdecke zum LĂŒften aus dem Fenster zu hĂ€ngen. Ganz recht, an die 50.000 Menschen schmoren in Deutschland hinter schwedischen Gardinen, wie es auf der Homepage www.gruenekoeln.de (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen in Köln) nachzulesen ist. Das Statistische Bundesamt hat am 31. 3. 2002 60.742 Inhaftierte und Sicherheitsverwahrte (Das sind TĂ€ter, die nach VerbĂŒĂŸung ihrer Haftstrafe wegen psychischer Probleme in entsprechende Anstalten eingeliefert wurden, eventuell fĂŒr den Rest ihres Lebens.) gezĂ€hlt. Das ist im VerhĂ€ltnis zur Gesamtbevölkerung der BRD zwar weitaus weniger als es bei unserem großen Bruder USA der Fall ist, aber immerhin entspricht es der Einwohnerzahl einer Stadt wie Wittenberg oder Greifswald. Der Platz in der deutschen GefĂ€ngnissen wĂŒrde also reichen, um eine mittelgroße Stadt komplett zu rĂ€umen. Angesichts dieser Vorstellung wird es Zeit, sich etwas nĂ€her mit den Insassen unserer Haftanstalten zu beschĂ€ftigen, finde ich.
Zuerst verweise ich ein weiteres Mal auf die Straßenzeitungen: Einige von ihnen enthalten regelmĂ€ĂŸig BeitrĂ€ge von Strafgefangenen oder vermitteln „Knastpatenschaften“ und Briefkontatkte zwischen freien und eingesperrten BĂŒrgern.
Außerdem gibt es die ĂŒberaus informative Internetseit www.knast.net. Dort lĂ€sst sich zum Beispiel erfahren, dass nur vier Prozent der Infhaftierten in Deutschland Frauen sind und auch, dass gewisse Ungerechtigkeiten aus diesem VerhĂ€ltnis resultieren. Es wird ĂŒber die allgemeinen Regeln des Strafvollzugs wie zum Beispiel Lockerung, offener Vollzug, ĂŒber die Gefangenenarbeit, ĂŒber die (weitgehend fehlende) Versicherung von Gefangenen, die hohe Selbstmordrate im Strafvollzug, das VerhĂ€ltnis zwischen GefĂ€ngnis und Öffentlichkeit, die Geschichte des Strafvollzugs und unzĂ€hlige weitere Themen informiert. Es werden Fragen beantwortet, Briefkontakte vermittelt und es wird eindrucksvoll erklĂ€rt, wie hart selbst das Leben in den deutschen GefĂ€ngnissen, die im internationalen Vergleich sehr human erscheinen, sein kann. Zitat: „Die Weihnachtszeit gilt nicht umsonst als die schwerste Zeit hinter Gittern.“
Eine Tatsache, die man immer wieder hört, ist, dass die deutschen GefĂ€ngnisse grĂ¶ĂŸtenteils ĂŒberfĂŒllt sind. Das bringt fĂŒr die Gefangenen einen immer grĂ¶ĂŸeren Verlust von PrivatsphĂ€re und Sicherheit mit sich. Ich will hier keinesfalls die Gesamtheit der Strafgefangenen als eine Gruppe von armen Opfern darstellen, denen pauschal Unrecht getan wird. Aber wenn wir sie unmenschlich behandeln, lassen wir uns auch auf das Niveau von Gewaltverbrechern und skrupellosen, gierigen Geld-Veruntreuern herab. Und warum sollten Leute, die sich sowieso asozial verhalten, freundlicher zur Gesellschaft sein, nachdem sie die Gesellschaft von ihrer unfreundlichsten Seite kennengelernt haben. Denn nach der Haft geht die DemĂŒtigung zum Teil ja erst richtig los - wenn die Entlassenen ohne Geld, Wohnung und Arbeit dastehen und von den meisten Arbeitgebern gar nicht erst eine Chance bekommen, sobald diese von ihrer Vorstrafe erfahren.
Vor einiger Zeit sah ich zufĂ€llig eine Fernseh-Reportage, die berichtete, die Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen habe die Absicht, aus KostengrĂŒnden die GefĂ€ngnisse zu privatisieren. Abgesehen von einem Regierungssprecher waren, soweit ich mich erinnere, alle Interviewten gegen diesen Plan. Ein befragter HĂ€ftling befĂŒrchtete, dass, sollten private Wachdienste in den Justizvollzugsanstalten eingesetzt werden, die Haftbedingungen noch hĂ€rter wĂŒrden, dass „amerikanische ZustĂ€nde einreißen“ wĂŒrden. Es wurde auch von einem Fall im Ausland berichtet, bei dem das private Wachpersonal eines GefĂ€ngnisses gestreikt habe, was zur Folge gehabt habe, dass viele HĂ€ftlinge vorzeitig entlassen werden mussten und die Sicherung der Anstalt an der Polizei hĂ€ngen blieb. Aber noch ist ja nichts entschieden. Die Idee befinde sich momentan (Oktober 2003) noch im Stadium der politischen Diskussion, teilte mir ein Herr von der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen mit. Und ich hoffe, dass es bei Diskussionen bleibt; denn JVAs in den HĂ€nden von privatem Wachpersonal, dessen Schulung höchstens indirekt der staatlichen Kontrolle und hauptsĂ€chlich privaten, gewinnorientierten Unternehmen unterliegt, erscheinen mir wie ein Horrorszenario mittleren Grades.
Wozu ich aufrufen möchte - deshalb dieses Kapitel - ist ein offenerer Umgang mit HĂ€ftlingen und Vorbestraften. Dazu bitte ich Sie einmal eine absolut bequeme und entspannte Position einzunehmen - jetzt! Trinken Sie einen Schluck ihres LieblingsgetrĂ€nks, gerne auch Alkohol, aber nur ein, zwei Schluck. Legen Sie die FĂŒĂŸe hoch oder legen Sie sich ins Bett. Gehen Sie vorher aufs Klo, wenn Sie mĂŒssen, lassen Sie frische Luft ins Zimmer und sorgen Sie fĂŒr Ruhe: Fernseher, Radio, Computer, SpĂŒlmaschine - alles aus! Und erst wenn Sie völlig ruhig und entspannt sind, fragen Sie sich, nur fĂŒr sich und ohne Worte, Folgendes:

Wie oft hÀtte ich schon ein Verbrechen im Sinne des Gesetzes begangen, wenn Bestrafung ausgeschlossen gewesen wÀre?
Ich will mit gutem(?) Beispiel vorangehen und Ihnen das Ergebnis meiner Selbstreflexion nennen: Einige FĂ€lle von Beamtenbeleidigung, SachbeschĂ€digung und Körperverletzung hĂ€tte ich inzwischen auf dem Konto, wĂ€re ich immun wie ein Diplomat im Dienst. Und Sie? Wann hĂ€tten Sie gerne ein bisschen Geld abgezweigt? Wie vielen Polizisten hĂ€tten Sie schon krĂ€ftig die Meinung ĂŒber ihre Form der AmtsausĂŒbung gesagt? Wann hĂ€tten Sie gerne jemandem eine gelangt? Eine krĂ€ftige Ohrfeige oder gar ein Faustschlag können schnell teuer werden, und wer im Falle einer Anzeige nicht zahlungsfĂ€hig oder -willig ist - und sei es nur ein Bußgeld wegen Falschparkens – wandert eventuell in den Bau. Sind wir unbescholtenen BĂŒrger also ĂŒberhaupt besser als mancher Knastbruder oder sind wir nur beherrschter und hatten bisher mehr GlĂŒck?
Ich denke, vor diesem Hintergrund wird es allmĂ€hlich Zeit unsere Vorurteile abzubauen und ehemalige Strafgefangene schneller und freundlicher in die Gesellschaft zu integrieren. Und wir mĂŒssen schnellstens die vielen offenen und versteckten Feindseligkeiten in unserem Umfeld beseitigen; denn eine unfreundliche AtmosphĂ€re gebiert zwangslĂ€ufig mehr KriminalitĂ€t. Folgendes können Sie tun, um unser tĂ€gliches Zusammenleben angenehmer zu gestalten (siehe auch: „Noch ein paar Tips zur RĂŒcksichtnahme“):

- Wenn vor Ihnen ein Auto nur die vorgeschriebenen 50 km/h oder gar nur 45 fĂ€hrt, dann ist das vielleicht ein Ortsfremder, der etwas sucht. Oder eine alte Person, die nicht mehr so sicher fĂ€hrt und deshalb besonders vorsichtig ist. Oder ein AnfĂ€nger, der noch nicht so sicher fĂ€hrt. In all diese Situationen kann und wird jede(r) von uns einmal geraten und möchte dann auch nicht durch dichtes Auffahren oder mit der Lichthupe drangsaliert werden. Auf der Autobahn kann es auch sein, dass Sie von 170 mal auf 120 runterbremsen mĂŒssen, weil vor Ihnen so eine TrantĂŒte den LKW nicht schneller ĂŒberholt. Das kann Ă€hnliche Ursachen wie langsames Fahren in der Stadt haben oder aber es handelt sich um einen alten Kleinwagen, der einfach nicht so schnell beschleunigt wie Ihr PS-Monster. Vielleicht kann der/die Fahrer(in) sich keinen neuen Wagen leisten. Und wenn Sie noch so sehr an seiner Stoßstange kleben und noch so wild herumgestikulieren - das macht den vor Ihnen auch nicht schneller. Eventuell wird er/sie sogar nervös durch Ihr GedrĂ€nge, was die Unfallgefahr erhöht.

- Wenn Sie sehen, wie irgendein abgewrackter Typ in der Stadt Essensreste aus einem MĂŒlleimer klaubt, sehen Sie nicht angewidert weg! NatĂŒrlich haben Sie allen Grund angewidert zu sein, aber was ist das im Vergleich zu dem Ekel, den der Typ vermutlich durchmacht? Also sprechen Sie ihn an und spendieren Sie ihm, wenn er möchte, ein belegtes Brötchen und etwas zu trinken. Das ist das Mindeste; vielleicht können Sie ihn auch zu einer wohltĂ€tigen Einrichtung bringen, im Notfall zur nĂ€chsten Kirche, wo ein Geistlicher Ihnen bzw. ihm weiterhelfen wird.
Ich habe einmal so eine Szene beobachtet und nichts unternommen, habe den Mann den Rest aus einer weggeworfenen Cola-Dose trinken und dann seiner Wege schlurfen lassen. Das bereue ich heute noch und es wird mir mit Sicherheit kein zweites Mal passieren. Man bedenke: In solchen FĂ€llen ist der Schritt zur KriminalitĂ€t nicht groß - etwas zu Essen oder warme Kleidung stehlen bzw. einen einsamen Passanten ĂŒberfallen, um an Geld zu kommen.

- Wenn Sie Großeinkauf machen und hinter Ihnen jemand mit einer TĂŒte Milch in der einen und einer Zeitschrift in der anderen Hand steht, dann lassen Sie diese Person ruhig vor. Sie mĂŒssen dadurch eine Minute lĂ€nger warten. Der/die andere mĂŒsste jedoch fĂŒnf Minuten warten, bis Sie Ihren randvollen Einkaufswagen durch die Kasse gemanagt haben.

- Halten Sie alten Leuten oder Leuten mit Kinderwagen die TĂŒr zum Kaufhaus auf. Auch wenn es TĂŒrken sind! Sollten letztere sich nicht bedanken, liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass sie neu in Schröderland sind, noch nicht gut deutsch sprechen und sich in der fremden Umgebung unsicher fĂŒhlen - um so mehr, als viele Deutsche ihnen misstrauisch und abweisend begegnen. (Das mag in einzelnen FĂ€llen durchaus berechtigt sein, aber dadurch werden die Leute auch nicht besser. In einem netten Land haben AuslĂ€nder natĂŒrlich grĂ¶ĂŸere Skrupel, zu schnorren und zu klauen.) Weitere Personengruppen, denen Sie auch die TĂŒr aufhalten sollten sind Skingirls mit Kinderkarre, oft zu erkennen an dem kurzrasierten Haar mit langem Pony (Dann werden deren MĂ€nner Sie auch nicht verprĂŒgeln.), und PunkmĂ€dchen mit Kinderkarre (Dann werden die vielleicht wieder Lust kriegen fĂŒr die deutsche Gesellschaft zu arbeiten.).

- GrĂŒĂŸen Sie nicht nur Ihre(n) BrieftrĂ€ger(in), sondern auch die Leute von der MĂŒllabfuhr. Wenn nĂ€mlich mal ein sensibler Mensch aus irgendwelchen GrĂŒnden zu so „niederer“ Arbeit gezwungen ist, ĂŒberlegt er sich vielleicht, in den Drogenhandel einzusteigen anstatt diese langweilige, dreckige, schlecht bezahlte Arbeit zu verrichten. Sind Sie nett zu ihm, fĂ€llt es ihm leichter, sein Los zu ertragen.

- Setzen Sie sich dafĂŒr ein, dass auf Bahnhöfen beruhigende Musik wie zum Beispiel Vivaldi und Mozart gespielt wird. (Das hieße z. B., bei der Bahn anzurufen oder Leserbriefe an Zeitungen zu schreiben.) An einigen Orten wird es bereits getan und soviel ich weiß, hat dieses Vorgehen meistens einen RĂŒckgang von Problemen wie Drogenhandel, Diebstahl und Gewaltdelikte zur Folge.

- Wenn Sie rauchen, nehmen Sie RĂŒcksicht auf die Nichtraucher. Ich denke in diesem Fall nur zweitrangig an den gesundheitlichen Schaden; ich denke daran, wie sehr Sie den Leute am Nachbartisch im Restaurant auf die Nerven gehen, wenn diese Ihretwegen nicht mehr in frischer Luft essen können. Ganz besonders Leuten, die eine labile Gesundheit haben, können Sie damit einen netten Abend vermiesen. Manche Nichtraucher ziehen auch die Konsequenzen und besuchen kaum noch Restaurants und CafĂ©s, weil sie das Essen im Qualm nicht genießen können. Und respektieren Sie als Raucher unbedingt die Nichtraucherbereiche. Viele Menschen stört der blaue Dunst ganz erheblich, aber sie trauen sich nicht es zu sagen.

- Wenn Sie ein Nichtraucher sind, ĂŒbertreiben Sie es nicht. Wenn in einem Restaurant oder Zug die Raucher- und Nichtraucherbereiche nur unzureichend voneinander getrennt sind, versuchen Sie nicht, den Rauchern sogar in „ihrer“ Zone den Glimmstengel zu verbieten. Auch demonstratives Husten halte ich in solchen FĂ€llen fĂŒr zu grob. Sprechen Sie lieber mit dem Betreiber bzw. dem ZustĂ€ndigen und verlangen Sie Maßnahmen, die den Rauch daran hindern, in den Nichtraucherbereich herĂŒber zu ziehen.

- Wenn Sie es sich leisten können, bringen Sie alte Kleidung, BĂŒcher, Möbel, HaushaltsgerĂ€te und alles, was noch irgendwie brauchbar ist, zur Arbeiterwohlfahrt, anstatt es auf dem Flohmarkt oder bei „Ebay“ zu verhökern. Auf diese Weise erhalten wirklich arme Menschen die Chance ihrem bescheidenen Haushalt etwas mehr Komfort hinzuzufĂŒgen. FlohmĂ€rkte und „Ebay“ sind zwar auch eine gute Sache fĂŒr Minderbemittelte, aber erstens bleiben hier diejenigen, die wirklich am Existenzminimum leben, außen vor und zweitens gehen auch Wohlhabende, die es nicht wirklich nötig haben, aus Spaß oder Sparsamkeit dort auf SchnĂ€ppchenjadg.

- Verkleinern Sie Ihren aktiven Freundeskreis. Wer die halbe Disco kennt, wahllos jeden MitschĂŒler, -studenten, Kollegen oder Kameraden zur Party bei sich nach Hause einlĂ€dt, jede(n) nach der ersten gemeinsamen Unternehmung als Freund(in) bezeichnet, weiß bald selbst nicht mehr, woran er/sie ist. Man verliert den Überblick, man fragt sich, wem man was erzĂ€hlt hat und ob es weitererzĂ€hlt wird. Man hat die unterschiedlichsten Dinge mit den verschiedensten Leuten laufen, rennt von Hinz zu Kunz, wird beim GesprĂ€ch mit A stĂ€ndig durch Telephonanrufe von B oder C unterbrochen und findet vor lauter Freundschaft keine Zeit mehr dazu, mal allein zu sein und nachzudenken. Aber wenn es mal hart auf hart kommt, wird sich zeigen, wer wirklich zu Ihnen steht, fĂŒr wen Sie mehr sind als nur der Smalltalk-Partner, die Anti-Einsamkeits-Pille. Wenn Sie GlĂŒck haben, wenden Sie sich bei Schwierigkeiten an den Richtigen. Wenn Sie Pech haben, werden Sie bitter enttĂ€uscht. Unklarheiten in einem so weiten Beziehungs-Netzwerk, ausufernde multilaterale VerhĂ€ltnisse, GerĂŒchte etc. - all das schafft Misstrauen, oder die Angst ausgeschlossen zu werden. Angst? Misstrauen? Na, raten Sie mal, was jetzt kommt. Genau, diese negativen GefĂŒhle fördern KriminalitĂ€t - direkt oder indirekt.
Was Sie brauchen, sind zwei, drei echte Freunde. Und vergessen Sie Stories wie „auf Anhieb sympathisch“, „sofort gespĂŒrt: Seelenverwandtschaft“ und dergleichen! Ob es „Liebe auf den ersten Blick“ gibt, da bin ich ĂŒberfragt, aber echte Freundschaften mĂŒssen zusammenwachsen. AbhĂ€ngig von den UmstĂ€nden kann es schneller gehen oder lĂ€nger dauern, aber zwei Jahre mĂŒssen Sie mindestens investieren! Erst dann können Sie auf Basis dessen, was Sie fĂŒhlen und was Sie erlebt haben, ein taugliches Urteil ĂŒber die potentielle Freundin oder den potentiellen Freund fĂ€llen. Eine solche echte Freundschaft ist mehr wert als fĂŒnf „Kumpels“: Sie gibt Ihnen mehr Sicherheit, Sie können eher auf VerstĂ€ndnis hoffen und man wird sich auch durch lĂ€ngere Zeiten ohne Kontakt nicht fremd.
Ich behaupte nicht, es sprĂ€che etwas gegen Bekanntschaften und „Kumpel“-Beziehungen. Schließlich können aus Ihnen die besten Freundschaften hervorgehen, und wenn das nicht passiert, bleibt es eben bei gelegentlichen Feierabend-Bierchen und Smalltalk oder guter Zusammenarbeit. Man darf sich nur nichts vormachen: Wenn Sie jemand fragt „Sind wir Freunde?“ oder jemand Sie als seinen Freund vorstellt, dann widersprechen Sie ruhig. Sagen Sie: „Soweit wĂŒrde ich nicht gehen, wir sind gute Bekannte/Kumpels/Kollegen.“ Stellen Sie klar, dass das nicht als Abwertung, sondern nur als neutrale Unterscheidung gemeint ist. Wenn Ihr GegenĂŒber sich beleidigt zeigt, ist das vielleicht ein Indiz dafĂŒr, dass es mit einer Freundschaft sowieso nichts werden wĂŒrde. Auf jeden Fall zeigt es deutlich, dass es noch Unklarheiten zwischen Ihnen gibt, die vor Aufbau einer Freundschaft dringend bereinigt werden mĂŒssen.

- Nehmen Sie die Sorgen und Gedanken anderer ernst - selbst, wenn es manchmal schwer fĂ€llt. Wer immer nur „Quatsch!“, „Unwichtig!“ oder „Vergiss es!“ zu hören kriegt, fĂŒhlt sich schnell einsam und verliert vielleicht das MitgefĂŒhl fĂŒr Mitmenschen, es sei denn, er oder sie ist ungewöhnlich charakterstark. Fehlendes MitgefĂŒhl ist eine sehr gefĂ€hrliche Sache!

- Seien Sie nett zu Kindern. Wenn die Kleinen oft erleben, dass Erwachsene ihre Überlegenheit ausnutzen und sich ihnen gegenĂŒber arrogant, respektlos oder gar gewalttĂ€tig verhalten, werde sie sich bald nichts sehnlicher wĂŒnschen, als auch groß zu werden und ihrerseits die SchwĂ€cheren zu drangsalieren.
„Wie der Vater, so der Sohn.“
oder
„Der Apfel fĂ€llt nicht weit vom Stamm.“
oder
„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurĂŒck.“
oder
„Wie du mir, so ich dir.“
oder
„Actio gleich Reactio.“
und manchmal sogar
„Wer Wind sĂ€t, wird Sturm ernten.“


Kopftuch runter, Bart ab, stillgestanden!


Sooo... zu welchem Doitschland bewegenden Thema habe ich noch nicht meinen Senf dazu gegeben? - AuslĂ€nder! Das schreit doch förmlich nach einer kleinen Abhandlung. Über dieses Thema habe ich schon viel nachgedacht und auch schon Dinge zu Papier gebracht. Es war in der zehnten Klasse, als wir einen Aufsatz schreiben sollten und dafĂŒr drei Themen zur Auswahl vorgegeben bekamen. Ich wĂ€hlte also das Thema „AuslĂ€nderproblematik“ und schrieb wild drauf los. Etwas zu wild vielleicht; denn als wir unsere Hefte zurĂŒckerhielten, verkĂŒndete die Lehrerin, mit der Bewertung einer Arbeit habe sie große Probleme gehabt. Aufgrund von Ausdruck und Struktur sei sie zwar sehr angenehm zu lesen, aber der Inhalt habe ihr Sorgen bereitet. Sofort stießen meine Banknachbarn mich an und riefen halblaut meinen Namen, so dass die Lehrerin nur noch zustimmend nicken konnte. ErklĂ€rung: Ich und einige meiner MitschĂŒler machten zu jener Zeit eine Art „rechte Phase“ durch - wir erzĂ€hlten uns auslĂ€nderfeindliche Witze, hörten Skinhead-Musik und gaben uns MĂŒhe besonders genervt zu wirken, wenn es zum Beispiel um „Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit“ oder „Integration auslĂ€ndischer MitbĂŒrger“ ging. Ich war ziemlich konsequent dabei, wenn ich mir auch nie den Kopf rasiert oder mich direkt gegenĂŒber AuslĂ€ndern feindselig verhalten habe. Aber ich habe aus meinen rechtslastigen Ansichten nie einen Hehl gemacht, weshalb meine MitschĂŒler die Worte der Lehrerin auch gleich richtig interpretiert hatten. Nachdem die Lehrerin bekannt gegeben hatte, sie habe meinen Aufsatz dem Herrn Direktor vorgelegt und auch der habe ihn trotz inhaltlicher SchwĂ€chen mit einer Zwei bewertet, nachdem sie mich zu einem GesprĂ€ch unter vier Augen gebeten hatte und nachdem die MitschĂŒler mein Werk gelesen hatten, war ich fĂŒr ein paar Tage der Held der Clique. Wieder einmal skandierten wir Stammtisch-Parolen, es wurde die Trefflichkeit meiner „hart aber gerecht“-Formulierungen bestĂ€tigt und es wurde mir eingeblĂ€ut, mir bei dem GesprĂ€ch unter vier Augen bloß nichts einreden zu lassen. Als es dann soweit war, wollte die Lehrerin mir aber zu meiner Überraschung nichts ein- oder ausreden. Sie machte mich lediglich darauf aufmerksam, dass meinem Informationsstand ĂŒber das Thema einige wichtige Fakten und ausreichende Kenntnis der Gesetzeslage fehlten und wie wichtig umfassende Hintergrundinformationen bei der Behandlung eines so heiklen Themas seien. Deshalb möchte ich hier jener Lehrerin ausdrĂŒcklich danken - fĂŒr das entspannte GesprĂ€ch, das fĂŒr mich tatsĂ€chlich eine gute Orientierungshilfe darstellte. Selten bin ich auf dem Gymnasium so ernst genommen worden.
Inzwischen ist die rechte Phase bei mir und den Kumpels vorbei. Geblieben sind lediglich einige SprĂŒche, die wir uns angewöhnt haben und einige musikalisch herausragende StĂŒcke der Skinhead-Musik, die uns immer noch gefallen. Die rassistischen Scherze von damals sind (hoffentlich) kritischen Gedanken zur aktuellen innerdeutschen Situation gewichen. So bin ich immer noch der Ansicht, dass man kriminelle AuslĂ€nder abschieben sollte - ungeachtet eventueller Verfolgung oder UnterdrĂŒckung in ihrem Geburtsland. So in etwa habe ich es damals geschrieben. Heute ist mir klar, dass man es so nicht stehen lassen kann. Man muss hinzufĂŒgen, dass ein solches Vorgehen nur dann „hart aber gerecht“ ist, wenn die AuslĂ€nder in Deutschland erstens so gut behandelt werden, dass sie KriminalitĂ€t nicht nötig haben und wenn sich Deutschland zweitens dafĂŒr einsetzt, dass die VerhĂ€ltnisse in den HeimatlĂ€ndern der Einwanderer, Asylanten etc. besser werden.
Auch sollten wir nicht vergessen, dass auslĂ€ndische Einwanderer dieses Land bereichern können. Wer hĂ€tte sich noch vor 30 Jahren trĂ€umen lassen, dass sich heute an jeder Ecke die Möglichkeit bietet tĂŒrkisch, griechisch, chinesisch oder italienisch zu essen? Durch AuslĂ€nder haben Deutsche außerdem die Möglichkeit Augenzeugenberichte aus all den LĂ€nder zu hören, ĂŒber die die Medien stĂ€ndig berichten. Ich fĂŒr meinen Teil wĂŒrde eher einem gebĂŒrtigen Afghanen, der an er Imbissbude aus seiner Heimat erzĂ€hlt, glauben, als Nachrichtenorganen, die schließlich alle mehr oder weniger auf ihren Profit schielen mĂŒssen uns deshalb einen Teil ihrer ObjektivitĂ€t einbĂŒĂŸen. Und wenn der Augenzeuge vom Imbiss-Stand auch nicht objektiv ist, kann man aus seiner Art und Weise des ErzĂ€hlens doch RĂŒckschlĂŒsse auf die Stimmung in seiner Heimat schließen.
Weiter im Text: Mehrere Leute haben mir schon mitgeteilt, dass sie nichts gegen AuslĂ€nder hĂ€tten - nur TĂŒrken könnten sie nicht leiden. Welch ein Zufall, dass TĂŒrken die grĂ¶ĂŸte ethnische Minderheit in Deutschland stellen. Und wie praktisch, wenn man gegen TĂŒrken sein kann ohne prinzipiell ein Rassist zu sein. Aber nein, ganz so schlimm ist es nicht; mir geht es Ă€hnlich, mit der kleinen Differenzierung, dass ich junge TĂŒrken oft schon vom Anblick her nicht leiden kann. Und ich habe auch ein Theorie, woran dass liegen könnte. Sie befinden sich hier in einer Umgebung, in der sie auffallen - nicht all zu sehr, aber ihre schwarzen Haare, ihre dunkle Haut und die typisch tĂŒrkischen Gesichtsmerkmale weisen sie doch eindeutig als nicht deutsch-stĂ€mmig aus. Mit dieser Situation des Andersseins hat schon manch Einer Schwierigkeiten. Dann kommen noch die kulturellen Unterschiede hinzu; ihre Familie ist vielleicht noch streng patriarchalisch strukturiert und plötzlich finden sie sich in einer Gesellschaft wieder, in der die Frauen gleichberechtigt sind. Sie werden von Lehrerinnen unterrichtet, mĂŒssen Polizistinnen gehorchen, sich von Ärztinnen untersuchen und AntrĂ€ge von Beamtinnen genehmigen bzw. ablehnen lassen. War der Mann bisher unter anderem durch den Status des Herrschers ĂŒber die Frau definiert, war die Dominanz sein festes Attribut, kann das Wegfallen dieses Attributs leicht als Wegfallen eines StĂŒckes MĂ€nnlichkeit gedeutet werden. Das gibt voll die fetten Komplexe, Alda! Komplexe zu zeigen erscheint Vielen (egal, welcher Hautfarbe und Nasenform) aber erst recht als ein Zeichen von SchwĂ€che; so dass man sie lieber durch großspuriges Auftreten ĂŒberspielt. ZwangslĂ€ufig folgt darauf die Reaktion vieler gebĂŒrtiger Deutscher: „Kommt in unser Land und kann sich nicht mal benehmen! Wir zahlen fĂŒr sie, da wĂ€re etwas mehr Dankbarkeit und Bescheidenheit angebracht. Das Goldkettchen und die Daunenjacke sind bestimmt geklaut.“ Missgunst auf deutscher Seite zieht natĂŒrlich wiederum Missgunst auf tĂŒrkischer Seite nach sich: „Ey, was willst du eigentlich? Ich brauch dich doch voll nicht, du Nazi, ich scheiß auf deine Rassisten-Meinung!“. Leute, die mit Arroganz ihre Unsicherheit zu ĂŒbertĂŒnchen suchen, sind nunmal unangenehm. So wird jungen TĂŒrken (oder Iranern, Irakern, Lybiern, Jordaniern, Saudi-Arabern, Ägyptern, Syriern... das können wir Angelsachsen vom Aussehen her ja fast nie unterscheiden) in vielen Diskotheken der Eintritt verwehrt, in der FußgĂ€ngerzone macht man einen Bogen um sie und meistens bleiben sie unter sich. Boah ey, voll die konkret krasse VölkerverstĂ€ndigung!
So wird das nichts. Es wird zwar schon besser; die TĂŒrkei und die EuropĂ€ische Union machen vorsichtige Schritte aufeinander zu und auch innerhalb von Deutschland entspannen sich die VerhĂ€ltnisse - aber es ist noch lange nicht soweit, dass man von einem einigermaßen unproblematischen Miteinander sprechen könnte. Zumal in letzter Zeit die Differenzen wieder zu Tage treten, und zwar im Licht der Frage, ob muslimische Lehrerinnen im Unterricht ein Kopftuch tragen dĂŒrfen. Der tĂŒrkisch-stĂ€mmige Autor Feridun Zaimoglu hat in einem Interview, abgedruckt in den „Schleswiger Nachrichten“ vom 25. 9. 2003, eine (wie ich finde) wohltuend gemĂ€ĂŸigte Position vertreten und zum Beispiel gesagt „Einwanderung ist eben eine Zumutung - fĂŒr beide Seiten.“ und „...man muss im Blick haben, dass es in jedem Land eine kulturell-religiöse Kulisse gibt. Auch mir fĂ€llt eine Nonne nicht so auf, sie gehört hier hin. Man muss aufhören, ideologisch zu sprechen. Es ist schlicht eine Tatsache, dass eine Frau mit dem Kopftuch in Deutschland ungewöhnlich ist. Ich empfehle in diesen Fragen ZurĂŒckhaltung statt Stammtisch-Niveau.“. Das ist eine Empfehlung, die man sich generell zu Herzen nehmen sollte. Beide Seiten sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass sie den anderen fremd erscheinen und dass man sich aneinander gewöhnen muss. Außerdem sollte man sich ein wenig in Selbstbeobachtung ĂŒben und auch die eigene Kultur in Frage stellen.
Dass es in Deutschland ein AuslĂ€nderproblem gibt, ist nĂ€mlich nicht nur die Schuld der AuslĂ€nder, es ist vielmehr - wie so viele Dinge - ein Ausdruck unserer individuellen und gemeinschaftlichen Ängste und unreifen Punkte. Machte man Deutschland zur „auslĂ€nderfreien Zone“ oder wĂ€ren AuslĂ€nder erst gar nicht hereingelassen worden, wĂ€ren unsere Probleme trotzdem da und wĂŒrden ein anderes Medium finden, um sich zu zeigen. Bildlich gesprochen: Nimmt man einem chronisch aggressiven Menschen seinen Sack zum Draufschlagen weg, sucht er sich ein anderes Ventil - oder bekommt MagengeschwĂŒre. Die Parole „AuslĂ€nder raus!“ ist vor diesem gedanklichen Hintergrund etwa so sinnvoll wie: „Ich werfe den Spiegel weg, damit ich nicht mehr so hĂ€sslich bin!“.


Die verbotene Bibliothek


Das klingt dĂŒster, oder? Nach ketzerischen Werken, nach dem Hexenhammer (eine im Mittelalter sehr gefragt Abhandlung ĂŒber u. a. die Aufdeckung und Behandlung von Hexerei), nach dem Necronomicon (ein meines Wissens fiktives Buch, dessen Legende von H. P. Lovecraft geschaffen oder zumindest populĂ€r gemacht wurde), nach de Sade und nach dem Playboy.
Aber nein, ich will auf ganz andere LektĂŒre hinaus; und zwar auf solche, die sich nur selten verbieten lĂ€sst, obwohl die Kreise, die unsere Gesellschaft leiten, Otto Normalverbraucher wahrscheinlich gerne davon fernhalten wĂŒrden. (Leider ist das oft gar nicht nötig, da Otto offenbar von sich aus Angst hat, sich an solchem Stoff die Finger zu verbrennen.) Es sind die Werke, in denen unsere Welt nicht nur so dargestellt wird, wie sie ist, sondern in denen auch zu erfahren ist, warum sie so ist. BĂŒcher jener Autoren, die völlig unprĂ€tentiös daherkommen, sparsam mit Adjektiven umgehen und ihren Lesern Fakten und Meinungen (meistens) getrennt darbieten. Oder aber satirische Werke, die versuchen ihr Bild der Wahrheit verstĂ€ndlich zu machen, indem sie bis an die Grenze der ErtrĂ€glichkeit von Frechheit und schwarzem Humor gehen. Oder auch philosophisch-psychologische BĂŒcher, die Blicke unter die OberflĂ€che des tĂ€glich Mit- und Gegeneinanders werfen.
Das Problem mit solchen Werken ist, dass sie hauptsĂ€chlich von Leuten gelesen werden, die sich so oder so Gedanken ĂŒber das Leben und die Welt machen und etwas zur Verbesserung derselben tun. Mithin ist der Einfluss dieser Literaturgattung also Ă€ußerst beschrĂ€nkt. Trotzdem möchte ich nun einige BĂŒcher empfehlen, die ich selbst gelesen habe und fĂŒr lesenswert halte.

- Horst-Eberhard Richter, „Die hohe Kunst der Korruption: Erkenntnisse eines Politik-Beraters“, Hoffmann und Campe

- Michael Moore, „Stupid White Men ...and Other Sorry Excuses for the State of the Nation“, HarperCollins Publishers

- Peter Scholl-Latour, „Afrikanische Totenklage: Der Ausverkauf des Schwarzen Kontinents“, C. Bertelsmann Verlag (Überhaupt halte ich fast alles von Scholl-Latour lesenswert.)

- Robert Anton Wilson, „Das Lexikon der Verschwörungstheorien“*, Piper Verlag

- Jan van Helsing (Pseudonym), „Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert“*, Ewert Verlag (meines Wissens im normalen Buchhandel nicht mehr erhĂ€ltlich)

- Erich Fromm, „Die Kunst des Liebens“, unterschiedliche Verlage

- Erich Fromm, „Haben oder Sein“, unterschiedliche Verlage

- Peter Lauster, „Lassen Sie sich nichts gefallen“, ECON Verlag

- Eric Berne, „Spiele der Erwachsenen“, Rowohlt Verlag

* Diese BĂŒcher sollte man nur als „Stimmungsbarometer“ lesen, um zu erfahren, was fĂŒr ungewöhnliche Standpunkte es gibt und in welchen Bereichen man sich noch informieren sollte. Unbedingt eine gewisse Distanz zum Thema wahren und darauf achten, dass man nicht ungewollt die Meinung der Autoren ĂŒbernimmt.


Kleines Einmaleins fĂŒr Abweichler


Ich komme jetzt langsam zum Ende. Ich hoffe, Ihr Nacken schmerzt nicht zu sehr vom stĂ€ndigen KopfschĂŒtteln wĂ€hrend der LektĂŒre meiner kleinen, literarischen Eskapade. Wenn Sie bis hier gelesen haben, dann nehme ich an, sind Sie entweder jemand, der ein angefangenes Buch grundsĂ€tzlich zu Ende liest oder aber Sie stimmen mir wenigstens in einigen Punkten zu. Im ersten Fall entschuldige ich mich Ihre Zeit verplempert zu haben und hoffe, dass Sie in Zukunft mehr GlĂŒck bei der Wahl Ihres Lesestoffes haben werden. Letzteren jedoch kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Sie das Zeug zu einer beachtenswerten Karriere als Nonkonformist haben. Und da ich schon ein paar Sprossen dieser Karriereleiter erklommen habe, biete ich Ihnen meine Erfahrungen als Hilfestellung an. Vielleicht haben Sie das gar nicht nötig, vielleicht sind Sie ein viel Ă€lterer und erfolgreicherer Rebell als ich - dann verstehen Sie es doch als Gedankenaustausch.

Meinen Erfahrungen zu Folge, ist der gute Abweichler

- vielseitig. Legen Sie sich nicht (und vor allem nicht zu frĂŒh im Leben) auf einen Bereich fest. Ihre Situation kann sich immer unvermutet Ă€ndern und vielleicht brauchen Sie eines Tages eine neue Strategie, um Ihren Mitmenschen zu zeigen, wo der Hammer hĂ€ngt. Wenn Sie ein Dichter sind und außerdem noch ein Instrument lernen (Vorzugsweise Gitarre, ein Streichinstrument, Klavier oder Schlagzeug), können Sie vielleicht eine Band grĂŒnden und Ihre Botschaft so einem breiteren und im Schnitt jĂŒngeren Publikum mitteilen. Oder: Wenn Sie das Leid der Welt erkannt haben und sich dagegen aussprechen, ist das ein wertvoller Verdienst um die Menschheit. Aber wenn Sie nicht nur Ihren Geist, sondern Ihren Körper trainieren, können Sie in akuten Gefahrensituationen besser helfen. Zivilcourage ist leider immer noch eine zu seltene Tugend und im Zweifel bleibt mal wieder alles an Ihnen hĂ€ngen, wenn es brennt, wenn auf der Straße einer alten Dame die Handtasche entrissen wird oder wenn ein Betrunkener ein MĂ€dchen belĂ€stigt. Handeln Sie! Greifen Sie energisch durch!! Wenn alles vorbei ist, können Sie der Retter des Tages oder nur einer von vielen sein, die weggesehen haben. Welche dieser beiden Möglichkeiten sich besser anfĂŒhlt, ist ja wohl klar.

- unverschĂ€mt. Gelegentlich hilft nur ein kleiner, wohl dosierter Schock gegen Spießigkeit und Phlegma. Wenn die Leute Sie bloß fĂŒr einen Spinner halten, wird davon nicht viel bewegt. Man denkt meistens nur darĂŒber nach, wovon man sich selbst betroffen fĂŒhlt und da manche Menschen förmlich mit Scheuklappen durchs Leben laufen, fĂŒhlen sie sich nicht von dem, was um sie herum geschieht, betroffen, sondern nur von dem, was mit ihnen geschieht. Wenn Sie im Supermarkt also zum x-ten Mal unertrĂ€glich kleinbĂŒrgerliches Verhalten beobachten - kommentieren Sie es! Schon die verschiedenen Reaktionen der Leute sind Ă€ußerst interessant; von Ignorieren, ĂŒber schĂŒchternes LĂ€cheln bis hin zu genervten oder gar geistreichen Antworten kann einem alles passieren. Aber auf jeden Fall besteht eine gewisse Chance, dass die Leute sich zu Hause fragen, was sie eigentlich gemacht haben und was der Typ/die Tussie eigentlich wollte. Auf diese Weise können wir in unserer Gesellschaft vielleicht ein QuĂ€ntchen des geradezu eklatanten Mangels an FĂ€higkeit zur Selbstreflexion beheben.

- offen und kontaktfreudig. Wenn Sie etwas wissen wollen, gibt es fast immer irgendwo jemanden, der Ihnen bereitwillig Auskunft erteilen wird. Bei der Inlands-Auskunft der Deutschen Telekom (11833) erhalten Sie von praktisch jeder Behörde, jedem Archiv, jedem Museum und jedem GeschĂ€ft eine Telephonnummer. Rufen Sie ganz ungeniert an, wo immer Sie wollen und fragen Sie, was immer Sie interessiert. Schlimmstenfalls ist derjenige am anderen Ende etwas verdutzt oder Sie mĂŒssen sich durch verschiedene Abteilungen telephonieren. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass gerade die verrufenen Behörden und Amtsstuben sehr hilfsbereit sind - schließlich werden sie genau dafĂŒr bezahlt. Auch sonst sind fast alle Leute zu einer kurzen Auskunft bereit, wenn man Sie nur vernĂŒnftig anspricht. Als ich zum Beispiel ein Referat ĂŒber nationalsozialistische Mythologie halten sollte, wollte ich wissen, was Skinheads davon halten. Also sprach ich in der FußgĂ€ngerzone mit den Worten „Entschuldigung, Sie sehen ja aus wie ein Skinhead - wĂŒrden Sie sich auch als solchen bezeichnen?“ einfach einen an. Und schon entfaltete sich ein freundliches, etwa halbstĂŒndiges GesprĂ€ch ĂŒber Mythologie im weiteren Sinne. Ein weiteres Mal sprach ich, etwas voreilige vielleicht, zwei kahlköpfige Herren an: „Sie sind doch bestimmt rechts, oder?“. Nein, waren sie nicht, vielmehr waren sie linksgerichtete Fans des Ersten FC St. Pauli. Trotzdem haben sie weder ihre FĂ€uste sprechen lassen, noch ihren Hund auf mich gehetzt, sondern mir sogar noch Tips gegeben, wo ich Informationen ĂŒber mein Referatsthema finden könne. Ich kann mich nur wiederholen: Wer ohne Scheu auf Menschen zugeht, wird dafĂŒr meist belohnt.

- selbstkritisch. Wer die Welt verbessern will, sollte zuerst sich selbst verbessern. Leider ist gerade das oft besonders schwer. Aber ein guter Lehrer (denn in diese Rolle geraten Abweichler hĂ€ufig - wenn sie es nicht schon von Beruf sind) geht mit gutem Beispiel voran und verlangt von seinen SchĂŒlern nichts, was er nicht selber schafft oder wenigstens ernsthaft versucht. Also stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Zeit sinnvoll nutzen, auf Ihre Gesundheit Acht geben (ĂŒbrigens: Umweltverschmutzung schadet indirekt auch Ihrer Gesundheit.) und Freude am Leben haben. Wenn Sie soweit sind, kann die Menschheit schonmal einen Problemfall zu den Akten legen. Anderen zu helfen solange man selbst hilfsbedĂŒrftig ist, ist nur sinnvoll, wenn es den anderen noch weitaus schlechter geht als einem selbst und man gewissermaßen fĂŒr gerechte Verteilung der Probleme sorgt; wenn man sozusagen mit Hilfe handelt („Ich helfe dir und du hilfst mir.“) oder wenn man darauf spekuliert, dass die anderen einem kein Leid mehr zufĂŒgen wollen, wenn sie selbst nicht mehr leiden. Leider zeigt die Erfahrung, dass die (aus Angst resultierende) Gier mancher Menschen grenzenlos ist und sie auch dann noch andere ausbeuten, wenn sie schon im Geld schwimmen. Also sollte man wirklich zuerst die eigenen SchĂ€fchen ins Trockene bringen (Nur die eigenen!!!) und dann anderen den eigenen HĂŒtehund leihen.

- maßvoll. „Gott ist nicht kleinlich.“, sage ich immer. So halte ich mich fĂŒr einen wahren Christen, obwohl ich fast nie in die Kirche gehe und besagte Musik höre. Solange man sich nicht selbst damit zerstört, widerspricht das Lebensprinzip „Sex, drugs and Rock’n’Roll“ den Zehn Geboten nicht. Ich bin der Ansicht, dass es immer auf das richtige Maß ankommt. Beispielsweise finde ich Pornos durchaus moralisch fragwĂŒrdig, was aber nicht bedeutet, dass ich mir ihren Konsum vollkommen verkneife. Was hat die Welt, die Menschheit davon, wenn jemand sein ganzes Leben, seine ganze Energie dem persönlichen Einhalten christlicher Tugenden widmet? Der wöchentliche Kirchgang, die totale Abstinenz von Alkohol und Drogen, das Verbannen von wilder Musik, brutalen Filmen und Computerspielen und die rigorose „Sex nur zur Fortpflanzung“-Einstellung mögen zwar an sich ganz gut sein, aber nur wenige Menschen bringen neben soviel Selbstdisziplinierung noch Kraft auf, um aktiv die Welt zu verbessern. Da finde ich es besser, hin und wieder ein wenig zu sĂŒndigen, damit man den tĂ€glichen Kampf besser ĂŒbersteht. Man nehme Rock-Konserve Mick Jagger - er soll ja ein Leben voller Ausschweifungen gefĂŒhrt haben, aber trotzdem hĂŒpft er in seinem Alter noch auf der BĂŒhne herum, und wenn es heißt „Mickey in da house!“ kommen die Leute von nah und fern, um ihn zu sehen. Offenbar war die Entspannung, die sein Lebensstil ihm verschafft hat, mĂ€chtiger als die körperliche SchĂ€digung durchzechter NĂ€chte. Womit ich nicht fĂŒr zĂŒgellosen Drogenkonsum plĂ€dieren will. Es soll lediglich ein Beispiel fĂŒr die Kraft des Willens und die Wichtigkeit der richtigen Balance sein. Psychologen und Esoteriker werden Ihnen gerne mehr darĂŒber erzĂ€hlen.

- unbesorgt. Die gefĂ€hrlichste Krankheit, die schon viele HoffnungstrĂ€ger des Querdenkertums dahingerafft hat, ist die Angst davor, verlassen zu werden und allein dazustehen: auf die angesagten Parties nicht eingeladen zu werden, niemanden zu kennen, die einen in die Disco begleitet, von niemandem gestreichelt zu werden, wenn die Arbeit mal wieder stressig war. Diese Ängste haben schon viele Abweichler wieder auf Kurs gebracht und dafĂŒr gesorgt, dass wenigstens Ă€ußerlich die Denk- und Handlungsmuster des Mainstreams auch von ĂŒberdurchschnittlich befĂ€higten Menschen befolgt werden. Dabei ist die allgegenwĂ€rtige Furcht davor, ausgestoßen zu werden, kaum begrĂŒndet. Es gibt mehr Freaks auf der Welt, als man glauben sollte und die VerrĂŒcktesten sind meistens völlig unauffĂ€llig; denn ein echter Freak ist selbstbewusst genug, um nicht mit seinen Marotten zu protzen. Vielmehr wird man durch seine charakterlichen Abweichungen von der Norm in die Lage versetzt, sich mit sich selbst zu beschĂ€ftigen und nicht jedes Wochenende auf Gesellschaft angewiesen zu sein.
Mal wieder - ich kann’s nicht lassen - zitiere ich einen Rocksong (Metallica, Enter Sandman):

„Hush, little baby, don’t say a word, (Pscht, Kindchen, sei ganz still,
and nevermind that noise you heard. und achte nicht auf dieses GerÀusch.
It’s just the beast under your bed, Es ist nur das Monster unter deinem Bett,
in your closet, in your head.“ in deinem Schrank, in deinem Kopf.“

Mit anderen Worten: Das bist bloß du selbst. All die Ängste, die einen daran hindern, ein selbstĂ€ndiger Mensch zu sein, schĂŒrt man selbst, und nicht bessere UmstĂ€nde werden sie je abstellen, sondern nur man selbst. Überhaupt ist letztendlich nur man selbst verantwortlich und alles AbwĂ€lzen der Schuld auf andere Personen oder Bedingungen wird sich frĂŒher oder spĂ€ter rĂ€chen. Ein Freund von mir hatte eine Zeit lang ernsthafte Drogenprobleme. Ich weiß nicht, wie oft wir darĂŒber geredet haben, ĂŒber den Rausch, das Runterkommen, die GrĂŒnde fĂŒr seinen Konsum, die GrĂŒnde fĂŒr meinen nicht vorhandenen Konsum und die Frage, ob, wie, wann und warum er aufhören sollte. Ich weiß nicht, wie viele gute RatschlĂ€ge ich ihm gegeben habe, wie er sein Leben anders ausrichten könne - es nĂŒtzte nichts. Schließlich stellte er den Konsum ganz plötzlich wieder ein, und das mit Hilfe einer aberwitzigen „Ersatzdroge“ (DiesbezĂŒglich bitte keine Fragen). Wichtig ist aber, dass seine eigene Entscheidung gefallen war. Und nur die konnte er erfolgreich umsetzen, nur hinter der stand er mit ganzem Herzen. Anders wird es nie sein: Wenn Sie unglĂŒcklich sind, kann keine noch so geile Party, keine Droge und kein Lebenspartner das dauerhaft Ă€ndern, sonder nur Sie selbst, indem Sie ehrlich nach der fĂŒr Sie passenden Lebensweise suchen. (Was nicht heißen soll, dass man Hilfe von Freunden oder Familie oder gelegentliche Ablenkung und Entspannung durch Drogen grundsĂ€tzlich ausschlagen mĂŒsste.)
Um wieder auf das Attribut „unbesorgt“ zurĂŒckzukommen: Ein echter Nonkonformist stellt sich seinen Problemen; erstens weil er dann auf Dauer weniger Probleme haben wird und zweitens eben gerade weil er unbesorgt ist - er weiß, dass er es selber schaffen kann und dazu keine Partygesellschaft und keinen Kaufrausch braucht – wenn schon, dann sollte es echter, zwischenmenschlicher Gedanken- und GefĂŒhlsaustausch sein. Aber manchmal muss man ein StĂŒck seines Weges alleine gehen, bis man frĂŒher oder spĂ€ter auf Gleichgesinnte trifft, mit denen man mehr gemein hat als den Musikgeschmack oder die Lust auf Shopping.

Vielleicht fragt sich der eine oder die andere ja: „Moment, warum soll ich eigentlich ein Abweichler sein?!“ Ich muss zugeben, die Frage ist berechtigt. Soll man Ärger machen? Soll man auf Teufel komm raus anders sein? Soll man alles verdammen, was die anderen lieben? Um Himmels Willen, nein!
Ich merke manchmal, dass ich mich ĂŒber Dinge aufrege, die zu beurteilen ich ĂŒberhaupt nicht in der Lage bin. In solchen Momenten geht die Abweichlerei mit mir durch und ich muss die Handbremse ziehen. Das war bei „Titanic“ von James Cameron der Fall: Alle schwĂ€rmten von dem Film, die Medien waren voll von Bildern und Interviews mit den Stars und die Leute sagten: „Was, den kennst du noch nicht? Musst du unbedingt sehen!“ „Ich muss gar nichts!“, antwortete oder dachte ich wenigstens. Und schließlich hasste ich den Film, ohne ihn zu kennen - nur weil er ein Mainstream-Kleinod war. Aber wenn die Massen nicht automatisch Recht haben, so haben sie auch nicht automatisch unrecht. Man muss nicht nur von der öffentlichen Meinung unabhĂ€ngig sein, sondern darf sich auch nicht scheuen, sich ihr nach eigener PrĂŒfung anzuschließen.
Genau das ist der Punkt: Man sollte immer unabhĂ€ngig sein in dem, was man denkt, und in dem, was man sagt und tut, wenigstens meistens. Und da die öffentliche Meinung heutzutage leider selten eine Symphonie vieler unabhĂ€ngig gebildeter Ansichten, sondern eine von Wenigen gebildete und von Vielen nachgeplapperte Meinung ist, nenne ich solche Menschen, die sich ihre Meinung selbst erdenken - und damit meistens von der öffentlichen abweichen - eben „Abweichler“.


Zu den Waffen!

!! Achtung: Metaphern und symbolische AusdrĂŒcke voraus !!


Kameradinnen und Kameraden,

ihr seid jetzt mit eurer Mission vertraut. Ich hoffe, ich habe euch die Lage auf dem Schlachtfeld ausreichend detailliert geschildert, und ich hoffe, meine Informantionen sind alle korrekt; denn wenn wir erst einmal da draußen sind, ist keine Zeit mehr fĂŒr eine Lagebesprechung. FĂŒr einen RĂŒckzug ist es zu spĂ€t, und wenn wir keinen Erfolg haben, wird dies wahrscheinlich die letzte Schlacht gewesen sein.
Ich weiß, dass ihr Angst habt; mir geht es nicht anders. Aber grĂ¶ĂŸer ist meine Angst davor, was mit dieser Welt passiert, wenn wir nicht kĂ€mpfen. Ich bin schon auf verschiedenen Schlachtfeldern gewesen, von denen einige inzwischen verlassene, verrufene Blutacker sind. Auf anderen tobt der Kampf unverĂ€ndert weiter - andere KĂ€mpfer, aber die gleiche Verzweiflung, der gleiche Hohn und die gleichen traurigen Verluste. Schon mehrere alte Kameradinnen und Kameraden, auf die ich große Hoffnungen gesetzt hatte, haben die Hunde des Krieges verschlungen, bevor sie ĂŒberhaupt erkennen konnten, worum es wirklich geht in diesem makabren Konflikt. Es ist wie in einem schlechten Horrorfilm: Der Feind hetzt unsere eigenen Gefallenen gegen uns. Dann wird es besonders schmerzhaft; denn wir mĂŒssen unsere Hand gegen die Gesichter erheben, mit denen wir zusammen gelacht und geweint haben. Ich weiß nicht, was in meinen ehemaligen Kameraden und jetzigen Feinden vorgeht, ob und was sie denken und fĂŒhlen. Ich frage mich, ob sie ĂŒberhaupt je meine Kameraden waren, oder ob das Gift schon immer in ihren Adern floß und sie mich (und sich selbst) nur getĂ€uscht haben. Aber ich weiß, dass ich die Erinnerungen an ihre Kameradschaft(?) wie einen schönen Traum verdrĂ€ngen muss, wenn sie vor mir stehen und es heißt: du oder ich!
Auch weiß ich nicht, ob es möglich ist einen Gefallenen zurĂŒckzuholen. Es bleibt jedem selbst ĂŒberlassen, ob der Versuch die Gefahr wert ist.
Wenn ihr gleich da draußen seid und um euch herum Schreie gellen, wenn die Existenzen, die ihr innerhalb weniger Sekunden vernichtet habt, euch verfolgen, wenn ihr in hasserfĂŒllte Augen blickt, wenn ihr in der Ferne einen Kameraden zusammenbrechen seht, dann bleibt gefasst und bleibt menschlich. Ihr kĂ€mpft, um unsere Ideale zu verteidigen, nicht um eure Wut im QuĂ€len der Gegner zu besĂ€nftigen.
Nicht Raserei und blinde Zerstörung wird diesen Tag zu unseren Gunsten entscheiden, sondern Besonnenheit, Mut, ZÀhigkeit und Einfallsreichtum.
Wenn wir heute einen Sieg erringen, muss uns das vorerst genĂŒgen. Wir mĂŒssen uns damit abfinden, dass kaum jemand uns als Helden feiern wird. Die Gewissheit, dass wir gerecht handeln, muss uns Belohnung genug sein. Wenn ihr euch dem Wankelmut der Leute aussetzt und euch als Held feiern lasst, habt ihr schon fast verloren. Denkt daran: Hochmut kommt vor dem Fall. Und so schnell, wie man zum Idol der Massen wird, kann man auch wieder in Ungnade fallen. Hört euch an, was die Menschen zu sagen haben, seid unabhĂ€ngig von ihrer Meinung aber niemals so stur, ĂŒber einen Ratschlag nicht wenigstens nachzudenken, auch wenn er absurd erscheint.

Und nun ist es soweit. Die Dinge werden ihren Lauf nehmen und es nĂŒtzt nichts mehr, mit dem Schicksal zu hadern. Seid zuversichtlich, beherzigt meine Worte und denkt euch euren Teil. Ihr seid auf euch gestellt und vielleicht sehen wir uns nicht wieder. Gott ist auf eurer Seite - hoffentlich seid ihr auch auf seiner.

Diesen Text habe ich zwischen Abschluss des Gymnasiums und Beginn des Zivildienstes geschrieben (neben anderen BeschÀftigungen).Claus Helge Godbersen, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.04.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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