Kapitel 1
Seit Stunden wartete er nun schonhier oben im dritten Stock, sein Heckler und Koch PSG1 umklammert wie eine Geliebte, und wartete. Wartete auf den richtigen Moment sein Ziel endlich auszuschalten.
Er hatte nun seit einer halben Stunde keine einzige Erdnuss mehr gegessen. Langsam begann er zu zittern. Das könnte ihm alles versauen.
Hatte er im Fenster gegenüber nicht grade eine Bewegung gesehen?
Verdammt, ihm blieb keine Zeit mehr für Erdnüsse. Seine Zielperson war eben erst aufgestanden, sobald er ins Bad gehen würde hätte er ein klares Schussfeld. Wenn seine Hände nicht so zittern würden. Er brauchte eine Erdnuss, am besten eine ganze Hand voll. das Zittern machte ihn wahnsinnig.
Da, sein Ziel bewegte sich Richtung Bad. Das Zittern unterdrückend versuchte er sein Ziel zu erfassen und gleichzeitig den Verschluss seines Präzisionsgewehres nach hinten zu ziehen. Er hatte die Waffe nun geladen, war zum Schuss bereit.
Der dicke, glatzköpfige Mann wusste nichteinmal was ihm geschehen war als er tödlich getroffen auf der Toilette zusammenbrach. Mit einem letzten Blick durch sein 6x42 Hensoldt Zielfernrohr versicherte er sich das der Mann auch wirklich tod war.
Es amüsierte ihn irgendwie das der Mann mit dem Kopf in der Badewanne lag, sein nacktes Hinterteil zu einem letzten stummen Gruß an jeden erhoben der durch die Badezimmertür kam. Würde eine lustige Überraschung sein für die arme Nutte die noch schlafend in seinem Bett lag.
Nun musste er nur noch den Dreifuss von seinem Gewehr abmontieren und das Ganze dann in seinen Gewehrkoffer packen und verschwinden. Er hatte grade den Koffer zugeklappt als er Schritte hinter sich auf der Treppe vernahm.
“Verdammter Mist, nicht schon wieder. Ich hab keine Zeit für diese Scheisse.“ sagte er mehr zu sich selbst und zog seine UZI Pistolenversion aus dem Holster unter seinem linken Arm. Einen leisen und sauberen Abgang hätte er bevorzugt.
Im selben Moment in dem er sich hinter einer Kiste versteckt hatte flog die Tür zum Treppenhaus auf. Die ersten drei schwerbewaffneten Männer die reinkamen wurden von der ersten Salve seiner Maschinenpistole niedergestreckt. Seltsamerweise blieb einer von ihnen über einer Kiste liegen, mit dem Hintern nach oben und dem Kopf nach vorne.
“Was zum Geier ist das für ein Zufall?“ dachte unser Scharfschütze ziemlich erstaunt.
Nachdem er zwei weitere reinstürmende niedergemäht hatte hörte er eine Stimme von draussen rufen.
“Diesesmal krieg ich dich White, du hast keine Chance! Gib auf oder stirb!“
White begann zu seufzen. Er hatte sich das schon gedacht, es konnte nur einen geben der es immer wieder versuchte. Henry Griffin, der wohl erfolgloseste Profikiller auf diesem Planeten. Ausserdem war er ein ziemlicher Schwachkopf fand White.
Warum versuchte dieser Idiot es nur immer wieder? Gott, er wünschte sich so sehr ein paar Erdnüsse.
“Verdammt man, gibst du denn nie auf? Geh freiwillig sonst muss ich wieder auf dich schiessen. Und diesmal treff ich dich auch. Du hast drei beschissene Sekunden!“
White vernahm ein leises Lachen aus dem Treppenhaus.
“Ich werde dich holen und wenn ich dich habe werd ich dich foltern. Ich hoffe du weisst das!“
“Jemandem einen angeleckten Finger ins Ohr stecken zählt nicht zu den gängigen Foltermethoden.“
“Was weisst du denn schon? Du hast es einfach nicht drauf!“
“Dann soll es sein!“
White zählte langsam bis drei, sprang seitwärts aus seiner Deckung und gab etwas Sperrfeuer auf die Tür. Mit zwei langen Schritten stand er auch schon daneben und wartete.
Nach ca. vier Sekunden steckte dieser unsägliche Griffin seinen kahlen Schädel durch die Tür und schneller als er es je hätte sehen können hatte White ihn auch schon im Schwitzkasten.
“Na kleiner, gibst du auf?“
Nur ein Husten als Antwort. White verlor die Geduld.
“Hättest du gerne ein wenig von deiner eigenen Medizin?“
“Gnuaarrgghh!“
“Das hört sich doch nach einer Zustimmung an.“
Mit einem hämischen Grinsen leckte er sich den kleinen Finger seiner rechten Hand an, steckte ihn genüsslich ins rechte Ohr von Griffin und drehte ihn.
“Na, gefällt dir das?“
Das Lachen konnte er sich nur schwer unterdrücken doch Griffin schien unter Höllenqualen zu leiden. Seine Schreie waren so laut das hier warscheinlich bald jede Menge Polizie auftauchen würde. Er beschloss das es genug war.
“Sanfte Träume, lass dir das eine Lehre sein.“
Mit einem Schlag auf den Hinterkopf, und dem professionell aussehendem Auffangen des Gesichtes mit seinem Knie, schickte er seinen leidenden Widersacher ins Reich der Träume. Um ihn würde er sich an einem anderen Tag kümmern müssen. Griffin war keine wirkliche Gefahr aber seine (an Suizid grenzenden) Mordversuche wurden langsam zu einer nervigen Angelegenheit. Seit die konkurrierende Gesellschaft ihn darauf angesetzt hatte White unschädlich zu machen war jeder neue Auftrag ein noch größeres Glücksspiel geworden. Sollte Griffin einmal zu früh einen Versuch starten ihn zu töten und somit seinen Auftrag versauen würde er ihn umbringen müssen.
Aber momentan hatte die Flucht oberste Priorität. Er packte seinen Koffer und rannte so schnell er konnte aus der Tür nach draussen.
Kapitel 2
Nachdem er eine ganze Familienpackung Erdnüsse in sich reingeschaufelt hatte machte er sich auf den Weg zur Gesellschaft. Der Anruf seines Bosses, er solle sich sofort bei ihm melden, hatte verdammt dringend geklungen. Nun stand er vor dem geheimen Eingang zu seinem Arbeitgeber. Er betrat den Laden für original Bayrisches Partyzubehör jedesmal mit großem Widerwillen. Konnte die Gesellschaft sich nicht endlich eine vernünftigere Tarnung zulegen? Wenigstens hielten sich hier so gut wie nie Kunden auf, und diejenigen die ab und zu hier einkauften waren viel zu geistig verwirrt um irgendwelche Rückschlüsse ziehen zu können.
Er trat an den Tresen und betrachtete die Bedienung. Eine alternde Frau, Mitte bis Ende Vierzig, im Dirndel. Der wohl lächerlichste Anblick den er sich vorstellen konnte. Dieser Eindruck wurde noch durch ihre dicke Hornbrille und ihre extrem fettige Haut verstärkt.
“Lass mich rein Josey, du müsstest mich mitterlweile doch kennen.“
“Entschuldigen sie Sir, ich weiß leider nicht was sie meinen.“
“Komm schon, müssen wir das wirklich jedesmal durchkauen?“
“Sir, ich weiß nicht was sie meinen. Wir haben nur was sie in den Regalen sehen. Ich kann sie gerne beraten wenn sie möchten. Interessieren sie sich vielleicht für einen original bayrischen Trachtenanzug aus echtem Wildleder? Ich hätte da genau das passende Model für sie, ich hole es schnell.“
“JOSEY!!!!!“
Ihr Gesicht verfinstere sich und sie wirkte augenblicklich gar nicht mehr freundlich. Sie machte einen sehr enttäuschten Eindruck.
“Sie müssen nicht gleich grob werden Sir. Manche Menschen sind leicht zu verletzen.“
White seufzte laut. Dann eben das gleiche herabwürdigende Ritual wie jeden Tag.
“Entschuldigen sie Madam, haben sie vielleicht eine spezielle Lederhose? Ich suche sie schon sehr lange. Sie ist kackbraun und hat große gelbe Knöpfe, Größe M.“
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen hellte sich ihr Gesicht auf und ein Lächeln voller Erleicherung umspielte ihre Lippen.
“Ich glaube ich weiß was sie meinen, einen Moment bitte.“
Sie verschwand im Lagerraum und kam mit einer ziemlich abgegriffenen, kackbraunen Lederhose zurück.
Die Gesellschaft könnte wenigstens endlich eine andere Hose nehmen, diese hier war bestimmt schon zehn Jahre alt und hatte überall Löcher.
Josey führte ihn zu den Umkleidekabinen in den hintere Teil des Ladens und deutete mit einem Zwinkern auf die Mittlere der drei Kabinen. Nachdem er den Vorhang zugezogen hatte suchte er in der rechten Tasche der Lederhose und zog eine Chipkarte heraus.
Wie jeden Tag in den letzten zehn Jahren bückte er sich unter die kleine Bank und führte die Karte in den passenden Kartenleser ein.
Eine Woge der Erleichterung überkam ihn als es kurz klickte und die gesamte Rückwand geräuschlos zur Seite glitt. Er trat durch die nun entstandende Tür und augenblicklich schlug die Wand hinter ihm mit einem lauten Knall wieder zu.
Erschreckt zuckte er zusammen. Daran würde er sich wohl nie gewöhnen. Zum wiederholten Male dankte er stumm dafür das die Sorte Menschen die zur Polizei gingen und von Leuten berichteten die mit lautem Geknalle in Umkleidekabinen verschwinden ausgelacht und verspottet wurden.
Als der Fahrstuhl in dem er sich nun befand lautlos nach unten glitt versuchte er zu berechnen wie oft die Gesellschaft in den ganzen Jahren schon aufgeflogen wäre wenn dem nicht so wäre.
Mit einem Ruck kam die Kabine zum stehen und die Fahrstuhltüren glitten auf.
Endlich befand er sich im Bürokomplex der Gesellschaft. Sein Weg führte ihn als erstes an den Schreibtischen seiner Kollegen vorbei direkt zum Büro des Bosses.
Er klopfte zaghaft an die Tür zum Warteraum an.
“Herein! Schwanz, Arsch, Drecksau!“
Die liebliche Stimmte von Viola, Carlos Washingtons Sekretärin. White fand sie wunderschön. Er stand in der Tür und starrte sie einfach nur an. Sie hatte schulterlanges, brünettes Haar, einen süßen Schmollmund, die perfekte Figur und einen wirklich klasse Hintern. White konnte sich nicht helfen, er war hoffnungslos in sie verliebt. Das einzig negative an ihr war das sie am Tourettesyndrom litt. Doch das war ihm egal irgendwas ist ja immer.
“Hi Viola! Ich soll mich bei Mr. Washington melden Er sagt es sei driiiiiiiiiiiiiingend.“ flötete er ihr entgegen.
“Lass die Scheisse Marc, du weisst das ich verheiratet bin. Du hast keine Chance. Mistschweinarschlochhurensohn!!!!!! Mr. Washington hat momentan keine Zeit, er ist in einer Besprechung.“
Das Wort Besprechung räusperte sie irgendwie und dabei errötete sie leicht.
“Aber du kannst hier warten SCHEISSEMISTSAUARSCHFICKER(!!!), es dauert sicher nicht lange.“
White wolle sich grade setzen als ihm auffiel das noch jemand in dem Raum war. Es war ein sehr junger Mann, vielleicht grade einemal achtzehn Jahre alt. Er hatte sogar noch rote Sommersprossen im gesamten Gesicht. Die hohe Menge davon war faszinierend. White setzte sich und blätterte in den Zeitschriften die dort lagen, zwang sich nicht auf die Sommersprossen zu starren. Irgendwie kam er sich vor wie in dem Wartezimmer seines Zahnarztes. Der Gedanke beunruhigte ihn.
Pötzlich sprang die Tür auf und eine leichtbekleidete Schönheit kam herausgerannt. Sie hatte ihre Bluse falsch herum an und in der Hand einen nicht unerheblichen Geldbetrag.
“Ich war das letzte Mal hier, sagen sie meiner Agentur das ich gekündigt habe!“ schrie sie noch während sie rannte. Sie schien es wirklich eilig zu haben.
“Der Boss hat jetzt Zeit für dich Marc.“
Viola konnte sich das fiese Grinsen einfach nicht verkneifen, der Junge wurde rot und blickte beschämt zu Boden.
Lächelnd stand White auf und ging in das Büro. Sein Boss konnte einfach nicht von den Nutten lassen. Und irgendwie schaffte er es jedesmal das sie hinterher ihren Job aufgaben. Die ganze Gesellschaft spekulierte hinter seinem Rücken wie er das anstellte und was er wohl von ihnen verlangte. Sie würden es wohl nie rausbekommen. Die Wetten standen mittlerweile ziemlich hoch.
“HALLO MR. WHITE! SCHÖN DAS SIE ES GESCHAFFT HABEN! SETZEN SIE SICH DOCH!!!“
Mr. Washingtons Problem war das er seit einem Autounfall nur noch brüllen konnte. Da er durch das dauernde Schreien einen sehr trockenen Hals hatte trank er viel Wasser. Da führte dazu das er einen entweder anbrüllte oder sich auf der Toilette befand.
Das Positive daran wahr das es einem gleich sein konnte ob er sauer war oder nicht, da er sowieso brüllte und schrie.
“ICH HABE EINE SCHLECHTE NACHRICHT FÜR SIE MEIN LIEBER! SIE WERDEN AB HEUTE NICHT MEHR ALLEINE ARBEITEN! MIR IST BEWUSST DAS SIE LIEBER AUF SICH ALLEIN GESTELLT SIND ABER DAS IST AB HEUTE NICHT MEHR MÖGLICH! VIOLA, WÜRDEN SIE BITTE MR. HICKS REINSCHICKEN?!“
White drehte sich um und durch die Tür kam der Junge mit den Sommersprossen.
“DARF ICH VORSTELLEN, STEVEN HICKS, IHR AUSZUBLDENDER!“
Der Junge gab ihm die Hand.
“Angenehm. Sie sind bestimmt Marc White, der berühmte Profikiller. Der Beste wie ich gehört habe?“
“Ja, in der Tat das bin ich. Boss, ich bitte sie. Ein Auszubildender? Wir sind doch keine Bäckerei. Ausserdem muss ich noch diverse Überstunden abbauen. Seit wir das neue Gleitzeitsystem haben sind davon jede Menge aufgetaucht.“
“DAS IST MIR BEWUSST, DOCH MEINE ENTSCHEIDUNG STEHT FEST! SIE WERDEN STEVEN AUSBILDEN! DAS IST MEIN LETZTES WORT! SEHEN SIE ES ALS STRAFE DAS SIE IMMERNOCH NICHT MIT IHREM ERDNUSSPROBLEM FERTIG GEWORDEN SIND! UND JETZT ZEIGEN SIE IHM SEINEN NEUEN ARBEITSPLATZ!! UND VERGESSEN SIE DAS MIT DEN ÜBERSTUNDEN, DIE NEHMEN SIE EIN ANDERNMAL!!“
White ärgerte sich, er hatte sich schon so sehr auf ein wenig Freizeit gefreut. Stattdessen hatte er jetzt einen Auszubildenden am Bein.
Der Tag war nicht mehr zu retten.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.04.2004.
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Die Leiden Unschuldiger im Kosovokrieg und anderswo
von Heidrun Gemähling
Sie erfahren, warum es immer Kriege gibt und wer sie eines Tages beseitigen wird, wenn die Verheißungen der Bibel zur Wirklichkeit werden. Ein Trost für alle unschuldig Leidenden oder diejenigen, die gerne nach einer Alternative in den Wirren unserer Zeit suchen.
Ich habe vom Frühjahr bis Sommer 1999 und darüber hinaus das Flüchtlingselend während des Kosovokrieges in den MEDIEN verfolgt und es in dokumentarischen Gedichten festgehalten.
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