Sabine Pöhlmann

Telefonliebe

Es klingelt. Ich schaue auf das Display meines Telefons. Du bist es. Mein Herz
klopft schneller. Ich reiße den Hörer an mich: „Hallo, Stefan, was gibt es?“
Deine Stimme ertönt: „Hast du schon die letzte Mitteilung erhalten über...“
Ich kann mich nicht auf die Sätze konzentrieren. Wie immer rufst du mich nur
wegen dienstlicher Sachen an. Ich wünschte mir, es wäre mehr zwischen uns.
Deine Worte fliegen ungehört an mir vorbei. Deine Stimme ist so vertraut und
warm. Dein Lachen betört mich immer wieder...
„Hey, was ist los? Angie, was sagst du nun dazu?“
Oh, ich habe überhaupt nichts verstanden. Ich war in meinen Gedanken so weit
weg und doch so nah bei ihm. „Entschuldige, ich war gerade etwas abgelenkt?
Was wolltest du wissen?“
„Also weißt du, ich fange jetzt nicht noch mal von vorne an!“ Ich sehe dein
enttäuschtes Gesicht vor mir. Du legst dabei sicherlich wieder deine Stirn in
Falten. Gerne würde ich dir jetzt sanft deine Traurigkeit aus den Augen küssen.
„Aaannngggie, verdammt noch mal, das ist aber heute eine sehr einseitige
Kommunikation!“
„Bitte, bitte, entschuldige. Ich weiß auch nicht was heute mit mir los ist. Können
wir die Sache nicht später klären?“
Ich höre ein leise geknurrtes: „Na gut.“
Ich will dich nicht verstimmen, also versuche ich meine Gedanken zu sammeln
und wie immer zu unserem verspielten freundschaftlichen Geplänkel
zurückzufinden.
„Also, dann hören wir uns später wieder. Und sei jetzt nicht muffelig, du weißt
das mögen die Mädels nicht. Ich erzähle dir dann auch, wie ich dieses
Wochenende mit Thomas plane. Tschüß.“
Ich lege den Hörer auf, etwas komisch klingt noch dein Abschiedsgruß nach:
„Na, dann...“.
Puuh, gerade noch die Kurve gekriegt. Nie darf er erfahren, was ich wirklich
für ihn empfinde. Wir haben beide feste Partner.
Unglückliche Zweisamkeiten? Sicherlich nicht.
Aber trotzdem sehne ich mich nach ihm, fehlt er mir.
Meine Kollegin und zudem beste Freundin, Sonja, betritt den Raum.
„Hast du schon die neueste Mitteilung von dem Wettbewerb gelesen?“
Was wollen heute nur alle von mir?
„Nein, was ist denn so besonderes daran?“
„Na ja, Stefan hat gewonnen und der erste Preis ist ein Wochenende in Rom
für zwei Personen. Der Micha, der zusammen mit Stefan arbeitet, hat mir erzählt,
dass Stefan sich von seiner Frau getrennt hat und dass er eine andere, die er aber
nicht verrät, mitnehmen möchte. Und stell dir vor: DIE GLÜCKLICHE weiß noch
nichts davon. Er wollte sie erst heute telefonisch fragen und hat sich dabei Micha
gegenüber so seltsam ausgedrückt: Er ist sich nicht sicher, ob sie überhaupt will.
Na, sind das nicht nennenswerte Neuigkeiten?“
Habe ich noch Farbe im Gesicht? Kann es sein...?
„Hey Angie, was ist mir dir? Ist dir schlecht?“
„Nein, nein, alles in Ordnung. Aber bitte entschuldige mich jetzt. Ich muss
dringend telefonieren.“
„Okay, dann schaue ich mal zu Micha, vielleicht weiß er ja schon weitere Details.“
Meine Finger zittern, ich hole tief Luft, drücke deine Durchwahl, es klingelt...
Sekunden? Minuten?
„Hallo Angie, hast du etwas vergessen?“ Deine Stimme, es nimmt mir die Luft.
Klingst du ärgerlich? Verstimmt? Freudig? „Nein, aber ich habe gerade etwas Zeit.
Also, was wolltest du mir sagen?“ Ich werde auf jedes Wort lauschen, werde jede
Nuance in mich einsaugen... „Es ist nicht mehr so wichtig. Weißt du ich habe
diesen Wettbewerb gewonnen und wollte eigentlich,...“ War ich das, der gerade
ein höchst erregtes „Ja????“ an Stefan gerichtet hat? „...es ist mir fast peinlich,
dich fragen, ob du meinst, dass..ähmm...Connie mit mir fahren würde?“
Beinahe hätte ich den Hörer fallen gelassen, jetzt starre ich dieses Plastikteil nur an.
Gedanken wirbeln. Connie? Connie! Mich fragen !!
Aus weiter Ferne höre ich dich: „Aaaannnngggiiiie!!! Mein Gott, was ist nur heute
mit dir los?“
Ich stammle: “Nichts.“
Kurzes Luftholen, zeig es nicht, zeig es nicht.
„Die Connie? Und was ist mit deiner Frau?“
„Ich hatte dir schon vor einigen Monaten gesagt, dass wir uns sehr häufig streiten,
versöhnen, streiten... Nur jetzt bleiben die Versöhnungen aus, so dass wir uns in
aller Freundschaft trennten.“
„Aber wie kommst du auf die Connie?“
„Nur so. Sag mal, du klingst so seltsam. Wirst du krank? Da wird Thomas dich am
Wochenende pflegen müssen!“
Thomas, wer ist Thomas? Ich bringe bestimmt keinen Ton mehr heraus.
Irgendetwas läuft meine Wange herab. Nass, salzig...
„Aber eigentlich hat sich das schon erledigt. Nach unserem letzten Gespräch habe
ich direkt Connie angerufen und sie hat zugesagt. Zwei verletzte Seelen haben sich
gefunden...“
Zwei verletzte Seelen... Was ist mit meiner Seele?
„Na dann, wünsche ich dir viel Spaß. Ich muss jetzt was tun, bis bald.“
Der Hörer fliegt auf das Telefon.
Die Sintflut bricht los. Ich versuche mich zu fangen. Schließlich kann jeden
Moment die Tür aufgehen und ein Kollege zu mir kommen. Es gelingt mir
einigermaßen. Nach zwei Stunden zeugt nur noch der Abfall, mit den vielen
Taschentüchern, von dem Unglück. Und mein zerbrochenes Herz und die
Kopfschmerzen, aber die sieht man, Gott sei Dank, nicht.
Die Tür fliegt auf. Sonja. Auch das noch...
„Große Neuigkeiten!!!“
„Sonja, nicht jetzt, bitte!“
„Mein Gott, da draußen tobt der Bär und du versauerst in deinem Kämmerlein!
Ich muss das los werden...“
„Stefan hat Connie gefragt und sie fahren zusammen nach Rom, ich weiß.“
Mein Kopf tobt. Stefan. Meine mühsam erkämpfte Fassung droht zusammen-
zubrechen.
Die Enttäuschung ist Sonja anzusehen.
„Ach, ihr habt schon wieder miteinander telefoniert. Dir kann man aber auch
nichts Neues über Stefan erzählen. Jetzt gehe ich eine Tür weiter, da sitzt
Maria, die ist bestimmt ganz versessen darauf, die ganze Geschichte zu hören.“
Und weg ist sie.

Sonja stürmt in das Zimmer von Maria. „Hallo Maria, du wirst es nicht glauben,
aber unser Sunnyboy Stefan hat heute einen Korb gekriegt. Ich weiß zwar noch
nicht von wem, aber ich garantiere dir, das finde ich auch noch heraus...“

Danke Sonja, es war ein wunderschönes, unvergessliches Wochenende in Rom.
Thomas war sehr verständnisvoll. Ich wünsche ihm von ganzen Herzen, dass
auch er bald die einzigartige Macht der Liebe findet.
Stefan liegt neben mir und schläft. Ich lausche seinen regelmäßigen Atemzügen.
Das Leben ist schön.
Angie.

Hallo liebe Leser,
ja, es ist Kitsch, aber ich liieeebeee Kitsch.
Trotzdem würde ich mich über eure Kritik freuen, nur
seid einem Anfänger gegenüber nicht gar so hart und
herzlos.
Danke.
Sabine.
Sabine Pöhlmann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.04.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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