Natürlich ging es um eine Frau. Ich sehe selbst jetzt noch keinen anderen Grund warum ein junger Mann eine so große Dummheit begehen sollte wie ich wenn nicht wegen einer Frau.
Ich habe sie vom ersten Augenblick an geliebt, wie sie so vor mir stand als mein Cousin sie mir damals auf der Party vorgestellt hat. Sie war so wunderschön. Ihr Haar glänzte golden im Scheinwerferlicht, sie hatte die wundervollsten Augen die ich jemals gesehen hatte und ihr Lächeln war so umwerfend das es Kriege auslösen konnte. Welch bittere Ironie das mir dieser Gedanke jetzt kommt. Ihr Name war Louise.
Wie schon gesagt, es war Liebe auf den ersten Blick. Wir verstanden uns sofort, es war wie vorherbestimmt. Ich ging ein paar mal mit ihr aus und dann küssten wir uns das erste Mal. Es war wie ein Blitzschlag in meinem Kopf, ein Feuer in meinem Bauch, ein Erdbeben in meinen Beinen und ich wusste sofort das ich den Rest meines Lebens mit dieser Frau verbringen wollte. Doch es sollte anders kommen und auch wiederum nicht. Von da an waren wir beide ein Paar. Wir taten alles zusammen, es gab nichts was wir nicht von dem anderen wussten, es war der Himmel auf Erden.
Verflucht sei der Abend als ich mit ihr in unser beiden Lieblingsdiscothek ging. Wir waren so verliebt. Sie hatte sich so sehr auf diese Nacht gefreut, genau wie ich. Nach dem Tanzen und Feiern wollte sie bei mir übernachten und wir wollten das allererste mal miteinander schlafen.
Versteht mich nicht falsch, ich war keine Jungfrau mehr und sie auch nicht, aber wir hatten es noch nie miteinander getan. Wir wollten uns Zeit lassen. Es fühlte sich richtig an zu warten. Ich wusste das es bei dieser Frau das Richtige war. Wie sehr ich mich selbst nun für diese Entscheidung hasse!
Sie war glücklich in der Nacht, gradezu ausgelassen. Wir tanzten zu unseren Lieblingshits, tranken und lachten den ganzen Abend. Wir hatten Spaß, es war perfekt.
Doch er ruinierte alles.
Ich war an der Bar gewesen um die nächste Runde Getränke zu holen, drehte mich um und sie war verschwunden. Ich dachte das sie vielleicht nur auf der Toilette sei, setzte mich an unseren Tisch und wartete geduldig. Als sie nach einer halben Stunde noch nicht wieder da war begann ich mich zu sorgen und fing an sie zu suchen. Meine Suche nach ihr führte mich schlussendlich auf einen Durchgang im zweiten Stock von dem aus man Blick auf die Tanzfläche hatte. In diesem Moment brach für mich eine Welt zusammen. Meine Knie wurden weich und mein Magen zog sich zusammen als würde er versuchen sich möglichst tief in mir zu verkriechen. Plötzlich war ich schweißgebadet. Übelkeit kroch in mir hervor und überwältigte mich. Mir wurde schwindelig, so sehr das ich mich festhalten musste um nicht zu stürzen.
Sie tanzte mit einem anderen Mann.
Das war an sich ja in Ordnung, aber die Art und Weise wie sie gegangen war und die Tatsache das sie mir nichts gesagt hatte rückten das ganze in ein anderes Licht. Ich war rasend eifersüchtig. Ein Gefühl welches ich bei ihr nie gehabt hatte, es gab einfach keinen Anlass. Doch dieser Kerl, er war anders. Er tanzte wie ein junger Gott und sah blendend aus. Sein Lächeln, wie er meine Louise anlächelte, dem konnte selbst ich mich nicht entziehen. Der musste einem einfach sympathisch sein.
Ich eilte hinunter, drängte mich auf die Tanzfläche und stellte mich einfach dazu.
Ich möchte nicht auf Details eingehen. Nur soviel: Meine kläglichen Versuche die Situation zu retten scheiterten, sie ging mit ihm nach Hause und wir haben bis heute nicht miteinander geschlafen.
Ich halte mich kurz, sie hatte von da an immer weniger Zeit für mich und traf sich immer öfter mit ihm. Ich machte das ganze mit, wollte meine Beziehung ja schließlich retten. Mein Gott, wie sehr ich sie liebte.
Sie ging dazu über sich mit uns beiden zu treffen. Wie sehr ich diese Treffen hasste, doch mir blieb keine Wahl wenn ich sie überhaupt sehen, Zeit mit ihr verbringen wollte. Das ganze lief viel zu lange, man konnte uns schon fast als Paar im Dreieck bezeichnen.
Irgendwann stellte ich ihr ein Ultimatum, entweder sie würde ihn loswerden und für immer vergessen oder ich würde gehen. Sie fing sofort an zu weinen und gestand mir das sie uns beide lieben würde und das sie sich niemals zwischen uns entscheiden können würde.
Dies war der Moment in dem ich wusste was ich zu tun hatte. Ich rief ihn an, vereinbarte ein Treffen. Wir unterhielten uns lange, ich wollte das ganze vernünftig und erwachsen klären. Doch er lacht mich nur immer wieder aus, verhöhnte mich. Grade wollte ich gehen, da sagte er etwas das sich nach einer Lösung anhörte und mich gleichzeitig mit Angst erfüllte.
Er wollte sich mit mir duellieren.
Ich zögerte, hatte Bedenken. Sein erneuter Spott was für ein Feigling ich sei gab schließlich den Ausschlag. Mir wurde klar wie sehr ich ihn hasste und verachtete. Alle Bedenken waren wie weggewischt, ich stimmte zu.
Da er der Herausforderer war hatte ich die Wahl der Waffen. Sein Pech das er nicht wusste das ich bei der Armee war und zu den besten Pistolenschützen meiner gesamten Einheit gehört hatte. Die Waffen standen also fest.
Wir machten einen Tag und einen Treffpunkt aus und dann gingen wir schnellstmöglich wieder unserer Wege. Wir hassten uns bis aufs Blut.
Louise wusste nichts davon.
In den nächsten Tagen waren meine Gedanken nur noch von dem Duell ausgefüllt. Ich zitterte nicht, hatte keine Angst. Nur Vorfreude es diesem Mistkerl endlich heimzahlen zu dürfen. Ich wollte mich rächen. Er hatte meine perfekte Beziehung zerstört, mein Leben ruiniert. Jede Nacht schlief ich wie ein Stein, träumte von dem Duell, von seinem Tod.
Dann war endlich der Tag der Entscheidung gekommen.
Wir standen uns gegenüber, jeder eine Pistole in der Hand, der Blick hasserfüllt auf die Augen des Anderen gerichtet. Ein Penner den wir angeheuert hatten stand zwischen uns und gab die Kommandos.
Auf seinen Befehl hin drehten wir uns um, er zählte bis zehn und bei jeder Zahl die er nannte machten wir beide einen Schritt auseinander. Als wir dann endlich bei zehn waren standen wir beide für ca. drei Sekunden still, mit dem Rücken zueinander. Man konnte die Anspannung förmlich schmecken. Ich wurde plötzlich vollkommen ruhig, wusste das alles gut werden würde und alle Sorgen waren von meinen Schultern genommen.
Der Penner bellte das Kommando zum umdrehen und ich wirbelte herum, zielte auf den Kopf meines Rivalen und begann den Finger um den Abzug meiner Waffe zu krümmen.
Ein höllischer Knall zerriss die Luft, mein Körper wurde nach hinten geschleudert und erfuhr den grössten Schreck meines Lebens. Ich war getroffen. Der erste Schmerz den ich spürte war ein dumpfers Aufklatschen am Hinterkopf als ich auf dem Boden aufschlug. Der Einschuss tat nicht weh.
Ich drehte meinen Kopf, sah den Penner flüchten. Sollte er doch abhauen, mir war es egal. Dann stand plötzlich mein Widersacher über mir. Er hatte den Ausdruck eines Siegers aufgesetzt. Sein hämisches Grinsen reichte ihm über das ganze Gesicht.
Er erzählte mir das er Louise bescheid gesagt hatte bevor er hergekommen war damit sie seinen Sieg mit ihm Feiern können würde. Da hörte ich ihre liebreizende Stimme doch sie war verzerrt und zu einem Schrei gedehnt. Meine geliebte Louise war gekommen, hatte gemerkt was geschehen war, rannte auf uns zu.
Sie beugte sich über mich, Tränen in den Augen.
Nur mich habe sie immer geliebt sagte sie, er wäre nur ein Abenteuer gewesen. Sie habe erkannt das es keine wahre Liebe sei. Ihr Hände waren voller Blut, meinem Blut. Das letzte was ich in meinem Leben sah war meine Louise wie sie diesen unsäglichen Mistkerl zum Teufel jagte. Gott, wie sehr ich sie liebe...
Vorheriger TitelNächster TitelDies ist meine vierte oder fuenfte geschichte die ich geschrieben habe und ich finde es ist auf jeden fall eine meiner besten.
ich lass mich natuerlich gerne vom gegenteil ueberzeugen.
konstruktive kritik, egal ob positiv oder negativ, ist gerne willkommen.Matthias Evers, Anmerkung zur Geschichte
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2004.
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